Posts Tagged ‘Gräfenbergbahn’
Die Bahn ist derzeit eine einzige Problemzone
Die Belegschaft des Stifteherstellers Schwan-Stabilo macht Druck auf die Deutsche Bahn (DB): Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben einen Beschwerdebrief unterzeichnet, der die Probleme auf der Gräfenbergbahn geißelt. Große Schwierigkeiten hat die Bahn auch auf den S-Bahn-Linien der Region.
Dicke Luft bei Schwan-Stabilo. Die Firma hat zwar seit Ende 2002 einen eigenen Bahn-Halt («Heroldsberg-Nord«). Doch was nützt der, wenn die Züge zu spät oder gar nicht fahren? «Die Kollegen,« sagt Betriebsratsvorsitzende Gracija Huck, «sind stinksauer.«
In den letzten Wochen sei die Gräfenbergbahn «permanent ausgefallen oder verspätet gefahren«. Ständig kommen die Mitarbeiter zu spät zur Arbeit. Personalleiter Martin Thürmer und die Betriebsratschefin klagen in ihrem Beschwerdebrief, «dass kein geregelter Schichtablauf stattfinden kann und es zu störenden Produktionsausfällen kommt«. Bei Schichtwechsel um 14 Uhr sind immer häufiger viele Kollegen noch auf der Schiene, die geregelte Übergabe kann nicht wie notwendig stattfinden.
Die Unterschriften, so Huck, hätten sie binnen zwei Stunden gesammelt: «Die Kollegen bestürmen uns schon seit Mitte Dezember.« Ärgerlich sei außerdem, dass die Fahrgäste nicht immer rechtzeitig informiert werden, wenn ein Zug ausfällt.
Hilmar Laug, Geschäftsleiter der DB Regio Mittelfranken, kennt die Probleme und sagt Abhilfe zu. Knackpunkt sei die bekannte Langsamfahrstelle bei Kalchreuth. Sobald es die Witterung zulasse, werde die marode Brücke repariert. Die fünf Minuten, die der Lokführer hier einfährt, schaukeln sich über den Tag so auf, sagt Haug, dass praktisch täglich ein Zug ausfallen muss. Gleich am Montag will die DB mit Schwan-Stabilo Kontakt aufnehmen und über eine kurzfristige Lösung sprechen, so Laug: “Notfalls müssen wir eben Busse fahren lassen.”
Petra Weidig aus Wolkersdorf ist auch sauer auf die DB. Regelmäßig lässt die S-Bahn 3 ihren 17-jährigen Sohn – und mit ihm viele weitere Kunden – in Katzwang frühmorgens auf dem Bahnsteig stehen. Auf allen drei S-Bahn-Linien, sagt Laug, stehen der Bahn aufgrund von Reparaturen und Wartungen zu wenig Wagen zur Verfügung, selbst die Reservewagen reichen nicht mehr aus. Fahrgäste müssen draußen bleiben, weil der um einen Wagen verkürzte Zug bereits voll ist. Viele Schüler kommen daher zu spät in den Unterricht. Hilmar Laug: «Das ist das Letzte, was passieren darf.« Auch hier arbeite die DB an einer Lösung.
So weit die jüngsten Nachrichten aus dem Nahverkehr. Über den Fernverkehr lesen Sie hier einen Beitrag.
Schon wieder: Ärger mit der Gräfenbergbahn
Gerade erst haben wir uns mit den Pendlern der Gräfenbergbahn freuen dürfen, dass die alten Wagen
die neuen ersetzten. Da kommt neuer Ärger auf.
Laura K. aus Eckental schreibt einen Brief an den VGN. Aus ihren Zeilen spricht zweierlei: Einerseits eine totale Zufriedenheit mit der Bahn-Linie an sich. Andererseits eine enttäuschte Liebe zu eben dieser Bahnlinie. Warum Enttäuschung? Ganz klar: Reality kills the Illusion-Star…
Ich dokumentiere den Brief an dieser Stelle. Noch eine Bemerkung: Die Passagen zum Wagenmaterial beziehen sich noch auf die “neuen” Waggons, die ja inzwischen durch die “alten” ausgetauscht wurden. Die neue Hardware verstärkt jetzt zu den Stoßzeiten die anderen Dieselstrecken rund um Nürnberg. Und deswegen bleiben die Schilderungen hier drin, denn die Fahrgäste der anderen Linien haben genauso darunter zu leiden.
