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Mai 27th, 2010

Männer sind (be-)schützenswert!

Wie schön, dass es die Oper und die vollautomatische U-Bahn gibt — mit all ihren Schwächen! Sonst wäre folgende zwischenmenschliche Begegnung wohl nicht möglich gewesen:

Am Pfingstmontag wurde im Nürnberger Opernhaus „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart gegeben. Herzerfrischende Handlung um Liebe, Untreue und Eifersucht, bezaubernde Musik, wunderbare Stimmen! Zufrieden verlassen die Besucher die ehrwürdigen Hallen und streben der Tiefgarage und der U-Bahn zu.
Es ist gegen halb elf. Ich renne die Rampe zum Bahnsteig runter, um die gerade einfahrende U 2 nach Röthenbach zu erwischen. Vor mir drängen sich schon viele Leute an den Türen. Die öffnen sich, wir sind höflich und lassen die Mitfahrenden erst aussteigen, dann schaffen es einige wenige, einzusteigen — ich schaue mit den anderen in die Röhre, als sich die Türen der vollautomatischen U-Bahn viel zu schnell wieder vor unseren Nasen schließen. Pech gehabt! Zehn Minuten Wartezeit bis zum nächsten Zug nach Röthenbach.
Es macht sich Ärger breit unter den Abgeblitzten. Die Leute schimpfen: „Wie kann das denn sein, dass die VAG nicht berücksichtigt, dass hier zum Vorstellungsende Andrang herrscht? Das hätte es früher mit Fahrer nicht gegeben!“ Eine Frau neben mir klagt, dass sie jetzt ihren Anschlussbus in Röthenbach verpasst und 40 Minuten auf den nächsten warten muss. Ich biete mich an, sie Richtung Stein mitzunehmen — sie geht nicht darauf ein, blickt nervös auf ihren handgeschriebenen Fahrplan.
Umso dankbarer sucht ein nebenstehender Mann das Gespräch. Er wurde durch das vorzeitige Schließen der U-Bahn-Türen von seiner Frau und einigen Bekannten getrennt. Das scheint ihm Sorgen zu machen, fährt er doch sonst nie allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln, außerdem stecken die Fahrkarten in seiner Jackentasche — was wenn die Frau jetzt kontrolliert wird?
Die nächste U 2 fährt ein, ich suche mir ein Plätzchen im zweiten Wagen. Kurz darauf nimmt der Strohwitwer mir gegenüber Platz, offenbar um das Gespräch vom Bahnsteig fortzusetzen. Das nimmt schnell tiefenpsychologische Züge an. Ob denn Männer immer Frauen beschützen müssen oder ob es auch mal andersherum geht, fragt er mich zu meinem Erstaunen. Ich hingegen frage mich, ob er wohl von mir Schutz erwartet? Er erzählt von einem ihm bekannten Paar, wo es so „verkehrt herum“ läuft — schwacher Mann, starke Frau, die aber keine Achtung vor ihm mehr haben könne. Ob er wohl von sich spricht? Ich weiß nicht so recht, was ich darauf sagen soll, aber er scheint keine Antwort zu erwarten.
Schließlich haben wir Röthenbach erreicht. Beim Einfahren entdeckt der Mann schon seine Frau und die Bekannten, die am Bahnsteig auf ihn warten. Er ist sichtlich erleichtert, bedankt sich bei mir für das „sehr nette Gespräch“, steigt aus und ruft mir draußen nochmals ein „Auf Wiedersehen und vielen Dank“ hinterher. Ich freue mich über diesen kleinen Flirt und dass ich einen Mann beschützen durfte. Wie in der „Hochzeit des Figaro“: Da sind auch die Frauen die Starken!