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August 17th, 2010

Die mit der Stahlkante

Es geht nicht ohne sie,  aber mit ihr ist es ein ständiger Nervenkrieg: Zellophanfolie dürfte zu den meistgehassten Dingen in einem durchschnittlichen deutschen Haushalt gehören. Sie reißt immer da, wo sie nicht soll, sie ist zu kurz,   viel zu lang oder hat bei der Prozedur Löcher bekommen. Hat man sich für die preisgünstige Variante entschieden, wird die schlappe Abreißkante am  Pappbehälter in Nullkommanix zahnlos und man zerrt und zieht und nimmt am Ende wütend die Schere, was auch nicht funktioniert. 

 
Ich weiß, was Sie jetzt denken. Russland brennt, Pakistan steht unter Wasser,   die Atomkraftwerke sollen länger laufen, was sind dagegen läppische Löcher in der Zellophanfolie. . . Recht haben Sie, aber der tägliche Kleinkram, der an unseren Nerven reißt, braucht  seinen Platz und ein Ventil. Sonst platzt der Kessel. 
Zurück zur Folie. Manchmal finden Verbraucher nämlich Tricks, wie sie die Tücken des Alltags  auch ohne Zusammenbruch und größere Investitionen überwinden können. Frau M. hat einen gefunden und der geht so: Man kaufe einmal die teure Markenfolie mit der Stahlkante, hebe die Hülle auf und packe dann  die billige Rolle hinein. Fortan wird nicht mehr gezerrt und gezogen, ratsch, die Folie ist ab, alle atmen auf und gespart wurde noch dazu.
Leider, berichtet jetzt Frau M., sind ihr die Hersteller auf die Schliche gekommen. Plötzlich haben billige und teure Folien unterschiedliche Formate und der der kleine Triumph der klarsichtigen  Verbraucherin über die mächtige Folienindustrie ist schon wieder Schnee von gestern.  Jetzt wird im Hause M. Folienboykott ausgerufen. Es  gibt ein Leben ohne Zellophan, heißt die Parole. Auf den Rest vom Hühnerfrikassee kommt jetzt ein Unterteller. Basta.