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Ronald Schill – der Richter mit der Koks-Nuss
In Bayern und auf Bundesebene, das hat der bekannte niederbayerische Polit-Modeschöpfer Erwin Huber verkündet, wird es schwarz-grün niemals geben. Aber gut, der Hubers Erwin hat auch schon mal gesagt, dass die Landesbank gut da steht und dass das bayerische Rauchverbot nicht verändert wird.
Wie sagen wir Lateiner unter den Pendlern in solchen Fällen? Tempora mutantur – die Zeiten ändern sich. Und wir ändern uns mit ihnen. Manche jedenfalls. Eine bemerkenswerte Veränderung in der politischen Farbenlehre führt uns ja der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust vor. Vor sieben Jahren fand er nichts dabei, mit einem windigen Hasardeur namens Ronald Schill eine Koalition einzugehen, weil der halt genügend Stimmen mitbrachte, um die Macht an sich zu reißen.
Schill disqualifizierte sich, wie zu erwarten, selbst und flog hochkant aus dem Amt. Eine faulig riechende Spur aus Koks, Verleumdung und Verbrechen hinter sich her ziehend. Inzwischen findet es Ole von Beust opportun, von ganz rechts nach ökolinks zu wechseln und – zwecks Machterhalt – sein Glück bei den Grünen zu suchen. Eigentlich wäre es ein völlig normaler Vorgang, wenn CDU und Grüne über eine Koalition verhandeln. Aber vor dem Hintergrund der Schill-Affäre hat jedes Zusammengehen mit Beust für mich als einfacher fränkischer Pendler ein Gschmäckle. Und dieses Unbehagen wird nicht besser durch das Video, das gerade jetzt aufgetaucht ist und mächtig Wirbel verursacht.
Es zeigt Ronald Schill offenbar beim Schnupfen von Kokain (“Bei mir wirkt das Koks jetzt”). Drei Jahre lang war dieser Mann mitsamt seinen Hofschranzen dem Hamburger Bürgermeister gut genug als Koalitionspartner. Ich fragte mich schon damals, wie eine Partei, die für konservative Werte wie Anstand, Gesetzestreue, christliche Moral, Glaubwürdigkeit stehen will, eine Liaison mit derartigen Leuten mit ihrem politischen Gewissen vereinbaren kann. Die Parteivorsitzende Angela Merkel jedenfalls gab der Verbindung damals in aller Öffentlichkeit ihren Segen.
Und heute stellt sie sich hin und wirft der SPD und Kurt Beck einen Mangel an politischer Glaubwürdigkeit vor.
Das Publikum wendet sich mit Grausen, aber nicht ohne sich zuvor eine Meinung gebildet zu haben.