Posts Tagged ‘ICE-Strecke’

Februar 21st, 2010

Pfusch an der ICE-Trasse? Auch das noch

Die Deutsche Bahn ist in höchstem Alarmzustand. Schuld ist der kölsche Klüngel. Seitdem am Rhein ein vermutlich beispielloser Bauskandal Stück für Stück ans Tageslicht rückt, gerät auch die Bahn immer mehr unter Druck.

Die in Köln verantwortliche Baufirma Bilfinger Berger ist nämlich auch am Trassenbau der DB beteiligt. Ein ehemaliger BB-Bauleiter hat gesungen und gegenüber der Staatsanwaltschaft wohl angedeutet, dass auch zwischen München und Nürnberg nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Aufregung der Deutschen Bahn ist daher verständlich.

Zu einem ungünstigeren Zeitpunkt hätten diese neuen Gerüchte gar nicht kommen können. Die Deutsche Bahn arbeitet derzeit an mehreren Abwehr-Fronten. Sie muss mit der Hersteller-Industrie ihrer Züge klären, wer für die Mängel an Achsen und Wagen verantwortlich ist. Sie muss gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit erklären, warum schlechtes Wetter zum Ausfall zahlreicher Züge und damit zu einer nur unzureichenden Erfüllung des Beförderungsauftrages führen kann. Gerade eben erst waren auf der ICE-Neubaustrecke München-Nürnberg Probleme mit dem Gleisbett bekannt geworden, die möglicherweise auch auf Wettereinflüsse und/oder unzulängliche Bauausführung zurückzuführen sind. Das ist noch nicht geklärt – und just in diesem Moment drängt jetzt der Kölner Skandal mit seinen möglichen Auswirkungen auf dieselbe Strecke herein.

Schau mer mal, was da noch alles kommt. Allen Pendlern und sonstigen Reisenden, die zwischen München und Nürnberg auf der Neubaustrecke unterwegs sind, wünsche ich Hals- und Beinbruch. Und das ist überhaupt nicht zynisch gemeint.

August 6th, 2009

Leidensfähigkeit, Geduld, Idealismus

Die gute Nachricht gleich am Anfang: Gestern hat die Rückfahrt nach Forchheim problemlos funktioniert. Keine Lok blieb liegen, die Verspätung hielt sich im Rahmen.

Heute morgen allerdings fiel sie aus demselben. 15 Minuten Verzögerung bei der Abfahrt, akkumuliert bis Nürnberg auf 23 Minuten. Na gut, Leidensfähigkeit, Geduld, ein gewisser Idealismus sind beim Bahnfahren immer dabei. Außerdem: Bauarbeiten dienen ja dem Fortschritt. Also sei’s drum. Aber ich bin dennoch froh, dass ich keinen Anschlusszug benötigte (der ICE z.B. wartete nicht), dass ich keinen Termin um 9.30 Uhr ausgemacht hatte (was bei normaler Ankunftszeit kein Problem gewesen wäre) und dass ich nicht sklavisch zu einer bestimmten Zeit einlaufen muss.

Gestern jubelte ich, dass im Forchheimer Bahnhof ein ohnehin löchriges Dach beseitigt wurde. Ich übersah dabei geflissentlich, dass ja derselbe Typ Dach auf dem Bahnsteig 1 und auf 4/5 durchaus erhalten bleibt. Die Bahn erneuert wirklich nur das für die S-Bahn dringend Nötige, der Rest bleibt liegen resp. stehen bis 2017 ff, wenn dereinst für die ICE-Strecke in größerem Maßstab umgebaut werden muss. Ob das wirklich wirtschaftlich ist?

Es geht dabei ja nicht nur um Forchheim. Auf der ganzen Strecke zwischen Bamberg und Nürnberg wird an den Bahn-Halten herumgebaut. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, gleich nachhaltig an die Sache heranzugehen? Ich wette, 2017 kommt die ICE-Strecke nicht oder nicht wie vorgesehen. Mit der Wirtschaftlichkeit ist es dann nämlich erst recht nicht weit her, wenn der Staat schon gar kein Geld mehr hat…

Juli 27th, 2009

Der Deutschen Bahn sind gehbehinderte Kunden egal

Die jüngste Auskunft der Bahn zu dem Thema, wie sie in Forchheim mit gehbehinderten Kunden umgehen will, lässt nur einen einzigen Schluss zu: Der Deutschen Bahn sind gehbehinderte Kunden egal.

