Posts Tagged ‘Erlangen’

März 10th, 2010

In Nullkommanix in Balleis-City

Dieser Tage arbeite ich in unserer Erlanger Redaktion. Das heißt: Mein Pendler-Weg ist stark verkürzt. Das hat Folgen: Im Zug komme ich nicht mehr im gewohnten Umfang zum Lesen.

Heute morgen, ich saß in einem Regionalexpress, war ich so schnell in Erlangen angelangt, dass ich kaum rechtzeitig die Zeitung zusammenlegen, Jacke und Tasche raffen und zum Ausgang laufen konnte. Kaum habe ich mich niedergelassen und auf einen Artikel konzentriert, schon bin ich durch den Tunnel gerauscht, am Friedhof vorbeigerast und in der Capital City of Medicine eingetroffen.

Würde ich länger in Erlangen arbeiten, ich müsste mir einen ganz neuen Rhythmus zulegen. Und das in meinem Alter (Hinweis zu meinem Alter: Als John Lennon final die Brille ablegen musste, stand ich zehn Tage vor meinem 18. Geburtstag).

Juli 8th, 2009

Die Bahn und ihre Bau-Politik – wer soll das verstehen?

Ich sag’ es gerne noch einmal: I c h brauche die S-Bahn zwischen Nürnberg und Forchheim nicht. Gut, ich sehe ein, dass die tausenden von Pendlern, die nur eine Teilstrecke in diesem Abschnitt zu bewältigen haben, voraussichtlich von der S-Bahn profitieren werden.

Mir bringt sie nichts. Führe ich mit der S-Bahn, verlängerte sich die Zeit, die ich zwischen Heim und Arbeit benötige. Ich werde zum Zeitpunkt der Einführung der Schnell-Bahn nur noch mit dem Express fahren. Aber bis dahin fahren noch viele Züge auf den Gleisen im Regnitztal. Siehe hier.

Im Prinzip kennt das ja jeder, der schon mal ein Haus gebaut oder einen Hausbau verantwortet hat: Erstens kommt es teurer, und zweitens später als gedacht. Wenn also die Bahn heute sagt, die S-Bahn in Richtung Forchheim werde ab 2010 schrittweise auf die Schiene gesetzt, dann dürfen wir schon mal a priori vom Jahr 2011 ausgehen. Mindestens.

Wenn weiterhin behauptet wird, mit dem Jahr 2016/2017 wird im Zuge des viergleisigen Ausbaus der Strecke Nürnberg-Erfurt das Projekt Deutsche Einheit Nr. 8 verwirklicht, dann warten wir getrost bis 2022, ehe sich die Anrainer, zumal in Erlangen, Bubenreuth, Forchheim und Altendorf Sorgen um ihre relative Ruhe und um ihren Gebäudebestand machen müssen.

Aber die Riesensauerei, die damit einhergeht, ist ja die: Unter Verweis auf dieses Verkehrsprojekt, das unter den Vorzeichen von Rekordschulden in immer weitere Ferne rückt, verweigert die Bahn am Bahnhof Forchheim einen behindertengerechten Zugang zu den Gleisen. Rollstuhlfahrer und andere Gehbehinderte können nun mal nicht steile Treppen runter- und wieder hochlaufen. Sie sind in Forchheim von der Beförderung mit dem öffentlichen Verkehrsmittel Bahn ausgeschlossen. Begründung der Bahn: Wir bauen keinen Aufzug, den wir in zehn Jahren wieder abbauen müssen.

Aber was passiert im Zuge des S-Bahn-Baus? Hier werden Bahnsteige errichtet, von denen die Bauherrin sagt, dass sie wieder abgerissen werden müssen, wenn der ICE-Endausbau kommt. Wer soll das verstehen?

Postscriptum: Für alle, die sich fragen, wo die deutsche Politik in punkto Ausbau der Verkehrswege die Prioritäten setzt - lest hier mal nach.

Juli 2nd, 2009

Respekt: Alles richtig gemacht, DB

Am Mittwochnachmittag hatte ich wieder einmal Pech mit der Bahn. Aber die DB konnte diesmal nichts dafür. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Erlangen, aus Nürnberg kommend, wurden die Fahrgäste im Zug zweimal darauf hingewiesen, dass sich die Weiterfahrt “auf unbestimmte Zeit” verzögert. Grund sei ein Böschungsbrand im Bereich Forchheim/Baiersdorf. Schienenersatzverkehr gebe es keinen. Was tun?

