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Dezember 6th, 2009

So wurde der Freitag doch noch schön – danke, 8 b!

Ich will ja nicht nur meckern. Der unschöne Freitag-Beginn wurde schon kurze Zeit später ausgeglichen durch eine sehr schöne Stunde in der Klasse 8b des Nürnberger Melanchthon-Gymnasiums. Die Mädels und Jungs stellten mir als Vertreter der Redaktion der Nürnberger Nachrichten jede Menge Fragen. Hoffentlich konnte ich alle zufriedenstellend beantworten.

Warum, fragte ein Schüler, macht die Zeitung das eigentlich: Verteilt drei Wochen lang kostenlos Zeitungen an eine ganze Klasse. Dabei verdient sie doch nichts.

Diese Frage, ich gestehe, wurde mir bisher noch nie gestellt. Ich war schon in anderen Gymnasien, in Grund- und Hauptschulen, in Realschulen, in Förderschulen. Aber noch nie wollte jemand wissen, warum mein Arbeitgeber im Interesse der Schüler etwas tut, das ihm ja offensichtlich wirtschaftlich schadet.

Ja, warum nur? Das liegt daran, antwortete ich, dass die Zeitung, dass die Medien insgesamt nicht allein wirtschaftliche Interessen verfolgen, sondern auch einen gesellschaftlichen Auftrag haben. Wir berichten nicht nur aus Jux und Tollerei über das, was in Nürnberg, der Region und auf der ganzen Welt passiert. Sondern wir verbreiten Nachrichten, nach denen sich der Bürger im demokratisch verfassten Rechts- und Sozialstaat richten kann. In der Zeitung, im Fernsehen, im Radio, und in den reinen Online-Medien.

Die Teilhabe an Informationen ermöglicht erst die verantwortungsvolle Teilnahme am demokratischen Prozess. Und das will erlernt werden. Daher beteiligen sich meines Wissens nahezu alle Zeitungshäuser an Projekten wie Klasse! Ein anderer Name ist “Zeitung in der Schule”. Es geht also, wenn man so will, um einen Teilbereich der Erziehung zur Demokratie.

Freilich: Wenn sich ein/e Schüler/in als Folge des Projektes bei den Eltern dafür einsetzt, dass sie die Zeitung abonnieren, haben wir selbstverständlich nichts dagegen… :-)

Die Tatsache jedenfalls, dass ein Schüler diese Frage stellt, zeigt mir, dass er in der Lage ist, hinter die Dinge zu blicken, sie zu hinterfragen. Ich mit meinem humanistischen Background könnte natürlich jetzt sagen: Siehste, die alten Griechen und Römer zu studieren, bringt also doch was! Und genau das tue ich hiermit.

November 25th, 2009

The same procedure as every day – oder: Usus tyrannus

Die Macht der Gewohnheit eignet ja bekanntlich nicht nur Menschen, sondern wird auch Organisationen zugeschrieben. Man spricht dann von Strukturkonservatismus, wenn ein bestimmter Vorgang immer gleich abläuft, obwohl der erzielte Nutzen vielleicht durch eine Änderung des Verfahrens höher ausfallen könnte.

Aus dem alten Rom ist die Redensart “usus tyrannus” überliefert (sie wird Horaz zugeschrieben, dem großen Dichter der augusteischen Zeit. Den Quellennachweis kann ich bisher noch nicht liefern). Sie ist auf uns gekommen in der Bedeutung, dass sich ein falscher Sprachgebrauch alleine schon deswegen durchzusetzen vermag, weil er immer und immer wieder benutzt wird, also “in usu” ist.

So wie beispielsweise die immer wieder gerne verwendete Wendung, etwas sei bei uns nicht Usus, also nicht üblich. Des öfteren bereits hörte ich bei diversen Rednern diese Abwandlung: “Das ist bei uns nicht Uso.” Na, wenn da mal nicht ein gewisses griechisches Anis-Getränk Zeuge der Sprachschöpfung war…

Evident an buchstäblich vielen Straßenecken ist ein anderer falscher Sprachgebrauch. Nein, ich spreche hier nicht vom Deppen-Apostrophen wie in Gabi’s Frisiersalon. In diesem speziellen Ärger-Falle gab sich ja der Duden bereits geschlagen und nahm den verkehrt benutzten Apostrophen als “gesprochene Sprache” in sein heiliges Werk auf. Man möge an dieser Stelle an einen Lateiner denken, der im Ausguck eines gewissen Piratenschiffes sitzt und ruft: “O tempo’a, o mo’es!”

Nein. Was ich meine ist das Wort Peunt. Kennen Sie nicht, stimmt’s? Die Peunt ist als Begriff nicht mehr in usu, sondern quasi out of fashion, wenn ich das mal so salopp sagen darf. Mit der Peunt bezeichneten unsere Vor-Vorfahren einst einen geschützten und umzäunten Weidebereich, der von den Bewohnern eines Dorfes oder einer Stadt gemeinschaftlich genutzt wurde. Von daher rühren die durchaus noch vorhandenen Peunt-Straßen in zahlreichen Ortschaften. Ich wohnte selbst mal in einer, in Bamberg. Daher meine Beschäftigung mit dieser speziellen Materie.

Heute, da das gemeinschaftliche Weiden ebensowenig in usu ist wie die Peunt als Flurname, prangt auf nicht wenigen blauen Schildern der weiße Schriftzug “Point-Straße”. Wer hier sprachlich Pate stand, is not to be discussed. Die Sprachschöpfung gehört in dieselbe Kuriositäten-Kiste wie jener Brief, der schon vor Jahren in die Nürnberger Gugel-Straße geschickt wurde. Der Absender hatte als Adresse – in usu computeris – die “Google-Straße” draufgeschrieben…

Wie komme ich nun auf diese doch nicht ganz alltäglichen Betrachtungen? Das wiederum verdanke ich der Deutschen Bahn. Na ja, nicht ganz. Eigentlich mehr dem usus tyrannus der immergleichen Abläufe, meinem inneren Strukturkonservatismus sozusagen.

Sehr häufig wartet mein Zug im Nürnberger Hauptbahnhof an Gleis 13 auf mich. So sollte es auch heute wieder sein. Ich laufe also schnellfüßig durch den Ost-Tunnel, wie immer (!) knapp an der Zeit. Beiläufig streifen meine Augen die neuen Zugzielanzeiger. Meiner Städteverbindung angesichtig  biege ich behende nach rechts ab, haste die Stufen zum Bahnsteig hinauf.

Hoppala! Hier ist ja Gleis 9, denke ich, das blaue Schild mit weißer Zahl im Blickfeld. Stante pede mache ich kehrt, eile die Steintreppe hinab, wende mich nach rechts und entere – noch gut in der Zeit – das gewohnte Gleis, mich zu zahlreichen Wartenden gesellend.

Nicht lange, und eine Durchsage macht uns auf folgenden, überraschenden Umstand aufmerksam: Der Regionalexpress in Richtung Sonneberg fährt heute nicht von Gleis 13 ab, sondern von Gleis 8. Gleis 8 aber liegt mit Gleis 9 an ein und demselben Bahnsteig. Ergo: Ich Depp (Entschuldigung) war nur eine Minute zuvor nicht versehentlich, sondern völlig richtig auf die andere Plattform eingeschwenkt. Schließlich hatte mir ja das Display im Tunnel eben jene Tatsache weiß auf blau präsentiert. Allein: Usus tyrannus warf sein Lasso aus, das unwiderstehliche, und zwang mich wieder fort, dem alten Trott gehorchend, blindlings.

März 15th, 2008

Ceterum censeo …