Bayreuth – Nürnberg: ein Pendler-Trauerspiel
Kaum Beachtung gefunden im Pendler-Blog hat bisher die Strecke nach Bayreuth und darüber hinaus (hier die Streckenkarte für Oberfranken). Warum? Ganz klar: Weil ich mich dort nie aufs Gleis begebe. Dabei kommen auch von dorther jede Menge Pendler täglich nach Nürnberg hereingefahren. Mancher Kollege kann davon ein Lied singen (gell, Peter E.?).
In einem erhellenden Beitrag hat nun die dpa gezeigt, wie übel den Reisenden auf dieser Strecke in den letzten Jahren mitgespielt wurde und weiterhin wird. Ganz nach dem Motto: Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Mal fährt schnelles Wagenmaterial, dann wieder langsameres, schließlich gar keins mehr. Mal neigen sich die Züge, mal nicht.
Wenn heute die Deutsche Bahn sagt: Wir würden ja gerne schneller und öfter fahren, nur: Die Züge geben das nicht her…, dann kaufe ich das dem Konzern sogar ab. Die Bahn dreht sich im Teufelskreis aus politischen Vorgaben, eigenem Ehrgeiz, Wettbewerb mit privater Konkurrenz und den gestiegenen Ansprüchen der Kunden. Irgendwo dazwischen sitzen die Hersteller des Wagenmaterials und versuchen, in immer kürzerer Zeit immer bessere Züge vom Band laufen zu lassen. Leider scheint immer häufiger irgendwo die Qualität auf der Strecke zu bleiben.
Wie reagiert die Bahn? Sie nimmt die tollen neuen Züge erst in Betrieb und steigert so kurzfristig die Zufriedenheit der Kundschaft. Nur um diese dann wieder enttäuschen zu müssen, weil a) die Neigetechnik doch nicht fehlerfrei funktioniert, b) irgendwelche Bremsbolzen noch nicht geprüft sind, c) die Räder nach allzu kurzer Zeit Risse aufweisen, d) (Raum für eigene Einträge).
Zu allem Überfluss erhöht die Bahn dann auch noch jährlich die Fahrpreise.
Immer mehr Regional-Strecken gehen ja nun in die Hände der privaten Konkurrenz über. Das Dieselnetz Oberfranken zum Beispiel wird ab 2011 von einem Ableger der Hamburger Hochbahn betrieben. Man darf gespannt sein, was die Pendler dann erleben können.
6 Kommentare
Ich benutze die Bahn für die Reise von Hersbruck nach Nürnberg und zurück, fahre also auch häufig mit dem RegionalExpress auf der Bayreuther Linie.
Warum hält dieser nun, wenn er aus Dresden kommt, nicht mehr überall?
Die DB gibt als Grund verlängerte Fahrzeiten aufgrund der abgeschalteten Neigetechnik an.
Nach meiner Meinung weht der Wind jedoch aus einer ganz anderen Richtung:
Seit Januar ist Bayreuth an den VGN angeschlossen. Daraus resultierend rechnet man sicher auf der Strecke nach Nürnberg mit höhreren Fahrgastzahlen. Das Problem: Die Züge, die aus Sachsen kommen, sind bereits recht gut besetzt, man bekommt also die Fahrgäste gar nicht mehr unter, vermutlich ab Bayreuth nur noch schwer, ab Hersbruck bestimmt gar nicht mehr. Also lässt man die Züge einfach nicht mehr an den Bahnhöfen halten, dann steigt auch niemand mehr zu und es gibt keine Kapazitätsprobleme. Oder wie ist es sonst zu erklären, daß die Züge in der Gegenrichtung ab Nürnberg z.B. in Hersbruck halten? Denn dort steigen ja dann jede Menge Fahrgäste aus. Somit gibt´s wieder Platzkapazitäten. Das ist natürlich ein Grund, den die DB nicht offiziell verkünden kann. Da kommt das ewige Neitech-Problem gerade recht.
Ich habe nur festgestellt: Die meisten Züge, mit denen ich fahre, fahren mit Neigetechnik. Zu erkennen ist dies vor allem an der recht hohen Geschwindigkeit, die diese Züge fahren.