Sehr geehrte Damen und Herren des VGN,
mein Name ist Laura K., ich wohne in Eckental und besuche die 12. Klasse des Maria -Ward – Gymnasiums in Nürnberg. Wie jeder Berufstätige oder Schüler der auf kein Auto zurückgreifen kann, muss auch ich täglich mit der Gräfenbergbahn von der Haltestelle Eschenau bis Nürnberg- Nordost fahren.
Bei dieser Verbindung treten ungewöhnlich häufig Verspätungen oder Ausfälle ein.
Ich habe mich schon oft geärgert, weil die Züge unpünktlich gefahren sind oder weil sie schlicht und einfach überfüllt waren. Ich bin auch diejenige, die von ihren Lehrern in der Schule angesprochen wird, warum ich denn so oft zu spät komme, jedes Mal mit der Begründung „Der Zug hatte Verspätung!“. Sehr ärgerlich ist dieser Aspekt natürlich auch dann, wenn in der ersten Schulstunde eine Schulaufgabe/Klausur geschrieben wird.
Das endgültig ausschlaggebende Ereignis für diesen Brief fand jedoch letzte Woche, am Donnerstag den 10. Dezember 2009 statt. Ich habe donnerstags 10 Schulstunden, d. h. ich habe um 16.30 Uhr Schule aus und fahre mit dem Zug um 16.55 Uhr vom Nordost-Bahnhof aus nach Hause. Letzten Donnerstag also bietet sich die Situation, dass ich, vom Sportunterricht aufgeheizt, in den ersten richtig kalten Wintertag hinaus gehe und mit der U-Bahn zum Nordost-Bahnhof fahre. Dort komme ich um ca. 16.40 Uhr an und stelle mich in das, vor dem Regen und Wind, wenig Schutz bietende „Häuschen“ auf dem Bahnsteig. Um etwa 16.50 Uhr wird die Durchsage gemacht, wie immer von einem nuschelnden, leise und undeutlich sprechendem Mann, dass der Zug etwa 20 Minuten Verspätung hat. Eine Begründung gab es dafür nicht. Also gut, wenn man kein Auto hat, muss man warten. Mittlerweile war mir kalt und es sammelten ich immer mehr Leute auf dem Bahnhof an. Um etwa 17:15 Uhr kommt die nächste Durchsage, schwer verständlich aus dem einen funktionierenden Lautsprecher : „Dieser Zug fällt aus! Der nächste Zug in Richtung Gräfenberg fährt planmäßig um 17.30 Uhr“. Na schön eine weitere Viertelstunde warten ist angesagt. Ich bin durchgefroren und freue mich schon mich in den warmen, trockenen Zug zu setzen. Da habe ich mich jedoch zu früh gefreut, denn etwa 10 Minuten später kommt die nächste Durchsage „Auch dieser Zug hat etwa 20 Minuten Verspätung!“. Die vielen Leute auf dem Bahnsteig reden schon quer durcheinander und regen sich auf. Die, denen es möglich ist rufen ein Familienmitglied oder Freund an, der sie dann von dem Parkhaus Herrnhütte abholt.
Auch ich habe inzwischen zu Hause Bescheid gesagt, dass ich später komme und nachdem ich etwa eine Stunde in der Kälte am Bahnhof gestanden habe, erklärt sich meine Mutter bereit mich auch an der Herrnhütte abzuholen. Meine Mutter, die donnerstags ihren freien Tag hat musste dann also meine 10-jährige Schwester allein zu Hause lassen und das gemütliche Plätzchenbacken unterbrechen. Kurz nachdem ich zu Hause angerufen habe, kommt die nächste Durchsage, dass nun ein Zug kommen wird, jedoch niemand einsteigen soll, denn der Zug wäre kaputt. Und tatsächlich, mit munterem Tuten, fährt ein Zug auf dem Bahnsteig ein, er hält jedoch nur kurz und fährt dann tatsächlich in Richtung Hauptbahnhof los. Ich mache mich also auf den Weg Richtung U-Bahn und fahre zur Haltestation Herrnhütte, wo mich meine Mutter, nach weiteren 20 Minuten des Wartens, abholte. Zuhause war ich also um etwa 18:15 Uhr, ich war total durchgefroren, was meinen gesundheitlichen Zustand einer Erkältung, die wohl zur Zeit in der Schule jeder hat, nicht unbedingt besserte. Am Montag und Dienstag dieser Woche hatte ich noch Klausuren, auf welche ich mich am Donnerstag auch noch hätte vorbereiten müssen. Das konnte ich jedoch an diesem Tag vergessen.
