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Juli 8th, 2010

Wenn Männer weinen…

Bastian Schweinsteiger leidet.Aus der Traum vom WM-Titel: Deutschland trauert mit seinen Helden! Die musste jeder, wirklich jeder gestern nach dem Spiel bemitleiden, auch ich: Jogis Jungs sanken nach dem Schlusspfiff zu Boden, stemmten die Hände auf die Knie. Die einen weinten, die anderen schüttelten bloß den Kopf. Schweinsteiger stand minutenlang fassungslos da, ich hätte ihn in den Arm nehmen und mütterlich trösten mögen. Und erst der Lahm: Der hatte beim Interview ganz verweinte Augen und Mühe, zu sprechen.

Auch mein Freund war tief enttäuscht: Er litt furchtbar während des Spiels, stöhnte bei jedem Fehlpass der Deutschen auf und murmelte gegen Ende der zweiten Halbzeit nur noch: „Ich hätte so gerne Deutschland gegen Holland gesehen!“  Statt Schweinsteiger umarmte ich eben ihn. Dafür sind wir Frauen doch schließlich da, unseren Männern in der bitteren Stunde der Niederlage beizustehen.

Dem Fußball sei Dank! Da dürfen Männer endlich offen Gefühle zeigen,   sich jubelnd freuen, stolz sein, aber auch lauthals schimpfen     und im schlimmsten Fall vor Enttäuschung und Frust sogar weinen. Wann dürfen wir Frauen denn sonst unsere Liebsten so erleben? Von wegen „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“! Lasst sie nur raus, Eure Emotionen, Ihr harten Kerle! Am besten auch nach der WM.  Das bringt Euch uns Frauen ungemein näher, da können wir mitfühlen und eure Tränen trocknen. Wie wunderbar!
Insgeheim denke ich: Eigentlich ist es gut, dass Schweinsteiger, Lahm und Co. verloren haben. Sonst hätten wir Frauen diese Tiefe und Tragik bei unseren Männern nicht erleben können. Aber das würde ich  ihm gegenüber natürlich nie laut aussprechen. Deshalb: Psst, verraten Sie mich nicht!

Juni 28th, 2010

“Gaaanz ruhig! Wir werden gewinnen!” (Männer, die Vierte)

Der Tag der Entscheidung: Deutschland gegen England. Ich bin aufgeregt und freue mich auf das Spiel. Und zum ersten Mal in meinem knapp fünzigjährigen Leben will ich zum Public Viewing und mal so richtig mitfiebern und -feiern.
Doch wie die Stunden vorher rumbringen? Mein Freund schlägt vor, dass wir doch eine Radtour machen könnten, von Stein über Fürth nach Nürnberg. Es ist zwar heiß, aber ich will nicht als Schlappi gelten und willige ein.
Wir strampeln und strampeln und sind nach eineinhalb Stunden endlich total erhitzt und abgekämpft 50 Minuten vor Anpfiff beim Biergarten der Kulturkellerei angekommen. Doch dort lässt ein Türsteher wegen Überfüllung niemanden mehr rein.

Wir hetzen weiter zum Zwinger-Biergarten. Das gleiche Bild: alle Plätze belegt. Kopernikus-Biergarten oder Cinecittà? Wir entscheiden uns für das Kino, wo das Spiel im Zentralcafé auf Großleinwand übertragen wird. Mit viel Glück finden wir Sitzplätze oben auf der Empore im American Diner.
Mein Blutdruck steht auf 180, ich bin total im Hype. Es hält mich nicht auf dem Stuhl, ich habe Hunger und Durst und der Ober kommt nicht. Doch plötzlich steht er neben mir, die Ruhe selbst, schaut mir direkt in die Augen und sagt: „Jetzt setzen Sie sich erst mal hin und beruhigen sich. Sie strahlen mir hier viel zu viel negative Energie aus. Gaaaaaanz ruhig! Wir werden gewinnen!“
Ich schäme mich etwas für meine Hekterei, lächle verlegen und setze mich brav hin. Wir bestellen Salat und Burger,  mein Sohn will Pommes. Das Essen kommt wenige Minuten vor dem Anpfiff. Ich stelle fest, dass Salatessen und Fußballschauen gleichzeitig irgendwie nicht geht. Unruhig stopfe ich alles in mich hinein, so schnell es geht.

 Dann endlich kann ich mich ganz auf diesen Krimi vor mir konzentrieren. Mir ist wahnsinnig heiß, ich bin kurz vor einem Herzstillstand. Die Stimmung im Cine ist super, wir klatschen und johlen und jubeln, wenn die deutschen Tore fallen. Nach dem  4:1 werde ich ein bisschen ruhiger. Hoffentlich ist das Spiel bald zuende! Dann endlich der erlösende Abpfiff! Juhuuuu!

Bevor wir gehen kommt der Ober noch mal auf mich zu: „Sehen Sie, ich habe es Ihnen doch gleich gesagt, dass wir gewinnen werden“, sagt er und grinst mich an. Ich gebe ihm die Hand und habe Hochachtung vor der Ruhe, die dieser Mann ausstrahlt.  Er macht einen tollen Job! Wie unsere Jungs in Südafrika!