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Preis-Diskussion ums Plantsch-Vergnügen
Jetzt geht sie los, die Diskussion um die Preise im Königsbad Forchheim (ich kann mich nicht an den Namen gewöhnen). Der erste Kommentar ist auch schon eingetroffen, danke PeterP. Die lokale Berichterstattung findet sich hier und hier.
Von vornherein war klar, dass wir tiefer in die Tasche würden greifen müssen für das GJB. Aber wenn ich mir vorstelle, als Gelegenheits-Plantscher jedes Mal acht Euro abdrücken zu müssen, für jeden Erwachsenen, dann noch ein bis zwei Kinder dazu – sehr oft werde ich mir das nicht leisten. Ist die Saison- oder gar Jahreskarte eine Alternative? Wohl nur für denjenigen, der sicher mehr als zehnmal pro Saison das Bad aufsucht. Und was machen die vielen Familien, die bisher im Sommer täglich in die Käsröthe gepilgert sind? Zumal die Familienverbände aus dem finanziell schwachen Segment. Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut der Stadträte stecken, die jetzt zu entscheiden haben. Letztlich müssen sie sich darüber einig werden, wie hoch das Defizit des Betreibers jährlich ausfallen soll. Betreiber ist die Stadt – noch.
Laut OB Stumpf sollen ja die Stadtwerke den Betrieb übernehmen, und zwar schon mit Eröffnung. In seiner unnachahmlichen Art schmiss Stumpf dem Stadtwerke-Chef Müller in aller Öffentlichkeit den Brocken hin. Müller wusste von nichts und musste erst mal verdauen, was er da hörte: “Wir sind darauf organisatorisch gar nicht vorbereitet.” Friss Vogel, und stirb nicht. So wird in Forchheim Politik gemacht. Läuft so auch das Preis-Diktat?
Ein königliches Pendler-Gefühl
Ich gebe es zu: Heute bin ich in der 1. Klasse der Regionalbahn nach Nürnberg gependelt, obwohl ich für die Königsklasse gar keine Fahrkarte besitze. Und das Beste: Die Schaffnerin hat mich nicht hochkant hinausgeschmissen, sie hat mir keine Szene gemacht und verzichtete auch auf jedwedes Drohen und Schimpfen. Wie kommt’s?
Mein Verdienst war’s jedenfalls nicht. Ich gesellte mich zu einem Freund, der zu gleicher Zeit eine längere Zugreise antrat, ausgestattet mit einem First-Class-Ticket. Da in der Holzklasse alle Vierer-Garnituren besetzt waren, enterten wir kurz entschlossen das kleine Königsklassen-Abteil. Die Kundenbetreuerin im Nahverkehr kriegte ich dann mit meinem berühmten Dackelblick
und dem Verweis auf meines Freundes Fahrkarte herum…
Warum ich von der Königsklasse spreche, vom königlichen Gefühl? Das ist ja wohl klar, seitdem Forchheim ein “Königsbad” bekommt. Nach glaubhaften Versicherungen aus dem Forchheimer Rathaus hat die Namensgebung nichts mit einem etwaigen Monarchen in demselben zu tun. Man wolle vielmehr auf die königlichen Besuche in der alten Pfalz zu Forchheim rekurrieren.
In diesem Zusammenhang sage ich nur noch eins: 933. So viele Jahre ist es her, dass Forchheim von einem König besucht wurde. Und der war noch dazu ein Gegenkönig, der nach drei Jahren, 1080, ausgedient hatte. Zuvor gab es zwei reguläre Königswahlen (900 und 911). Und jetzt also das Königsbad. Herrschaftszeiten!
Forchheim erhält ein Königsbad
Nun ist es amtlich: Der Forchheimer Stadtrat hat sich mit einer Mehrheit von 25:8 Stimmen dafür entschieden, das künftige Ganzjahresplanschvergnügen “Königsbad” zu nennen. Die Diskussion fiel nur kurz aus. Mehr dazu lesen Sie am Freitag in den Nordbayerischen Nachrichten.
