Archiv der Kategorie ‘Verkehr’

Januar 21st, 2012

Durchbruch an der Ampel

 „The Jetlegs“-Aufkleber an einer Ampel in der Fürther Straße.

Ein Blickfang: „The Jetlegs“ kleben an vielen Ampeln entlang der Fürther Straße.

Schleimige Zeiten waren das, als in Nürnberg noch nächtens auf das Wildeste plakatiert wurde. Stromkästen, Sandkisten und Baustellenzäune waren gefundenes Fressen für Konzertveranstalter, deren Poster-Trupps sich allabendlich bekriegten, dass der Kleister spritzte. Auch einheimische Rockmusiker beteiligten sich öfters an der Schlacht um die Hoheit bei den werbewirksamsten Blickfängen. Es war ein Jammer, manchmal auch der Hammer.

Irgendwann ist die Strafe fürs illegale Zuklatschen zu heftig geworden, während sich der hiesige (Platz-)Hirsch die Rechte für Sandkisten & Co. sicherte. Der Plakatierkäse war gegessen und aufstrebende Rockbands blieb keine andere Wahl, als ihre Werbefeldzüge ins Internet zu verlegen. Das Dumme an dieser virtuellen Welt ist nur: Wer findet schon die Homepage eines Newcomers, der weder bei Bohlen und Raab, geschweige „Voice of Germany“ ein paar TV-Spuren hinterlassen hat? Genau, keine Sau! Und deshalb drängen mutige Lokalmatadoren wieder geballt mit plakativen Schwerpunktaktionen in den öffentlichen Straßenraum — wie jüngst die Band „The Jetlegs“. Die Jungs nahmen allerdings nicht Kleister und Papier in die Hand, sondern haben Aufkleber drucken lassen. Zwei sexy Stewardessen im knallroten Minirock sind darauf zu sehen — plus Aufdruck „Boarding Now“.

Ein absoluter Blickfang, der sich die Fürther Straße entlangzog. Und das quasi auf Augenhöhe bei so gut wie allen Verkehrszeichen im Kreuzungsbereich. Auf diese Tour hat die Band, die seit 2005 besteht, bereits Tonträger veröffentlicht und ab und zu live auftritt, in Gostenhof sogar die Antifa und einen neuen Radiosender von der Bildfläche verdrängt. Allerdings nur für drei, vier Tage. Inzwischen hat die Aufkleber-Konkurrenz nachgelegt, während die „Jetlegs“ langsam ausfransen. Der große Durchbruch an der Ampel wird wohl doch nur ein Traum bleiben.

Juli 26th, 2011

Großreuther haben genug vom Lärm

SPD-Bundestagsabgeordenter Martin Burkert (re.) und SPD-Stadträtin Katja Strohhacker überreichen 130 "rote Karten" an Sirko Kellner (li.) von der Deutschen Bahn - Unterschriften für eine Lärmschutzwand in Großreuth. (F.: privat)

In der Stille der Nacht erscheint jedes Geräusch doppelt so laut. Da genügt das montone Keuchen einer Lüftungsanlage in der Nachbarschaft, um auf die Nerven zu gehen, da braucht es nicht einmal einen Zug, der nebenan vorbeidonnert, um den Schlaf zu rauben. Aber genau damit, mit Bahnlärm, haben die Bürger in Großreuth (bei Schweinau) seit Jahren zu kämpfen.

Es ist, als würde der Zug mitten durchs Wohnzimmer fahren, sagt SPD-Stadrätin Katja Strohhacker, die sich – gemeinsam mit SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Burkert – dafür einsetzt, dass die Bahn Wort hält. Ein Wort, das im Februar 2010 gegeben wurde: Die Bahn sagte damals zu, eine 257 Meter lange Lärmschutzwand aufzustellen. Weil seither nichts geschehen ist, hakte Burkert kürzlich nach, und es stellte sich heraus: Die Bahn mag nicht mehr. Der Grund, wie Bahnvertreter Sirko Kellner sagt: Die Pläne für den Güterzugtunnel hätten sich verändert, weshalb es nicht sinnvoll sei, heute eine Lärmschutzwand aufzustellen, wo in fünf Jahren Zuggleise verlaufen würden. Und die Zusage? Tja, da muss Kellner einräumen, dass die Bahn etwas voreilig war. An der internen Abstimmung soll es gehapert haben, was schließlich zu einem “Kommunikationsleck” geführt habe. Nun, ein Leck, das jedenfalls groß genug ist für reichlich Bürger-Ärger.