Der Punkt ist jedenfalls, dass meine Eltern 80,20€ im Monat für eine Fahrkarte für mich ausgeben, damit ich mit einem Zug fahren kann, bei dem es ständig Probleme gibt. Ein weiteres von diesen Problemen ist zum Beispiel, dass der Zug 200 Meter nach der Haltestation Großgeschaidt und neuerdings auch nach Kalchreuth eine bestimmte Strecke nur mit Tempo 10 km/h fahren kann, da entweder eine Brücke einsturzgefährdet ist oder die Gleise brechen könnten. Diese Verzögerung führt wieder so weit, dass ich bei der Fahrt in die Schule die U-Bahn verpasse, mit der ich den Unterricht noch pünktlich erreiche, und auf dem Nachhauseweg den Anschlussbus 209 Richtung Erlangen verpasse. Dann muss ich die 2 Kilometer von Eschenau nach Brand laufen, was mich auch wieder eine Viertelstunde kostet, und schließlich zahlen meine Eltern auch die Fahrkarte bis Brand.
Ein weiterer Beschwerdepunkt sind die Fahrkartenautomaten. Man muss sich eine Woche vor Monatswechsel darum kümmern sich die neue Monatskarte zu kaufen, denn man muss ja erst einmal einen funktionierenden Automaten finden. Regelmäßig findet sich die Störungsmeldung „Außer Betrieb“ auf dem Bildschirm. Fahrgäste, die eine Fahrkarte für die bevorstehende Fahrt brauchen, haben Pech gehabt, denn der ultramoderne Touchscreen-Automat funktioniert mal wieder nicht. Wenn man das dann jedoch als Grund bei einer Fahrkartenkontrolle angibt, sehen das nicht alle Kontrolleure ein.
Weiterhin muss ich sagen, dass die Züge der Gräfenbergbahn eine einzige Fehlkonstruktion sind. Optisch gibt es nichts auszusetzen, wenn sich jedoch zwei normale Menschen der Körpergröße von 1,70 m etwa gegenübersitzen, ist es nicht möglich seine Beine auch nur ein bisschen zu bewegen, geschweige denn sie auszustrecken. Dann hat man noch seinen Schulrucksack dabei und nun ist man völlig auf seinen Sitz gepresst.
Im Sommer werden die Züge klimatisiert. Das ist schön und gut, würde nur das Gebläse nicht die Passagiere auf den Sitzen am Fenster so stark anblasen, dass man innerhalb von 10 Minuten im Sommer wieder friert.
Das Toilettenabteil im Zug ist auch gut gedacht und vielleicht sogar sinnvoll. Sinnvoll ist es jedoch nicht zwischen der Zugwand und dem Toilettenabteil nur etwa 1 Meter frei zu lassen, wenn man auch noch einen Klappsitz in diesem Bereich ausklappen kann. Wenn eine Person auf diesem Platz sitzt ist ein Vorbeikommen unmöglich, es sei denn , die Person steht auf und man quetscht sich an ihr Brust an Brust vorbei.
Bei der Fahrt an sich sind auch die Ansagen der automatischen Stimme nervig, die den Fahrgast auf Deutsch und Englisch begrüßt. Ich für meinen Teil habe noch nie einen englischsprachigen Fahrgast in dieser Bahn gesehen.
Allgemein ist diese Zugverbindung viel zu sehr auf den Freizeitverkehr ausgerichtet, soll heißen auf Rentnergruppen, die am Wochenende in die Fränkische Schweiz zum Wandern fahren. Es mag diese Passagiere geben, die Hauptnutzer der Bahn sind jedoch Pendler, vor allem Schüler, die in Nürnberg zur Schule gehen , und Berufstätige, die nicht mit dem Auto früh auf der Bundesstraße 2 im Stau stecken wollen. Für diese Masse an Leuten sind die Wagons der Züge nicht konstruiert. Ich bekomme in Eschenau immer einen Sitzplatz, doch für die Passagiere ab Kalchreuth wird das schwierig. Eine Maßnahme gegen diese Überfüllung wäre es ja schon, in den Stoßzeiten, d. h. vor allem bei dem Zug um 7:15 Uhr früh, 3 anstatt von 2 Wagons anzuhängen. Das würde die Masse an Menschen mit Sicherheit schlucken und die Qualität des Fahrens wesentlich erhöhen. Dann hätten die Lokführer auch kein Problem damit, dass sich die Türen nicht schließen lassen weil jemand in der Lichtschranke steht. Wegen diesem Problem gab es schon Durchsagen im Zug wie : „Die Chaoten, die in der Tür stehen sollen sich doch bitte bewegen, ansonsten stehen wir hier ja den ganzen Tag, aber der Schaffner meint, er habe ja dazu Zeit.“
Doch anscheinend ist es unmöglich eine dritten Wagon anzuhängen, da auch auf zahlreiche Artikel in Zeitungen und wahrscheinlich auf Beschwerden hin nichts bewegt wurde.
