Posts Tagged ‘ÖPNV’

März 13th, 2008

Ich pendle, also bin ich – unglücklich?

Johanniskirche.jpgNun ja, ich pendle täglich zur Arbeit und zurück. Habe ich schon berichtet, wie entspannend Pendeln mit der Bahn sein kann? Auf dem Hinweg habe ich Muße, meine Lieblingszeitung zu lesen, Musik oder Radio zu hören, den Mit-Pendlern zuzuschauen und zuzuhören (das lässt sich manchmal nicht vermeiden, aber das ist demnächst mal ein eigenes Thema), die Hasen auf dem Feld zu betrachten (zurzeit sind es Osterhasen ;) ), in die Sonne zu blinzeln, mich mit dem Zugbegleiter oder anderen lieben Menschen zu unterhalten, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und mich allmählich mental auf die Arbeit einzustellen. Nebenbei sehe ich die Schönheit der Stadt oder der Natur mitunter in einem neuen Licht (siehe Bild).

Auf der Rückfahrt kann ich in den meisten Fällen recht gut entspannen. Buchstäblich fällt die Spannung des Arbeitstages langsam von mir ab. Häufig schließe ich die Augen und nicke ein. Für die psychische Bewältigung des Arbeitstages ist die Heimfahrt im Zug enorm wichtig.

Und was lese ich hier? Pendeln macht unglücklich! Zitiert wird eine Studie:

Je länger der Weg zur Weg zur Arbeit, umso geringer die Lebenszufriedenheit. Mit jeder Minute Pendeln pro Tag sank auch das allgemeine Wohlempfinden der Arbeitnehmer – diejenigen, die eine Stunde zum Job verbrachten, gaben (auf einer Skala von 1 bis 10) eine um 0,31 Punkte niedrigere Lebenszufriedenheit an als jene, die nur zehn Minuten für den Weg zur Arbeit brauchten. Ein Drittel Punkt weniger klingt undramatisch, tatsächlich entspricht es aber einem Äquivalent von 40% des Durchschnittseinkommens. Im Klartext: Um den Verlust an Lebensqualität auszugleichen, den die Pendler durch einen einstündigen Arbeitsweg erleiden, müsste man ihnen eine Gehaltserhöhung von 40% genehmigen!

Zum Kuckuck: Nichts gegen eine Gehaltserhöhung. Aber den Verlust an Lebensqualität kann ich als Bahn-Pendler partout nicht erkennen. Klar, wäre ich aufs Auto angewiesen, das weiß ich, wäre ich ein kreuzunglücklicher Pendler. Fehlendes Glücksempfinden könnte dann auch nicht von einem höheren Gehalt ausgeglichen werden.

Wohnte ich in Nürnberg, dem Ort meiner Arbeitsstelle, hätte ich unter Umständen ebenfalls einen längeren Weg ins Büro. Die Dauer für die zurückzulegende Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeit allein ist für mich kein schlagendes Argument für einen Umzug und damit verbunden einen angeblichen Zugewinn an Glück. Berücksichtigt werden muss dabei auch das benutzte Verkehrsmittel.

Vielleicht sollte mal jemand in einer Studie darstellen, ob Pendler, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen (können) ein anderes Glücksempfinden entwickeln als solche, die aufs Auto angewiesen sind. Und ich rede jetzt nicht von Zugausfällen, Streiks, Verspätungen, vollen Waggons etc.

Immerhin ist es für die Allgemeinheit ungefährlicher, beim Pendeln auf mich zu treffen als auf einen autofahrenden Pendler. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie mal das hier.

Februar 3rd, 2008

Stadtbahn, Siemens und die Seku

P1000469.JPGEine Stadtbahn in Forchheim? Nö, nur eine Faschingsumzug-Attraktion aus Neunkirchen am Brand. Der Carneval-Verein NCV macht alljährlich mit seiner Seekuh einerseits, und mit seinen sportlichen Mädels andererseits auf den Faschingsumzügen der Region von sich reden.

Aus Sicht des Pendlers ist die Seekuh interessant, die eigentlich eine Seku ist, eine Sekundärbahn. Beziehungsweise war. Zwischen 1886, damals noch unter Wilhelm I., Deutscher Kaiser, respektive (huch, ein Fremdwort) unter Prinzregent Luitpold von Bayern, und 1963 (Kanzler: Ludwig Erhard), verband die Bahn Erlangen und Gräfenberg auf einer Länge von 29 Kilometern. Anderthalb Stunden Reisezeit waren das. Heute würden wir sagen: Slow City oder so ähnlich, vielleicht Slow Train (da fällt mir spontan Bob Dylan ein, aber das ist wieder etwas ganz anderes).

Jedenfalls trauern manche seit Jahren der alten Seku nach. In Gedanken ist sie schon wieder neu erstanden, nämlich als Stadt-Umland-Bahn, die den Großraum Erlangen auf Schienen für den ÖPNV erschließen soll. Tolle Sache, nur: Das kostet einen Haufen Geld, das niemand hat, oder haben will, oder wie auch immer.

Ich fände es toll, wenn die ganzen Siemensianer aus dem Erlanger Umland mit ihren eigenen Zügen zur Arbeit fahren müssten könnten. Die Straßen wären weniger verstopft, die Züge auf der Hauptstrecke entlastet, der Umwelt ginge es besser.

Wie wäre es mit einer fahrerlosen Stadt-Umland-Bahn? Mit den Strecken Herzogenaurach – Erlangen, Eschenau – Neunkirchen – Uttenreuth – Siemens (wie die alte Seku)? Hey, Siemensianer, das müsste doch zu machen sein. (Ich verkneife mir jetzt den Kalauer: Das läuft bestimmt wie geschmiert…). Wie – kein Geld? Also ich meine, wenn für den Aus- und Neubau einer ICE-Strecke durch den Thüringer Wald und über Erfurt, die eigentlich keinen Sinn macht, 10 Milliarden oder mehr da sind, dann müsste für eine StUB doch auch eine Kleinigkeit locker zu machen sein.