Bremsen bei Minusgraden und Sonne von Osten
Der Fluch des kurzen Bahnsteiges schlug heute morgen in Forchheim zu. Seit dem Umbau hat sich ja die Anlegestelle dramatisch verkürzt. Offenbar ist es nicht so einfach, punktgenau den Zug zum Stehen zu bringen. Heute morgen jedenfalls schoss der Lokführer sein RE-Gefährt beinahe eine volle Wagenlänge über das Ende von Bahnsteig 2 hinaus.
Der hier zusteigende Schaffner konnte oder wollte es sich nicht verkneifen, in Richtung Lokführer ein amüsiertes Grinsen ins Gesicht zu hieven. Aber immerhin war es mir noch möglich, an der hinteren Tür des vordersten Wagens einzusteigen.
Vielleicht sehe ich das Ganze ja auch falsch. Man muss bedenken: Die Temperaturanzeige lag unter Null. Weiß ich, wie sich dann das Gleis beim Bremsvorgang verhält, noch dazu bei Sonne von Osten und leichter Bewölkung?
Und: Nicht von der Hand zu weisen ist der Verdacht, dass der Lokführer versucht haben könnte, eine eventuell aufgelaufene Verspätung durch besonders forsches Fahrer wieder herauszuholen. Immerhin stoppte er sein Gefährt in Forchheim auf die Minute pünktlich. Da kann es schon mal vorkommen, dass er unter Zeitdruck den Bremsweg minimal falsch einschätzt. Man kennt das ja, auch als Auto- oder Fahrradfahrer…
7 Kommentare
Letztens in Kersbach hat sich der Lokführer auch bissl verbremst und einen sehr ruckartigen Halt hingelegt *g* Sicher wegen der geänderten Bahnsteigposition nach dem Umbau, das hat ihn wohl irritiert.
Also, nach meinem Physikverständnis sollte eventuelles Eis kein Problem sein, da die Schienen bereits einen sehr geringen Reibungswert haben. Dickere Eisschichten würden sowiso vom Zuggewicht pulverisiert. Evtl, könnte ein grund sein, dass mal wieder am Besanden gespart wurde (was ja bei der S-Bahn Berlin mit Hauptgrund für die Probleme war), ohne den Sand wird der Bremsweg erheblich länger, vor allem bei den Dostos (die ja meines Wissens den bezeichneten RE bilden).
Ihr habt vielleicht eine Ahnung davon, was am Bremsen vom Zug falsch ist… Zu viele Autofahrer hier.
Ausserdem die Probleme der S-Bahn Berlin haben was ganz was anderes zu tun, als mit “sanden” Dann müsste ein Personenzug ja nen halben Güterzug mit Sand mitführen, um bei jeder Bremsung und bei jedem Anfahren zu “sanden”
Aber mal im Ernst:
Was glaubt wir, wie viele Faktoren hierzu eine Rolle spielen, um einen Zug punktgenau zum halten zu bringen? Einfach mal auf die Bremse “sabben” ist nicht. ![]()
Die Lokführer blicken bei den ganzen Bahnstiegbauarbeiten rund um Nürnberg nicht mehr durch, welche H-Tafel an welchem Bahnsteig jetzt überhaupt zählt, bzw. welcher Bahnsteig jetzt schon in Betrieb ist oder nicht. (Aktuelles Beispiel: Kersbach; da wird nördlich des vorhandenen Bahnsteigs ein neuer gebaut…) Und dann wurden die Bahnsteige alle verkürzt..
Zudem spielen die Bremshundertstel des Zuges eine wichtige Rolle. Unsere RBs werden mit Luft gebremst. Bis die Luft vom ersten Wagen bis zum letzten kommt, dauerts schon ne Weile. Erst dann können die Bremsklötze nachziehen.
Aber glaubt mir, Lokführer haben das im Gefühl und beherrschen meistens ihr Talent.