Mit diesem Brief möchte ich zum Ausdruck bringen, dass die Verbindung an sich super ist. Man ist in etwas mehr als 20 Minuten in Nürnberg und muss nicht mit dem Auto fahren. Nur liegen einige gravierende Probleme vor, die ich hier hoffentlich etwas erklären kann. Ich hoffe, dass mein Brief die Probleme den Leuten ins Gedächtnis rufen kann, die die Gräfenbergbahn betreiben. Ich kann auch nur sagen, dass ich kein Einzelfall bin, der sich bei jeder Kleinigkeit aufregt. Viele Leute sehen die Probleme genauso wie ich, sie haben nur nicht die Zeit und die Lust sich damit zu befassen. Bei mir gab denn Anlass die gravierende Verspätung am Donnerstag den 10. Dezember.
Weiterhin fordere ich für die Abholung von der Herrnhütte durch meine Mutter an diesem Tag eine Entschädigung. Es sind etwa 20 Kilometer von unserem Haus zur Herrnhütte. Bei einem Benzinpreis von ca. 40ct pro Kilometer, das macht hin und zurück 40 Kilometer mal 40 Cent, ist das ein Kostenaufwand von 16,00 € für meine Eltern, der zusätzlich zu der teuren Fahrkarte der Tarifstufe 5 anfällt. Von den Kosten für das Telefonieren von meinem Prepaid Handy aus, einmal abgesehen.
Ich hoffe ich habe Ihnen einmal den Einblick eines Bahnkunden gegeben und bitte um eine Rückmeldung.
Was ist “alt” im Zusammenhang mit Zügen?
Hach, da sprühen die Funken, da rauchen die Köpfe, die Argumente fliegen lustig durch das Internet… Hatte ich mich doch erdreistet, die Baureihe 642 als “alt” zu bezeichnen. @LukasIffländer ist als Siemensianer deprimiert
über die Wortwahl. Ein anderer Leser weist mich darauf hin, dass die Züge ja noch nicht mal ein Jahrzehnt unter den Rädern haben und deswegen nicht als “alt” bezeichnet werden können.
Ja nun. Alt ist relativ. Ich zum Beispiel feiere bald meinen 47. Geburtstag (er fällt auf dasselbe Datum wie die Wiegenfeste von Willy Brandt und Keith Richards, die beide schon in jungen Jahren sehr alt aussahen…). Aber bin ich deswegen alt? (Bitte hierzu keine Kommentare!)
Die alten Silberlinge fahren bekanntlich immer noch, so sie nicht durchgerostet oder auf den Balkan verkauft sind. Es gibt ernst zu nehmende Bahnreisende, denen diese nicht mehr ganz taufrischen Beförderungsschaukeln lieber sind als jeder ICE. Andere wiederum, zu denen ich gehöre, würden gerne auf diese Art des Reisens verzichten (nicht nur, aber auch wegen der Dreh-Falt-Türe).
Im Übrigen kann ich jetzt aufklären, woher die frischen, aber doch nicht mehr ganz frischen 642-er Wagen kommen, die jetzt auf der Gräfenberg-Linie eingesetzt werden. Sie fuhren bisher zwischen Augsburg, Friedberg, Aichach und Schrobenhausen nach Ingolstadt als Paartalbahn. Die letzte Ausschreibung für die Paartalbahn verlor die DB gegen den Veolia-Konzern, so dass die Wagen frei wurden – und jetzt auf der Gräfenbergbahn zum Einsatz kommen.
Gräfenbergbahn: Alte Züge reloaded
Da kommt Freude auf: Auf der Gräfenbergbahn verkehren seit Fahrplanwechsel am vergangenen Montag ausschießlich die alten Dieseltriebwagen der Baureihe 642. Erst vor einem Jahr waren hier die neuen 648er Wagen mit Glanz und Gloria in Betrieb genommen und eine davon sogar auf den Namen “Stadt Gräfenberg” getauft worden.
In einer Pressemitteilung spricht die Bahn jetzt davon, dass im Bereich des Dieselnetzes rund um Nürnberg, also bei der “Mittelfrankenbahn” ein Plus an Fahrgästen in Höhe von sieben Prozent eingefahren wurde. Und, so die Bahn, es wird noch besser.
