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Posieren mit Willy
Lässig hat er die Beine übereinandergeschlagen, die Arme ruhen im Schoß, als brächte ihn nichts aus der Ruhe. Genau in dieser Pose lassen sich viele Fußgänger, die den Willy Brandt Platz passieren, auf der Bank neben ihm fotografieren. Denn so einfach vorbeigehen kann kaum einer an der neuen Figur. Und wenn doch, drehen sich einige Passanten dann noch um und betrachten das neue Kunstwerk von Josef Tabachnyk (Foto: Andre De Geare) . Nur wenige lassen es links liegen.
Andere wiederum berühren die Statue fast etwas ehrfurchtsvoll, als sitze da der echte Brandt, gehen herum und begutachten ihn zunächst von verschiedenen Seiten. Dann lesen sie erläuternde Zeilen zu wichtigen Lebensstationen und einige Zitate. Manche lassen sich neben ihm im Stehen ablichten, so zu sagen in Augenhöhe mit Brandt. Denn auch im Sitzen ist der SPD-Politiker noch fast so groß wie viele Schaulustige im Stehen.
Gerade haben sich – ich sehe die Figur direkt aus meinem Redaktionszimmer – sechs Senioren um ihn geschart und debattieren heftig miteinander. Geht es noch einmal um die kontroverse Ostpolitik Brandts? Um seinen erzwungenen Rücktritt wegen eines Spions an seiner Seite? Um seine lebhafte Jugendzeit? Brandt hat zeitlebens viele Menschen polarisiert. Oder ist es das Kunstwerk selbst, das die Gemüter erhitzt? Brandt bringt die Leute auf jeden Fall ins Gespräch.
Keine Frage: Der Platz, in seiner Gestaltung ja nicht unumstritten, ist durch die Figur deutlich aufgewertet. Er hat so etwas wie einen Mittelpunkt bekommen. Das Warten hat sich gelohnt!