Seit vielen Jahren kämpfen nicht nur Kommunalpolitiker, sondern auch Vertreter von Sozial- und Behindertenverbänden dafür, dass am Forchheimer Bahnhof ein behindertengerechter Zugang zu den Gleisen geschaffen wird. Ihr Einsatz prallt aber an der Bahn ab wie ein Zug am Prellbock.

Vor langer Zeit wurde am Bahnhof Forchheim das Gleis eins abgeschafft. Das bedeutet: Egal, in welche Richtung du von Forchheim aus fahren willst oder aus welcher Richtung du in Forchheim ankommst: Immer musst du eine steile, ausgetretene Steintreppe abwärts laufen und eine ebenso steile, abgetretene Treppe wieder hinauf (siehe Bild oben).

In den kommenden zwei Jahren nun wird Gleis 1 reaktiviert, gleichzeitig alle Bahnsteige angehoben und die wasserdurchlässigen “Dächer” durch neue Konstruktionen ersetzt. Das heißt: Diese Maßnahmen hat die Bahn versprochen. Wir werden sehen, was tatsächlich kommt. Als Forchheimer Bahn-Benutzer ist äußerste Skepsis angebracht bei derartigen Ankündigungen.

Gleis 1, heute ein wild wuchernder Grünstreifen (siehe Bild rechts), wird reaktiviert, weil hier dereinst die S-Bahn aus Richtung Nürnberg enden wird. Gehbehinderte können dann tatsächlich auf gleichem Niveau in den Zug einsteigen und in Richtung Süden fahren. Wer nach Norden will, und sei es mit der S-Bahn, muss weiterhin auf Gleis 3: treppab, treppauf. Einen Aufzug wird es nicht geben, sagt die Bahn. Punkt.

Denn: 2017, wenn der viergleisige Ausbau für die ICE-Strecke Palermo-Berlin kommt, also hier das Teilstück Nürnberg-Erfurt, dann muss ja der Bahnhof Forchheim sowieso noch einmal umgebaut werden. Ergo würde sich der behindertengerechte Ausbau zum jetzigen Zeitpunkt nicht lohnen.

Ich sage: Das ist eine ungeheuerliche Haltung. Der Bahn sind gehbehinderte Menschen als Kunden, sofern sie in Forchheim ein- oder aussteigen, piepegal. Die Gründe sind vorgeschoben. Für die sieben, eher acht oder neun Jahre bis zum ICE-tauglichen Ausbau würde sich der Einbau von Aufzügen oder anderen Hilfskonstruktionen in jedem Fall lohnen – nämlich für jeden einzelnen Gehbehinderten, dem das Fortkommen damit erleichtert werden würde. Würde die Bahn bei jedem Projekt so spitz rechnen, käme sie nie auf einen grünen Zweig. Aber aus politischen Gründen ist es immer noch bequemer, eine Neubaustrecke München-Nürnberg doppelt so teuer wie geplant zu bauen, als in Forchheim behindertengerechte Zugänge zu den Gleisen zu schaffen, selbst wenn es nur für zehn Jahre wäre.

Sprechen wir es ruhig aus: Der Bahn sind nicht nur die Behinderten als Kunden wurscht. Der Bahnhof Forchheim ist einfach zu unbedeutend für den europaweit agierenden Logistiker DB AG. Was sind schon ein paar Behinderte in Forchheim, wo sowieso niemals ein ICE seine Fahrt verlangsamen wird auf dem Weg von Berlin nach München?

Das ist die traurige Realität, in die sich die Kommunal- und Landespolitiker jetzt wieder schulterzuckend fügen wollen: Kann man halt nichts machen, wir haben unsere Briefe geschrieben, die Presse hat’s zur Kenntnis genommen. Gehen wir zur Tagesordnung über.

Juli 8th, 2009

Die Bahn und ihre Bau-Politik – wer soll das verstehen?

Ich sag’ es gerne noch einmal: I c h brauche die S-Bahn zwischen Nürnberg und Forchheim nicht. Gut, ich sehe ein, dass die tausenden von Pendlern, die nur eine Teilstrecke in diesem Abschnitt zu bewältigen haben, voraussichtlich von der S-Bahn profitieren werden.

Mir bringt sie nichts. Führe ich mit der S-Bahn, verlängerte sich die Zeit, die ich zwischen Heim und Arbeit benötige. Ich werde zum Zeitpunkt der Einführung der Schnell-Bahn nur noch mit dem Express fahren. Aber bis dahin fahren noch viele Züge auf den Gleisen im Regnitztal. Siehe hier.