Also, irgendwas ist faul an der DB AG. Sie vergrault ihre zahlende Kundschaft, wo es nur geht. Der Unmut jedoch wächst. Es wäre an den Kommunalpolitkern und der Bayerischen Eisenbahn-Gesellschaft, hier aktiv zu werden. Meiner Meinung nach stehen der DB AG für diese marode Leistungen kein einziger Cent zu.
Und wenn es nun doch an der Neigetechnik liegen sollte: Die DB hat sicherlich überhaupt kein Interesse an einer Reparatur der Züge. Denn das kostet Geld – und schmälert den Gewinn….
Das Motto der Bahn seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2009 scheint zu lauten:
Teurere Preise, schlechtere Verbindungen
Du kannst es so sehen: Der aus Dresden kommende RE baut bis Hersbruck etwa 20 Minuten Verspätung auf. Einen Halt ausfallen zu lassen, spart etwa 3 Minuten. In der Gegenrichtung hat man das Problem anders gelöst, dein RE fährt einfach 10 Minuten früher in Nürnberg ab und kann dafür in Hersbruck halten.
Die 612er fahren übrigens mit Sicherheit ohne Neigetechnik. Ich hab jedes Wochenende das Vergnügen auf der Strecke Lichtenfels-Saalfeld (wohl das andere oberfränkische “Pendler-Trauerspiel”) mit 612ern oder ICE-T zu fahren. Das ist auf der Strecke ein gewaltiger Unterschied, ob du durch die Kurven bei Ludwigsstadt/Probstzella mit 110 oder mit 70km/h fährst. Allerspätestens merkst du den Unterschied zwischen vorhandener und fehlender Neigetechnik dann in Saalfeld, wenn deine Anschlüsse mal wieder weg sind.
OK…wenn das so ist…
Da frage ich mich natürlich, warum der RE Dresden-Nürnberg nicht auch entsprechend früher in Dresden abfährt…
Jedoch unabhängig davon:
Man muß wohl erkennen, daß das Projekt “Neigetechnik” in Deutschland gnadenlos gescheitert ist.
Es wäre sinnvoller, wieder Wagenzüge zu fahren, die länger brauchen, deren Fahrplan aber zuverlässiger ist und die ein besseres Platzangebot bieten.
Die Züge fahren seit dem Fahrplanwechsel auch in Dresden eher ab und halten als IRE in Sachsen nicht mehr in Glauchau und Reichenbach und in Franken nur noch in Kirchenlaibach, fahren nicht mehr über Bayreuth, so ist die wegen der ausgeschalteten Neigetechnik längere Fahrzeit in den Fahrplan eingearbeitet und wird kompensiert. Daraus folgert aber auch: sie wird scheinbar in diesem Fahrplan gar nicht mehr zugeschaltet
Und wieder einmal kann ich nur sagen – Gott sei dank fahren auf meiner Strecke 610er, da funktioniert die Neitech wenigstens zuverlässig ![]()
Dafür frieren allerdings die Kupplungen gelegentlich ein, was bei der Flügelung in Neukirchen (b.S.-R.) gelegentlich Verzögerungen bereitet.
Also lieber Freistaat Bayern, wenn die Neitechstrecken ausgeschrieben werden einfach 610er vorschreiben oder Talent2 mit Neitech wie sie in Dänemark eingesetzt werden.

Wobei nicht nur die Bahn ein Problem mit ihrem Zugmaterial hat. Hier im Ruhrgebiet blamiert sich gerade die eurobahn, die es trotz eines Vorlaufs vom 989 Tagen nicht geschafft hat, alle Züge rechtzeitig in Betrieb zu nehmen.
http://www.nahverkehrshelden.de/989-tage-reichen-nicht.html
Angeblich haben die neu gekauften Züge nicht rechtzeitig die Zulassung erhalten. Nun bedient die eurobahn nur einen Teil der Strecke und läßt sich beim Rest von der Bahn helfen. Mit dem Ergebnis, dass die Kunden auf halber Strecke von der eurobahn in die Deutsche Bahn umsteigen müssen. Auf einer Linie wohlgemerkt!