Gräfenbergbahn: Alte Züge reloaded
Da kommt Freude auf: Auf der Gräfenbergbahn verkehren seit Fahrplanwechsel am vergangenen Montag ausschießlich die alten Dieseltriebwagen der Baureihe 642. Erst vor einem Jahr waren hier die neuen 648er Wagen mit Glanz und Gloria in Betrieb genommen und eine davon sogar auf den Namen “Stadt Gräfenberg” getauft worden.
In einer Pressemitteilung spricht die Bahn jetzt davon, dass im Bereich des Dieselnetzes rund um Nürnberg, also bei der “Mittelfrankenbahn” ein Plus an Fahrgästen in Höhe von sieben Prozent eingefahren wurde. Und, so die Bahn, es wird noch besser.
Nämlich: Alle Fahrten zwischen Nürnberg-Nordost und Gräfenberg werden ab sofort wieder mit den alten Wagen absolviert. Statt sechs neuen fahren jetzt also acht alte Wagen. Die neuen, somit frei gewordenen Züge, verkehren künftig als Verstärkung anderswo: Auf den Strecken nach Markt Erlbach, nach Cadolzburg, nach Neuhaus/Pegnitz sowie zwischen Steinach und Neustadt/Aisch.
Immerhin: Die in der Zwischenzeit aus Platznot eingesetzten Züge der Reihe 614, also die Uralt-Lösung, wird endgültig aus dem Verkehr gezogen. Endgültig? Man wird sehen, wo es als nächstes hakt…
Der Bad Windsheimer in der Online-Redaktion bittet übrigens um den Hinweis, seine Leidensgenossen Mit-Windsheimer seien sehr dankbar für die zusätzlichen Wagen.
Dagegen schäumt die Kleinsendelbacherin in unserem Archiv. Seit geraumer Zeit muss bekanntlich die Gräfenbergbahn bei Kalchreuth wegen einer defekten Brücke extrem langsam fahren. Das bedeutet für die Kollegin: Auf dem Heimweg am Abend ist in der Regel der Anschlussbus längst weg. Und da der nächste erst eine Stunde später fährt, hat sie nicht gerade viel Spaß dabei, in der Kälte bei Dunkelheit am Feierabend zu warten. Danke, liebe Bahn.
Der Eckentaler in der Lokalredaktion übrigens ist froh um die alten Wagen auf der Gräfenbergbahn: “Endlich kann man wieder vernünftig sitzen und muss sich nicht mehr so zusammenfalten wie im Ferienflieger nach Antalya! Endlich kann man wieder vernünftig Zeitung lesen!”
Was lernen wir aus all dem? Zum einen reagiert die Deutsche Bahn auf die im letzten Winter von unserer Zeitung öffentlich gemachten Probleme der Pendlerinnen und Pendler im Großraum. Das ist eine gute Sache. Auf der anderen Seite: Die neuen/alten Züge werden einfach so umgeschichtet, ausgetauscht, abgeschafft, ohne dass die betroffenen Pendler darüber informiert werden. Kundenservice sieht anders aus, eine positive Selbstdarstellung auch.
16 Kommentare
Insider wussten schon lange, dass auf die Gräfenbergbahn wieder die 642er zurückkehren.
Rund um Ingolstadt/Augsburg hat eine Privatbahn den Verkehr aufgenommen. Die dort eingesetzten 642er wurden nach Nürnberg umbeheimatet und können nun auf der Gräfenbergbahn eingesetzt werden.
@Seidla: Danke für den Hinweis. Wir gehen der Sache nach. Morgen erscheint in den NN zu diesem Thema ein ausführlicher Artikel.
Als Simensianer deprimiert es mich irgenwie wenn die 642 als alte bezeichnet wird…
Ja, in Fürth sieht man, daß seit Wochenbeginn vermehrt 648er zur Verfügung stehen – dafür fehlt uns jetzt das charakteristische “Brrrrrrööööööhhhhllll”, wenn um 06.03 der 614er aus dem Fürther Bahnhof ‘raus über die Siebenbogenbrücke zu beschleunigen versucht hat
Noch haben wir ja nach Ebermannstadt die 642er, die Dinger sind m.E. mit das Beste, was an Dieseltriebwagen so unterwegs ist. Wir sind in so einem Teil schon mal von Plauen nach Berlin und wieder zurück gefahren (wenn auch nicht in DB-rot, sondern weiß-grün als Vogtlandexpress), und das war durchaus OK, trotz der langen Strecke.