Bei einem Ortstermin in Großreuth machten sich Anwohner jüngst Luft, weil sie sich von der Bahn veräppelt fühlen. Dennoch hatte Kellner für sie keine frohe Botschaft dabei - vor 2016 , sofern es gut läuft, wird sich in Großreuth nichts ändern. Burkert indes versprach, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass die Großreuther so früh wie möglich einen Lärmschutz bekommen.

September 21st, 2010

Baustelle nervt total!

Seit 20 Jahren nehme ich vom Büro aus in der Marienstraße immer denselben Weg in die Innenstadt. Rechts raus aus der Redaktion, rüber über ein paar Kreuzungen Richtung Lorenzkirche. Das geht nun nicht mehr. Seit Wochen nervt – nicht nur mich! – eine Baustelle. Sie ist im Weg. In meinem Weg.

Denn schon seit dem Entkernen der alten Kreissparkasse ist nicht nur der komplette Fußweg gesperrt und mit schweren Maschinen verstellt. Alle Fußgänger, und das sind täglich Tausende, müssen auch noch die Straßenseite wechseln. Den Apotheker oder Stempelladen mag es freuen, weil auf ihrer Seite nun – buchstäblich – mehr Laufkundschaft auftaucht.

Doch ich ärgere mich jedesmal aufs Neue, diesen Umweg zu laufen. Ist nicht viel, und dauert nicht so lange. Aber es nervt total. Gewohnheit ist eben Gewohnheit.

Wie es aussieht, bleibt die Baustelle noch einige Zeit erhalten. Wer keinen Bock mehr hat auf den Umweg, läuft einfach am Bauzaun vorbei. Obwohl hier mittlerweile zwei Verbotsschilder stehen! Oder wählt den inoffiziellen Zwischenweg über den Grünstreifen.

Ich sehne mich schon wieder nach meiner alten Route. Solange muss ich mich aber noch über den Umweg ärgern.

September 16th, 2010

Nürnberg hilft Parisern beim Verkehr

Kann man den Parisern beim Verkehr helfen? Was für eine freche, zweideutige Frage! Was das mit Nürnberg zu tun hat? Der Trieb, oder besser: der Antrieb, der dahinter steckt, kommt aus der Nürnberger Südstadt.

Worum es hier eigentlich geht? Die Firma MAN (da steckt ja schon das Wort Nürnberg drin) hat eine neue Werbekampagne. Die läuft derzeit unter anderem in Fernsehen (zu sehen auch auf YouTube). Der Slogan lautet: “MAN kann”.

Davor werden immer Fragen gestellt wie: Kann man die Tower Bridge in London mit Müll beleuchten? Kann man jeden Samstag einen 300-Mio-Euro-Transfer machen? Oder eben: Kann man den Parisern beim Verkehr helfen? Da geht es dann um technologischen Lösungen des Konzerns. Etwa um energetische Müllverwertung, den FC Bayern-Mannschafts-Bus – oder eben den Verkehr in Paris. Den öffentlichen Nahverkehr, versteht sich.

In dem Werbespot ist eine aufreizende Madame zu sehen in kurzem Kleid auf hochhackigen Schuhen. Sie wartet am Eifelturm. Auf was eigentlich? Da kommt ein Bus angefahren und sie steigt zu ihrem Liebsten ein. Hintergrund: Die Pariser Verkehrsbetriebe haben neue Stadtbusse bestellt. Na ja, eben bei der Firma, die hier so frech wirbt. Die Motoren für diese Busse kommen aus dem Motoren-Werk in Nürnberg. Da schließt sich der Kreis.

Der Konzern und die Werbeagentur (Olgivy & Mather) wollten mit den pfiffigen Spots eine “Traditionsmarke neu beleben”. Das ist gelungen, mit Nürnberger Hilfe.

Juli 30th, 2010

Rad statt Auto

Hätten Sie’s gewusst? Mehr als die Hälfte aller Autofahrten in Nürnberg sind kürzer als fünf Kilometer. Viele fahren also mal eben zur Apotheke, kaufen zwei Blocks weiter ein oder holen mit 100 PS Brötchen. Macht das immer Sinn? Wohl kaum.

