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Januar 11th, 2012

Verzweifelt gesucht: die neue Lena

Die Juroren Alina Sueggeler, Thomas Duerr (M.) alias Thomas D. und Stefan Raab. Foto: dapd

Jetzt muss die Nation ganz stark sein: „Lovely Lena“ ist passé, Deutschland braucht einen neuen Grand-Prix-Kandidaten. „Unser Star für Baku“ mit Thomas D als neuem Jury-Präsidenten startet am Donnerstag, 12. Januar, um 20.15 Uhr auf ProSieben.

Mutig mutig, Thomas D: Präsidenten haben in diesem Land momentan ja nicht gerade den besten Stand. Dem Ur-HipHopper (“Fanta 4″) kann das aber herzlich egal sein. Der Vegetarier  folgt auf den Metzger und löst Stefan Raab als Vorsitzenden der Jury für den Grand-Prix-Vorentscheid ab. „Hauptsache mal Präsident“, sagt der 43-Jährige.

Ab 12. Januar suchen wir also wieder wochenlang nach einem geeigneten Kandidaten für den bunten Sängerwettstreit, der am 26. Mai in Baku (Aserbaidschan) stattfindet. Knapp 5000 Anwärter haben sich beworben, 20 wurden ausgewählt, 12 Damen, acht Herren.

Und wer dachte, Stefan Raab zieht sich nach seiner erfolgreichen “Ich rette den Grand Prix”-Mission zurück, der kennt den 45-jährigen Workaholic schlecht: Der Entertainer, Moderator und Musiker verkündete, als permanenter Gastjuror mit von der Partie zu sein. Er habe nur angekündigt, dass er nicht mehr als Autor und musikalischer Produzent am ESC teilnehmen will. Das dritte Mitglied in der Jury, die dieses Mal nicht wechselt, ist „Frida Gold“-Sängerin Alina Süggeler.

Wer nach Aserbaidschan fährt, entscheiden aber wieder die Zuschauer. Dafür haben sie acht Shows lang Zeit. Das Finale, in dem auch über den Song abgestimmt wird, läuft am 16. Februar in der ARD. Neu ist das Live-Ranking: Das Publikum sieht per Blitztabelle von Anfang an, wer vorn liegt. Die Idee dazu kam Raab, als er sich Skisport im Fernsehen ansah — und zwar angeblich erst vor vier Wochen. Moderieren werden Steven Gätjen und die 25-jährige Sandra Rieß aus Nürnberg.

Immer mehr Kritik erntet übrigens das gastgebende Land, das vor der Veranstaltung eigentlich ordentlich das eigene Image aufpolieren wollte. Amnesty International wirft Aserbaidschan Menschenrechtsverstöße und massive Einschränkungen der Pressefreiheit vor.  Grünen-Politiker Volker Beck sagte,  das Regime von Präsident Ilham Alijew sei „extrem repressiv“ und auch die Organisation Reporter ohne Grenzen meldet sich zu Wort und erinnert an die schwierigen Arbeitsbedingungen von Journalisten. All das dürfe der Eurovision Song Contest nicht ausblenden.

Das ist natürlich richtig. Doch das Land, in dem die Kult-Veranstaltung über die Bühne geht, suchen sich die Organisatoren ja nicht aus. Gastgeber ist immer der Gewinner. Da hilft nur, Nationen wie Aserbaidschan von vorne herein vom Wettbewerb auszuschließen. Dabei heißt es doch immer, Musik sei völkerverbindend…

Mai 15th, 2011

Die Faszination des Grauens

Aserbaidschan hat ab jetzt die ESC-Krone auf. Foto: dpa

Aserbaidschan hat ab jetzt die ESC-Krone auf. Foto: dpa

Wenn es glitzert und blitzt, stampft und dampft, wenn wallendes Haar vom Gebläse der Windmaschine wild durcheinander gewirbelt wird — dann, ja dann ist endlich wieder Grand Prix. Windmaschinen wurden bei der 56. Ausgabe des Eurovision Song Contest in Düsseldorf zwar erstaunlich sparsam eingesetzt. Sonst hatte die bombastisch inszenierte Sendung aber alles, was eine perfekte ESC-Show braucht.

