Posts Tagged ‘Bahn’

März 10th, 2010

In Nullkommanix in Balleis-City

Dieser Tage arbeite ich in unserer Erlanger Redaktion. Das heißt: Mein Pendler-Weg ist stark verkürzt. Das hat Folgen: Im Zug komme ich nicht mehr im gewohnten Umfang zum Lesen.

Heute morgen, ich saß in einem Regionalexpress, war ich so schnell in Erlangen angelangt, dass ich kaum rechtzeitig die Zeitung zusammenlegen, Jacke und Tasche raffen und zum Ausgang laufen konnte. Kaum habe ich mich niedergelassen und auf einen Artikel konzentriert, schon bin ich durch den Tunnel gerauscht, am Friedhof vorbeigerast und in der Capital City of Medicine eingetroffen.

Würde ich länger in Erlangen arbeiten, ich müsste mir einen ganz neuen Rhythmus zulegen. Und das in meinem Alter (Hinweis zu meinem Alter: Als John Lennon final die Brille ablegen musste, stand ich zehn Tage vor meinem 18. Geburtstag).

März 4th, 2010

Warum ich der Bahn wieder mal dankbar bin – komma, aber…

Blick in Richtung Gleis 2

Unterführungen sind ja für sich genommen keine schönen Orte. Für viele Zeitgenossen genießen sie gar den Ruf eines Angstraums. So weit würde ich jetzt im Falle der Unterführung am Forchheimer Bahnhof nicht gehen. Der Zugang zu den Gleisen könnte aber zumindest optisch schöner sein.

Dabei hat sich die Bahn zuletzt einige Mühe gegeben: Über mehrere Wochen hinweg haben Elektriker eine neue, sehr aufwändig aussehende Beleuchtungsanlage installiert. Das war wirklich eine Schau, jeden Tag Zeuge dieser Montage zu werden. Und was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt. Der Bereich unter den Gleisen ist jetzt deutlich heller ausgeleuchtet als zuvor. Dafür bin ich dankbar.

Blick in Richtung Gleis 3

Aber: Wäre es nicht zweckmäßig gewesen, vor der Installation von Licht- und Kabelkästen die Wände neu zu streichen? Nicht nur, dass die ehedem weißen Flächen 1. nicht mehr so recht weiß, 2. von Schmierfinken mit Anti-Fürth-Parolen versaut sind und 3. kommt durch das Abhängen der Fahrpläne die ursprünglich gelbe Farbe wieder zum Vorschein. Ein koordiniertes Vorgehen hätte meines Erachtens anders ausgesehen. Aber ich als zahlender Fahrgast habe ja nichts zu melden.

März 2nd, 2010

Als Schaffner lebst du gefährlich

Mehrfach habe ich bereits darauf hingewiesen: Ein Schaffner hat’s auch nicht leicht. Bisweilen machen ihm die Fahrgäste die Arbeit zur Hölle. Und der Arbeitgeber Deutsche Bahn ist auch nicht immer eine große Hilfe. So muss zum Beispiel die Gewerkschaft die Kosten übernehmen, wenn ein Kundenbetreuer im Nahverkehr einen Selbstverteidigungskurs absolvieren will.

Der Schaffner, der vergangenen Freitag im Zug nach Ansbach von einem betrunkenen Fahrgast niedergeschlagen wurde, hätte vielleicht einen solchen Kurs benötigt. Kundenbetreuer im Nahkampf, sozusagen. Bei allem Ärger, den ich als Reisender mit der Bahn immer wieder habe – eine solche Begegnung wünsche ich nicht einmal dem unfreundlichsten Schaffner. Dagegen finde ich, der Schläger muss gefunden und verurteilt werden. Und zwar zu einer empfindlichen Strafe.

März 1st, 2010

Xynthia – kein Problem für mich als Pendler

Der Sturm Xynthia ist zwar auch über unser schönes Franken hinweggezogen und hat einiges Unheil angerichtet. Für mich als Pendler sind aber glücklicherweise keine Auswirkungen spürbar. Der Regionalexpress fuhr heute genauso pünktlich wie meistens. Wir mussten auch nicht auf der Strecke warten, um niedergestreckte Bäume erst wegschaffen zu lassen oder dergl. Hat vielleicht jemand andere Erfahrungen gemacht in unserem Raum?

In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sah es anders aus. Dort wurde der Zugverkehr komplett eingestellt. Da können wir Franken nur danken und sagen: Noch mal Glück gehabt.