Der nächste Schritt: die Eintrittspreise. Man möge mir den naheliegenden Kalauer verzeihen, der obendrein nicht originell ist. Aber: Werden die Preise denn auch königlich sein?
Oder darf darüber nicht diskutiert werden…
Was darf ein Tag im Spaßbad kosten?
Was darf ein Tag im Spaßbad kosten? Soll man die Leute überhaupt für einen ganzen Tag zahlen lassen oder die Badezeit beschränken? Was zahlen Erwachsene, was die Kinder? Das sind zurzeit heiß diskutierte Fragen in Forchheim.
Noch hat das Ganzjahresbad keinen Namen. Und noch liegen keine Vorschläge für die Preisgestaltung vor. Allerdings lässt sich die Bäderverwaltung im Rathaus so viel entlocken: Zwischen Hallen- und Freibadbereich wird keine Bezahlschranke eingebaut. Hier gilt also Reisefreiheit.
18 Millionen Euro wird das neue Bad an der Käsröthe am Ende gekostet haben, mindestens. Damit die Stadt auf dem Schuldendienst nicht ewig sitzen bleibt und aus dem Spaßtempel kein Fass ohne Boden wird, muss der Bade- und Saunagast finanziell angemessen zur Ader gelassen werden. Wobei der Saunierer die eigentliche Melkkuh sein wird. Von der Schwitzlandschaft erwarten sich Bad-Betreiber von jeher einen kostendeckenden, wenn nicht gewinnbringenden Betrieb.
Anders der Badebetrieb. Ein kommunales Schwimmbad, ob mit oder ohne Spaßbestandteilen, wird zwangsläufig ein Zuschussempfänger bleiben. Denn gedacht ist die Anlage ja für die breite Bevölkerung. Der CSU-Fraktionschef im Rathaus hat jetzt schon mal laut nachgedacht: Fünf Euro für Erwachsene sind “am Anschlag”. Der Mann ist selbst Schwimmer, und außerdem bei der Sparkasse beschäftigt. Also steht er unter dem Verdacht, zu wissen was er sagt.
Der Oberbürgermeister möchte die Diskussion um die Eintrittspreise erst kurz vor der Eröffnung führen. Sollen wir ihm diesen Gefallen tun? Nö, sollen wir nicht, finde ich. Von der Höhe und der Gestaltung der Eintrittspreise hängt nicht nur die Finanzierung ab, sondern entscheidend auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, mehr noch als von dem albernen Namen
Daher fände ich es schön, wenn hier eine Diskussion stattfinden könnte.
Wie viel würden Sie für einen Tag im Freizeitbad Forchheim zahlen?
Willkommen im Königsbad beim Seniorenplätschern?
Können Marketing-Experten irren? Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Aber eines weiß ich ganz genau: PR-Fachleute haben sehr genaue Vorstellungen davon, welcher Slogan, welcher Name sich vermarkten lässt und welche nicht. Wie gesagt: Vorstellungen. Ob die dann auch dem Härtetest in der Realität standhalten können, ist eine andere Frage.
Die von der Stadt Forchheim beauftragte Agentur jedenfalls hat die Diskussion um den Namen für das Ganzjahresbad von Anfang an in die Richtung gelenkt, die sie wollte: Kein regionaler Bezug, kein Fremdwort wie Aqua oder Mare. Herausgekommen sind die bekannten Vorschläge “Forchheimer Badewelten”, “H2FO” und “Königsbad”. Was alles an anderen Ideen auf der Strecke blieb, können Sie hier nachlesen.
Nun hat der Hauptausschuss des Stadtrates über den Rest-Vorschlägen zu Gericht gesessen, und die “Badewelten” schon mal gleich ausgeschlossen. Das ist gut so. Allerdings: Favorit ist jetzt das “Königsbad”. Je nun.
Ja, Herr Kulturbeauftragter George, in Forchheim haben sich, als die Stadt noch bedeutend war, also vor rund 1000 Jahren, tatsächlich immer mal wieder Könige umgetan. Ja, Forchheim wirbt für sich bereits als alte Königsstadt. Alles richtig. Aber: Als Name für ein Bad, das zuvörderst die jungen Leute anspricht?
