Posts Tagged ‘Wetten dass’

November 20th, 2011

Wetten, dass das ZDF niemanden findet?

Thomas Gottschalk macht Schluss. Aber wer soll es nun richten? Foto: dpa

Thomas Gottschalk macht Schluss. Aber wer soll es nun richten? Foto: dpa

Oder vielleicht doch? Fest steht, dass es jetzt langsam eng wird für’s ZDF. Die Suche nach einem “Wetten, dass..?”-Nachfolger für Plauderkönig Thomas Gottschalk nimmt nun schon absurde Züge an.

Hape mag nicht, Anke wegen Late-Night-Traumas auch nicht, Carsten Spengemann (“mag gerne Gummibärchen”) bewirbt sich schriftlich via Bild-Zeitung, ein Scherzbold schlägt Jopie Heesters vor – wegen der Nähe zur Zielgruppe.  Auch meine persönliche Favoritin Barbara Schöneberger hat vorsichtshalber lieber abgesagt.

Ich bleibe dabei – konsequent wäre es, die Sendung einfach in Würde einzustellen. Ohne Thomas Gottschalk kann sich das Flaggschiff doch ohnehin niemand vorstellen.

Februar 12th, 2011

Auf Wiedersehen, Thomas Gottschalk

So, nun ist es amtlich: Thomas Gottschalk hört nach der Sommerausgabe bei “Wetten, dass..?” auf. “Schluss mit lustig”, befand der Entertainer bei der 193. Ausgabe der ZDF-Sendung, die ihr 30. Jubiläum feierte. 25 Jahre lang moderierte der Franke das Flaggschiff der Samstagabend-Unterhaltung. Und will nach dem schweren Unfall  in der letzten Sendung nicht mehr weitermachen.

Ich habe eben tief in mich reingehört und muss sagen: Das geht so in Ordnung. Und zwar nicht wegen des Unglücks, sondern weil die Zeiten der großen Samstagabend-Familienshow einfach gezählt sind. Ohne Gottschalk sowieso. Von daher: Wenn es jetzt schon leider so weit kommt, dass der untrennbar mit dem Format verbundene Moderator die Segel streicht, dann sollte man die Sendung konsequenterweise gleich mit beerdigen. Was das ZDF aber offenbar nicht vorhat. Für Gottschalk bleibt der Rückzug bitter: Man sollte ja nicht aufhören, wenn es am schlimmsten, sondern am schönsten ist. Schade.

Dezember 6th, 2010

Das Leben ist ein Risiko

Ein geschockter Thomas Gottschalk. Foto: dpa

Ein geschockter Thomas Gottschalk. Foto: dpa

Der Schreck sitzt allen noch in den Knochen: Der Unfall bei der letzten “Wetten, dass…?”-Sendung sorgt auch zwei Tage danach noch für Unmut, Aufruhr und Entsetzen. Denn jetzt will es wieder keiner gewesen sein. Jahrelang wurde Thomas Gottschalk vorgeworfen, langweilig die immer gleichen Wetten zu präsentieren, in denen irgendjemand Dosenfutter am Geschmack erkennt oder am Geräusch, dass es macht, wenn sich die Dogge daran zu schaffen macht. Dabei waren das immer die witzigsten. Das heißt natürlich nicht unbedingt, dass das ZDF als Gegenprogramm spektakuläre Kamikaze-Wetten ins Programm nehmen muss. Aber die Mischung macht’s doch, wie so oft im Leben.

Dass das irgendwann einmal schief gehen musste, war fast zu erwarten. Die totale Sicherheit gibt es eben einfach nicht. Was mit Samuel K. passiert ist, ist furchtbar. Aber das Risiko für solche Unfälle auszuschließen, das schaffen nicht einmal die öffentlich-rechtlichen Sender. Dem ZDF vorzuwerfen, es habe mit der Auto-Sprung-Nummer Quote machen wollen, greift zu kurz. Erstens steht das harmlose Familien-Flaggschiff im Zweiten als letzter im Verdacht, sinnlose Risiken einzugehen. Da sollte man lieber mal bei anderen Formaten anfangen.

