Posts Tagged ‘Horst Seehofer’

September 28th, 2009

Nach der Wahl: Die Wahrheit stirbt zuerst

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Und deswegen biegen sich die Parteien ihr Wahlergebnis jetzt mit vereinten Kräften zurecht.

Der Seehofer Horst spricht von “struktureller Niveauabsenkung” und meint damit: Die CSU kann die 50 Prozent künftig nur noch mit dem Fernglas sehen. Dass er vor Jahresfrist versprochen hatte, seine Partei zu alter Größe zurückzuführen – wen schert’s?

Ich habe es schon einmal hier geschrieben und ich wiederhole mich: Seehofer wird an sich selbst scheitern. Sein Umgang mit Freund (CSU) und Feind (FDP, obwohl in derselben Regierung) wird ihn noch vor Ende der Wahlperiode in Bayern das Amt kosten. Einer, der keine Götter neben sich duldet, kann kein Team für den gemeinsamen Erfolg organisieren. Zu seiner Ablösung fehlt aber derzeit die wichtigste Voraussetzung: der skrupellose Königsmörder. Jung-Guttenberg ist es noch nicht.

Die SPDler, die sich als links einstufen, haben für sich auch schon entschieden, wie es weitergeht: Die Sozialdemokratie müsse ihr soziales Profil wieder schärfen, müsse also “linker” werden und zu diesem Behufe auch ein Bündnis mit der Links-Partei nicht mehr ausschließen.

Na, da wünschen wir viel Glück. Reicht die SPD der Linken die Hand, dann verschärfen Lafontaine & Co. kurzerhand ihre Forderungen und zwingen die Sozis zu noch weitergehenden Zugeständnissen. Die SPD am Gängelband der Linken – toll. Wer das will, kann auch nicht mehr mit Steinmeier und Müntefering weitermachen. Beide stehen doch für die historische Wahlschlappe. Der begnadete Strippenzieher Steinmeier soll den roten Karren wieder aus dem Dreck ziehen? Das glaubt doch keiner. Die Zukunft der SPD heißt – Wowereit. Wollen wir wetten?

Zur FDP fällt mir nicht mehr viel ein. Sie sammelte an Wählern ein, was Union und SPD liegen gelassen hatten. Guido wird der Tigerenten-Koalition seinen Stempel aufdrücken. Jedenfalls anfangs. Nach vier Jahren werden wir sehen, ob Angela Merkel auch den Westerwelle plattgemacht haben wird – nach Kohl, nach Schäuble, Merz und Stoiber. Ganz abgesehen von Koch, Wulff und Öttinger…

Und die Grünen? Wieder nur Fünfte! Irgendwie schleicht sich bei mir, wenn ich das Spitzenpersonal sehe, schon so eine Art Guido-Effekt ein: Ich kann die langsam nicht mehr verknusen, die Roths, Trittins und Kuhns. Die Partei bekommt Falten. Ihr Politik-Stil wurde längst von den anderen adaptiert. Es wäre Zeit für neue Leute, neue Strategien. Lasst euch nicht von dem sehr guten Wahl-Ergebnis täuschen. Wichtig ist, was dabei herauskommt. Und das ist offenbar für die nächsten vier Jahre nicht mehr als in den letzten.

Dezember 22nd, 2008

Horst Seehofer wird an sich selbst scheitern

Als Pendler zwischen Ober- und Mittelfranken mache ich mir so meine Gedanken über die Causa Strauß-Hohlmeier. Ad eins: Die Tochter des früheren Ministerpräsidenten und ewigwährenden Lichtgestalt (mit kleinen Flecken) ist eine abgehalfterte ehemalige Ministerin, die sich im Amt und als CSU-Chefin von München nach Kräften selbst demontierte.
Ad zwei: Weil das so ist, bekommt sie in Oberbayern keinen Fuß mehr auf den Boden. Sie schafft es nicht mehr in den Landtag und als Horst Seehofer sie zur Ministerin machen will, sperren sich die Oberbayern mit Macht dagegen.
Ad drei: Dann wird sie halt nach Oberfranken und von hier aus nach Brüssel weggelobt. Da kann sie nicht so viel Schaden anrichten…
Ad vier: Die Oberfranken gelten offensichtlich als Dödel, die alles schlucken, sogar eine zurecht geschasste Strauß-Tochter.
Mir ist das ja eigentlich egal. Was habe ich schließlich mit der CSU zu tun? Aber als Oberfranke sträuben sich mir sämtliche Haare, wenn ich sehe, was der Freiherr zu Guttenberg und der Ingolstädter Amtsinhaber mit uns anzustellen versuchen. Einen “neuen Stil” versprechen und dann die doofen Parteifunktionäre in einem Überraschungscoup vor vollendete Tatsachen stellen! Das ist wie früher. Wie bei Strauß, wie bei Stoiber. Was soll daran neu sein?
Die Wahrheit ist: Der CSU gerät irgendwas auf Grundeis, wenn sie an die Europawahlen denkt. Angesichts der Schlappe im Landtag versucht der Ingolstädter verzweifelt, die letzten Reserven zu mobilisieren, um auch noch die verschnarchtesten Provinzfürsten wachzukitzeln. Dabei scheint ihm jedes Mittel recht.
Er erreicht sein Ziel in Sachen Hohlmeier, wenn es jetzt in Oberfranken einen Aufstand gibt. Wie können sich die Bezirks-CSUler sowas antun lassen?
Genau diese Diskrepanz zwischen Reden und Handeln wird Horst Seehofer zu Fall bringen, noch ehe die Legislaturperiode zu Ende gegangen ist. Darauf wette ich.

Oktober 24th, 2008

Die Krönungsmessen für Horst Seehofer

Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches musste sich, wenn er die anderen Fürsten ausgestochen hatte, zuerst von den Kollegen zum König wählen und dann vom ranghöchsten Bischof krönen lassen. Einige Zeit später durfte er dann beim Papst vorfühlen, ob er nicht auch Kaiser werden könnte (bis 1508, danach hatten es die Könige satt, den Papst zu fragen und nannten sich gleich selbst Erwählter römischer Kaiser).

Bei Horst Seehofer geht alles ein wenig schneller. Die ausgestochenen Kollegen haben ihn schon gewählt. Anstelle des Bischofs setzt ihm am Samstag der CSU-Parteitag die Krone aufs Haupt. Und am Montag wählen ihn CSU und FDP im Landtag zum Bayerischen Kaiser. Dass er bei der Landtagswahl gar nicht angetreten war, stört ja wohl niemanden.

So beliebt war der Mann in den eigenen Reihen noch nie. Vielleicht wird er es auch nie wieder sein.

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