Freitag, November 6th, 2009

Eine Bombe! Wie Gerüchte entstehen

Keine Bomben, nur Koffer. Foto: Eduard WeigertNatürlich bin auch ich heute Leidtragender des “Bombenfundes” zwischen Nürnberg und Fürth geworden. Nichtsahnend saß ich in meinem Regionalexpress, als dieser plötzlich in Vach aufs Nebengleis rollte und gar nicht mehr weiterfahren wollte. Schließlich erbarmte sich die Zugbegleiterin und beglückte die Fahrgäste mit einer Durchsage:

“Bitte beachten Sie: Die Weiterfahrt des Zuges verzögert sich wegen des Bombenfundes zwischen Nürnberg und Fürth. Wenn ich Näheres weiß, werde ich Sie wieder informieren.”

Einerseits ermutigt mich die Durchsage. Denn allein die Tatsache, dass die Fahrgäste informiert werden, ist eine Erwähnung wert, wie ich finde.

Andererseits könnte ich mich fragen, ob da in der Ausbildung etwas schief gelaufen ist. In einem anderen Zug, auf der Würzburger Strecke, gab das Personal an die Fahrgäste die Information weiter, die Strecke sei “wegen eines Polizeieinsatzes” gesperrt. Dies trifft die tatsächlichen Verhältnisse fraglos exakt. Denn die Polizei stand auf den Gleisen bei einem Einsatz.

Die Durchsage “Bombenfund” dagegen war bereits eine Interpretation der erhaltenen Informationen. Die Strecke war gesperrt worden, weil am provisorischen Bahnsteig Rothenburger Straße zwei herrenlose Koffer entdeckt worden waren. Darin hätten Sprengsätze versteckt sein können. Daher beorderten die Behörden ein Sprengkommando nach Nürnberg, um die Corpora delicti peinlich zu untersuchen. Und siehe da: Nix drin außer Klamotten.

Im Zug und später in der U-Bahn gen Nürnberg jedoch sprach sich schnell herum: Auf der Strecke zwischen Nürnberg und Fürth wurde eine Bombe gefunden. In zahlreiche Handys wurde diese Nachricht gesprochen, vermutlich auch vertwittert.

Bei uns in der Online-Redaktion entspann sich darob eine kleine Diskussion. Einer der Kollegen äußerte schließlich: “Jetzt seid doch mal zufrieden. Da informiert euch das Personal schon mal, und dann ist es auch wieder nicht recht.”  Na ja.


Kategorie: Bahn
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4 Kommentare

November 6, 2009
Wolferl

Irgendwo ein Koffer, irgendwo ein Stück Rohr, irgendwo ein was weiß ich was; der Staatsapparat läuft Amok. Einfach mal hingehen und nachschauen was los ist? Geht nicht, könnte ja der Herr Bin Laden persönlich drinstecken mit dem umgeschnallten Bombengürtel. Deswegen Totalsperrung der Verkehrswege, Evakuierung ganzer Stadtteile, Einrichtung von Flugverbotszonen und die Nürnberger Stadtregierung wird ab Amtsleiter aufwärts in den Atombunker unter den Moritzberg verlegt. Dann darf das herbeigeholte Bombenkomando nachschauen und findet: dreckige Wäsche.

Die Aktion zeigt mal wieder deutlich wie abseits der Realität sich unser Staatswesen bewegt. Offensichtlich fällt man hier schon der eigenen Propaganda zum Opfer, mit der man ja nur die Totalüberwachung der Bevölkerung vorantreiben wollte. Einem Staat mit solcher Paranoia ist jedenfalls nicht zu trauen.


November 7, 2009

@Wolferl: Schon wahr: Der Ertrag steht in keinem Verhältnis zum Aufwand. Aber wehe es wäre wirklich eine Bombe versteckt gewesen und die Behörden hätten die Koffer nicht ernst genommen. Wir hätten sie allesamt medial in die Luft gesprengt…


November 8, 2009
Wolferl

@Ulrich Graser: Mit “wir” könen sie mich nicht meinen. Ich lehne es ab jedes persönliche Lebensrisiko beim Staat abzuladen.


November 10, 2009

Ja, sehe ich auch so; irgendwo ist eine Grenze, und man kann das allgemeine Lebensrisiko nicht immer auf Dritte abzuwälzen versuchen…


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