Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Was ist “alt” im Zusammenhang mit Zügen?

Hach, da sprühen die Funken, da rauchen die Köpfe, die Argumente fliegen lustig durch das Internet… Hatte ich mich doch erdreistet, die Baureihe 642 als “alt” zu bezeichnen. @LukasIffländer ist als Siemensianer deprimiert :-) über die Wortwahl. Ein anderer Leser weist mich darauf hin, dass die Züge ja noch nicht mal ein Jahrzehnt unter den Rädern haben und deswegen nicht als “alt” bezeichnet werden können.

Ja nun. Alt ist relativ. Ich zum Beispiel feiere bald meinen 47. Geburtstag (er fällt auf dasselbe Datum wie die Wiegenfeste von Willy Brandt und Keith Richards, die beide schon in jungen Jahren sehr alt aussahen…). Aber bin ich deswegen alt? (Bitte hierzu keine Kommentare!)

Die alten Silberlinge fahren bekanntlich immer noch, so sie nicht durchgerostet oder auf den Balkan verkauft sind. Es gibt ernst zu nehmende Bahnreisende, denen diese nicht mehr ganz taufrischen Beförderungsschaukeln lieber sind als jeder ICE. Andere wiederum, zu denen ich gehöre, würden gerne auf diese Art des Reisens verzichten (nicht nur, aber auch wegen der Dreh-Falt-Türe).

Im Übrigen kann ich jetzt aufklären, woher die frischen, aber doch nicht mehr ganz frischen 642-er Wagen kommen, die jetzt auf der Gräfenberg-Linie eingesetzt werden. Sie fuhren bisher zwischen Augsburg, Friedberg, Aichach und Schrobenhausen nach Ingolstadt als Paartalbahn. Die letzte Ausschreibung für die Paartalbahn verlor die DB gegen den Veolia-Konzern, so dass die Wagen frei wurden – und jetzt auf der Gräfenbergbahn zum Einsatz kommen.


Kategorie: Bahn
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3 Kommentare

Dezember 17, 2009
Lukas Iffländer

Schön wenn blog-Autoren auf Leserkommentare eingehen :-)

Ich gehör ja auch zu der Kategorie, die den ICE und die DOSTOs den Silberlingen und MODUS-Wagen vorzieht. Der Alex fährt ja jetzt auch endlich mit Dostos. Aber bei den Diesel-Triebwagen bevorzuge ich den 642 (verhältnismäßig viel Fußraum) und den 610 (der neigt sich als einziger noch und erreicht dadurch meist auch halbewegs pünktlich von Weiden aus mein Drehkreuz Nürnberg (nach Erlangen zu Siemens bzw. nach Würzburg an die Uni), da verzicht ich sogar auf Klima für).
Die 642 hat bei uns in Weiden vor ca. 7 Jahren die Silberlinge nach Regensburg/Hof abgelöst und bleibt für’s erste das Modernste was hier fährt.
Btw: Die Regioshuttles sind für jemanden mit 1,94m Körpergröße ein absoluter Albtraum.

Gruß

Lukas


Dezember 18, 2009
Markus

Deswegen spreche ich bestenfalls auch nur dann von “alt”, wenn das keine lebenden Personen bzw. noch existierenden Gegenstände betrifft. In dem Fall nehme ich dann immer den Begriff “bewährt” ;-)
Mein Auto ist bewährt, keine Kinderkrankheiten etc.
Das Betriebssystem auf dem PC hier, an dem ich diesen Beitrag schreibe, ist sehr bewährt. Ich warte da noch auf die Meldung “This virus requires Windows 2000 or better” oder so was ähnliches …
Die Betriebssystemumgebungen, für die ich entwickle, sind noch bewährter (und für den Einsatzzweck durchaus besser als so manches neuere System).

Und so weiter und so fort … “alt” klingt einfach hart.
;-) ;-)


Dezember 19, 2009
Seidla

Alt ist ein Schienenfahrzeug dann, wenn seine Lebensdauer fast am Ende ist.

Man beachte mal den Unterschied. Die Silberlinge wurden erstmals 1958 gebaut und sind heute noch im Einsatz. Und sie könnten noch weitere 10 Jahre im Einsatz bleiben da sie eben robust im Gegensatz zu den neuen Fahrzeugen sind.

Und jetzt betrachten wir mal die Neubaufahrzeuge/Neubauloks. 1995 wurden etliche Neufahrzeuge in Auftrag gegeben. Br 101, 145, 146, 152 und 185. Diese Varianten sind in Deutschland die, die am häufigsten vorkommen. Davon haben die ersten Ausführugen nun auch schon 15 Jahre auf dem Buckel. Jetzt kommt hinzu, dass eben diese Neubaufahrzeuge eine Lebensdauer von 15-20 Jahre haben. Deswegen wurden einige dieser Baureihen sogar schon abgestellt für die Verschrottung!

In der heutigen Zeit werden die Fahrzeuge eben nicht mehr mit einer Lebensdauer von einem halben Jahrhundert gebaut, sondern nur mit einer Lebensdauer, die der Wettbewerb verlangt.
Je kürzer die Lebensdauer, desto mehr Wettbewerbe können die Politik bzw. die jeweiligen Ländern ausschreiben.


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