 Alles unter 5000 Meter Wegstrecke eignet sich meist zum Radfahren. Gut: Das Radwegenetz in Nürnberg hat Lücken, weist knifflige Stellen aus und meist fehlen eigene Fahrspuren. Doch meist findet sich ein Weg zur Apotheke, zum Bäcker oder Supermarkt.

Es gibt so viele gute Gründe, mal aufs Rad zu steigen und das Auto in der Stadt stehen zu lassen. Man erlebt die Stadt aus ganz anderer Perspektive, spart Sprit, tut etwas für die Gesundheit und entlastet die Umwelt. Oft sind Radler sogar schneller am Ziel als Nutzer von Bus oder Bahn.

Aus der Südstadt (Christuskirche) zum Tiergarten fahren beispielsweise die einen die 6,2 Kilometer in 20, die anderen in 28 Minuten. Vom Hauptmarkt aus liegen fast alle Ziele innerhalb des Mittleren Rings nicht mehr als drei Kilometer entfernt. Beispiele sind der Westpark, der Luitpoldhain oder der Marienbergpark.

Wer noch mehr Infos braucht, sollte mal in der neuen Broschüre “Vorfahrt fürs Rad” nachblättern. Sie ist kostenlos und gibt es in der Geschäftsstelle der Nürnberger Nachrichten in der Mauthalle, Am Hallplatz 2, beim ADFC in der Heroldstraße 2 oder im Bürgerinformations-Zentrum im Rathaus Hauptmarkt 18.

 Viel Spaß beim Radeln in Nürnberg.

Mai 25th, 2010

Kirchenweg und kein Ende

Eine provisorische Verkehrsinsel, Tempo 30, die Eröffnung einer Spiel- und Lernstube im Erdgeschoss der Sozialimmobilie. Die Verwaltung hat sich zwar Mühe gegeben, die Situation am Kirchenweg/Ecke Lobsingerstraße zu entschärfen, doch unterm Strich hat das alles nichts genützt. Noch immer spielen die Kinder an einer verkehrsreichen Straße, an der Autofahrer um die Ecke rasen, noch immer wissen gerade die Jüngsten in ihrer Freizeit nicht wohin, noch immer ist der Hinterhof trostlos und zu klein.

Nach dem tödlichen Unfall eines Jungen machten sich die Stadtratsfraktionen für ein rasches Handeln stark. Das ist inzwischen fast vier Jahre her. Handlungsbedarf ist immer noch gegeben. Die Crux: Es gibt schlicht keine Freiflächen in unmittelbarer Umgebung, die die Stadt nutzen könnte. Ob sich im Innenhof des gegenüberliegenden Amtsgebäudes etwas tut, bleibt abzuwarten — diese Möglichkeit wurde allerdings bereits 2006 geprüft und abgelehnt.

Die Situation der Bewohner der Sozialimmobilie hat sich vielleicht insgesamt leicht verbessert — die Verlierer sind jedoch nach wie vor die Jüngsten, denn es ist alles andere als ein idealer Ort zum Aufwachsen.

Mai 7th, 2010

Tickets teurer

Nicht schon wieder!Das werden sich viele VGN-Fahrkunden im Großraum Nürnberg denken. Jedes Jahr steigen die Preise für Busse und Bahnen. Diesmal sind es mindestens drei Prozent mehr, die ab 2011 fällig werden.

 Dabei stellt der Verkehrsverbund, allen voran der Anbieter Deutsche Bahn, die Pendler bald täglich wieder auf eine Geduldsprobe. Verspätungen sind an der Tagesordnung. Dafür mehr zahlen?

Sobald über die neuen Tarife berichtet wird, reagieren daher Fahrgäste empört. Verbände fordern sogar, die Preise zu senken, damit mehr Menschen umsteigen auf den umweltfreundlicheren Nahverkehr.

Die Verkehrsbetriebe, hinter denen die Kommunen und Landkreise stehen, halten entgegen, dass sie eh schon Millionen zuschießen müssen. Sie fahren, das ist richtig, Miese ein. Selbst mit höheren Tarifen. Da sie zudem mit Preissteigerungen zu kämpfen haben (Energiekosten, Diesel, Tarife), suchen die Anbieter ihren Ausweg in Preiserhöhungen.