Nämlich: Alle Fahrten zwischen Nürnberg-Nordost und Gräfenberg werden ab sofort wieder mit den alten Wagen absolviert. Statt sechs neuen fahren jetzt also acht alte Wagen. Die neuen, somit frei gewordenen Züge, verkehren künftig als Verstärkung anderswo: Auf den Strecken nach Markt Erlbach, nach Cadolzburg, nach Neuhaus/Pegnitz sowie zwischen Steinach und Neustadt/Aisch.
Immerhin: Die in der Zwischenzeit aus Platznot eingesetzten Züge der Reihe 614, also die Uralt-Lösung, wird endgültig aus dem Verkehr gezogen. Endgültig? Man wird sehen, wo es als nächstes hakt…
Der Bad Windsheimer in der Online-Redaktion bittet übrigens um den Hinweis, seine Leidensgenossen Mit-Windsheimer seien sehr dankbar für die zusätzlichen Wagen.
Dagegen schäumt die Kleinsendelbacherin in unserem Archiv. Seit geraumer Zeit muss bekanntlich die Gräfenbergbahn bei Kalchreuth wegen einer defekten Brücke extrem langsam fahren. Das bedeutet für die Kollegin: Auf dem Heimweg am Abend ist in der Regel der Anschlussbus längst weg. Und da der nächste erst eine Stunde später fährt, hat sie nicht gerade viel Spaß dabei, in der Kälte bei Dunkelheit am Feierabend zu warten. Danke, liebe Bahn.
Der Eckentaler in der Lokalredaktion übrigens ist froh um die alten Wagen auf der Gräfenbergbahn: “Endlich kann man wieder vernünftig sitzen und muss sich nicht mehr so zusammenfalten wie im Ferienflieger nach Antalya! Endlich kann man wieder vernünftig Zeitung lesen!”
Was lernen wir aus all dem? Zum einen reagiert die Deutsche Bahn auf die im letzten Winter von unserer Zeitung öffentlich gemachten Probleme der Pendlerinnen und Pendler im Großraum. Das ist eine gute Sache. Auf der anderen Seite: Die neuen/alten Züge werden einfach so umgeschichtet, ausgetauscht, abgeschafft, ohne dass die betroffenen Pendler darüber informiert werden. Kundenservice sieht anders aus, eine positive Selbstdarstellung auch.

Wo wächst das Kraut gegen Blödheit?
Gegen Blödheit ist leider noch kein Kraut gewachsen. Gäbe es die Wunderpflanze, fielen mir sofort viele Heilanwendungen ein. Ohne die Krankenkassen zu belasten. Aber auch im Zusammenhang mit der Bahn wirkte das Kraut sicher so manches Wunder.
Beispielsweise müssten Fahrgäste verpflichtet werden, vor Antritt einer Bahnfahrt von dem Anti-Blödheits-Kraut zu kosten. Wären wir schon so weit, dann müssten wir nicht über solche Vorfälle reden, wie sie letzte Nacht in Forth auf der Gräfenberglinie vorgefallen sind.
Eine Horde Blödmänner (ich entschuldige mich ausdrücklich nicht für die Wortwahl) attackiert einen Lokführer. Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung der Polizei:
Die Typen wurden erwischt, der mutmaßliche Haupttäter muss vielleicht die nächste Zeit in der U-Haft zubringen. – Aktualisierung: Der Typ wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, weil keine Fluchtgefahr besteht. – Ich habe den Sprecher der Bundespolizei, Rainer Schlemmer, gefragt, ob Gewalt gegen Lok- und Zugpersonal häufiger registriert wird. Schlemmer wiegelte ab. Er wollte erkennbar keine schlafenden Hunde wecken. Bei der Bahn, sagt er, sind körperliche Übergriffe aufs Personal durchaus ein heftig diskutiertes Thema. So schlimm wie in Berlin allerdings sei es hier in Franken noch nicht: “Was in Berlin täglich passiert, das haben wir hier in einem Monat.”
Ist das nun eine gute Nachricht? Nein, ich halte den Gehalt der Mitteilung auch in seiner Verhältnismäßigkeit zu Berlin für alarmierend. Zum Glück wurde ich als Fahrgast noch nicht Zeuge einer solchen offenen Aggressivität. Sollte dies mal passieren, dann hoffe ich, dass nicht nur ich mich an meine Zivilcourage erinnere, sondern auch möglichst viele andere Fahrgäste. Unabhängig davon, ob der Angegriffene nun ein Bahnbeamter ist oder nicht.