Ich blieb einfach sitzen. Was hätte ich sonst tun sollen. Aussteigen und Löcher in die Luft gucken? Da hätte mir der Zug davon fahren können. Leider saß ich in einem alten Silberling, die Luft stand, draußen war es schwül, kaum ein Lüftchen bewegte sich. Aber ich mich auch nicht. Ich vermied jedwede Energieverschwendung und konzentrierte mich ganz auf die Musik von Led Zeppelin, Queen+Paul Rodgers, Van Morrison, Udo Lindenberg und von anderen alten Säcken.

Allerdings lüftete ich immer mal wieder die Ohrstöpsel, wenn eine Durchsage gemacht wurde. Und die kamen wirklich regelmäßig und erschöpfend, im Zug und auf dem Bahnsteig, obwohl hier ja bekanntlich zwei unterschiedliche DB-Gesellschaften am Werk sind.

Nach einer halben Stunde war der Brand offenbar gelöscht und das Zügla fuhr weiter gen Feierabend. Ich hatte mich einfach geweigert, mich aufzuregen. Die Service-Qualität hat gepasst (gut, gegen ein kühles Getränk hätte ich nichts einzuwenden gehabt). Es gibt keinen Grund unzufrieden zu sein. Auch mal schön.

Oktober 29th, 2008

Ich habe kein Verständnis mehr

Gestern Abend am Nürnberger Hauptbahnhof. Mein RE in Richtung Kronach kommt laut Ansage 10 Minuten verspätet. Grund: Störungen im Betriebsablauf. Gleichzeitig wird angekündigt: Der ICE von Wien nach Dortmund erhält 20 Minuten Verspätung. Grund: Verspätete Übergabe aus dem Ausland. Und: Der ICE nach München fällt ganz aus. Grund: Störungen am Fahrzeug. Ein weiterer ICE, nach Berlin, fällt ebenfalls aus. Begründung höre ich keine.

Dann geht’s weiter: Mein Zug wird um circa 30 Minuten verspätet eintreffen. Grund: ein liegengebliebenes Fahrzeug. Wer nur nach Erlangen muss, kann in die bereitstehende Regionalbahn einsteigen. Ob die gefahren ist, weiß ich nicht, weil ich zuerst mal den warmen Hauptbahnhof aufgesucht habe.

Gewitzt aus Erfahrung kehrte ich schon nach 10 Minuten auf den Bahnsteig zurück. Und da rollte er auch schon heran, mein Express, sieben Minuten früher als die angekündigte Verspätung. Weitere drei Minuten später dann die Abfahrt. Was, wenn ich die gemeldete Verzögerung ernst genommen hätte? Nein, ich will kein Verständnis mehr haben.

Oktober 20th, 2008

I don’t like mondays

Ich mag vor allem diesen Montag nicht. Diesen Pechtag heute. Kaum bin ich aus dem Haus, rutscht mir das Vorderrad beim Bremsen auf ein paar lausigen Blättern weg. Ich mit der Nase voraus aufs Trottoir geschlittert. Zwei Löcher in der Jacke. So weit so schlecht. Immerhin keine Verletzung, wie vor zehn Jahren, beim letzten Sturz.

Dann: Der Zug hat Verspätung. Typisch, denke ich. Da liegen die Temperaturen mal unter null, schon wird die Bahn eiskalt erwischt und hat Störungen im Betriebsablauf. Allerdings tat ich ihr damit Unrecht, so zu denken. Ab Erlangen die Durchsage: Der Zug endet heute in Fürth wegen eines Notarzteinsatzes zwischen Fürth und Nürnberg. Bitte alle in die U-Bahn umsteigen. Eine gute halbe Stunde Verspätung kam dabei heraus. Kann die Bahn nix für. Ich bin auch noch heil, abgesehen von der kaputten Jacke. Aber ich ärgere mich trotzdem über diesen dämlichen Wochenauftakt.

September 8th, 2008

Immer schön an die Textbausteine halten, gell

Nach drei Wochen Pause an den Schreibtisch zurückgekehrt, mit der Bahn. Problemlos? Na ja, fast. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Erlangen musste der Zug warten – wegen einer Signalstörung im Bahnhof Erlangen aufgrund von Bauarbeiten. Aber die fünf Minuten waren locker zu verkraften.

Als ich den Zugbegleiter nuscheln hörte, wünschte ich mir so schöne Durchsagen wie hier oder hier. Auf der Strecke nach Nürnberg scheinen die Mitarbeiter sich immer an die vorgeschriebenen Textbausteine zu halten. Verrutscht dann auch nur ein Wort, ist der ganze schöne Satz dahin und ich könnte Mitleid bekommen mit den uniformierten Vertretern der Bahn. Hilflos irren sie dann zum Teil durch das Labyrinth des deutschen Satzbaus und es ist gar nicht mehr zu verstehen worum es eigentlich ging:”Wir bitten dafür um Verständnis und um Ihr äh Entschuldigung.”

