“Heit is so a schena Tog” – von wegen
Heute früh ist es passiert. Ich bin ja allgemein als eher verträglicher, ruhiger, ausgeglichener Mensch bekannt (wehe, es widerspricht einer!!!), aber was heute morgen im Regionalexpress ablief, das löste in mir etwas aus, das … na ja, jedenfalls platzte mir der Kragen.
Es ging schon damit los, dass der Doppelstockwagen extrem voll besetzt war. Ein Glühweinbomber eben, wie immer vor Weihnachten in Richtung Nürnberg. Es regnete. Ich war noch nass von der Fahrradfahrt zum Bahnhof. Ich setze mich in ein Viererquartier zu zwei sehr netten Anzug-Typen. Einer räumt sogar noch seinen Nebensitz halb leer, damit ich meine Tasche samt Fahrradhelm dort mit ablegen kann. Es hätte so schön sein können, so ruhig…
Wären da nicht hinter uns zu beiden Seiten des Mittelgangs einige Heranwachsende gewesen, die meinten, sie müssten ihr Handy an Lautsprecher anschließen, diese auf die Ablagefläche des Müllbehälters stellen, die Lautstärke hochdrehen und aus vollem Halse, Flasch Bier in der Hand, mitgrölen: “Heit is so a schena Tog!”
Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe – grundsätzlich – nix gegen Donikkl, ich bin kein Feind schlechter Laune. Und auch an einem grautrübnassen Tag sollen die Menschen a Freud haben. Denn: Freude ist für jeden schön (Janosch). Ein Herz für Kinder habe ich auch, selbst für herangewachsene.
Aber: Wenn ich selbst die Musik in meinem mp3-Player nicht mehr richtig hören kann, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, einen Artikel in der Zeitung in einem Rutsch durchzulesen, dafür aber diese Rotzlöffel Heranwachsenden, die anscheinend von Haus aus keine so altmodische Sekundärtugend wie Rücksichtnahme mitbringen, statt dessen den Pegel sogar noch erhöhen – dann ist irgendwann Schluss mit lustig.
Ich also, drehe mich um, und frage höflich, aber angesichts der lauten Musik bestimmt, ob es nicht möglich wäre, die Lautstärke herunterzudrehen oder ganz auszumachen, denn es gebe hier im Wagen eine Mehrheit, die sich gestört fühle. Dankbare Blicke meiner Nachbarn …
Und siehe guck: Die lieben Jungs und Mädels standen nicht an, meiner höflichen Bitte sofort Folge zu leisten. Irgendwo hatten sie offenbar doch noch Zugang zu einem Restdepot mit Anstand. Dankbar schickte ich ein “Subbä! Dangge!” hinterher. Man ist ja kein Unmensch.
4 Kommentare
@Jonas: Ob ich immer so fränggele? Ich sach ma: Sollte es die Siduazion erfordern, dann passe ich mich relativ problemlos an…
Dazu passt auch diese Story aus Bremen: http://www.bahn-spass.de/2009/11/26/bitte-beachten-sie-auch-unseren-musikalischen-service/

Jaja, Jugendliche die meinen ihr MP3-Player/Handy sei ein Ghetto-Blaster und die ganze Welt (oder zumindest der ganze Zug) hätte ihren Musikgeschmack – nervig.
Aber mit den meisten kann man reden, und gerade dann wenn das Abteil mit “Anzugträgern” voll ist, haben sie ein Einsehen wenn man sie anspricht.
“Subbä! Dangge” ist auch nie verkehrt, schließlich beschweren wir uns oft genug darüber das die Jugend die Worte “bitte”und “danke” nicht mehr kennt.
Frängelst du eigentlich wirklich so?