Posts Tagged ‘Baiersdorf’

August 9th, 2009

Stell dir vor, du sitzt im RE und plötzlich ist der Strom weg

Reise mit der Bahn und du erlebst immer wieder etwas Neues. Heute mittag dachte ich zunächst, es sei den Bauarbeiten geschuldet, als mein Regionalexpress zwischen Baiersdorf und Bubenreuth nur im Schneckentempo dahinrollte. Die Innenraumbeleuchtung lief noch (zumindest die Lampen, die unbeschädigt waren), aber die Klimaanlage war ausgefallen. Ich wollte es genauer wissen.

Also fragte ich die Zugebegleiterin. Ihre Antwort kam wie aus der Pistole geschossen und mit einem entwaffnenden Lächeln: “Da ist nur der Stromabnehmer nach unten gefallen.” Und weg war sie wieder. Der Stromabnehmer weg? Dann, so denke ich mir als Nicht-Experte, sind wir also eine ganze Zeit lang stromlos vorangetuckert?

Ich will es noch genauer wissen. Im Hauptbahnhof Nürnberg frage ich den Lokführer im Steuerwagen. Er erklärt mir: Das Trafo-Öl wurde so heiß, dass der Strom automatisch abgestellt wurde. Mit dem Stromabnehmer hat das nichts zu tun. Es handelt sich also um eine automatisierte Sicherheitseinrichtung. Der Strom hatte sich von selbst abgestellt. Tatsächlich rollte der Zug mit Hilfe seines eigenen Schwungs gerade noch so eben zum Haltepunkt Bubenreuth, erklärt der Lokführer: “Da hatte ich wirklich Glück.” In Bubenreuth “rüstete ich komplett ab und wieder auf.” Hätte das nicht geklappt, dann hätte er zur Lok gehen müssen, die am Ende des Zuges fuhr.

Wie auch immer. Alles habe ich als Laie nicht verstanden. Aber so viel weiß ich jetzt: Jederzeit kann es während der Fahrt passieren, dass plötzlich die Stromversorgung ausfällt. Der Zug rollt dann so weit er kommt… Na, das kann ja noch heiter werden.

Verspätung heute: zwölf Minuten.

August 3rd, 2009

Im Bus mit Unterwegshalt – unfreiwillig

Im Bus mit Unterwegshalt von Erlangen nach ForchheimZeit … was ist schon Zeit! Zeit nach Hause zu kommen, Zeit für nette Gespräche, Zeit im Feierabend – all das hat mir die Bahn heute abend beschert. Denn so problemlos wie ich heute morgen trotz Streckensperrungen in die Arbeit gekommen bin, so anstrengend verlief die Rückfahrt heute abend.

Abfahrt um 17.41 Uhr in Nürnberg, alles verläuft nach Plan. Kopfhörer auf, Stairway to heaven – live, und ab nach Fürth. Noch ahnte niemand, was uns erwarten würde. Nicht in Fürth. Etwa auf Höhe Vach informierte uns der Kundenbetreuer im Nahverkehr, dass wir in etwa sechs Minuten Erlangen erreichen werden und welche Anschlüsse wir dort hätten. Unter anderem einen Bus ohne Unterwegshalt (ein herrliches Bahn-Wort) nach Bamberg.

Super. Um 18.07 Uhr laufen wir in Erlangen ein. Wieder eine Durchsage: Aufgrund eines Schadens am Triebfahrzeug des Gegenzuges verzögert sich die Weiterfahrt um ca. 15 Minuten. Blöd, aber noch nicht sooo schlimm. Auf einer eingleisigen Strecke muss eben immer erst der eine Zug durch sein, bevor der andere die Strecke benutzt. Ist ja klar.

18.09 Uhr, die nächste Durchsage: Aufgrund des Triebfahrzeugschadens am Gegenzug muss die Fahrt des RE leider in Erlangen beendet werden. Bitte steigen Sie am Busbahnhof am Bussteig 1 in den Bus mit Unterwegshalt nach Bamberg um, Abfahrtszeit 18.46 Uhr. Na toll!

Jetzt muss man sich vor Augen halten: Aus dem Zug steigen etwa 150 Leute aus. Davon einige mit dem Fahrrad, wie Kollege Wolfram W. vom BR. In den Reisebus passen normalerweise nur 50 Menschen, auf keinen Fall ein Fahrrad…

Am Bussteig 1 sammeln sich also über 100 Interessenten für 50 Plätze. Wie gut, dass ein Nachbar ebenfalls hier gestrandet ist. Nette Gespräche ergeben sich: Der Nachbar ist ja viel unterwegs für einen gewissen Konzern. Da sieht man sich nicht so oft…

Schließlich fährt der Bus heran, der nach Bamberg mit Unterwegshalt. Die Traube vor dem vorderen Eingang wird dichter und dichter. Schaffe ich’s noch – denke nicht nur ich mir. Ja, ich schaffe es, aber nur mit Stehplatz im Mittelgang, wie rund 25 andere Fahrgäste, unter anderen mein Nachbar.

