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Alle gegen Gottschalk
Von wegen Leuchtturm des Samstagabend-Vergnügens, Flaggschiff der Fernseh-Familienunterhaltung: Heute Abend fehlt RTL, junge 25 Jahre alt, eindeutig der Respekt gegenüber dem Alter, sprich dem 55-jährigen ZDF. Man sendet schamlos seine quotenstärksten Formate “Deutschland sucht den Superstar” und “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!” gegen Thomas Gottschalks “Wetten, dass…?”. Das kann ja nur schiefgehen – fürs ZDF.
Gottschalk wird die Sache zweifach stinken, ist das Dschungelcamp doch zum Ausbildungslager für “Wetten, dass…?”-Nachfolger geworden, seit Giulia Siegels Mama ihre Tochter als Nachfolgerin für den Moderator ins Spiel gebracht hat. Schätze, dass diese Bewerbung allerdings an einer Gummibärchenphobie scheitern wird. Am Ende plant in Wirklichkeit Desirée Nick, Ex-Dschungelkönigin, die feindliche Übernahme: Sie nimmt heute auf Gottschalks Sofa Platz.
Man muss nun kein Wahrsager sein, um den Ausgang des Duells vorherzusagen: Vergangenes Jahr, als es zur gleichen Konstellation gekommen war, siegte Thomas Gottschalk zwar bei der Gesamtzusschauerzahl, in der Gruppe der 14 bis 49-Jährigen lag RTL mit seinen Formaten aber vorne.
Wer nun eh keine Freunde zur Samstagabendgestaltung hat oder mit Erkältung daheim ans Sofa und die Fernbedienung gefesselt ist, sollte sich auf keinen Fall an Gottschalks Rat halten und in den Werbepausen des Dschungelcamps (Beginn 21.30 Uhr) mal schnell rüberschalten, weil man auf Coldplay oder Tom Cruise treffen könne: Da verbreitet die gruseligste Dschungelprüfung ja weniger Schrecken.

Ich kann auch ohne Dieter Bohlen
Quote machen mit Niedermachen: In der Jury von "DSDS" sitzen wieder sitzen Dieter Bohlen (55, li.), MTV-Moderatorin Nina Eichinger (28) und Musik-Manager Volker Neumüller. Foto: dpa
Jetzt stänkert er wieder: Dieter Bohlens RTL-Castinggedöns „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) hat wieder begonnen. Und dabei den besten Start in seiner Geschichte hingelegt. Die erste Folge der siebten Staffel sahen nach Senderangaben um 20.15 Uhr 7,37 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 20,9 Prozent). Jetzt frage ich mich: Hallo, wer guckt den Mist denn bitte noch? Und warum? Da ich es ernsthaft nicht verstehen kann, bitte ich um Meldungen. Worin liegt die Faszination dieses kruden Spektakels? Zugegeben war ich bei Staffel 1 und 2 ja auch streckenweise amused, da waren die Sprüche aber auch noch nicht so elend auf Krawall gebürstet. Zumindest in meiner beschönigenden Erinnerung.
Einen ersten sprichwörtlichen Tiefpunkt hat die Sendung ja gleich in der ersten Ausgabe erreicht, wie ich den Zeitungen entnommen habe: Chefjuror Dieter Bohlen machte sich über einen Kandidaten lustig, der mit nassem Fleck auf der Hose zum Vorsingen antrat. Bohlinator hatte gleich ein paar Tricks bei der Hand, wie man solche kleinen Missgeschicke verhindern kann. Puh. Sowas muss ich mir echt nicht anschauen, vor allem weil ich mich doch immer gleich so fremdschämen muss, und da weiß man ja nicht mal, ob man wegen Bohlen oder wegen des Kandidaten rot werden soll. Dessen Vater nun übrigens Klage eingereicht hat. Was sich vielleicht auch eine offenbar füllige Dame überlegen sollte, die sich beklagte, dass ihre teuren hochhackigen Schuhe Schmerzen verursachen. Dieter weiß natürlich Rat: „Hau dir selber in die Fresse, um dir wehzutun. Das ist jedenfalls billiger.“
Super Sache. Deswegen lass ich den Fernseher auch bei der nächsten Folge DSDS aus und halte meine Hand lieber auf die heiße Herdplatte. Das is auch billiger. Und tut nicht ganz so weh.