In Nullkommanix in Balleis-City
Dieser Tage arbeite ich in unserer Erlanger Redaktion. Das heißt: Mein Pendler-Weg ist stark verkürzt. Das hat Folgen: Im Zug komme ich nicht mehr im gewohnten Umfang zum Lesen.
Heute morgen, ich saß in einem Regionalexpress, war ich so schnell in Erlangen angelangt, dass ich kaum rechtzeitig die Zeitung zusammenlegen, Jacke und Tasche raffen und zum Ausgang laufen konnte. Kaum habe ich mich niedergelassen und auf einen Artikel konzentriert, schon bin ich durch den Tunnel gerauscht, am Friedhof vorbeigerast und in der Capital City of Medicine eingetroffen.
Würde ich länger in Erlangen arbeiten, ich müsste mir einen ganz neuen Rhythmus zulegen. Und das in meinem Alter (Hinweis zu meinem Alter: Als John Lennon final die Brille ablegen musste, stand ich zehn Tage vor meinem 18. Geburtstag).
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Das mit den Rad wollte ich auch schon anmerken. Ich fahre inzwischen seit über 1.5 Jahren jeden Arbeitstag nach Erlangen und zurück*)
Allerdings fahre ich auf der Straße (alte B4). Die Radwege am Kanal sind nur noch was für Masochisten und Schlaglochkartographierer. Die Flurwege ab Kersbach Richtung Baiersdorf sind auch nur bedingt Tourenrad-tauglich (von der Bereifung her) – nach etwas Regen schon gleich gar nicht.
Und was die Fahrzeit betrifft, nunja … wenn’s normal läuft (also nicht so wie gestern abend mit dem doch sehr unangenehmen starken und böigen Gegenwind), dann bin ich von Haustür zu Haustür auch nur geringfügig langsamer als mit öffentlichen Verkehrsmitteln – unter Umständen sogar schneller. Im Schnitt brauche ich 50 Minuten, mein Rekord liegt bei 42 Minuten – bei 21km Fahrstrecke.
Manchem Autofahrer würde ich das Radfahren auch empfehlen. Das beruhigt, man hat viel Zeit zum Nachdenken und Sinnieren über die Welt. Es hält fit. Vor allem ist es viel günstiger, selbst unter Einbeziehung sämtlicher Ausstattung, technisch wie kleidungsmäßig – abgesehen vom Fahrrad selbst -, sämtlichen Reparaturen und Ersatzteilen, bin ich pro Jahr ca. 400-500 Euro billiger als mit dem Bahnticket (Umweltjahresabo-Preis “3+T” mit Arbeitgeber-Rabatt als Vergleichswert, welches ich bräuchte).
Am meisten hauen die Bremsklötze für die Scheibenbremsen rein. Ein vernünftiger Satz, dem Nässe und Kälte egal sind, kostet ca. 20 Euro. Davon brauche ich im Jahr 3-4 Sätze am Hinterrad und 2 Sätze am Vorderrad … also dafür schon grob 100 Euro – oder etwa 2 Monate Umweltjahresabo.
*)
Jaja, auch bei -20° im Winter – und die Gebäudeverwaltung hat mich mit dem Rad aus der Tiefgarage rausgeworfen, weil ich jenes da zum Abtauen reingestellt habe. Dabei ziehe ich mir den meisten Schnee auf den letzten 50m rein, nämlich bei der Überquerung des roten Platzes. Würde die Gebäudeverwaltung da vernünftig räumen, bräuchte ich das Rad nicht abtauen. Jede Menge Schnee in Kette und Schaltung, -20°, ein Tag lang draußen stehendes Fahrrad, naja, das könnte ich am Abend dann nach Hause tragen, der Antriebsstrang wäre pickelhart eingefroren. Da frage ich mich auch, warum ein Konzern, der sich grün und Öko auf die Fahnen schreibt, Radfahrer gegenüber Autofahrern immer noch benachteiligt. Allein schon der Zustand der Fahrradständer spricht Bände.
genau an diesem brillen-termin habe ich meinen 16. geburtstag gefeiert…

Ulrich, musste grinsen ob Deiner Schilderung des ungewohnten “Kurzpendelns”. Das habe ich ganze 18 Jahre durchgemacht, wobei ich einige, in Summe ganze vier, Jahre anstatt Bahn zu fahren, mit dem Rad nach Erlangen und zurueck nach Fo geduest bin. Keine Verspätung, kein grafittiverseuchter Tunnel, kein muffelnder Altbauwaggon, sondern der Duft von gemähten Wiesen im Regnitzgrund, die klappernden Störche an der Trubbachbruecke und so weiter und so weiter. Jedenfalls alles, nur keine Hektik. Hat die reine “Fahrt”-zeit zwar deutlich verlängert, aber die “door-to-desk” Gesamtreisezeit war so viel länger auch wieder nicht. Und, so wie Dir, gehts etlichen KollegInnen. Ob da die S-Bahn (falls sie ueberhaupt noch in unserem offs. tatsächlich schon fortgeschrittenen “Arbeits”-leben kommt) eine echte Erleichterung bringt? Ich sage: Ja! Denn sie hält an allen Stationen und verlängert damit die Lesezeit fuer Zeitungslektueren doch so, dass es auch noch fuer den Sportteil langt.