Februar 23rd, 2010

Zweimal kurz verlinkt (9)

Die bösen Schweizer! Erst horten sie unser Steuergeld, und dann sind sie auch noch angefressen, wenn wir zurückfordern, was uns gehört…

Aber heute bin ich ja milde gestimmt. Deswegen verlinke ich hier sogar auf eine Seite aus der Schweiz. Die beschäftigt sich mit dem Pendeln im öffentlichen Nahverkehr. Spannende Entdeckungen sind hier zu machen für alle Mit-Pendler, die mal über das eigene Gleis hinausblicken wollen.

Unter anderem stellt der Chef der Schweizer Staatsbahn hier fest, dass auch sein Unternehmen in den letzten Jahren zu wenig in Erhalt und Ausbau der Infrastruktur investiert hat. Tja, das haben sie jetzt davon, die Schweizer. Horten unser Geld lieber auf der Bank als es in den öffentlichen Verkehr zu bringen…

Februar 22nd, 2010

Pssst! Zug schläft…

Pssst! Zug schläft!

Der Fahrgast schläft, der Kundenbetreuer im Nahverkehr schläft manchmal auch, die Bahn an sich schläft selbstverständlich, der Lokführer schläft hoffentlich nie.

Ein Kollege hat mir ein Bild aus dem Frankfurter Hauüptbahnhof mitgebracht, auf dem zu sehen ist, dass auch ein Zug schlafen kann. Wer hätte das gedacht…

Es handelt sich übrigens nicht um einen Schlafwagen oder Nachtexpress oder dergleichen. Der Zug war einfach ab- und zur Ruhe gestellt. Ein Bahn-Mitarbeiter, der sich trotz des Stress’, den er mit seinem Unternehmen und den Fahrgästen hat, seinen Humor nicht nehmen lässt, tippte die beruhigende Nachricht ins Display. Schön, dass es so was noch gibt.

PS: Das Foto wurde übrigens mit einem iPhone aufgenommen. Daher die Qualität…

Februar 21st, 2010

Pfusch an der ICE-Trasse? Auch das noch

Die Deutsche Bahn ist in höchstem Alarmzustand. Schuld ist der kölsche Klüngel. Seitdem am Rhein ein vermutlich beispielloser Bauskandal Stück für Stück ans Tageslicht rückt, gerät auch die Bahn immer mehr unter Druck.

Die in Köln verantwortliche Baufirma Bilfinger Berger ist nämlich auch am Trassenbau der DB beteiligt. Ein ehemaliger BB-Bauleiter hat gesungen und gegenüber der Staatsanwaltschaft wohl angedeutet, dass auch zwischen München und Nürnberg nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Aufregung der Deutschen Bahn ist daher verständlich.

Zu einem ungünstigeren Zeitpunkt hätten diese neuen Gerüchte gar nicht kommen können. Die Deutsche Bahn arbeitet derzeit an mehreren Abwehr-Fronten. Sie muss mit der Hersteller-Industrie ihrer Züge klären, wer für die Mängel an Achsen und Wagen verantwortlich ist. Sie muss gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit erklären, warum schlechtes Wetter zum Ausfall zahlreicher Züge und damit zu einer nur unzureichenden Erfüllung des Beförderungsauftrages führen kann. Gerade eben erst waren auf der ICE-Neubaustrecke München-Nürnberg Probleme mit dem Gleisbett bekannt geworden, die möglicherweise auch auf Wettereinflüsse und/oder unzulängliche Bauausführung zurückzuführen sind. Das ist noch nicht geklärt – und just in diesem Moment drängt jetzt der Kölner Skandal mit seinen möglichen Auswirkungen auf dieselbe Strecke herein.

Schau mer mal, was da noch alles kommt. Allen Pendlern und sonstigen Reisenden, die zwischen München und Nürnberg auf der Neubaustrecke unterwegs sind, wünsche ich Hals- und Beinbruch. Und das ist überhaupt nicht zynisch gemeint.

Februar 17th, 2010

Jawoll: Keine sozialistischen Denkverbote!

Also ich finde, Guido Westerwelle hat Recht. Wenn er sagt, sozialistische Denkverbote darf es nicht geben. Wobei man sich fragen könnte, was der liebe Guido unter sozialistisch versteht. Immerhin weist er damit Kritik an seinen eigenen Worten zurück. Wenn er also eine Meinung äußert zur sozialen Wirklichkeit in diesem Land, und diese Meinung wird kritisiert von Leuten, die eine andere Vorstellung von dieser Wirklichkeit haben, dann ist die Kritik also eine sozialistische. Und die gehört verboten. Sagt der Guido.