Im Prinzip kennt das ja jeder, der schon mal ein Haus gebaut oder einen Hausbau verantwortet hat: Erstens kommt es teurer, und zweitens später als gedacht. Wenn also die Bahn heute sagt, die S-Bahn in Richtung Forchheim werde ab 2010 schrittweise auf die Schiene gesetzt, dann dürfen wir schon mal a priori vom Jahr 2011 ausgehen. Mindestens.

Wenn weiterhin behauptet wird, mit dem Jahr 2016/2017 wird im Zuge des viergleisigen Ausbaus der Strecke Nürnberg-Erfurt das Projekt Deutsche Einheit Nr. 8 verwirklicht, dann warten wir getrost bis 2022, ehe sich die Anrainer, zumal in Erlangen, Bubenreuth, Forchheim und Altendorf Sorgen um ihre relative Ruhe und um ihren Gebäudebestand machen müssen.

Aber die Riesensauerei, die damit einhergeht, ist ja die: Unter Verweis auf dieses Verkehrsprojekt, das unter den Vorzeichen von Rekordschulden in immer weitere Ferne rückt, verweigert die Bahn am Bahnhof Forchheim einen behindertengerechten Zugang zu den Gleisen. Rollstuhlfahrer und andere Gehbehinderte können nun mal nicht steile Treppen runter- und wieder hochlaufen. Sie sind in Forchheim von der Beförderung mit dem öffentlichen Verkehrsmittel Bahn ausgeschlossen. Begründung der Bahn: Wir bauen keinen Aufzug, den wir in zehn Jahren wieder abbauen müssen.

Aber was passiert im Zuge des S-Bahn-Baus? Hier werden Bahnsteige errichtet, von denen die Bauherrin sagt, dass sie wieder abgerissen werden müssen, wenn der ICE-Endausbau kommt. Wer soll das verstehen?

Postscriptum: Für alle, die sich fragen, wo die deutsche Politik in punkto Ausbau der Verkehrswege die Prioritäten setzt - lest hier mal nach.

Mai 12th, 2008

Von Palermo nach Berlin – durch Nürnberg

bahnlinie.jpg“Bislang liefen die Bauarbeiten für die S-Bahn nach Forchheim ohne große Behinderungen ab. Damit ist es jetzt vorbei” – so begann kürzlich ein Artikel in den NN, meiner Zeitung. Und dann schildert der Kollege, worauf sich meine lieben Mitpendler am kommenden Wochenende einstellen müssen (ich selber habe dann zufällig ein paar Tage frei).

Zwischen Fürth und Nürnberg wird der Regionalverkehr von Freitagabend bis Montagfrüh komplett gestrichen. Dann fährt nur noch die U-Bahn, vielleicht noch der Adler:)

Für zwei zusätzliche Gleise ist inzwischen der Erddamm bis zur Jansenbrücke aufgebaut. Jetzt wird die Oberleitung installiert. Bis Ende 2010, so plant jedenfalls die Bahn, sollen die S-Bahnzüge von Nürnberg durchgehend bis Forchheim verkehren. Ein ehrgeiziger Plan.

Aber nur ein kleines Teilprojekt des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 8. Dahinter verbirgt sich die Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg-Erfurt. Und das ist wiederum nur eine Teilstrecke der europäischen Transversale Palermo-Berlin (siehe Kartenausschnitt der Bahn). Was haben wir Pendler davon?

Nix natürlich. Nur noch mehr Verkehr auf der Strecke. Noch mehr Fernzüge mit Verspätung, auf die der Regionalverkehr Rücksicht nehmen muss. Und ob ich als Einwohner der Stadt Forchheim mit der S-Bahn wirklich schneller nach Nürnberg komme als heute mit dem Regionalexpress, das bezweifle ich vorerst ganz entschieden. Mir tut’s nur um die Leute leid, die den zusätzlichen Lärm und Staub ertragen müssen. Um die verschandelte Landschaft im oberfränkischen Gottesgarten zwischen Vierzehnheiligen und Schloss Banz. Um die Baiersdorfer Instrumentenbauer, die nach ihrer Vertreibung aus Böhmen nach Kriegsende ein zweites Mal ihren Standort aufgeben müssen, diesmal um Platz für die Bahn zu schaffen. Um die Schüler in den drei an den Gleisen liegenden Schulen in Forchheim, die trotz Lärmschutzwand schon jetzt im Sommer kein Fenster öffnen können, weil sie den Lehrer sonst auch akustisch nicht mehr verstehen…

Eins ist sicher: Das wird die teuerste U-Bahn der Welt. Der größte Teil des Thüringer Waldes muss nämlich untertunnelt werden. Eine Röhre wird über acht Kilometer lang, eine andere über sieben. Dazu kommen noch etliche kürzere Tunnel. 41 von 107 Kilometern zwischen Erfurt und Ebensfeld verlaufen im Berg. Da kann man nur hoffen, dass keine Schafe in der Nähe weiden.