Der Fahrgast wird aber auch an allen anderen Ecken und Kannten mit höheren Kosten konfrontiert. Er kann nicht mal eben “seine” Tarife anpassen. Diese Hilflosigkeit sorgt eben zu Recht für Empörung.

Indirekt aber würde er auch zur Kasse gebeten, wenn die Kommunen auf höhere Tarife verzichten und noch mehr Miese einfahren würden. Dann stiegen an anderer Stelle die Gebühren.

Die Alternative kann auch nicht sein, wieder auf das Auto umzusteigen. Billiger ist das nicht. Stressfreier auch nicht. Bleibt am Ende die Wut, mehr zahlen zu müssen. Die meisten Kunden steigen dann aber doch wieder in den Bus oder die Bahn. Und können sicher sein, dass ein Jahr später die nächste Preiserhöhung kommt.

Januar 8th, 2010

ZKVÜES? Verstehe nur Bahnhof!

Bürokratie. Foto: dpaWissen Sie, was eine ZKVÜES ist? Im Duden steht das nicht. Ist auch keine Krankheit, habe im Pschyrembel nachgeschaut. Kein neues Virus, also Entwarnung für alle Neue-Grippe-Phobiker. Hat auch nichts mit dem neuen Wahnsinns-, sorry: Wachstumsbeschleunigungsgesetz (WBSG) der Bundesregierung zu tun. Hätte ja sein können.

Ein neues, geheimes Einsatzkommando der Bundeswehr kommt auch nicht in Frage. Die würden das auch nicht kommentieren. Vielleicht ein Kürzel für den neuen Nacktscanner? “Nein”, heißt es aus Berlin. Das Tarnwort von CDUCSUFDP für eine Autobahnmaut? Die soll doch gar nicht kommen.

Ja, was heißt denn nun ZKVÜES? Na gut, wir lüften das Geheimnis. Diese bürokratische Kopfgeburt stammt aus den Rathäusern von Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach. Die vier Städte haben ja einen gemeinsamen Zweckverband gegründet, der nun seit Januar Knöllchen und Bußgelder für Falschparker und Schnellfahrer verteilt. Und wie es sich für einen richtig guten deutschen Zweckverband gehört, hat dieser auch eine regelmäßig tagende Verbandsversammlung. Ja, und?

Da zu dieser Verbandsversammlung Vertreter aus den Städten eingeladen werden, müssen sie nach gängiger Vorstellung entschädigt werden. Und jetzt nähern wir uns der ZKVÜES! Dieses Wahnsinsskürzel steht nämlich für die noch viel wahnsinnigere: “Verkehrsüberwachungszweckverbandsentschädigungssatzung”. Alles klar?

So, jetzt ist es raus. Und wie viel gibt es für eine Sitzung? Jeder Teilnehmer bekommt laut ZKVÜES-Entwurf 25 Euro Aufwandsentschädigung. Das reicht unter Umständen gerade für einmal falsch Parken.

Oktober 19th, 2009

Lichtwurm im Untergrund

U3-RöhreU-Bahn gefahren ist sicher schon mal jeder in Nürnberg. Doch noch vor der U-Bahn durch die Röhre gelaufen zu sein, kann nicht jeder von sich behaupten. Diese Gelegenheit gibt es nicht allzu oft. Dabei fahren die Pegnitzpfeile seit 37 Jahren durch den Nürnberger Untergrund.

Immer, wenn ein neuer, unterirdischer Abschnittt gebaut wird, können die Röhren auch einmal besichtigt werden. So wie jetzt beim “Tag der offenen Tür”  auf der Strecke der U3. Für 66 Millionen Euro wird hier gerade auf 1,1 Kilometer zwischen dem Kaulbachplatz und dem Friedrich-Ebert-Platz  die nächste Etappe Richtung Klinikum installiert.

Einen Tag lang durften auch 5500 Nicht-Bauarbeiter abtauchen. Ein gigantisches Bauwerk, wie das Foto von Eduard Weigert zeigt. Ein Lichtwurm aus Beton im Untergrund, wo ab 2011 die Züge durchrauschen sollen. So sieht man Nürnberg nur ganz selten.