Beleidigte Couch-Potatoes
Bereits zum 19. Mal wird in diesem Jahr der Preis der beleidigten Zuschauer vergeben. Zwölf Kandidaten müssen befürchten, die Negativ-Auszeichnung zu erhalten, wie der Kölner Verleger Augustus Hofmann wissen ließ. Er zeichnet für das “Netzwerk kritischer Fernsehzuschauer” (NKF) verantwortlich. Unter den Nominierten, die von einer elfköpfigen Jury aus rund 13 500 Vorschlägen ausgesucht wurden, befinden sich so illustre Namen wie Thomas Gottschalk und Angela Merkel (Foto: dpa). Bis 3. Oktober kann die Fernsehnation nun abstimmen, wer den Preis entgegennehmen darf.
Das klingt an sich ja ganz lustig, bei näherer Betrachtung des Wahlzettels muss ich mich dann aber schon wundern. Vielleicht hab’ ich auch nur den Ironie-Knopf übersehen. Jedenfalls erschließt sich mir nicht, warum Zuschauer die beleidigte Leberwurst geben, nur weil Frau Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache nicht auch „im Namen ihres Mannes“ den Bürgern ein frohes, neues Jahr gewünscht hat, ähnlich wie Bundespräsident Horst Köhler, der in seiner Weihnachtsansprache auch im Namen seiner Frau frohe Weihnachtswünsche überbracht habe. Hä? Mir ist herzlich wurscht, ob Herr Sauer in der Neujahrsnacht an mich gedacht hat.
Das ZDF wurde nominiert, weil ein gerade begonnenes Interview mit Fußballer Philipp Lahm wegen Werbung unterbrochen wurde. Ok, Lahm kann sich ja einigermaßen artikulieren, aber oft ist man bei Fußballern wie Poldi und Konsorten ja ganz froh, wenn Bild oder Ton ausfallen oder das Gespräch sonstwie abgekürzt wird. Für mich eher ein Fall für den Preis des dankbaren Zuschauers. Ganz im Gegensatz freilich zu meinem Favoriten des vergangenen Jahres, dem Bayerischen Rundfunk, der unsere enthusiastische, auf Jahrzehnte hinaus einmalige Club-Pokalsieg-Feier am Hauptmarkt einfach ausblendete und stattdessen Spannendes aus dem Leben eines sibirischen Luchskindes sendete. Da war ich echt beleidigt! Fassungslos bin ich außerdem seit 20 Jahren, dass die Serie “Shaka Zulu” nie wiederholt wird, es kein vernünftiges Rock-Pop-Format im Fernsehen gibt und interessante Kultur-Magazine immer spät nachts dran kommen!
Aber ich gebe sicher nicht die schmollende Couch-Potatoe, weil die Mainzer Hofsänger in diesem Jahr bei “Mainz bleibt Mainz” nicht ihre gewohnte Schlussnummer “So ein Tag, so wunderschön wie heute” anstimmen durften. Der Rest der Vorschläge bewegt sich schlicht in der Kategorie “Geschmacklose Sprüche”. Aber da ist nun wirklich nichts dabei, weswegen ich mich als Gebührenzahler eingeschnappt abwenden würde.

“Shaka Zulu” – in der Tat ein wahres Kleinod unter den Vorabendserien der 80er Jahre. Von der Kritik oft unterschätzt, aber wem hat sich dieses “bumm – bumm bumm- bumm bumm” der Titelmelodie nicht auf ewig in die Kleinhirnrinde gebrannt.
Und ich bin zudem beleidigt weil einer meiner Lieblingsfilme “Das Netz der tausend Augen” nicht einmal mehr nachts um halb vier bei Tele5 gesendet wird…
Fernsehen kann manchmal so grausam sein.