Pendler, fährst du nach Nürnberg, bringe Geduld mit
Nächste Woche, am 23. März, erscheint in meiner Zeitung eine Beilage zum 175. Jubiläum der ersten Bahnfahrt von Nürnberg nach Fürth. Auch ich hatte die Ehre, zu dieser Beilage etwas beizusteuern. Natürlich aus der Sicht eines Berufspendlers. Heute morgen war ich nahe dran, den Text im letzten Moment noch einmal umzuschreiben.
Heute morgen stieg ich nämlich in Forchheim in einen Regionalexpress ein, der umgehend seinen Dienst aufgab. Das ist ja nun nichts völlig Neues. Für mich war es auch nur lästig, dass der Doppelstockwagen nicht fuhr. Aber ich saß nicht allein im Zug. Neben mir saß anfangs zum Beispiel eine Kollegin, die mit Sack und Pack in Urlaub fuhr. In Nürnberg wollte sie in den ICE Richtung Sylt umsteigen. Dass es knapp werden würde, wusste sie. Als der Wagen sich nach fünf Minuten noch nicht in Bewegung gesetzt hatte (“Störung am Triebfahrzeug”), stieg sie wieder aus und wartete auf den Zug in Gegenrichtung. Über Bamberg wollte sie dann ihren ICE in Würzburg erreichen. Ich hoffe, das hat geklappt. Für den Rückweg jedenfalls nimmt die Kollegin den Flieger.
Mit mir im Zug saß eine Horde französischer Jugendlicher. Ob die sich wunderten oder sich wie zuhause vorkamen, kann ich allerdings nicht beurteilen. Jedenfalls setzte sich der Zug erst wieder nach 30 Minuten in Bewegung, legte vor Erlangen noch mal eine Kunstpause ein und kam in Nürnberg schließlich mit 34 Minuten Verspätung an. Da fragt man sich als Fernreisender: Sollte ich vielleicht bei knappen Anschlüssen (=weniger als 30 Minuten Umsteigezeit) einen Zug früher nehmen? Oder gleich den Flieger?
Übrigens: Dieselbe Zugverbindung ist vor zwei Tagen, am Montag, ganz ausgefallen – wegen Störung am Triebfahrzeug. Sollte das nicht zu denken geben?
Morgen fahre ich zur selben Zeit. Ich werde berichten.
13 Kommentare
Jetzt wäre noch die Frage zu klären, was da für eine Lok dran war.
Ich sehe in letzter Zeit die DoStos oft ohne Steuerwagen durch die Gegend gurken, manchmal im Sandwich zwischen zwei 143ern, manchmal auch nur mit einer 143er. Normal sind die (neueren) DoStos auf dieser Strecke mit einer BR 146.2 bespannt.
Scheinbar gibt’s irgendwo ein Verfügbarkeitsproblem.
Aber das kenne ich auch. Muß der Zug pünktlich sein, ist er es garantiert nicht.
Also toi toi toi, aber mein Zug in die Gegenrichtung (also richtung FO) fährt z.Zt. zuverlässig und pünktlich.
@Jonas:
Uiuiui, das hättest du jetzt aber nicht schreiben sollen.
Wer geht bei Filmen immer als erstes drauf?
Der Typ, der seiner Freundin verspricht, auf jeden Fall zurückzukommen …
Jetzt wird dein Zug Verspätung haben.
Man muss einfach zur Kenntnis nehmen dass bei der Bahn die Störung der Normalzustand ist und der (selten auch noch vorkommende) püntliche Betrieb ist die Ausnahme.
Auch als Bahnvielfahrer ist es mir seit drei Monaten nicht mehr gelungen, außer der Regionalbahn von Treuchtlingen nach Nürnberg, auch nur eine Verbindung so zu fahren wie sie im Fahrplan steht. Ob nach Bremen (beruflich sehr oft), nach Köln, Mainz, Ulm, Berlin, München, Frankfurt oder gestern nach Reutlingen, nicht eine Fahrt erfolgte fahrplanmäßig, nicht eine einzige.
Störung im Betriebsablauf, nicht rechtzeitige Übergabe aus dem Ausland (sehr beliebte Ansage in München und Stuttgart), Signalstörung, Elektronikschaden am Triebfahrzeug (äußerst beliebte Ansage in Hannover), Streckensperrung wegen Personenschaden (meist nach einbrechender Dunkelheit in der Gegend um Fulda, gestern außnahmsweise zwischen Crailsheim und Schwäbisch Gmünd), Witterungsverhältnisse, Weichenstörung, ich hätte Buch führen sollen um die diversen Störungsgründe festzuhalten. Es ergäbe einen vorzuglichen kabaretistischen Vortrag.
Wer heutzutage pünktlich irgendwo sein will, wer eine Verbindung erreichen oder einen Termin nicht verpassen will, muss einfach, wenn er für den Reiseweg die Bahn benützt, eine Stunde (manchmal auch zwei, je nach Streckenbedienung) früher losfahren.