Aber was war da wieder Ausschuss dabei: Sterbenslangweilige La-La-Lieder, austauschbares Boyband-Gehopse, schwer zu ertragender Euro-Trash, alberne Leibesertüchtigungen, die nur mit viel Liebe als Choreographie durchgehen. Kurz, die Faszination des Grauens. Aber, sind wir mal ehrlich, genau deswegen schaut man sich den einstigen Lieder-Wettbewerb, der schon längst ein Mega-Unterhaltungsevent geworden ist, ja auch an.

Stefan Raabs Rockabilly-Party-Version von „Satellite”, die 42 Lena-Doubles mit den Flaggen der Teilnehmerländer, die beeindruckende LED-Wand, die Raab mit den Worten “Tear down this wall” einreißen ließ, Kommentator Peter Urban (“Die Mama der irischen Zwillinge kann einem leid tun”), Ina Müller (“Hamburg is flipping out!”) – “schön war’s wieder”, sagen die einen, “schön trashig war’s wieder”, die anderen.

An Lenas sexy Auftritt gab es nichts zu meckern. Dennoch reichte es lediglich gerade noch für einen Platz in den Top Ten. Aber sie war nicht allein: Die hyperaktiven Aerobic-Zwillinge Jedward aus Irland scheiterten genauso wie der französische Pathos-Verwalter Amaury Vassili, der hoch im Kurs stand bei den Buchmachern und nur 15. wurde.

Aber so war es wenigstens spannend. Die Länder verteilten ihre Punkte nach dem Gießkannenprinzip. Erst zum Schluss kristallisierte sich heraus, dass das Schmacht-Duo „Ell & Nikki“ mit einer Nahtanz-Performance im Stil von Ringelpiez mit Anfassen den Pokal mit in die vorderasiatische Republik nehmen wird.

Warum die harmlose Ballade die Gunst des Publikums gewann? Logisch ist das nicht zu erklären. Zumal sich trotz der Änderung des Abstimmungs-Modus die Nachbarländer immer noch gegenseitig die Punkte zuschanzen. Dafür gab’s auch ordentlich Buh-Rufe.

Natürlich ist Rang 10 enttäuschend. Wer mit der Maßgabe antritt, den Pokal wieder nach Hause holen zu wollen, der muss sich an seinem eigenen Großmaul messen lassen. Dennoch hat Raab, das muss man zähneknirschend zugeben, das meiste nun doch richtig gemacht.

Denn der 44-jährige Entertainer hat den Eurovision Song Contest in Deutschland vom Muff von 1000 Jahren befreit. Ihm ist zu verdanken, dass aus dem staubtrockenen, spaßbefreiten Lieder-Wettstreit für die Fernsehzuschauer der Nation wieder eine Veranstaltung geworden ist, die Laune macht.

Die Schnapsidee, Lena nochmals ins Rennen zu schicken, verzeiht man ihm auch angesichts der pompösen Super-Show. Vergessen ist der öde Vorentscheid, die immer nerviger werdende Lena-Overkill.

Jetzt gilt: Nach dem Grand Prix ist vor dem Grand Prix. Wenn die Verantwortlichen klug sind, lassen sie wieder Raab ran. Denn der Mann weiß in der Regel offenbar doch, was er tut.

Mai 13th, 2011

Daumen drücken für Lena

Lena und eine tanzende Eisschnell-Läuferin. Foto: dapd

Lena und eine tanzende Eisschnell-Läuferin. Foto: dapd

Jetzt geht’s los: Morgen steigt das heiß ersehnte Finale des Eurovision Song Contest in Düsseldorf. Und wie stehen die Aktien im Lena-Land? Meist liegen sie ja nicht schlecht, die Buchmacher. Natürlich ist man neugierig, wie hoch im Kurs Lena Meyer-Landrut, im vergangenen Jahr der Deutschen liebstes Musik-Mädel, dieses Mal bei den anderen Nationen steht. Und da sieht es gar nicht so übel aus. Bei dem als äußerst zuverlässig geltenden Google-Orakel wird die 19-jährige Hannoveranerin mit „Taken By A Stranger“ derzeit (Stand: 13. Mai, 17.45 Uhr) gleichauf  mit den zappelnden Zwillingen aus Irland auf Platz 1 geführt!

