Posts Tagged ‘ÖPNV’
Stadtbahn, Siemens und die Seku
Eine Stadtbahn in Forchheim? Nö, nur eine Faschingsumzug-Attraktion aus Neunkirchen am Brand. Der Carneval-Verein NCV macht alljährlich mit seiner Seekuh einerseits, und mit seinen sportlichen Mädels andererseits auf den Faschingsumzügen der Region von sich reden.
Aus Sicht des Pendlers ist die Seekuh interessant, die eigentlich eine Seku ist, eine Sekundärbahn. Beziehungsweise war. Zwischen 1886, damals noch unter Wilhelm I., Deutscher Kaiser, respektive (huch, ein Fremdwort) unter Prinzregent Luitpold von Bayern, und 1963 (Kanzler: Ludwig Erhard), verband die Bahn Erlangen und Gräfenberg auf einer Länge von 29 Kilometern. Anderthalb Stunden Reisezeit waren das. Heute würden wir sagen: Slow City oder so ähnlich, vielleicht Slow Train (da fällt mir spontan Bob Dylan ein, aber das ist wieder etwas ganz anderes).
Jedenfalls trauern manche seit Jahren der alten Seku nach. In Gedanken ist sie schon wieder neu erstanden, nämlich als Stadt-Umland-Bahn, die den Großraum Erlangen auf Schienen für den ÖPNV erschließen soll. Tolle Sache, nur: Das kostet einen Haufen Geld, das niemand hat, oder haben will, oder wie auch immer.
Ich fände es toll, wenn die ganzen Siemensianer aus dem Erlanger Umland mit ihren eigenen Zügen zur Arbeit fahren müssten könnten. Die Straßen wären weniger verstopft, die Züge auf der Hauptstrecke entlastet, der Umwelt ginge es besser.
Wie wäre es mit einer fahrerlosen Stadt-Umland-Bahn? Mit den Strecken Herzogenaurach – Erlangen, Eschenau – Neunkirchen – Uttenreuth – Siemens (wie die alte Seku)? Hey, Siemensianer, das müsste doch zu machen sein. (Ich verkneife mir jetzt den Kalauer: Das läuft bestimmt wie geschmiert…). Wie – kein Geld? Also ich meine, wenn für den Aus- und Neubau einer ICE-Strecke durch den Thüringer Wald und über Erfurt, die eigentlich keinen Sinn macht, 10 Milliarden oder mehr da sind, dann müsste für eine StUB doch auch eine Kleinigkeit locker zu machen sein.

Ich pendle, also bin ich – unglücklich?
Auf der Rückfahrt kann ich in den meisten Fällen recht gut entspannen. Buchstäblich fällt die Spannung des Arbeitstages langsam von mir ab. Häufig schließe ich die Augen und nicke ein. Für die psychische Bewältigung des Arbeitstages ist die Heimfahrt im Zug enorm wichtig.
Und was lese ich hier? Pendeln macht unglücklich! Zitiert wird eine Studie:
Zum Kuckuck: Nichts gegen eine Gehaltserhöhung. Aber den Verlust an Lebensqualität kann ich als Bahn-Pendler partout nicht erkennen. Klar, wäre ich aufs Auto angewiesen, das weiß ich, wäre ich ein kreuzunglücklicher Pendler. Fehlendes Glücksempfinden könnte dann auch nicht von einem höheren Gehalt ausgeglichen werden.
Wohnte ich in Nürnberg, dem Ort meiner Arbeitsstelle, hätte ich unter Umständen ebenfalls einen längeren Weg ins Büro. Die Dauer für die zurückzulegende Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeit allein ist für mich kein schlagendes Argument für einen Umzug und damit verbunden einen angeblichen Zugewinn an Glück. Berücksichtigt werden muss dabei auch das benutzte Verkehrsmittel.
Vielleicht sollte mal jemand in einer Studie darstellen, ob Pendler, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen (können) ein anderes Glücksempfinden entwickeln als solche, die aufs Auto angewiesen sind. Und ich rede jetzt nicht von Zugausfällen, Streiks, Verspätungen, vollen Waggons etc.
Immerhin ist es für die Allgemeinheit ungefährlicher, beim Pendeln auf mich zu treffen als auf einen autofahrenden Pendler. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie mal das hier.