Stadtrat Hümmer (FW) erinnert das “Königsbad” an “Seniorenplätschern”. Man muss gar nicht so polemisch sein, um vor dem geistigen Auge bei der Nennung des Namens “Königsbad” Männer in langen Badeanzügen und Frauen in gigantischen Badehauben zu sehen, am besten noch durch hohe Lattenzäune getrennt…
Die Marketingexperten wollen den Kindern Papp-Kronen aufsetzen und sie als Prinzessinnen und Prinzen feiern. Wissen die nicht, dass Pappe sich nicht mit Wasser verträgt?
Der Werbefachmann denkt bei der Namensgebung vor allem an die Auswärtigen. Forchheim müsse sich vom Fürther Mare absetzen und von der Franken-Lagune in Hirschaid. Vielleicht sollte dem Herrn Bähr mal jemand folgendes sagen: Wenn ich großzügig bin, dann sehe ich als Einzugsgebiet für das Wie-auch-immer-Bad in Forchheim einen Radius von 50 Kilometern. Aus diesem Raum fährt niemand, ich wiederhole: NIEMAND nie nicht ins Forchheimer Bad, weil das Ding “Königsbad” oder “H2FO” oder “Trubamare” heißt. Sondern er fährt nach Forchheim ins Freizeitbad, weil es neu ist, einen guten Ruf hat oder weil es ihm von Freunden empfohlen wurde.
Wenn ich die Therme Obernsees besuche oder meine Kinder in die Franken-Lagune chauffiere (übrigens ein höchst überkandidelter Name angesichts der Größe, aber so sind sie halt, die Neureichen
), dann fahre ich einfach nach Obernsees oder nach Hirschaid “ins Bad” oder “zum Baden”. Der Name spielt für meine Entscheidung nicht die geringste Rolle.
Ein PR-Unternehmer freilich denkt anders. Das ist mir klar und es muss so sein. Daran ist nichts Verwerfliches. Das Bad soll heißen, wie es will. Die PR-Leute müssen ja auch ihren Auftrag rechtfertigen und ich kann verstehen, dass sie einen “König” besser in Szene setzen können als ein “H2FO”. Aber ich frage mich: Welches Signal sendet Forchheim in die Welt mit einem “Königsbad”? Dasselbe schwere, gravitätisch-majestätisch daherkommende wie mit “Fränkisch modern mit altem Kern”, dem offiziellen Stadt-Slogan? Wäre da etwas Spritzig-Frisches nicht angebrachter?
Forchheim: Wie soll es heißen, das neue Bad?
Die Große Kreisstadt Forchheim leistet sich in diesen Tagen den Neubau eines so genannten Ganzjahresbades. Das heißt: Die Diskussion darüber begann schon vor 12 Jahren. Seinerzeit dachte der früh verstorbene Kämmerer Gerhard Schneider ein wenig über den Tag hinaus und machte folgenden Vorschlag: Wenn das alte Freibad in der Käsröthe mit Millionenaufwand saniert werden muss und auch das mit dem Landkreis gemeinsam betriebene Hallenbad eigentlich nicht mehr erhaltenswert ist – warum geben wir das Geld nicht gleich für eine große Lösung an einem einzigen Standort aus?
Sprach’s, und so kam’s. Nun gut. So schnell ging es ja nun nicht. Zuerst suchte die Stadt einen Privatinvestor, der ihr ein Spaßbad vor die Tür stellen sollte. Das führte zu viel bösem Blut im Stadtrat und zur Gründung einer Bürgerinitiative mit dem schönen Namen SOS – Save our Schwimmbad.
Schließlich kam die Sache doch als kommunales Unternehmen in Gang und die Bürgerinitiative richtete ihr Bürgerbegehren dann gegen aus ihrer Sicht zu viele und zu teure Spaß-Elemente auf Kosten von Bahnen im Schwimmerbecken – vergeblich. Im März soll es nun eröffnet werden, das – ja, das ist der Knackpunkt: Wie soll das schicke neue Bad eigentlich heißen?