Wobei das mit dem Verbieten von Meinungen ja eigentlich dem real untergegangenen Sozialismus nachhängt. Irgendwie scheint mir das vom Guido nicht richtig durchdacht. Er will Kritik an seiner Kritik verbieten, weil das ja sozialistisch ist, wenn man ihn, den Liberalen, mit sozialen Argumenten kritisiert. Das Verbot anderer Meinungen aber ist ein Element sozialistischer Staatsführung. Ist der Guido also ein liberaler Sozialist? Oder ein sozialistischer Liberaler? Oder ein Liberalsozialer?

Nein, das auf keinen Fall. Nicht mit solchen verschwurbelten Thesen wie der von der spätrömischen Dekadenz. Das Sozialliberale im deutschen Liberalismus kennt Herr Westerwelle wahrscheinlich nur noch vom Hörensagen. Und bei den Geschichten, die ihm vom alten Baum, vom Opa Hirsch, von Oma Hamm-Brücher erzählt wurden, da hörte er wahrscheinlich nur jene Passagen, die ihn an den Personenkult des spätrömischen Reiches erinnerten. Und den wünscht er sich jetzt für sich auch. Nein, ich schweife ab.

Jedenfalls: Ich bin auch gegen sozialistische Denkverbote. Und gegen liberale Denkverbote. Sogar gegen sozialmarktwirtschaftlich-demokratisch-rechtsstaatliche Denkverbote. Ich will in aller Öffentlichkeit sagen dürfen: “Ich bin der Meinung, dass die Züge der Deutschen Bahn immer pünktlich abfahren und ankommen sollen.” Und da soll mir niemand ein Denkverbot auferlegen dürfen. Jawoll!

Februar 16th, 2010

Wo wächst das Kraut gegen Blödheit?

Gegen Blödheit ist leider noch kein Kraut gewachsen. Gäbe es die Wunderpflanze, fielen mir sofort viele Heilanwendungen ein. Ohne die Krankenkassen zu belasten. Aber auch im Zusammenhang mit der Bahn wirkte das Kraut sicher so manches Wunder.

Beispielsweise müssten Fahrgäste verpflichtet werden, vor Antritt einer Bahnfahrt von dem Anti-Blödheits-Kraut zu kosten. Wären wir schon so weit, dann müssten wir nicht über solche Vorfälle reden, wie sie letzte Nacht in Forth auf der Gräfenberglinie vorgefallen sind.

Eine Horde Blödmänner (ich entschuldige mich ausdrücklich nicht für die Wortwahl) attackiert einen Lokführer. Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung der Polizei:

Fünf junge Männer im Alter zwischen 15 und 22 Jahren hinderten gestern gegen 23.00 Uhr die Regionalbahn von Nürnberg Nordost nach Gräfenberg an der Weiterfahrt, indem sie beim Halt in Forth eine geöffnete Türe blockierten. Auf die Bitten des Lokführers, die Türe freizugeben, reagierten sie nicht. Als dieser daraufhin die Gruppe aus dem Eingangsbereich drängen wollte, schlugen zwei der Männer von hinten auf ihn ein. Ein 21-jähriger Fahrgast, der zur Hilfe eilte, wurde mit einem Messer bedroht, getreten und geschlagen. Er erlitt Prellungen am ganzen Körper und im Gesicht. Zudem wurden ihm mehrere Ohrringe herausgerissen.

Die Typen wurden erwischt, der mutmaßliche Haupttäter muss vielleicht die nächste Zeit in der U-Haft zubringen. – Aktualisierung: Der Typ wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, weil keine Fluchtgefahr besteht. – Ich habe den Sprecher der Bundespolizei, Rainer Schlemmer, gefragt, ob Gewalt gegen Lok- und Zugpersonal häufiger registriert wird. Schlemmer wiegelte ab. Er wollte erkennbar keine schlafenden Hunde wecken. Bei der Bahn, sagt er, sind körperliche Übergriffe aufs Personal durchaus ein heftig diskutiertes Thema. So schlimm wie in Berlin allerdings sei es hier in Franken noch nicht: “Was in Berlin täglich passiert, das haben wir hier in einem Monat.”

