Ohne betriebliche Anweisung fährt hier nix
Der Mensch lernt bekanntlich nie aus, manchmal sogar täglich etwas dazu. Als BahnPendler bin ich geneigt, den zweiten Teil dieses Satzes zu betonen. Das Erlebnis vom letzten Freitag unterstreicht meinen Eindruck.
Wobei: Es handelt sich um eine Kleinigkeit. Nichts, worüber sich aufzuregen mächtig lohnte. Zumal ich keinen Anschlusszug oder -bus benötigte, sondern nur einfach eine Viertelstunde später nach Hause kam als üblich.
Die Verzögerung – um eine solche handelt es sich nämlich – begann schon damit, dass der RE aus Richtung Bamberg verspätet in Nürnberg eintraf. Am Bahnsteig wurde durchgesagt, dass sich daher auch die Rückfahrt verzögern werde, um etwa fünf Minuten.
Nach diesen fünf Minuten rührte sich aber gar nichts. Hätte ich in Bamberg einen Anschlusszug bekommen müssen, wäre ich jetzt allmählich nervös geworden. So aber las ich Zeitung und lauschte weiter Bob Dylan im Kopfhörer (“Isis, oh Isis…”)…
Nach fast einer Viertelstunde dann die Erklärung via Durchsage im Zug: “Unsere Abfahrt verzögert sich leider noch um wenige Minuten. Wir haben die Lok gewechselt, auf eine andere Baureihe, und warten jetzt auf eine betriebliche Anweisung unserer Transportleitung. Ohne diese betriebliche Anweisung können wir nicht losfahren. Es tut uns leid.”
Wieder was gelernt. Dass es unterschiedliche Loks für unterschiedliche Züge gibt, das wusste ich ja. Nicht geahnt hätte ich, dass eine Lok, die an einen Doppelstock-RE gespannt wird, eigens eine betriebliche Anweisung benötigt, um sich in Bewegung setzen zu dürfen. Oder – horribile dictu – war das Teil eigentlich gar nicht geeignet, einen Zug voller Pendler nach Hause zu schaukeln?
5 Kommentare
Ja, sowas ist immer interessant.
Ich habe auch schon mitbekommen, daß auf einer Lok zwei Lokführer drauf waren.
Der eine durfte die Lok fahren, hatte aber keine Streckenkenntnis. Der andere kannte die Strecke, durfte aber die Lok nicht fahren … immerhin war man so flexibel, daß der Zug dann trotzdem mit dem zusammengeworfenen Wissen der beiden Lokführer gefahren ist.
Erstaunlich ist ja, dass momentan sogar die alten DDR-Kisten (BR 143) mit Vmax die RE-Dosots ziehen. Naja, dadurch wirds wohl kaum zu Verspätungen kommen, weil auf der kompletten Strecke zwischen Nürnberg und Forchheim die 160 km/h ja kaum erlaub sind, weil die Strecke sowas von im Arsch ist…
Auch blöd, dass mal wieder aktuer Fahrzeugmangel bei Regio Mittelfranken herrscht, und einige Loks (Darunter auch eine unserer Dosto 146.2er) umbeheimatet wurden und hier nicht mehr zum Einsatz kommen.
Man muss mal bissl zurückdenken. Ende 2005, als die neuen 160er Dostos und die neuen Loks auf die Strecke hier kamen, war man zwischen Forchheim und Nürnberg im RE 25 Minuten unterwegs.
Die 10 Minuten Verkürzung der Fahrzeit waren sogar Vorgabe in der Ausschreibung der BEG! (glaub ich) Und nun, im Jahr 2010 braucht ein RE von Forchheim nach Nürnberg ca. 35 Minuten! Wo ist also der 2005 versprochene Fahrzeitengewinn? Futsch! (Den gabs nur ein halbes Jahr, von Dez 2005 bis Mitte 2006!)
Naja, wir BahnPendler sind bei der Bahn ja sowieso nur “Beförderungsfälle” und werden alle einzeln bekämpft, bis wir freiwillig ins Auto steigen…
@ seidla: wahnsinn! und dann wird wieder gebaut und gebaut und versprochen, dass alles schneller und bequemer wird. und fünf jahre später werden wir wieder bei den 35 minuten sein
Jaja,
auch ich bin lernfähig – nur langsam nicht mehr -willig. Seit Januar fahr ich ja jetzt wieder Bahn, plane aber spätestens zur Jahresmitte wieder auf mein staatlich gefördertes Individualverkehrsmittel umzusteigen. Vielleicht will ja “Seidla” gleich mitfahren?
Ich weis Herr Graser, Sie hörens ja nicht gerne, aber Sie waren doch am 09.02. auch dabei, als der Zug Richtung Sonnerberg (ja, wirklich mit “r”!) eigentlich um 18:15 in FO hätte ankommen sollen und nach mühsamer Aufholung der Verspätung aus N dann schlussendlich in Baiersdorf wohl zur Kühlung der erhitzten Gemüter einfach die Türen nicht mehr schließen wollte …. – Ich jedenfalls habe mich mal wieder maßlos darüber geärgert, dass mein Bus weg war. Ich hatte extra komplett aufs Auto verzichtet – und nun das.
Nachdem ich am nächsten Morgen ettliche Termine verschieben musste, weil meine RB (extra mal nen anderen Zug genommen!) ca. 15 Min Verspätung hatte, ist mir der Kragen geplatzt. Hätte ich gewusst, dass der Schaffner zwar freundlich bemüht, aber mind. gefühlte 30 Minuten mich mit ausführlichen Erläuterung, Abhängigkeiten und Zufällen als Erklärungsversuch bombardiert, hätte ich meinen Mund gehalten. Allerdings, darüber war ich dann doch überrascht: Hat er mir doch tatsächlich geraten, wie es angeblich andere Kunden auch tun, Listen zu führen und die dann einzureichen, um Erstattungen zu fordern, damit Druck auf “die da oben” ausgeübt wird. Nur, frage ich mich, lesen “die da oben” überhaupt Bittbriefe von Beförderungsfällen!?

Moin,
ja, nun, man braucht wohl einen neuen Bremszettel, man braucht einen Lokführer, der für diese Maschine eine Berechtigung hat, evtl. gab es Unterschiede zum Abfertigungsverfahren (TAV vs. ZP-Signale), die erst die Betriebsleitung freigeben mußte…es gibt da schon so Fallen, die sich dem Otto-Normal-Fahrgast nicht erschließen