Ich höre inzwischen lieber weg, wenn sich Laien über die Bahn unterhalten. Es wird dabei nämlich mit absoluter Sicherheit irgendein Halbwissen über das Thema Bahn ausgepackt und mit pauschalen Sparvorwürfen geschmückt. Das finde ich als Berufseisenbahner, der auf den Sicherheistvorsprung der Eisenbahn vor “der Straße” stolz ist, bedauerlich, zumal man sich dann mit sachlichen Argumenten oft nicht Gehör verschaffen kann.
Bahnsteige werden bei Umbauarbeiten fahrgastfreundlich erhöht, aber auch auf die längste planmäßig haltende Zuglänge gekürzt. Hier liegt wirklich ein Fall falschen Sparens vor. Dem Lokführer ist dann kaum noch möglich, im Falle eine Bremswegverlängerung den Zug passend zum Stehen zu bringen. Punktlandungen sind auf Grund der Bauart der Bremse bei Schienenfahrzeugen ohnehin nicht einfach. Im Gegensatz zu der direkt bedienbaren Bremse des PKWs ist die Bremse bei lokbespannten Zügen und anderen Fahrzeugen indirekt (Steuerung von Steuerventilen in jedem Fahrzeug über eine Leitung, die sogen. Hauptluftleitung, im gesamten Zug) und weist eine gewisse Trägheit auf. Das Lokpersonal kann damit natürlich umgehen. Das Bremsen ist einer der zentralen Themen der Lokführerausbildung!
Der Sand hat die Funktion, den Reibwert bei der Gefahr des Gleitens der Räder zu erhöhen. Desweiteren gibt es technische Einrichtungen wie den Gleitschutz (von der Kfz-Industrie kopiert und als “ABS” bezeichnet!), der gleitende Radsätze durch schnelles Lösen und Wiederanlegen der betreffenden Bremse wieder zum Rollen bringen soll und reibwertunabhängige Bremse (Magnetschienenbremsen). Wenn auf einem Fahrzeug Sand fehlt, muß der Lokführer seine Geschwindigkeit in bestimmten Fällen, insbesondere vor Halt zeigenden Signalen, verringern bzw. früher bremsen. Mir ist kein Unternehmen bekannt, das an so einer sicherheitsrelevanten Ecke spart!
Übrigens – Bahnsteigverkürzungen führen dazu, das die Lokpersonale oft genötigt sind, vor Bahnsteigen früher zu bremsen und vorsichtiger an sie heranzufahren, um den korrekten Halteplatz einzuhalten. Das kostet Zeit und verursacht das, was fast alle Fahrgäste reizt: Verspätung! Bahnsteigverkürzungen sind nämlich in keinem Fahrplan eingearbeitet.
@Alex: Diesen Kommentar finde ich besonders interessant, weil hier mal ein Berufseisenbahner das Wort ergreift. Wäre dies häufiger der Fall, ließe sich so manches erklären, worüber wir Pendler uns wundern oder ärgern. Ich würde z.B. gerne mal so einen ganz normalen Schichtplan eines Lokführers oder Schaffners sehen und mir dann überlegen, ob ich gerne so arbeiten würde – oder ob ich dann zumindest gleichbleibend freundlich auftreten würde. Ich möchte nicht wissen (also eigentlich doch…), wie manche Schaffnerin von Fahrgästen angepöbelt wird und wie sie das aushält. Allgemein muss sich das Zugpersonal tendenziell immer mehr körperlicher Übergriffe erwehren. Selbstverteidigungskurse als Möglichkeit, sich gegen renitente Fahrgäste besser zu schützen, werden aber vom Arbeitgeber Bahn nicht gezahlt. Hier muss die Gewerkschaft einspringen, die eigentlich andere Aufgaben hat.

Hallo,
das kommt davon, wenn die Bahn an alles Ecken und Enden spart und den Forchheimer Bahnsteig von 370m auf 170m verkürzt!
Wie sollen denn da später mal längere Züge halten?
Also war der Verbremser längst überfällig und wird in nächster Zeit öfters vorkommen…