Februar 11th, 2008

Das Nadelöhr zwischen Nürnberg und Fürth

nadel_hr.jpgAus dieser Perspektive betrachtet sieht die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth nicht gerade wie ein Nadelöhr aus. Der Autofahrer auf dem Weg neben den Rampen, in Richtung raus aus Nürnberg, sieht einen riesigen Erdwall, auf dessen Krone Baumaschinen operieren.

Entlang dieser Trasse werden zurzeit nach Angaben der Bahn Spundwände eingebracht. Diese Spundwände sollen die bestehenden Gleise und damit den Zugverkehr absichern, wenn links und rechts der Erdaushub beginnt. Weil die Arbeiten sehr laut sind, werden sie vorwiegend nachts erledigt. Das klingt erst einmal nicht logisch, aber es wird schon seinen Sinn haben.

bahn02.jpgAus Sicht des Bahnfahrers erscheint die Szenerie nicht ganz so groß-artig. Läuft die Bahnstrecke erst einmal vierspurig, dann, so verspricht es die Bahn, werde ich als Pendler oder auch als Fern-Fahrer, noch schneller vorankommen. Denn auf vier Spuren, logisch, können mehr Züge gleichzeitig dieselbe Strecke befahren. Z.B. auch eine S-Bahn, die dann bis Forchheim durchgezogen werden soll.

Oder eben auch die ICE-Strecke Palermo-Berlin, respektive deren Teilstück Nürnberg-Erfurt. Aber wer will nach Erfurt? Na gut, das nur am Rande.

Nachtrag am 12. Februar: Hoffentlich ist das Nadelöhr bald beseitigt. Dann heißt es vielleicht auch nicht mehr so oft wie gestern abend: Die Abfahrt des Zuges verzögert sich noch um wenige Minuten (es waren dann zehn) wegen Zugkreuzung.

Februar 3rd, 2008

Stadtbahn, Siemens und die Seku

P1000469.JPGEine Stadtbahn in Forchheim? Nö, nur eine Faschingsumzug-Attraktion aus Neunkirchen am Brand. Der Carneval-Verein NCV macht alljährlich mit seiner Seekuh einerseits, und mit seinen sportlichen Mädels andererseits auf den Faschingsumzügen der Region von sich reden.

Aus Sicht des Pendlers ist die Seekuh interessant, die eigentlich eine Seku ist, eine Sekundärbahn. Beziehungsweise war. Zwischen 1886, damals noch unter Wilhelm I., Deutscher Kaiser, respektive (huch, ein Fremdwort) unter Prinzregent Luitpold von Bayern, und 1963 (Kanzler: Ludwig Erhard), verband die Bahn Erlangen und Gräfenberg auf einer Länge von 29 Kilometern. Anderthalb Stunden Reisezeit waren das. Heute würden wir sagen: Slow City oder so ähnlich, vielleicht Slow Train (da fällt mir spontan Bob Dylan ein, aber das ist wieder etwas ganz anderes).

Jedenfalls trauern manche seit Jahren der alten Seku nach. In Gedanken ist sie schon wieder neu erstanden, nämlich als Stadt-Umland-Bahn, die den Großraum Erlangen auf Schienen für den ÖPNV erschließen soll. Tolle Sache, nur: Das kostet einen Haufen Geld, das niemand hat, oder haben will, oder wie auch immer.

Ich fände es toll, wenn die ganzen Siemensianer aus dem Erlanger Umland mit ihren eigenen Zügen zur Arbeit fahren müssten könnten. Die Straßen wären weniger verstopft, die Züge auf der Hauptstrecke entlastet, der Umwelt ginge es besser.

Wie wäre es mit einer fahrerlosen Stadt-Umland-Bahn? Mit den Strecken Herzogenaurach – Erlangen, Eschenau – Neunkirchen – Uttenreuth – Siemens (wie die alte Seku)? Hey, Siemensianer, das müsste doch zu machen sein. (Ich verkneife mir jetzt den Kalauer: Das läuft bestimmt wie geschmiert…). Wie – kein Geld? Also ich meine, wenn für den Aus- und Neubau einer ICE-Strecke durch den Thüringer Wald und über Erfurt, die eigentlich keinen Sinn macht, 10 Milliarden oder mehr da sind, dann müsste für eine StUB doch auch eine Kleinigkeit locker zu machen sein.