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Pokerface am Grill
Nürnberger Christkindlesmarkt
Der Freund steckt im Wort freundlich mittendrin. Schon recht, aber wer hat 2,2 Millionen Freunde? So viele Gäste besuchen alle Jahre den Nürnberger Christkindlesmarkt, kein Mensch kann erwarten, dass unsere Bratwurstbrater und Mandelröster mit 2,2 Millionen Zugereisten gut Freund sind.
Mit manchen sind sie allerdings gut Feind, was im Jahr 2006 zu einer Fortbildung ausgewählter Händler in Sachen Freundlichkeit geführt hat. Bitte, Danke, nicht rauchen hinterm Tresen und auch mal den Müll vorm Stand zusammenfegen, solches Grundlagenwissen stand da am Lehrplan. Doch das damals Gelernte ist ins Kurzzeitgedächtnis gerutscht und gelöscht worden, sonst hätte Frau Z. aus Igendsdorf nicht erlebt, was sie erlebt hat:
Beim Kauf von zwei Bratwurstbrötchen gibt ihr die Verkäuferin einen Fünf-Euro-Schein zu viel zurück. Die ehrliche Haut aus der Fränkischen reicht den Schein brav wieder zurück — und wartet. Pokerface, keine Reaktion.
Mit der Wurst in der Hand wagt es die Kundin, nach einem umsatzsteuerbefreiten Dankeschön zu fragen. Ihre Freundin hinterm Wurstgrill knallt ihr daraufhin ein pampiges „Des hätt’ miech a ned ärmer gmachd“ vor den Latz und beendete die Konversation mit dem feindlichen Lager abrupt.
Jetzt gibt’s zu jedem Bratwurstbrötchen schon kostenlosen Senf, da wollen die auch noch Freundlichkeit dazu? So ähnlich stand es auf ihrer schweißglänzenden Stirn zu lesen. Ein Fünfer hin, ein Fünfer her, die Händler am Markt spielten offenbar in einer ganz anderen Liga, schreibt man uns erbost aus Igensdorf; das Freundlichkeitstraining der Stadt sei für die Katz gewesen. Wer mag dem widersprechen.