John und Edward Grimes nennen sich „Jedward“ und singen von „Lipstick“ — da hat die erfolgreichste Grand-Prix-Nation aller Zeiten (sieben Siege gehen auf das Konto der Grünen Insel) ein heißes Eisen im Feuer. Als Mitglied der „großen“ fünf Nationen, die in den ESC ordentlich Geld stecken und daher automatisch gesetzt sind, muss sich Deutschland traditionell nicht für das Finale qualifizieren. Insgesamt 25 Teilnehmer sind nach den beiden Vorausscheidungen noch übrig, Lena tritt mit der Startnummer 16 an.

Und wie stehen die Deutschen mittlerweile zur ihrer Eurovisions-Heldin? Wir erinnern uns: Der Rückhalt im eigenen Land war noch vor einem Jahr gewaltig. Alle liebten Lena, dieses putzige Knuddeltierchen mit der natürlichen Ausstrahlung. Naja, fast alle. Heute muss man sagen: Viele lieben Lena, aber viele sind mittlerweile auch massiv genervt von der vorwitzigen Göre, deren „Mission Titelverteidigung“ schon bei den öden Vorentscheid-Shows zur Auswahl des Songs an Reiz verloren hatte.
Ihrem Entdecker Stefan Raab schlug eine Welle an Unverständnis entgegen. Dass die Prognosen für das Abschneiden der Vorjahressiegerin nun so gut sind, lässt einige der Kritiker beschämt verstummen. Glaubt man allen Buchmachern, Umfragen und Statistiken, wird es wohl locker ein Platz unter den ersten sechs werden. Womit sie ihr Ziel „Top Ten“ lässig erreicht hätte.
Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Lena-Lack stellenweise ab ist. Wie viel Lena noch in Lena steckt, war bei der täglichen „Show für Deutschland“ in der ARD zu beobachten. Der als „Mr. Entertainment“ vorgestellte Frank Elstner traf auf eine sichtlich gelangweilte Miss Eurovision, die ungeniert raushängen ließ, was sie von dem altväterlichen Herrn hält, ihn wie ein naseweiser Lümmel von der ersten Bank stets verbessert — und sogar nachäfft. Das kann man nun freilich total frech und selbstbewusst finden. Aber auch unverschämt und zickig. Der Grat, auf dem Lena wandelt, ist schmal.
Schämen werden wir uns am Samstag dennoch nicht müssen. Auch wenn die Konkurrenz natürlich nicht schläft. Als Mit-Favorit gilt etwa der französische Opernsänger Amaury Vassili, der ganz nebenbei auch noch aussieht wie ein Filmstar.
Bei den Proben experimentierte Lena noch ein bisschen mit Gürtel- und Schuhfarben, lieferte ansonsten aber tadellose Auftritte ab — genau wie ihre Tänzerinnen. Deren glitzernde Ganzkörperkondome sind zwar nicht gerade schön. Aber auch alles andere als langweilig.

Februar 1st, 2011

Gähn-Alarm bei Lenas Song-Suche

Lena, Lena und nochmal Lena: Gleich sechs Mal trat die Hannoveranerin auf. Foto: dpa

Lena, Lena und nochmal Lena: Gleich sechs Mal trat die Hannoveranerin auf. Foto: dpa

Es war ja zu befürchten: Die erste Grand-Prix-Vorentscheid-Sendung „Unser Song für Deutschland“ bei Pro7 ging gehörig in die Hose.  Kein Wunder, dass den Lena-Overkill nur mäßige 2,6 Millionen Zuschauer sehen wollten.

Sind wir mal ehrlich – die Mission „Lena for Titelverteidigung“ war von Anfang an eine Schnapsidee. Denn erstens ist der beispiellose Überraschungserfolg der putzigen Hannoveranerin im vergangenen Jahr ohnehin nicht zu wiederholen. Da kann man nur verlieren. Und zweitens krankt es am Konzept. Denn wer, bitteschön, will sich pro Sendung sechs Larifari-Lieder anhören, gesungen von der immer gleichen Interpretin. Spannungsbogen: Gleich null. Alles, was sich änderte, waren die Klamotten und Frisuren.

Und so scheitert Lenas Mentor Stefan Raab an seinem eigenen Ehrgeiz, der gepaart mit einem gerüttelt Maß an Arroganz, Gier und Selbstüberschätzung wohl maximal dazu führen wird, dass die Nation beim Namen Lena demnächst kollektiv die Krise kriegt. Lena in homöopathischen Dosen ist ganz wunderbar — das, was jetzt passiert, führt aber zweifellos zu Überdruss.

