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Juli 12th, 2009

Biedere Bücherschau im ZDF

ZDF/Susanne Dittmann

Ijoma Mangold (links) und Amelie Fried bei der Premiere ihrer neuen Sendung. Foto: ZDF/Susanne Dittmann

Man wäre so gerne wohlwollend, aber wirklich vom Hocker gerissen haben mich “Die Vorleser” im ZDF nicht. Die Neugierde des Publikum hielt sich ebenfalls in Grenzen: Nur 880000 Zuschauer (4,1 Prozent Marktanteil) wollten die Premiere der neuen Literatursendung  ZDF sehen. Diejenigen, die einschalteten, wurden Zeuge einer ziemlich biederen Bücherschau.

Acht Bücher in 30 Minuten – ein ehrgeiziges Ziel für eine Sendung, die eigentlich ein Metier vertritt, das gemeinhin für Entschleunigung steht. Dass eine halbe Stunde äußerst knapp bemessen ist, merkte das ZDF dann wohl bei der Aufzeichnung selbst: Auf 34 Minuten ließ sich das geschickt zwischen “Heute Journal” und “Lanz kocht” platzierte Format gerade noch schneiden, und so gab man hinten und vorne noch ein wenig zu: Zuschauer, die Punkt 22:30 Uhr einschalteten, hatten daher den Anfang schon verpasst.

Als Nachfolger der oft als nervtötend quasselnd und marktschreierisch geschmähten Elke Heidenreich waren Moderatorin und Autorin Amelie Fried (50) und Zeit-Literaturkritiker Ijoma Mangold (37) angetreten, um dem öffentlich-rechtlichen Sender bei der Wahrung des von Zusehern und Medien harsch eingeforderten Bildungsauftrags behilflich zu sein.

Tatsächlich muss man ja schon froh sein, dass Literatur überhaupt noch einen TV-Platz eingeräumt bekommt. Doch wirklich gelungen ist die Premiere nicht. In der wenig anregenden Kulisse des ehemaligen Hamburger Hauptzollamtes nahmen die Moderatoren auf zwei roten Sofas Platz und waren sich bei der ersten Lektüre, Alice Greenways „Weiße Geister“ gleich vollkommen einig im Urteil.

Schnell wurde klar, wer hier welche Rolle spielen soll: Ijoma Mangold wartet mit beeindruckendem Vokabular auf („Assoziationsechoraum“) und gibt den Analytiker, Amelie Fried ist mehr für die Emotionen zuständig. Eigentlich eine spannende Mischung, doch man wird das Gefühl nicht los, dass die Chemie zwischen den beiden nicht unbedingt für gegenseitiges Hochschaukeln sorgt, egal ob in negativer oder positiver Hinsicht: Kurzum, was fehlte, war die Leidenschaft.

Allzu steif kamen die Inhaltsangaben und Besprechungen der Bücher daher, ein wenig Schmackes schlich sich nur in die Runde, als sich Fried und Mangold bei Joey Goebels „Heartland“ und Per Olov Enquists „Ein anderes Leben“ in die Wolle kriegten. Im Vergleich mit Denis Schecks sehr flott, liebevoll und aufwändig gemachter Sendung „Druckfrisch“ in der ARD, wirkten die „Vorleser“ wie schwerfällige TV-Relikte. Da halfen auch ein Einspieler zum Thema „Literatur in der Familie“ und ein Studiogast, Schauspieler Walter Sittler, der nebenbei noch ein wenig Werbung für sein Kästner-Programm machen durfte, nichts mehr. Zumal der Zuschauer minutenlang nicht wusste, um welchen Kästner-Roman es denn nun geht: Bis endlich das Cover eingeblendet wurde.

Doch jeder hat eine zweite Chance verdient. Aber erst ziehen sich die literarischen Vorkoster in die Sommerpause zurück: Die nächste Ausgabe läuft am 18. September.

Wer nun doch neugierig geworden ist, kann sich die Sendung entweder am 26. Juli um 13.30 Uhr auf 3sat ansehen oder sie online in der Mediathek des ZDF abrufen.

Juli 10th, 2009

Heut lass ich mir was vorlesen

dpa

Lesen, bis die Quote kracht: Ijoma Mangold und Amelie Fried. Foto: dpa

Premiere heute Abend: Amelie Fried und Ijoma Mangold kosten für die geneigte Zuschauerschaft Bücher vor und stellen sie in der neuen ZDF-Sendung “Die Vorleser” vor. Der Sendeplatz um 22.30 Uhr ist ok, solange kann sich die arbeitende Bevölkerung am Ende der Woche gerade noch wachhalten.

Ich finde die Mischung aus Moderatorin und Unterhaltungsmoderatorin Fried und Literaturkritiker Mangold reizvoll: Und wie ich an dieser Stelle schon ausgeführt habe, kann es gar nicht genug Literatursendungen im Deutschen Fernsehen geben.

Bin gespannt und werde berichten, wie sich die zwei Nachfolger von Elke Heidenreich geschlagen haben. Letztere liest übrigens natürlich munter weiter. Ihre Online-Sendung ist hier zu sehen.