Bei den ganzen riesigen Investitionen in Schnellfahrstrecken ging es und geht es nicht wirklich darum schneller von A nach B zu kommen sondern es geht darum, Steuergelder wieder in den Wirtsachaftskreislauf zu bringen. Das ist der einzige Grund.
Aber: die Bahn kauft jetzt Arriva zu, die einzige Bahngesellschaft die in England (fast immer) pünktlich fährt. Alles wird gut.
schöner artikel heute in der zeitungsbeilage!
@Ecco: Danke für die Blumen. Meine Leserin zuhause hat allerdings zurecht moniert, dass ich die am Anfang aufgezählten Vorurteile gegen die Bahn in Sachen Personal nicht aufgelöst habe. Da ist was dran. Daher stelle ich hier ein für allemal fest: Ich wurde noch nie unfreundlich behandelt. Statt dessen sind viele Schaffner und Schaffnerinnen sogar sehr freundlich. Und: Schaffner haben es mit ihrer Kundschaft, aber auch mit ihrem Arbeitgeber manchmal richtig schwer. Aber das habe ich in letzter Zeit ja schon häufiger an dieser Stelle niedergeschrieben.
Hier der Artikel, um den es geht, mit einer entsprechenden Ergänzung in Sachen Personal: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1194560&kat=3&man=3
Ja, guter Artikel.
Interessant die Zusammenstellung mit den vermeintlichen “Vorurteilen”. Vieles davon mag zutreffen, aber was heißt “Bahnfahren ist teuer”? Im Vergleich zu was? Man möge sich einfach mal nur ausrechnen, was es nur an Sprit kosten würde, wenn man den Arbeitsweg mit dem Auto zurücklegt.
Da kommt dann wohl etwas dabei heraus, was man dann als “sauteuer” bezeichnen müßte …
Bezieht man dann noch anteilige Abnutzung, Reparaturkosten, Versicherung etc. mit ein, dann ist Bahnfahren fast geschenkt.
Glücklicherweise ist es heute so, daß für den Arbeitsweg inzwischen einfach die Entfernung bei der Einkommenssteuererklärung gilt, ganz unabhängig, wie und womit man da hinkommt. Also bekomme ich mit dem Fahrrad die gleiche Erstattung wie bei einem Kfz pro km. Und das ist es, was dann die Auswahl der Verkehrsmittel interessant macht.
Hallo Leidensgemeinde!
Ja, der Artikel bringt es auf den Punkt: Der politische Wille fehlt – und das ist nicht nur traurig, sondern in Zeiten der Rohstoffknappheit, Umwelt- und Verkehrsbelastung auch unverantwortlich.
@Markus: Bei der Bezifferung der Kosten fehlt allerdings der Faktor Zeit – diese möchte ich lieber bei meinem Arbeitgeber bzw. meiner Familie investieren an statt sie auf der Stecke zu lassen.
@Otto Ringer: Sehr schöne Aufzählung. Eins kann ich noch beisteuern: Am 22.03.10 18:15 gabs 15 Minuten extra Wartevergnügen vor Abfahrt in N wg. “Personalmangel” !
Ach, und eins Herr Graser, zum Thema Freundlichkeit: Wenn Sie mal am Bhf. Fo die Damen fragen, ob Sie Ihnen nicht mit dem Kinderwagen (beliebig erweiterbar auf sonstige sperrige Güter) behilflich sein könnten (es gibt ja keine Rampen – da haben sich forsche Lokalpolitiker allesamt die Zähne bereits ausgebissen), dann bekommen Sie nachweislich schon mal die Auskunft (mit Blick Richtung Tür) “Meine Zuständigkeit endet dort” ! Hier sehe ich enormes Sparpotenzial, das an anderer Stelle (ne Rampe!?) besser investiert wäre!
@Otto: Ich fahre auch viel mit der Bahn, Nachverkehr und auch Fernverkehr, und ich kann das genaue Gegenteil berichten: Es klappt fast immer sehr gut, und in meinem blog sind die pünktlich-tags deutlich mehr als die unpünktlich-tags…
@Ulrich und Steffen: Was die Unfreundlichkeit dieser Person in Forchheim am Schalter angeht, da kann ich nur zustimmern. Aber wenn ich mich recht erinnere, dann ist die gar nicht von der Bahn, sondern Lizenznehmer in Form einer Agentur. Unglaublich, daß man mit dieser Person als Unternehmen überlebensfähig ist. Entweder macht sie den Umsatz mangels Alternative dennoch, oder das Unternehmen betreibt mehrere Agenturen und zieht halt Forchheim mit durch…wer weiß.
Man muß nicht mal Pendler sein, um in Nürnberg besondere Sachen zu erleben:
Immerhin gabs Getränkegutscheine…
Allerdings wäre sicher besser gewesen, einen Tag früher anzukommen und nicht das hier zu erleben:

“Störungen am Triebfahrzeug” scheinen fast so oft vorzukommen wie “Verzögerungen wegen hoher Streckenauslastung”.
Fahre erst am Freitag wieder mit dem RE von Bamberg nach Nürnberg…hoffentlich verspätungsfrei.