August 5th, 2008

Zehn äh Minuten

Heute schreibe ich wieder übers Pendeln. Denn heute erlaubte sich die Bahn wieder einmal eine zehnminütige Verspätung. Ach, aber wir Pendler sind ja Kummer gewohnt. Was sind schon zehn Minuten – wobei: zehn Minuten? War da nicht was? Sollten wir nicht in zehn äh Minuten vom Hauptbahnhof in äh München zum Franz-Josef Strauß kommen? Ist der nicht vor 20 Jahren gestorben?

Tschuldigung, ich schweife ab. In zehn Minuten können beispielweise Anschlusszüge verloren gehen. Sagen wir, eine Familie entscheidet sich dazu, mit dem Flieger vom Flughafen in äh, München, in den Urlaub zu fliegen. Sie reist mit der Bahn an. Und verpasst wegen dieser zehn Minuten den ICE in Nürnberg. Weil sie nicht noch früher aufstehen wollte, diese Familie, hat sie die Reisezeit auf den Fahrplan der Bahn abgestellt. Und jetzt hockt sie da in Nürnberg, der ICE ist weg, der nächste fährt in einer Stunde. Wartet der Flieger?

Warum die Verspätung? Eine Signalstörung vor dem Bahnhof in Erlangen war schuld. Kann ja mal passieren. Bei mir ist das auch nicht so schlimm, wenn ich zehn Minuten später im Büro eintreffe. Ich muss auch keinen Anschlusszug erreichen, heute.  Kaum bin ich an meinem Arbeitsplatz, höre ich: Auch die U-Bahn hat’s erwischt. Was ist denn bloß los heute?

Mai 28th, 2008

Wir bitten um Ihr Verständnis

Gestern auf dem Heimweg. Ich hetze aus dem Büro, um mal etwas früher als sonst nach Hause zu kommen. Schon der Denkansatz allerdings war falsch: früher aus dem Büro, um früher daheim zu sein – mit der Bahn?

Auf Bahnsteig 5: Der Zug steht nicht da. Die Statuszeile im Display bleibt leer. Ich frage eine Raucherin in ihrer Suchtzone nach meinem verlorenen Zug. “Der fährt auf Gleis 6.” Noch vier Minuten bis zur Abfahrt. Ich unterquere die Gleise 5 und 6. Auf dem Nachbargleis steht eine Regionalbahn nach Erlangen. Ein Zug mit Dreh-Falt-Türe. Und jede Menge Reisende. Erlangen wäre mir zu kurz. Nach wenigen Minuten eine Ansage: Der Regionalexpress nach Haßfurt hat etwa 15 Minuten Verspätung. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Schließlich trifft der Zug mit fast 20 Minuten Verspätung ein. In der Zwischenzeit hatte ich bei weiteren gefühlten 20 Durchsagen mit teils widersprüchlichen Angaben über an- und abfahrende Züge reichlich Gelegenheit, der Bahn weiteres Verständnis entgegenzubringen.

Wir fahren los. In einem Doppelstockwagen, gut gekühlt bei der Affenhitze. Die Verspätung resultiert aus einigen Baustellen und der Zustiegsverspätung aus Richtung Oberstdorf. Wir bitten um Ihr Verständnis. Aha, danke. Ohrstöpsel auf, Bob Dylan, Rod Stewart, Travelling Wilburys, Eagles – alles könnte gut werden.

Plötzlich, kurz vor der Einfahrt in meinen Zielbahnhof Forchheim, rollt der Zug aus und bleibt stehen. Auf der einen Seite: Wiesenttal, auf der anderen der Globus-Einkaufsmarkt. Noch 600 Meter bis zum Bahnhof. Der Zug steht. Ein ICE braust vorbei in Richtung Nürnberg. Die Klimaanlage ist ausgefallen. Die Temperaturen steigen. Vor mir telefoniert eine Reisende mit Zuhause. Sie muss alles dreimal sagen, weil sie in dem sehr stillen, wenngleich vollen Abteil nicht herumschreien will. Da kommt wieder eine Durchsage: Wegen eines Problems mit der Lok wird sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögern. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Nach nur sechs Minuten: Die Klimaanlage springt wieder an. Nach sieben Minuten rollt auch der Zug an und langsam in den Bahnhof. Ausstieg heute rechts, weil wir von einem ICE überholt werden. Dadurch verzögert sich die Weiterfahrt. Wir bitten um Ihr Verständnis. Mir ist das jetzt wurscht. Ich will nur raus. Zuhause bin ich zur selben Zeit, wie wenn ich den späteren Zug genommen hätte. Toll. Ich bitte um mein Verständnis.