In einem seltenen Anflug von Bürgerbeteiligung versprach die Stadtspitze, die Bürger sollten entscheiden. Und tatsächlich: Die Forchheimerinnen und Forchheimer hirnten über “ihr” Bad nach und machten fast 1400 Vorschläge (hier nachzulesen). Da war guter Rat teuer. Was mach ich, wenn ich nicht mehr weiterweiß? Richtig: Ich gründe einen Arbeitskreis. In die Jury wurden je ein Mitglied aller Fraktionen und Gruppierungen des Stadtrates berufen, außerdem je ein Vertreter des Bundesfachverbandes öffentlicher Bäder und des Werbeunternehmens, das das Bad vermarkten soll. Diese Koniferen Koryphäen der Namensfindung hockten sich zusammen und wählten stellvertretend für die Bürger (“Es eilt!”) drei Vorschläge aus: H2FO, Forchheimer Badewelten und Königsbad (in Forchheim wurden im frühen Mittelalter mal Könige gewählt…).
Man kann nicht behaupten, dass die Bürger sehr zufrieden wären mit den Vorschlägen. Und das ist ja auch verständlich. Unverständlich ist hingegen, warum die Jury meinte, geographische Bezugspunkte von vornherein ausschließen zu müssen. Zur Auswahl gestanden wären hier die Wiesent, die Trubach, die Regnitz (z. B. “TrubaMare”). Auch Fremdwörter wollte man keine. Damit war der Bezug auf Aqua und Mare perdu.
Seltsamerweise kam auch der Vorschlag Franzensbad nicht zum Zug. Wo der doch so schön zum Oberbürgermeister Franz Stumpf und zu seinem besten Freund Zweiten Bürgermeister Franz Streit gepasst hätte…
Wie auch immer: Aus drei nicht voll überzeugenden Namen soll jetzt das Beste herausgeholt werden, und zwar vom Stadtrat (d a s sind halt Experten!?). Wenn Sie sich online an einer Abstimmung beteiligen wollen, dann klicken Sie hier. Wenn Sie in der Namensliste oder durch eigenes Nachdenken andere, bessere Bezeichnungen gefunden haben, dann schreiben Sie sie in einen Kommentar. Man darf nicht alles einfach so hinnehmen, was eine Kommission sich so denkt…, oder?


Eintrittspreise für das Königsbad stehen fest
Eintrittspreise für das Königsbad
Hough, der Stadtrat hat gesprochen. Endlich, werden manche in Forchheim sagen. Jetzt wissen wir, wie tief wir ins Portemonnaie greifen müssen, wenn wir als König Kunde in die Käsröthe radeln, um unsere geschundenen Körper und gestressten Seelen im und am Wasser abhängen lassen zu können.
Ich muss der Kollegin Beke Maisch Recht geben: Sie kommentiert in den Nordbayerischen Nachrichten, dass mit dem Preiskatalog ein vernünftiger Mittelweg gefunden wurde. Die Forchheimer wollten mehrheitlich das Freizeitbad mit all seinen Attraktionen. Von vornherein war klar, dass die ehedem sehr niedrigen Gebühren für ein antiquiertes Freibad mit dem neuen Trumm steigen müssen. Von Beginn an ging es nur darum, wie hoch das Defizit des Betreibers ausfallen würde. Das werden jetzt wohl die Stadtwerke sein, die ein Defizit betriebswirtschaftlich sogar noch nutzbringend einbringen können.
Man muss auch kein Prophet sein um vorherzusagen: In zwei, drei Jahren werden die Preise angehoben werden müssen. Zum einen steigen selbstverständlich die Personal- und Sachkosten. Zweitens wird die Zahl der Besucher naturgemäß nachlassen, wenn der Reiz des Neuen erst einmal verflogen sein wird.
Am Rande bemerkt: Ob es wohl möglich sein wird, den Eintritt per Handy zu zahlen (wobei das Gerät nicht zwingend ein iPhone sein muss)?