Zumwinkel am Wickel
Als Zeitung lesender, abhängig beschäftigter Berufspendler komme ich schon ein wenig ins Grübeln, wenn ich sehe, was dem Post-Chef Klaus Zumwinkel zum Vorwurf gemacht wird. Er soll dem Fiskus eine Million Euro an Steuern vorenthalten haben, indem er Geld in einer Liechtensteiner Stiftung eingebracht hat. Und das schon seit den 80er Jahren.
Jedesmal, wenn solche Fälle publik werden, frage ich mich, was Menschen dieser Gehaltsklasse wohl dazu bringt, neben dem regulären Verdienst auch noch illegal Vermögen anzuhäufen. Steigt die menschliche Gier proportional zum Einkommen? Zumwinkel erhält jährlich aus seinen verschiedenen Posten mehrere Millionen Euro. Das sei ihm gegönnt. Ich möchte seine Arbeit nicht machen, diese immense Verantwortung tragen. Vor kurzem fand er es richtig, die weisen Worte zu sprechen: “So vielen Menschen Arbeit zu geben, das ist eine große Befriedigung.”
Offensichtlich war die Befriedigung noch nicht groß genug. He couldn’t get no satisfaction. Dabei war der Mann schon vor über 30 Jahren Millionär, als er die väterliche Handelskette an Rewe verkauft hatte. Vielleicht hätte die Öffentlichkeit sich noch mehr wundern müssen als geschehen, als der gelbe Klaus kurz nach der Entscheidung, dass in der Postbranche ein Mindestlohn gezahlt werden muss, ein privates Aktienpaket für 4,73 Millionen Euro verkaufte. Die Entscheidung, an deren Zustandekommen er als Chef eines Konzerns, der hauptsächlich dem Bund gehört, maßgeblich beteiligt war, hatte die Post-Aktien in die Höhe getrieben. Dies auszunutzen ist nicht strafbar, aber in seinem Fall unanständig.
Die moralische Argumentation allerdings zieht immer nur in Betracht, dass es ein gemeinsames ethisches Fundament gibt, von dem sich alle lenken lassen. Diese Wertebasis, wenn sie je bestanden hat, scheint mit einer gewissen Einkommensgrenze zu verschwinden. Ich finde, dass hier alles dazu gesagt wird. Versagt die ethisch-moralische Argumentation, muss eben das Strafrecht die Reparaturarbeit leisten. Der Fall Zumwinkel zeigt, dass wir zwar allen Grund haben, an der Glaubwürdigkeit und moralischen Integrität des Spitzenpersonals der Wirtschaft zu zweifeln (Zumwinkel wäre ja nicht der erste, dessen Gier ihn zu Fall bringt). Aber die Ermittlungen bestätigen doch auf der anderen Seite, dass denjenigen, die auf gehobenem finanziellen Niveau Schweinereien begehen, nicht alles erlaubt wird.
5 Kommentare
Also der Zumwinkel Klaus, den kenn ich noch aus Nürnberg. Aber das checkt hier niemand, dass der sympathische Mann schon damals nur die Flocken im sinn hatte. Alles andere? Fragt bei Quelle nach, da kennt man den Herrn und seine Umgangsformen noch. Sozialneid? Das kommt sicher erschwerend dazu, soll aber nicht den Blick auf die Raffzähne trüben. Aber vielleicht ist der Mann so unschuldig wie eine Milchtüte?
Es wird einen Vergleich geben, Klaus Z. wird ein paar Milliönchen abdrücken, und notorische Schwarzfahrer wandern weiter ins Kittchen.
Merke. Gute Manager kommen in den Himmel, schlechte Vorbilder überall hin, auch nach Liechtenstein und auf die Bahamas – Grüße von der Christel von der Post
Bei der Frage, warum die, die schon „alles“ haben, noch mehr wollen, denke ich nicht nur über Geld nach. Der Gedanke ans Materielle liegt hier gewiss nahe, aber ich bezweifle, ob er der Antwort auf die aktuelle Frage nahe genug kommt. In diesem Zusammenhang denke ich an die Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich macht. Dieser Spruch ist nicht erstlinig probates Beruhigungsmittel all jener armen Seelen, die vor Hunger nicht in den Schlaf kommen. Dieser Satz ist vor allem formulierte Einsicht jener, die es gewohnt sind, aus dem Vollen zu schöpfen und vom Rest der Welt darum beneidet werden.