Doch gute 50 Leute müssen draußen bleiben! Der Busfahrer wusste nicht, was ihn erwartet: Ist denn niemand von der Bahn da, fragt er. Nein, es ist niemand da. Offenbar hat auch niemand bei der Bahn daran gedacht, für die zusätzlichen Fahrgäste (ein Zug hat nun mal ein größeres Fassungsvermögen) einen zusätzlichen Bus zu ordern.

Wir fahren los (siehe Bild). Auf die Autobahn – und gleich wieder herunter nach Bubenreuth (eine Frau steigt zu, niemand aus), nach Baiersdorf (ein paar wenige steigen aus), nach Kersbach (niemand rein, niemand raus), schließlich nach Forchheim. Die Landschaft ist reizvoll ins Abendlicht getaucht. Auf den Feldern liegen die Getreideballen und werfen lange Schatten. Schau, dort stehen drei Störche auf der fetten Wiese und sorgen für Nachschub im Horst. Hoppala, jetzt hat er wieder so abrupt gebremst. Umfallen geht aber nicht. Zum Glück fahren wir nicht vom Annafest weg, sondern zum Annafest hin. So bleiben uns gewisse Fahnen erspart…

Ankunft in Forchheim 19.10 Uhr. Jetzt nur noch 15 Minuten strampeln bis nach Hause, gegen die tiefstehende Sonne. Ach ja, die Bahn.

August 3rd, 2009

“Zwischen Bamberg und Forchheim findet kein Verkehr statt”

Die seit langem angekündigten Sperrungen auf der Bahnlinie Bamberg-Nürnberg haben begonnen. Letzte Woche erst wurden die Reisenden im RE auf folgende erstaunliche Tatsache hingewiesen: “Zwischen dem 1. August und dem 14. September findet zwischen Bamberg und Forchheim kein Verkehr statt.” Die Fahrgäste mögen außerdem “unser Internet” besuchen. Tja, was entnehmen wir dieser Durchsage?

Darüber wollen wir hier nicht spekulieren. Heute jedenfalls lief der Verkehr zwischen Forchheim und Nürnberg wie geschmiert. Im Unterschied zur Richtung Bamberg, wo die Züge durch Busse ersetzt werden, dürfen die Pendler in Richtung Süden ja noch in Züge steigen. Der Dosto lief fünf Minuten vor der Abfahrtszeit in Forchheim ein. Auf Gleis vier. Die Gleise zwei und eins sind abgeriegelt. Dort flexten Arbeiter die Lampenmasten nieder, außerdem entfernten sie die Metall-Sitze. Im Laufe des Tages kommen auch noch die Stellwände und die löchrigen Dächer weg. Hoffentlich. Die Gleise werden mit einem weißen Vlies vor Beschädigungen geschützt. Ich bin gespannt.

Auf dem Weg nach Süden ruckelte das Züüchla immer wieder gscheit. Nicht so sehr wie der ICE bei seiner Horrorfahrt, aber man fühlte sich erinnert… Gewöhnungsbedürftig ist, dass der RE fast überall hält. Also auch in Kersbach, Bubenreuth und in Vach, aber nicht in Bruck, Eltersdorf und Unterfarrnbach. Verspätung heute: Sechs Minuten. Das passt.

Wie es weitergeht? Der Pendler-Blog bleibt dran.

Juli 2nd, 2009

Respekt: Alles richtig gemacht, DB

Am Mittwochnachmittag hatte ich wieder einmal Pech mit der Bahn. Aber die DB konnte diesmal nichts dafür. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Erlangen, aus Nürnberg kommend, wurden die Fahrgäste im Zug zweimal darauf hingewiesen, dass sich die Weiterfahrt “auf unbestimmte Zeit” verzögert. Grund sei ein Böschungsbrand im Bereich Forchheim/Baiersdorf. Schienenersatzverkehr gebe es keinen. Was tun?

Ich blieb einfach sitzen. Was hätte ich sonst tun sollen. Aussteigen und Löcher in die Luft gucken? Da hätte mir der Zug davon fahren können. Leider saß ich in einem alten Silberling, die Luft stand, draußen war es schwül, kaum ein Lüftchen bewegte sich. Aber ich mich auch nicht. Ich vermied jedwede Energieverschwendung und konzentrierte mich ganz auf die Musik von Led Zeppelin, Queen+Paul Rodgers, Van Morrison, Udo Lindenberg und von anderen alten Säcken.

Allerdings lüftete ich immer mal wieder die Ohrstöpsel, wenn eine Durchsage gemacht wurde. Und die kamen wirklich regelmäßig und erschöpfend, im Zug und auf dem Bahnsteig, obwohl hier ja bekanntlich zwei unterschiedliche DB-Gesellschaften am Werk sind.

