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Krisenzeit ist Fernsehzeit

In Katastrophenzeiten gibt es immer auch Gewinner: Wie zum Beispiel das Fernsehen. Die einen schalten ein, um sich abzulenken, die anderen, um sich zu informieren. Foto: Colourbox
In Zeiten wie diesen suchen die Menschen verstärkt in der Kultur Ablenkung und Information – und im Fernsehen. Schlussfolgert zumindest SevenOne Media aus den Ergebnissen einer Sonderanalyse des
ersten Quartals 2009. Demnach stieg die durchschnittliche tägliche Fernsehnutzung im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 8 auf 235 Minuten. Nun, von mir kann ich das so gar nicht behaupten, sonst ginge in diesem Blog ja auch mehr voran. Aber ich gelobe für die zwei, drei Leser, die hier regelmäßig vorbeischauen, feierlich Besserung. Bei dem schönen Wetter will man ja jetzt eh nicht vor die Tür.
Und die Chance, dass sich mehr Menschen auf die NN-Blogs verirren, steigt ebenfalls: Denn die Internetnutzung nahm um 15 auf 94 Minuten pro Tag zu, zumindest bei den 14- bis 49-Jährigen. Und: Auch bei den besonders internetaktiven 14- bis 29-Jährigen stieg die tägliche Sehdauer um 1 Minute auf 143 Minuten. Perfekt.
So wird das Fernsehjahr 2009
Zu den Gewinnern des Fernsehjahres 2008 gehört die ARD: Wie hier nachzulesen ist, liegt der Sender beim Marktanteil vorne. Und ich scheine entgegen anderer Vermutungen doch am Puls der Zeit zu liegen: Auch bei mir ist die ARD mit 12 Nennungen an der Spitze der Blog-Beiträge.
Und was erwartet und nun im neuen Fernsehjahr? Da ich offenbar prophetisch veranlagt bin, wage ich ein paar Prognosen:
Die Folge “Sexuelle Selektion und die Evolution von Verhaltensweisen” über das Liebesleben der Heuschrecke in der Reihe “alpha-Campus” erhält den Deutschen Fernsehpreis. Reich-Ranicki tobt.
Die gesamte Mannschaft von TSG 1899 Hoffenheim zieht ins Dschungelcamp ein. Und wird dennoch Meister. Uli Hoeneß erklärt seinen Rücktritt. Reich-Ranicki tobt.
Johannes Heesters singt bei “Wetten, dass…” aus Versehen die erste Strophe der deutschen Nationalhymne. Simone Rethel wirft sich mutig dazwischen. Und erhält dafür den Bambi in der Kategorie Zivilcourage. Reich-Ranicki weiß nicht, ob er sich freuen, oder toben soll.
Die deutsche Version der US-Serie “Six Feet Under” läuft unter dem Titel “Die letzten Einsachtzig” mit Gina-Lisa als Leichenbestattertochter Claire und Bruce Darnell als Leichenbestattersohn David bei RTL. Absetzung nach dem Pilotfilm. Parallel moderiert Schäfer Heinrich dazu die Doku-Soap “Heitres Leben, heitres Sterben”, die zum Quotenhit wird. Reich-Ranicki: “Dieser Schäfer Helge interessiert mich nicht!”
Jörg Pilawa und Oliver Geissen wird aufgrund intensiver Sparmaßnahmen bei ihren Sendern Kurzarbeit verordnet. Reich-Ranicki jubelt. Und zwingt die Intendanten, die frei gewordenen Sendeplätze mit Shakespeares, Brechts, Tschechows, Ibsens, Goethes sämtlichen Werken zu füllen. Thomas Gottschalk moderiert, Harald Schmidt spielt alle Rollen, Michael Hirte mundharmonikt den Soundtrack ein. Ein nie dagewesener Erfolg.
Skandal beim Grand Prix. Ralph Siegels Song “Mein liebstes Pferd” gewinnt zwar, doch schon am Tag nach dem Triumph kommt heraus, dass Siegel einen früheren Beitrag Irlands geklaut hat. Reich-Ranicki lacht sich kaputt. Mit ihm die Fernsehnation.
Insofern: Heiter weiter!

Ein öffentlicher Tod
Hannover 96-Fans trauern vor der AWD-Arena in Hannover um den verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke. Foto: dpa
Robert Enke hatte jahrelang Depressionen. Er habe Angst gehabt, dass seine Krankheit publik wird, heißt es. Ironie des Schicksals: Öffentlicher als jetzt hätte sie zu seinen Lebzeiten niemals werden können. Mich ergreift das schiere Grausen, wenn nun ein Mensch medial auseinander genommen wird, der offenbar sogar vor seinen nächsten Freunden und Angehörigen seinen wahren Zustand verbergen konnte. Andererseits: Indem er sich vor einen Zug warf, wählte der 32-Jährige die denkbar lauteste Art, zu sterben. Und übrigens auch eine, die andere mit ins Unglück reißt. Man denke nur an die beiden Lokführer, die die Bilder dieses Abends sicher nie mehr vergessen werden.
Em Ende bleibt nur eines: Die Hoffnung, dass mit Enkes Suizid das Thema Depressionen wieder ein wenig mehr Aufmerksamkeit bekommt. Täglich versuchen sich in Deutschland Dutzende Menschen das Leben zu nehmen – in der Mehrzahl der Fälle sollen Depressionen die Ursache sein.