Diese Reichen – und dafür gibt es im Showgeschäft wie im Spitzenmanagement – zahllose Beispiele – beschleicht mit der Zeit nämliche eine armselige Erfahrung und Ahnung: Sie merken erstens, dass es kaum oder gar keine Erfüllung materieller Wünsche mehr gibt, die sie vor Freude fast vom Vorstandshocker reißt. Zweitens – und das stimmt noch trübseliger – begreifen sie, dass allzu viele ihrer Freunde in Wahrheit allenfalls Maden sind, die sich an des Reichen Speck laben (wollen).
Wer sich als Erfolgreicher dieser Ahnung ein wenig zu lange hingibt, sieht ruckzuck, was ihm bleibt, wenn sein Erfolg ausbleibt: Die Maden bohren sich umgehend so tief in den nächsten Speck, dass sie vom einstigen nichts mehr hören und sehen, und seine Freunde kann der Reiche vorschulkinderleicht an maximal zwei Fingern abzählen. Eine Lebenserfahrung, die der simpel gestrickte Hitparaden-Troubadour ebenso verzeichnet wie der akademisch gebildete Spitzenmanager.
Warum also diese verbissene bis illegale Jagd nach Geld und Erfolg? Was treibt diese Menschen an, sich beruflich so sehr ins Zeug zu schmeißen, dass sie keine Zeit mehr finden, zu Hause die Jacke auszuziehen? Was verleitet sie, das Risiko in Kauf zu nehmen, ihren Altersruhesitz nicht im Eigenheim, sondern im Knast zu beziehen?
Ich komme immer wieder nur auf eine einzige Antwort, die auf alle noch so unterschiedlichen Typen passt. Sie alle haben nämlich einen gemeinsamen Nenner – das sensible Seelchen ebenso wie der knochenharte Finanzjongleur und auch der grausame Despot: Sie sind Menschen, und als solche haben sie alle die elementare Sehnsucht, Anerkennung zu finden. Man könnte auch sagen, wenn es nicht so sentimental klingen würde: Im Grunde wollen sie vor allem lieb gehabt werden.
Mir ist klar, dass so gut wie keiner einen über Leichen gehenden Manager oder gefährlichen Despoten lieb hat. Da diese Mächtigen in ihrem Kern aber auch nur Menschen sind, ist es für sie im Alltagsgeschäft verdammt verführerisch, etwas Wesentliches schlichtweg zu übersehen. Und dies immer und immer wieder. Sie blicken liebend gern darüber hinweg, dass tosende Jubelrufe um sie herum und dass Massen, die sich als Bücklinge vor ihnen verbiegen, keine aufrichtige Verehrung zeigen. Sie bekunden eher die (menschliche) Schwäche, an der Seite eines Starken eigene Stärkung erhoffen.
Ein Erfolgreicher beziehungsweise Mächtiger braucht nicht nur Mut, sich dieser Erkenntnis zu stellen. Er braucht eine Stärke, die mit Macht und Geld wenig zu tun hat. Hat er sie nicht, hält er seine Erkenntnis nicht aus. Dann redet er sich lieber wieder ganz, ganz schnell in die Tasche, Jubelrufe seien Zeichen von Anerkennung. Hat er sie, hat er auch einen Sinn für die, die schweigen oder ihn kritisieren. Denn dann ist die Kraft seiner sozialen inneren Stimme sein wesentliches Kapital.
Die Welt wird immer böser und Rücksichtsloser und dazu gehört auch unser Staat (speziell die Steuerfahnder)!. Man hat praktisch die Vorführung Herrn Dr. Zumwinkels an jenem Morgen, zu einem Ereignis gemacht, als hätte er den Oscar gewonnen! Statt diesen Akt ganz neutral zu vollziehen und ihn ohne Medienrummel zu befragen…Nein als ganz erstes, als die Beamten entschiedeb haben Dr.Zumwinkel zu verhören, wurde als ganz-ganz erstes die Presse informiert! So ein Verhalten ist unkkoperativ, uneinsichtig, beschäment und wird auch nicht immer lauter!
Ob er es nun gemacht hat oder nicht…es ist nichts, aber auch garnichts bewiesen. Er hat uns ganz gross im Ausland vertreten, die Post zum Weltkonzern gemacht als die Herren der Staatsanwaltschaft noch nicht mal ihr Abitur hatten!

Die Deutsche Leitkultur braucht neue Beispiele:
Nach Hartz, Zumwinkel !
Wer lässt uns jetzt träumen ?