Archiv der Kategorie ‘Sommer’

August 7th, 2011

Kinospaß mit Leihfahrrad

Nürnberger Open-Air-Kinofans dürfen bequem aufsteigen: Neben dem Krafftschen Hof in der Theresienstraße 7 befindet sich gleich eine „Noris-Bike“-Station mit Leihfahrrädern. Foto: Jo SeußDem schwer verheißungsvollen Satz „Nürnberg steigt auf“ begegnet man derzeit im Stadtgebiet an vielen Stellen. Doch mit Fußball, das sei weniger Bewanderten in Sachen Kickerkultur gesagt, hat dieser Slogan auch kurz vor dem Start in die 49.Bundesliga-Saison nichts zu tun. Der „Club“ ist ja (bis auf weiteres zumindest) erstklassig, was bei der Verwendung des Fahrrads als Fortbewegungsmittel auf Nürnberg noch lange nicht zutrifft.

Bei einer Quote von knapp 13 Prozent am Verkehrsaufkommen ist viel Luft nach oben. Gerade deshalb trägt wohl das Gros der 750 Leihfahrräder, die inzwischen an 56 „NorisBike“-Stationen herumstehen, oberhalb des Schutzblechs unübersehbar den „Nürnberg steigt auf“-Appell.  Und dieser hätte jüngst beim Bardentreffen fruchten und dazu führen können, dass viele Spielstättenpendler — wie etwa bei Jazzfestivals in Kopenhagen — mit dem Leihdrahtesel unterwegs gewesen wären.Hätte passieren können, doch wegen des feucht-kühlen Wetters ließ sich kaum einer zum Strampeln verführen.Was schade war, denn auf diese Tour wäre man vorbeigezischt an den billigen Elvis-Kopien, die am Straßenrand unter Dachvorsprüngen ebenso lauerten, wie öde schrubbende Swingklampfer, nervensägende Flötenspieler oder ein kleiner Dauerterrortrommler auf dem Heavy-Metal-Egotrip.

Doch eine neue Chance winkt nun allen, die endlich ernst machen wollen mit dem Aufsteigen: Wer in den nächsten Wochen nämlich das mittlerweile 24. SommerNachtFilmFestival mit dem Leihrad besucht, bekommt einen Euro Rabatt! Und da bei vielen Kinospielorten eine „NorisBike“-Station ist, hat man noch einen großen Vorteil: Bei geänderter Wetterlage kann man hinterher auf ein wetterfesteres Verkehrsmittel umsteigen.

Juni 7th, 2011

Ganz schön ballaballa!

Runde Sache: Gut 100 Wasser-, Gummi- und andere Hüpfbälle prägten das Bühnenbild bei der aktuellen „Zusammenstoß“-Inszenierung vom „Theater 4“ im K4-Festsaal.Bühnenbilder können die halbe Miete sein. Und wenn sie richtig stark sind, retten sie sogar lähmend-langatmige Inszenierungen, die dramaturgisch in den Seilen hängen. Der große Robert Wilson hat dies schon vor Jahren etwa mit „The Forest“ oder „Black Rider“ prächtig vorexerziert.

Solch ebenso beeindruckenden wie teuren Bühnenaufbauten können sich kleine Amateur-Ensembles niemals leisten. Deshalb sind kreative Kunstgriffe vonnöten, um letztlich mit einfachen Mitteln eine möglichst große Wirkung zu erzielen. So wie jetzt dem „Theater 4“ im Festsaal des Künstlerhauses gelungen ist — bei der Inszenierung des grotesken Weltuntergangsstückes „Zusammenstoß“.

Finanzkräftige Bühnen hätten die Bühne wohl als dekadent glänzende Erdkugel drapiert, die ein digital gesteuerter Komet zum Zittern bringt. Das „Theater 4“ entschied sich aus Budget-Gründen für ein kostengünstigeres, aber nicht minder starkes Bühnenbild: Über 100 Wasser-, Gummi- und Hüpfbälle thronten rund, bunt und an Streben festgebunden über dem Geschehen auf den spacig mit Alufolie überzogenenen Brettern, die die Welt bedeuten.

Ganz schön ballaballa! Und gern hätte das leidenschaftliche Dada-Team vom „Theater 4“ noch mehr Wasserbälle drangehängt — doch die Regale in den Kaufhäusern der City waren ausverkauft, heißt es. Was übrigens nichts damit zu tun hatte, dass es Konkurrenz durch den „Stadtstrand“ auf der Insel Schütt gegeben hatte. Dort ballen sich neuerdings wieder Liegestühle, Palmenartiges, Sand und Strohbuden zu einem schnöden Bühnenbild der Marke Pseudo-Ballermann. Prädikat: Künstlerisch wertlos!