Alles neu macht der (Dezember) Fahrplanwechsel! Auch auf der Strecke Nürnberg-Treuchtlingen fahren seit dieser Woche “neue” Züge (PUMA/MODUS). Die sind offenbar aus der Würzburger Strecke abgezogen worden. Bin zwar froh, dass die unsäglichen “Silberlinge” endlich ausgestorben sind (keine Klima; unglaublich laut; furchtbare Türen, die sich selten ohne Gewalt öffnen lassen etc.), aber an die Pumas muss ich mich erst gewöhnen… der Einstieg ist nur was für junge, sportliche Menschen: die Treppen sind schweinehoch…
Toll, heut bin ich dafür in einer 614 gesessen, als Ersatz für einen defekten 610, da keine Neigetechnik 15 Minuten Verpätung
(und durch die geschlossene Tür kam Schnee rein weil se nen Loch hatte)
@LukasIffländer: Es kam Schnee zur Tür rein? Das ist ja wie in der Sowjetunion im Endstadium…
@ Ralph A. Schmid
Noch fahren zwischen Ebs und Forchheim die 642er….
Aber ab Mittw 2011 übernimmt ja “agilis” (Tochter der Hamburger Hochbahn AG) die Strecke bzw. die Leistungen der DB AG. Dann wird ein Regioshuttle (RS1) eingesetzt. 101 Sitplätze, schön eng usw…
http://www.agilis.de/
Hoffentlich bekommt die Bahn die Probleme auf der Strecke endlich in den Griff, ich möchte mich endlich mal wieder auf die Fahrpläne verlassen können und nicht – gefühlt – jeden 2. Tag in der Arbeit anrufen und sagen das es paar Minuten später wird.
Hoffentlich erkennen Sie auch mal das die Züge Abends (17.00 Uhr) von Nürnberg nach Gräfenberg doch vllt einen Wagen mehr gebrauchen können um gestresste Leute einen Sitzplatz bieten zu können.
Übrigens sind die Probleme in Eschenau ähnlich wie in Kleinsendelbach… ein paar Minuten verspätung und schon ist der Anschlussbus weg und man hat entweder die möglichkeit in der kälte zu warten oder den Fußmarsch bis ins letzte Eck von Eckental auf sich zu nehmen…
Hey, so eine Riesenchance darf man sich einfach nicht entgehen. Seit gestern abend melden die Radios, das TV und heut früh auch die Zeitung: Es gibt Blitzeis, lasst die Autos in der Garage. Das haben sich auch zahlreiche notorische Auto-Fahrer gedacht, die in Sorge um ihre Blechkarosse doch beschlossen haben, heut mal die Gräfenberg-Bahn zu nutzen. Ziemlich viele Leute am Forther Bahnhof, die man dort noch nie gesehen hat. Und die wurden sogar per Lautsprecher begrüßt: Sehr geehrte Fahrgäste, wegen einer Triebwerksstörung (keine Ahnung was das ist) verspäten sich die Züge voraussichtlich um 30 Minuten. Kurz danach war der Bahnsteig wieder leer und die Leute saßen wieder in ihren Autos. So geht das. Die fahren mit der Bahn jedenfalls nicht mehr.
Marketing ist alles…..
@Eckental-Pendler @Tom: Dazu passt wie die Lok aufs Gleis dieser Beitrag des Kollegen vom Bahnblog: http://dasbahnblog.de/aktuell/kaelte-macht-der-bahn-zu-schaffen?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+dasBahnblog+%28das+Bahnblog+dBb%29
Also ich soll an dieser Stelle einen schönen Gruß von meinen Eckentaler Pendler-Kumpels ausrichten. Die würden auch gern hier was schreiben über die Gräfenbergbahn, haben aber die Befürchtung, dass wegen der vielen Schimpfwörter ihr Beitrag den Weg in die Öffentlichkeit nicht findet. Ich drücks deshalb mal ein wenig vornehm aus. Heut abend: Eine halbe Stunde Verspätung auf den ersten zehn Kilometern. Das ist rekordverdächtig vor allem weil Tief Daisy noch gar nicht zugeschlagen hat. Wir saßen schon in Heroldsberg fest, die Heizung ist ausgefallen und die Scheiben sind innen angelaufen. Warten auf den Gegenzug…:(((( Das war nicht der, der laut Fahrplan eigentlich fahren sollte, sondern der, der schon ne Stunde vorher hätte fahren sollen. Ich kann mich meinen Kumpels bloß anschließen und sag mal “volle Kacke” und das zu den Preisen.
PS:: Hätte nur noch gefehlt, dass ein Kontrollheine die Fahrkarten nachschaut. Den hätten die wahrscheinlich aus dem Zug geschmissen.
Nix für ungut.

Schön, dass die Bahn jetzt mehr Fahrgäste auf der Strecke Nürnberg-Gräfenberg verzeichnet. Bleibt zu hoffen, dass man darauf auch mit der Bereitstellung von mehr Zügen reagiert. Eine Wagen-Garnitur, auch wenn es die alten Züge sind, ist halt zu wenig. Nach wie vor müssen die Leute morgens und abends im Zug stehen. Das hat doch mit Service nix mehr zu tun. Also liebe Bahn, du wirst doch bestimmt noch irgendwo ein paar alte Wagen haben, die man einfach anhängen kann. Kann das so schwer sein????