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Der Fluch der Mumie

Jan Josef Liefers (links) als Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel. Foto: dpa
So, nachdem sich die Aufregung etwas gelegt hat und der Club ja wohl durch ist (Stand: Halbzeit), noch eine kleine Empfehlung zum runterkommen: Heute um 20.15 Uhr läuft ein Münsteraner “Tatort” in der ARD. Und da bin ich ja Riesenfan von. “Der Fluch der Mumie” ist Pflichtprogramm und Jan Josef Liefers sicher wieder ein hinreißender Professor Boerne.
Ich hab ja Experten-Gemurmel gehört, dass es sich hierbei um einen der besten Münsteraner “Tatorte” überhaupt handelt.
“Tatort” aus fränkischer Feder

Der verdeckte Ermittler Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) und Stephan Istjevic (Victor Choulmann). Auf Istjevic stößt Batu während seiner Schnitzeljagd durch Hamburg. Foto: NDR/Georges Pauly
Der neue ARD-”Tatort” flimmert dieses Mal erst am Ostermontag über die Mattscheibe, aber das passt ja ganz gut. Nach den Feiertagen mit all ihren Schoko-Hasen und Fondant-Eiern sitzt man am Abend sicher ohnehin geplättet auf dem Sofa.
Außerdem ist Cenk Batus zweiter Fall “Häuserkampf” ein spannender Film geworden, der auch noch aus der Feder zweier Bamberger Autoren stammt, Johannes W. Betz und Peter Braun. Hiermit ergeht also der Tipp, sich das Werk anzusehen. Und darum geht’s: Der neue Hamburger Ermittler wird von seinem Chef Uwe Kohnau (Peter Jordan) als verdeckter Ermittler auf das SEK angesetzt. Einige Kollegen stehen im Verdacht, ihr Wissen zu verkaufen und illegal als Ausbilder im Ausland tätig zu sein. Batu freundet sich mit Lars Jansen (Matthias Koeberlin) an, der jedoch plötzlich im Mittelpunkt eines scheinbar ganz anderen Falles steckt: Jansens Frau und Tochter wurden entführt. Der Geiselnehmer schießt sich vor den Augen des SEK in den Kopf.
Per Handy und vorab aufgezeichneter Videos bestimmt Zoltan Didic jedoch noch aus dem Jenseits das Geschehen und verkündet, dass Jansens Familie in weniger als drei Stunden durch einen Sprengsatz ums Leben kommen wird. Eine rasante Schnitzeljagd (Regie: Florian Baxmeyer) mit immer neuen Botschaften beginnt. Im Wettlauf mit der Zeit sucht Cenk Batu nicht nur nach Jansens Frau und Tochter, sondern auch nach der Antwort auf die Frage, was Jansen und Didic verbindet.
Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwinden in der rasanten Inszenierung (Drehbuch: Florian Baxmeyer). Ungewohnt für “Tatort”-Fans: Eine Mörderjagd gibt es nicht und der Täter bringt sich gleich zu Beginn um.
Mehr über den “Tatort” und Peter Braun, der mit “Häuserkampf” übrigens sein allererstes Drehbuch verfasst hat, gibt es in der Osterausgabe der Nürnberger Nachrichten zu lesen.
Alle lieben Götz
Alle wollen Götz sehen: Der neueste “Schimanski”-Fall des Duisburger Ermittlers kam gestern auf eine Einschaltquote in der Größenordnung eines „Tatort“-Krimis. 7,52 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 23,9 Prozent) wollten den brummeligen Ex-Bullen sehen. Auch ich. Wobei ich Götz George eigentlich nie in erster Linie mit dem raubeinigen Kommissar in Verbindung gebracht habe. In “Schicht im Schacht” durfte Horst Schimanski jedenfalls ein ums andere Mal auf sein fortgeschrittenes Alter hinweisen. Und ausgiebig angeln gehen. Wenigstens trägt Schimmi anders als sein Darsteller noch keine Strickjacken. Oder geht das Teil über der Jeansjacke da (Foto: WDR/Uwe Stratmann) etwa als solche durch?! Wichtiges zur Kleidungsfrage und noch viel mehr lesen Sie in dieser ausführlichen Würdigung meiner Kollegin Ursula Persak.
Ein gelungener Start also für die Jubiläumswoche, mit der die ARD den Schauspieler zu seinem 70. Geburtstag ehrt. Am Mittwoch folgen um 20.15 Uhr das Drama „Die Katze“ sowie die Dokumentation “Nicht reden, machen” um 21.45 Uhr. Wem das noch nicht genug George ist, der kann am 26. Juli um 20.15 Uhr noch “Schokolade für den Chef” gucken. Die Dritten, allen voran der WDR haben auch noch ein wenig im Archiv gegraben und wiederholen so einiges, auch alte “Tatorte”.
Ich hätte zwar lieber “Schtonk” und “Der Totmacher” noch mal gesehen, aber Fernsehen ist ja kein Wunschkonzert (apropos: Gibt es die geniale Erfindung des Wunschfilms eigentlich noch auf irgendeinem Sender?). Für meine Begriffe kann es auf dem Bildschirm gar nicht genug Götz geben.
Akte Tatort
Das war er also, der 700. Tatort in der ARD und gleichzeitig der erste Fall für das neue Leipziger Ermittler-Pärchen. Und ich muss sagen: Mir hat’s gefallen! Der kauzige Keppler (zu sehen in der Mitte, Foto: MDR/Junghans) und die schöne Saalfeld sind für mich die neuen Mulder und Scully. Es knistert beständig, aber sie kriegen sich nie.
Wobei die beiden sich, wie der Zuschauer erfahren hat, ja eh schon mal hatten. Simone Thomalla und Martin Wuttke haben ihre Sache gut gemacht. Wenngleich der Fall nun nicht gerade der prickelndste war, aber sei’s drum. An mein Lieblings-Tatort-Duo Thiel und Boerne aus Münster reichen sie zwar nicht ran, doch wenn alle Tatorte so herrlich abgedreht wären wie die des derben Kommissars und des exaltierten Forensiker, wär’s ja auch wieder nicht recht. Die zwei Spaßbolzen haben auch die lustigsten Pathologie-Szenen. Da wird die Moorleiche noch ernst genommen. Dagegen stört es mich gewaltig, wenn woanders Kleinkinder mit dem Skalpell traktiert werden oder, wie im aktuellen Fall, zwölf Stichwunden in Großaufnahme zu sehen sind. Denn dann beschleicht mich immer das Gefühl, dass Effekthascherei betrieben wird. Und ich finde, die Zielgruppe hat ein Recht auf saubere öffentlich-rechtliche Sonntagabendmorde.
Auf den nächsten Mulder-und-Scully-Krimi freue ich mich jedenfalls schon.