Nach einer halben Stunde war der Brand offenbar gelöscht und das Zügla fuhr weiter gen Feierabend. Ich hatte mich einfach geweigert, mich aufzuregen. Die Service-Qualität hat gepasst (gut, gegen ein kühles Getränk hätte ich nichts einzuwenden gehabt). Es gibt keinen Grund unzufrieden zu sein. Auch mal schön.

Mai 12th, 2008

Von Palermo nach Berlin – durch Nürnberg

bahnlinie.jpg“Bislang liefen die Bauarbeiten für die S-Bahn nach Forchheim ohne große Behinderungen ab. Damit ist es jetzt vorbei” – so begann kürzlich ein Artikel in den NN, meiner Zeitung. Und dann schildert der Kollege, worauf sich meine lieben Mitpendler am kommenden Wochenende einstellen müssen (ich selber habe dann zufällig ein paar Tage frei).

Zwischen Fürth und Nürnberg wird der Regionalverkehr von Freitagabend bis Montagfrüh komplett gestrichen. Dann fährt nur noch die U-Bahn, vielleicht noch der Adler:)

Für zwei zusätzliche Gleise ist inzwischen der Erddamm bis zur Jansenbrücke aufgebaut. Jetzt wird die Oberleitung installiert. Bis Ende 2010, so plant jedenfalls die Bahn, sollen die S-Bahnzüge von Nürnberg durchgehend bis Forchheim verkehren. Ein ehrgeiziger Plan.

Aber nur ein kleines Teilprojekt des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 8. Dahinter verbirgt sich die Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg-Erfurt. Und das ist wiederum nur eine Teilstrecke der europäischen Transversale Palermo-Berlin (siehe Kartenausschnitt der Bahn). Was haben wir Pendler davon?

Nix natürlich. Nur noch mehr Verkehr auf der Strecke. Noch mehr Fernzüge mit Verspätung, auf die der Regionalverkehr Rücksicht nehmen muss. Und ob ich als Einwohner der Stadt Forchheim mit der S-Bahn wirklich schneller nach Nürnberg komme als heute mit dem Regionalexpress, das bezweifle ich vorerst ganz entschieden. Mir tut’s nur um die Leute leid, die den zusätzlichen Lärm und Staub ertragen müssen. Um die verschandelte Landschaft im oberfränkischen Gottesgarten zwischen Vierzehnheiligen und Schloss Banz. Um die Baiersdorfer Instrumentenbauer, die nach ihrer Vertreibung aus Böhmen nach Kriegsende ein zweites Mal ihren Standort aufgeben müssen, diesmal um Platz für die Bahn zu schaffen. Um die Schüler in den drei an den Gleisen liegenden Schulen in Forchheim, die trotz Lärmschutzwand schon jetzt im Sommer kein Fenster öffnen können, weil sie den Lehrer sonst auch akustisch nicht mehr verstehen…

Eins ist sicher: Das wird die teuerste U-Bahn der Welt. Der größte Teil des Thüringer Waldes muss nämlich untertunnelt werden. Eine Röhre wird über acht Kilometer lang, eine andere über sieben. Dazu kommen noch etliche kürzere Tunnel. 41 von 107 Kilometern zwischen Erfurt und Ebensfeld verlaufen im Berg. Da kann man nur hoffen, dass keine Schafe in der Nähe weiden.

Februar 12th, 2008

Toll, das neue Verkehrsleitsystem bei Erlangen, Teil II

Heute morgen, gegen 8.15 Uhr, melden die Verkehrsnachrichten in Bayern 5 einen Stau auf dem Frankenschnellweg zwischen Forchheim-Süd und Baiersdorf. Als Bahnfahrer empfinde ich zunächst mal eine klammheimliche Freude. Das gelingt immer dann ganz gut, wenn der Zug wie vorgesehen fährt, wenn kein Streik den Bahnverkehr lahm legt, wenn der ICE nicht mit einer Verspätung den Nahverkehr blockiert und wenn auch sonst kein Zug kreuzt. Also: Es muss ziemlich viel zusammenkommen, bis sich der Bahnfahrer ein wenig über den Stau auf der Autobahn freuen kann.

Dann habe ich aus dem Fenster gesehen, auf Höhe Baiersdorf. Und siehe da: Zwar fahren auf der A73 recht viele Autos in Richtung Süden, aber doch recht flott. Von Stau keine Spur. Dann, ein wenig später, sehe ich den Grund dafür: Kurz vor dem Erlanger Tunnel stehen die Zeichen für den Standstreifen auf Grün. Dreispurig rauschen die Pendler gen Arbeitsplatz. Das heißt: Das Verkehrsleitsystem tut seine Arbeit. Das ist doch auch mal eine gute Nachricht, oder?