Wie ein ICE liegenblieb und dann doch weiterfuhr
Heute morgen verspürte ich beim Blick auf die Autobahn mal wieder einen kleinen Anflug von Häme. Bei Forchheim stauten sich die Blechkisten in Richtung Nürnberg. Selber schuld, dachte ich mir. Wärt ihr halt mit dem Zug gefahren. Später verging mir die Häme dann.
Zwischen Fürth und Nürnberg blieb der Regionalexpress einfach stehen. Zweimal. Beim zweiten Mal auf Höhe des früheren Quelle-Gebäudes. Immerhin wurden die Fahrgäste per Durchsage informiert: “Wegen eines liegengebliebenen ICEs verzögert sich unsere Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit.”
Das Stöhnen der Mitfahrer konnte ich direkt körperlich spüren. Hinter mir sprach ein Mann ins Telefon, wie sehr er sich ärgere, die Bahn genommen zu haben. Er wollte wohl nach Hamburg und verpasste jetzt seinen Anschluss. Toll. Die Bahn hat mit ihm jedenfalls einen Kunden weniger.
Als Zeitungsmensch hatte ich nach kurzer Zeit einen Informationsvorsprung. Eine Kollegin in der Online-Redaktion kontaktierte die Pressestelle der Bahn in München. Einer der dortigen Sprecher entschuldigte sich für die Verzögerung. Der Lokführer habe das Problem aber schon selber behoben, der RE werde in Kürze weiterfahren können. Na ja, in Kürze. Insgesamt blieben wir eine halbe Stunde auf freier Strecke stehen.
Jetzt frage ich mich: Wie kann ein ICE stehen bleiben und vom Lokführer selbstständig wieder in Gang gebracht werden? Kann mir das mal einer sagen?
6 Kommentare
Das ist ganz einfach; oft gehen die Fehler durch “Ab- und wieder Aufrüsten” weg (reboot der Lok), dann gibt es auch noch diverse Sicherungen, die der Triebfahrzeugführer wieder einschalten kann. Zu guter Letzt gibt es zu jeder Baureihe auch noch eine spezifische hotline, bei der der Tf anrufen kann, und die vielleicht noch Tips und Kniffe geben kann, “Jetzt schaltest Du zuerst das ein, dann das da aus, und dann erst das, und dann das andere wieder ein und drückst die Störmeldung weg…fährt er jetzt wieder?” Ich habe solche Gespräche schon mithören können
Manchmal sind die Lösungen auch, äähm, unkonventionell, wie das mit dem Scheibenwischer:
http://dk5ras.dyndns.org/www/bc/?p=124
@Lukas: Das war Humbug, da fliegt dann nur die einzelne Sicherung der Steckdose, und die kann man sogar als Fahrgast selbst wieder einschalten, mit einem spitzen Gegenstand.
Der ICE wird doch mit Windows als Betriebssystem betrieben, oder täusch ich mich
Windows an sich ist kein Problem, wir entwickeln auch Geräte, die unter Windows (XP embedded) laufen; weder sieht der Anwender da überhaupt, daß es ein Windows ist, noch kann er irgendwas am System verstellen – und die Kisten laufen auch zwei Jahre im Dauerbetrieb schmerzlos durch
Windows ist besser als sein Ruf!
@Pilsi:
Die beiden Displays laufen mit Win3.11.
Aber das hat mit dem 3.11, das man als Otto Normaluser kaufen konnte, nicht viel gemein.
Wie ich immer gerne sage, das System ist nicht alt, sondern bestens bewährt.
Das EBuLa-Display läuft mit Win 95.
XP Embedded ist natürlich schon was ganz anderes, aber das verkraftet die Display-Hardware der ICEs gar nicht. Das sind nur 133er- (ganz alte Displays, inzwischen haben die rund 12 Jahre auf dem Buckel) bzw. 266er-CPUs (neuerer Display-Typ).
Stimmt schon, ist halt die Frage, WARUM der ICE liegen geblieben ist. Wenn der Tf einen PZB-Magneten verpaßt und deswegen eine Zwangsbremsung bekommen hat, dann dauert das eine kleine Weile. Runterbremsen bis zum Stillstand, das kann nicht abgebrochen werden, Zwangsbremsung bestätigen, ein paar Handgriffe machen, wieder anfahren, sich später den Anschiß abholen.
Ich habe auch schon erlebt, daß Lokführer bei Regionalexpressen zu stark beschleunigt haben und dann der Hauptschalter rausgeflogen ist. Wenn man im ersten Wagen hinter der Lok sitzt, bekommt man das durchaus mit, wenn’s knallt. Dann gibt’s auch erstmal ein Zwangsbremsung, wieder aufrüsten, ggf. nochmal Bremswerte eingeben, weiterfahren. Und schon sind 5 Minuten herum.
Heute war ich auch mit dem Auto unterwegs, aber äußerst unfreiwillig.
Heute früh Plattfuß am Fahrrad, ein noch praktisch neuer Mantel, ich habe das Teil zum Verrecken bei der Kälte nicht von der Felge runterbekommen, kalte Finger, steifer Gummi.
Ich bin ehrlich, mit dem (funktionierenden) Rad wäre ich schneller in Erlangen gewesen. Mit dem Auto hat’s 75 Minuten gedauert, bis ich am Arbeitsplatz war.
Und wie ich heute abend feststellen mußte, ist vermutlich nur das Ventil locker gewesen. Sch..ß-Conti-Teile, was ich mich mit denen schon geärgert habe. Da ich ziehe normale Autoventile vor, da kann weniger kaputt gehen.

Kabel locker, Sicherung rausgeflogen? Evtl auch Eisschlag und der Lokführer musste erst überprüfen ob alles ok war.
Einem freund von mir wurde mal von einem schaffner gesagt, dass wenn man aus einer steckdose mehr als 90 Watt zieht die Sicherung rausfliegt und das Ding stehen bleibt.