Endlich wieder Tatort – aber doch nicht so
Die Sommerpause ist vorbei, es darf wieder ermittelt werden: Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal rackerte sich im Ludwigshafener “Tatort” in der ARD an einem Serienmörder ab.
“Hauch des Todes”, der 50. Fall der Kommissarin, wollte allerdings viel zu viel. Manchmal gelingt es, wenn der “Tatort” auf großes Kino macht, doch dieses Mal wurden ein, zwei Schippen Kohle zu viel aufgelegt. Eigentlich ein ganzes Kohlebergwerk.
Obacht, Symbolik! Diffuse Unterwasserszenen, die mit Odenthals Schwimmübungen korrespondierten, Großaufnahmen von glänzenden Käfern und allerlei mehr Kriechgetier…und ein Mörder, der als Kind offenbar zu oft mit Geschenkpapier gespielt hatte und schon an der Frisur erkennbar war. Unterfüttert wurden die bedeutungsschwangeren Bilder mit einer Story, die “Sieben” mit dem “Schweigen der Lämmer” mischte und noch ordentlich “Psycho”-Dressing zugab. Als Soundtrack gab’s Brahms Deutsches Requiem.
Immerhin war Kopper eine Liebelei vergönnt. Und retten durfte er Kollegin Odenthal natürlich auch – mit den zupackenden Worten “Wenn ich unten bin, regel ich das”. Uff! Völlig fehl am Platz waren dazu noch die zweieinhalb eingebauten Gags.
Bitte dringend einen Gang zurückschalten! Aber da Ludwigshafener “Tatorte” normalerweise äußerst erfreulich sind, betrachten wir Fall Nummer 50 einfach mal als kleinen Ausrutscher.