Ist das nun eine gute Nachricht? Nein, ich halte den Gehalt der Mitteilung auch in seiner Verhältnismäßigkeit zu Berlin für alarmierend. Zum Glück wurde ich als Fahrgast noch nicht Zeuge einer solchen offenen Aggressivität. Sollte dies mal passieren, dann hoffe ich, dass nicht nur ich mich an meine Zivilcourage erinnere, sondern auch möglichst viele andere Fahrgäste. Unabhängig davon, ob der Angegriffene nun ein Bahnbeamter ist oder nicht.

Februar 12th, 2010

Die Bahn redet vom Wetter

Wenn jetzt der bayerische Bahn-Chef Josel sich im Landtag hinstellt, einen Bückling macht und sich dafür entschuldigt, dass sein Unternehmen nicht ausreichend auf ein extremes Wetterereignis namens Winter eingestellt war, dann, liebe Mitpendler, nehmen Sie die Demutshaltung um Himmels willen nicht ernst.

Im nächsten Winter kommt alles ganz genauso, vielleicht sogar schlimmer.

Erinnern Sie sich noch an letztes Jahr? Der Winter war bei weitem nicht so hart, die Probleme der Bahn aber mindestens so groß wie heute. Dahinter steckt kein System, aber Methode.

Die Deutsche Bahn rühmt sich, der weltweit größte Logistiker zu sein. Das kann sein und das ist schön für einen Konzernchef. Aber was steckt dahinter? Die DB betätigt sich in 130 von 200 Ländern. Toll. Güter werden per Zug, Schiff, Flugzeug und Lkw transportiert, Bahnhöfe in China und Trassen in der Mongolei gebaut. Noch toller. Aber für den Nahverkehr in der Fläche am Heimatstandort Deutschland bleibt so gut wie nichts mehr  übrig.

Die Folge ist: Bei Schnee frieren die Weichen ein oder brechen gleich ganz. Auf Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Nürnberg-München muss der Hochgeschwindigkeitszug langsam fahren, weil die neuen Fahrstraßen schon bröckeln. Auf Nebenstrecken funktioniert kaum ein Fahrkartenautomat. Die Nürnberger S-Bahnen mussten wochenlang mit weniger Wagen fahren, weil so viele Garnituren in Wartung oder Reparatur standen. Im Fernverkehr dasselbe: Zahlreiche ICE-Verbindungen fallen aus, weil Wartung und Reparatur so lang dauern. Denn dort, wo das Material gepflegt werden müsste, fehlt das Personal. Das wurde abgebaut, um den Welt-Konzern schick zu machen für die Börse.

Aber auch auf den Wagen fehlt Personal. Vor wenigen Jahren wurden Lokführer in die Wartung abgezogen. Jetzt klopfen die Verantwortlichen in den Werkstätten an, ob sie sich nicht die früheren Lokführer wieder einmal ausleihen dürften. Zahlreiche Nahrverkehrszüge fahren heute ohne Zugbegleiter, weil die landeseigenen Eisenbahngesellschaften als Besteller des Nahverkehrs keine 100-prozentige Besetzung verlangen. Die meisten anderen Fahrten sehen nur noch einen Schaffner. Im ersten Fall sind die Fahrgäste auf sich allein gestellt, wenn etwas passiert, im zweiten der Zugbegleiter. Und die Fahrgäste werden zunehmend aggressiv – kein Wunder, bei dem was man ihnen zumutet. Zugbegleiter verdienen keine Reichtümer.

Ein Zugchef im ICE verdient bei 40 Stunden Arbeit pro Woche und 25 Dienstjahren 2500 Euro brutto. Ein Lokführer kommt, ebenfalls nach einem Vierteljahrhundert, bestenfalls auf 3000 Euro brutto. Und das bei einer Riesenverantwortung und – in Pendlerstoßzeiten – höchstem Stress. Das sollten sich die Fahrgäste mal vor Augen halten, wenn sie an den Durchsagen der Zugbegleiter herummäkeln – wie ich das auch gelegentlich tue.

Die Probleme im Bahnverkehr haben nichts mit dem Verkehrsmittel zu tun. Sondern mit dem Betreiber. Wenn ich höre, dass für ein Wahnsinns-Projekt wie “Stuttgart 21″  sechs Milliarden Euro verplant werden, nur um einen Bahnhof tiefer zu legen und eine halbe Stunde schneller nach Ulm zu kommen, dann schwillt mir sowas von der Hals an. Auf der anderen Seite sehe ich dann, was in der Fläche alles an Anlagen, Verbindungen und Personal vor die Hunde geht – ach wisst ihr was: Ich höre jetzt besser auf.