Und zweitens: Natürlich will ein Sender Zuschauer zum Einschalten bewegen. Aber “Wetten, dass…?” erreicht das vor allem mit Stars und Sternchen. Take That gemeinsam mit Robbie Williams – deswegen versammeln sich Menschen am Samstagabend vor dem Fernsehapparat. Von den Wetten, die das Showprogramm garnieren, lässt man sich bestenfalls überraschen. Bislang sieht es nicht so aus, als können man wegen des tragischen Unfalls oder der Reaktion darauf irgendjemandem einen Vorwurf machen – und dabei sollte man es doch dann auch tunlichst belassen. Auch deswegen ist es richtig, die Sendung nicht einzustellen.

November 9th, 2009

Invasion der Goldlöckchen

Das darf sonst nur Udo Jürgens: Michelle Hunziker im Bademantel zeigt Thomas Gottschalk, wo's langgeht. Dabei weiß der das schon selbst. Foto: dpa

Das darf sonst nur Udo Jürgens: Michelle Hunziker im Bademantel zeigt Thomas Gottschalk, wo's langgeht. Dabei weiß der das schon selbst. Foto: dpa

Es ist schön zu sehen, dass manche Dinge sich dann doch nie ändern. “Wetten, dass…” und “Das Traumschiff” zum Beispiel. Ja, ich hab’ mir am Wochenende die volle Seichtigkeits-Familien-Kante gegeben. Nur, dass meine Familie zwar ziemlich wahrscheinlich gemeinsam das samstägliche ZDF-Quoten-Flaggschiff geguckt hat, allerdings getrennt voneinander an vier verschiedenen Orten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eins bleibt festzuhalten: Der Dommy ist einfach der Beste. Hinrissige Wetten, nichtssagende Couch-Gäste, mehr oder weniger interessante musikalische Gäste (hallo, Spandau Ballet sind wieder da??), eine fröhliche Kichererbse mit blonden Locken namens Michelle Hunziker… All das kann die Sendung einfach nicht kleinkriegen. Das Schöne ist, dass man auch mal rausgehen kann, um die Kichererbsen auf dem Herd umzurühren, man findet problemlos wieder den Anschluss, auch wenn man sich kurzzeitig fragt, wer die ebenfalls blonde Bayerin in Pink ist, die da so sorglos vor sich hin palavert. Es war übrigens Fürstin Gloria von Thurn und Taxis’ Tochter. Und sie hat nichts übers Schnackseln erzählt!

Thomas Gottschalk meistert das Stochern im Nebel der geballten Irrelevanz aber in gewohnter Manier – irgendwo zwischen grandioser Schlagfertigkeit, Desinteresse und einer Prise Peinlichkeit (zu den eingefärbten Damen, deren Pos am Abdruck erkannt werden sollten: “Ach goldig, wie ein FKK-Ausflug der Schlümpfe. ” Ich gestehe: Ich kann über sowas lachen). Da konnten selbst Couch-Gast Harald Schmidt samt Traumschiff-Produzent Wolfgang Rademann nicht mithalten.

Mir hat das ganze jedenfalls so gut gefallen, dass ich vollends in die PR-Falle getappt bin und tags drauf dann gleich “Das Traumschiff” mit Schmidt und Gottschalk geguckt hab. Und auch hier gilt: Dieselbe Prozedur wie immer. Im schippernden Rentnerkutter wird einfach alles immer gut und keiner kotzt über die Reling oder ist sonstwie inkontinent. Und das, obwohl Horst Naumann alias Schiffsarzt Horst Schröder am 17. November 84 wird, Heide Keller als Chefstewardess Beatrice 68 ist und Siegfried Rauch als Kapitän Jakob Paulsen 77 Lenze zählt. Die sehen allesamt nicht nur unfassbar gut aus, die haben das Boot aber sowas von im Griff! Genau wie damals vor fast 30 Jahren, als ich zum ersten Mal dem “Traumschiff” beim Gleiten über die Weltmeere zusah. Ich lasse es mir zwei Mal im Jahr jedenfalls sehr gerne warm ums Herz machen von diesem bildgewordenen Groschenroman…