Mai 14th, 2008

Im Schneckentempo zur Arbeit

Heute bin ich in Forchheim mit dem festen Vorsatz in den Zug gestiegen, etwas Positives über die Bahn zu schreiben. Und dann kam es doch ganz anders.

Ich wunderte mich noch, warum ich mich seit langer Zeit schon nicht mehr über verspätete Züge ärgern musste. In den letzten Wochen, ich muss schon sagen, fuhren die Pendlerbahnen rechtzeitig ab, kamen einigermaßen rechtzeitig an. Das wollte ich den lieben Mitpendlern in den Blog schreiben.

Und dann das. Schon kurz nach Baiersdorf hält der Regionalexpress auf freier Strecke an. Einfach so. Keine Durchsage. Nix. Der Lokführer fährt auf Sicht. Und wenn ihm die Signale sagen: Stopp! Dann macht er auch Stopp! Aber warum? Ich werde es nie erfahren.

Die Fahrt durch den Bergtunnel dauerte mindestens doppelt so lang wie normal. Vielleicht, dachte ich, stehen Berg-Gänger auf den Gleisen und er muss Rücksicht nehmen. Aber dann, nach dem Bahnhof Erlangen, ging’s im Schneckentempo so weiter bis kurz vor Fürth. So viele besoffene Berg-Gänger am hellichten Tag? Wie er es geschafft hat, im Endeffekt doch nur sieben Minuten Verspätung einzufahren, ist mir ein Rätsel.

In dem kleinen Video kann man sich ansehen, wie langsam der Zug nach dem Tunnel in Richtung Bahnhof zuckelt.

April 9th, 2008

In Forchheim wird der Pendler auch unter dem Dach nass

bahnhof.jpgDer Bahnhof in Forchheim ist nach meiner Kenntnis der einzige in Deutschland, auf dem die Reisenden bei Regen auch unter dem Dach nass werden, das sie eigentlich schützen soll. Und das seit vielen Jahren.

Auf dem Foto ist im Vordergrund ein Bauzaun zu sehen. Er bewahrt die Menschen davor, in ein Loch zu treten. Wo jetzt ein Loch im Plattenbelag prangt, stand bis vor kurzem der Pfosten für das marode Holzdach. Der Pfosten war von innen so vom Wasser aufgeweicht, dass dieser Teil der Bedachung selbst der Bahn nicht mehr geheuer war. Sie ließ eine Sektion des Nicht-Daches abreißen.

Warum nicht gleich alles sanieren oder erneuern? Denn immer noch bleibt die Situation auf den Bahnsteigen prekär: Wer Pech hat, wird von oben kalt erwischt, während er gerade die Treppe hinaufsteigt. Wer spannt schon den Schirm auf, wenn er unter einer Bedachung läuft. In Forchheim kann man dazu nur raten.

Die Bahn sagt: Bevor 2010 wegen der Anbindung an die S-Bahn der Forchheimer Halt sowieso in großem Stil erneuert wird, nehmen wir kein Geld mehr dafür in die Hand. Das könnte ich jetzt als bodenlose Arroganz bezeichnen. Als Frechheit, wenn nicht Gleichgültigkeit gegenüber den Bahnkunden. Aber das bringt mir ja nichts.

Diese Aussage steht nämlich schon seit vielen Jahren. Anfangs der 90er wurden die Planungen für die transeuropäische ICE-Trasse von Palermo nach Berlin aufgenommen. Forchheim liegt unglücklicherweise am landschaftszerstörerischen Aus- und Neubaustück Nürnberg-Erfurt. Schon damals waren die weit in der Zukunft liegenden Pläne für die Bahn Anlass genug, die Modernisierung des Bahnhofs hintan zu stellen beziehungsweise gar nicht erst in Angriff zu nehmen.

Gut, seither wurden die Fahrradständer mal erneuert. Der Grund war aber: Die alten Blechdächer stürzten ein. Forchheim, das sehe ich ein, ist natürlich nicht so bedeutend wie Nürnberg oder Erlangen. Aber täglich benutzen von Forchheim aus mehrere tausend Menschen, in der Hauptsache Pendler, den Zug. Ein bisschen mehr Entgegenkommen als die blanke Kaltschnäuzigkeit könnten wir von dem Unternehmen, in das wir unser Geld stecken, eigentlich schon erwarten, meine ich.