Zugute halten muss man Raab, dass endlich mal wieder (wir erinnern uns: früher war der Grand Prix ein Komponisten-Wettbewerb) die Textdichter und Musikschreiber in den Fokus gerückt werden. Mit ausgiebigen Einspielfilmchen wurde diesen durchaus wichtigen Zeitgenossen auch entsprechend gehuldigt. Womit wir aber schon wieder beim nächsten Problem wären: Stefan Raab steuert natürlich auch wieder selbst Songs bei – sitzt aber gleichzeitig in der Jury. Ja, wo gibt’s denn sowas?

Die erste von drei Sendungen verdient jedenfalls das Prädikat strunzlangweilig. Und es besteht wenig Hoffnung, dass es besser wird, zumal die zur Auswahl gestellten Titel bis auf das außergewöhnliche Elektro-Stück „Taken By A Stranger“ viel zu gleichförmig vor sich hin dudelten. Alle, die bis dahin noch nicht in einen barmherzigen Tiefschlaf gefallen waren, erlebten, wie es gemeinsam mit „Maybe“ und „What Happened To Me“ (Raab/Lena) vom Publikum für das Finale am 18. Februar in der ARD ausgewählt wurde. Am kommenden Montag läuft auf Pro7 die zweite Halbfinalshow. Augen zu und durch.

Mai 30th, 2010

Wir sind Lena!

Ich sag nur eins: Beim Grand Prix sind wir fortan auf Jahre hinaus unschlagbar.

Wackeldackel Lena hat Europa mit ihrem Charme komplett weggeblasen. Und brauchte dafür nicht einmal eine Windmaschine.

Deutschland im Freudentaumel. Wer braucht da noch ne Fußball-WM?

Mai 28th, 2010

Mach et, Lena!

Lena soll den Pokal endlich wieder nach Hause holen. Foto: dpa

Lena soll den Pokal endlich wieder nach Hause holen. Foto: dpa

Morgen wird’s ernst: Der Grand Prix in Oslo steht an und “Uns Lena” wird als Mit-Favoritin gehandelt. Das gab’s ewig nicht mehr.

Aber die Kleine muss sich warm anziehen: Was ich auf der Eurovisions-Website so bestaunt habe, ist zwar zur einen Hälfte wieder mal äußerst peinlich, zur anderen aber genau das, was der gemeine Grand-Prix-Gucker bei Schnittchen und Essiggurken (oder Tapas und Sangria) gerne hat. Oder waren diese beiden Hälften identisch? Naja, egal. Auf jeden Fall gibt’s entweder viel Kostüm oder wenig, ordentlich Schmalz, unsägliche Texte, Balkan-Rhythmen. Und Björk macht auch mit! Dachte ich zumindest. Dann stellte ich aber fest, dass dieser isländische Name übersetzt wohl sowas wie Müller ist. Hera Björk, die mit der Startnummer 16 antritt, hat mit der berühmten Björk offenbar nichts zu tun.

Lena startet als 22. von 25. Mit der Nummer eins geht die aserbaidschanische Favoritin Safura ins Rennen, die erst 17 ist, aber schon vier halbnackte Tänzer an der Angel hat, die ihre Performance, sagen wir mal, optisch ein wenig aufwürzen. Meines Erachtens sollte man auch Tom Dice aus Belgien nicht unterschätzen, der einen auf James Blunt macht, nur etwas naturburschiger. Und Griechenland steht bei mir auch ganz hoch im Kurs: Giorgos Alkaios & Friends legt eine Stampf-Tanznummer aufs Parkett, die mindestens so brennt wie ein Ouzo.

Peter Urban fungiert nach krankheitsbedingtem Ausfall vergangenes Jahr übrigens wieder als Kommentator, und Hape Kerkeling sitzt nicht nur unserer Tschüri vor, er darf auch die Punkte verkünden. Und das wird bestimmt lustig. No points for anybody!

(ARD, Samstag, 29. Mai, 18.45 Uhr  Porträt “Lena – Unser Star in Oslo”. Ab 20.15 Uhr “ESC-Countdown für Oslo” , ab 21 Uhr Live- Übertragung aus Oslo)