Archiv der Kategorie ‘Kulturelles’
Ein Lied aufs Volksbad!
Wer jemals in seinem Leben im Nürnberger Volksbad geschwommen ist, der weiß, dass dieses Haus einen besonderen Sound hat. Es hallt nämlich unglaublich in diesen hohen Gemäuern — vergleichbar mit einer Kathedrale. Das fängt schon in der Eingangshalle an und setzt sich in den Schwimmhallen fort. Wie heftig dieses Aufschaukeln von Tönen sein konnte, war im Herbst 1993 zu erleben, als Jazzstudenten von der damals noch Kons genannten Musikhochschule als Zwischennutzer im Volksbad residierten.
Schneidige Saxofonlinien erinnerten an Dinosaurierschreie und Trommelwirbel an Knallfroschgewitter, was sich über die Rohrleitungen in alle Richtungen ausbreitete. Und wenn Silvan Koopmanns Big-Band unten in der Schreinerei geballt probte, schaute auch mal die Polizei vorbei, weil Anwohner Hören und Sehen verging. Die Musiker verließen dann bald — wohl auch aus Rücksicht auf ihr eigenes Gehör — wieder das Volksbad, während die anstehende Frage unbeantwortet blieb, ob nun Fitnesscenter oder deutsch-türkisches Begegnungszentrum, Jazzhaus oder Konferenzcenter, trockener Kunsttempel oder feuchtes Edelkurbad einziehen sollen.
Fast 19 Jahre und diverse Hochglanzprospekte später ist man bekanntlich nicht viel schlauer geworden. Bei ein paar Disco- und Mode-Events sowie beim Film „Die Kachelzählerin“ des Schlagwerkers Hans-Günther Brodmann konnte man immer wieder mal erleben, wie toll die Akustik dieser Jugendstilperle ist. Daran erinnert haben jetzt vier Musiker vom Hemdendienst-Verein, der im Seitentrakt des Volksbads seit Sommer 2011 sein Domizil hat, das derzeit aber mangels Heizung eine Auszeit nehmen muss. Das Quartett spielte zur jüngsten Führung des Fördervereins ein Lied auf das Volksbad, das schier endlos kreuz und quer durch die Mauern waberte. Quasi wie ein dickes Ausrufezeichen zum Erhalt des hohen Hauses!
Durchbruch an der Ampel
Schleimige Zeiten waren das, als in Nürnberg noch nächtens auf das Wildeste plakatiert wurde. Stromkästen, Sandkisten und Baustellenzäune waren gefundenes Fressen für Konzertveranstalter, deren Poster-Trupps sich allabendlich bekriegten, dass der Kleister spritzte. Auch einheimische Rockmusiker beteiligten sich öfters an der Schlacht um die Hoheit bei den werbewirksamsten Blickfängen. Es war ein Jammer, manchmal auch der Hammer.
Irgendwann ist die Strafe fürs illegale Zuklatschen zu heftig geworden, während sich der hiesige (Platz-)Hirsch die Rechte für Sandkisten & Co. sicherte. Der Plakatierkäse war gegessen und aufstrebende Rockbands blieb keine andere Wahl, als ihre Werbefeldzüge ins Internet zu verlegen. Das Dumme an dieser virtuellen Welt ist nur: Wer findet schon die Homepage eines Newcomers, der weder bei Bohlen und Raab, geschweige „Voice of Germany“ ein paar TV-Spuren hinterlassen hat? Genau, keine Sau! Und deshalb drängen mutige Lokalmatadoren wieder geballt mit plakativen Schwerpunktaktionen in den öffentlichen Straßenraum — wie jüngst die Band „The Jetlegs“. Die Jungs nahmen allerdings nicht Kleister und Papier in die Hand, sondern haben Aufkleber drucken lassen. Zwei sexy Stewardessen im knallroten Minirock sind darauf zu sehen — plus Aufdruck „Boarding Now“.
Ein absoluter Blickfang, der sich die Fürther Straße entlangzog. Und das quasi auf Augenhöhe bei so gut wie allen Verkehrszeichen im Kreuzungsbereich. Auf diese Tour hat die Band, die seit 2005 besteht, bereits Tonträger veröffentlicht und ab und zu live auftritt, in Gostenhof sogar die Antifa und einen neuen Radiosender von der Bildfläche verdrängt. Allerdings nur für drei, vier Tage. Inzwischen hat die Aufkleber-Konkurrenz nachgelegt, während die „Jetlegs“ langsam ausfransen. Der große Durchbruch an der Ampel wird wohl doch nur ein Traum bleiben.
Rauschende Drohbriefe
Irgendwie ist im neuen Jahr ja noch kräftig der Wulff, ähh, der Wurm drin. Und ebenso wie FDP und Wetter hängen auch hiesige Live-Bühnen bisher ziemlich durch. Doch keine Angst: Zumindest in Sachen Kultur ist Besserung in Sicht — in Form von gepfefferten Gastspielen, die Nürnbergs Szene entern.
Dazu gehört gleich am Mittwoch, 11.Januar, das „BlätterRauschen“ in der KulturKellerei im Künstlerhaus, Königstraße 93. Ab 20 Uhr gibt es heiße Diskussionen samt Buchtipps von „Goodbye Leningrad“ bis Erich Kästners lyrischer Hausapotheke. Und heftig rau(s)chen wird es ebenfalls am Freitag, 13.Januar, ab 21 Uhr im Jazz-Studio am Paniersplatz, wo das Berliner Avantgarde-Trio „Günter Adler“ aufspielt. Und der Ex-Mittelfranke Rudi Mahall an der Bassklarinette wird mindestens so viel Turbulenzen erzeugen wie jüngst „Tief Andrea“!
Ähnlich packend verspricht es am Samstag, 14.Januar, ab 20 Uhr im Tassilo Theater, Sielstraße5, zu werden: „Die Zukunft war früher auch besser!“ heißt das Stück, bei dem das Regensburger Paar Alex und Birgit Bolland auf den Spuren von Karl Valentin und Liesl Karlstadt lustwandeln. Wem das alles nicht hart genug ist, auf den wartet nächsten Mittwoch, 18.Januar, im Bernsteinzimmer, Großweidenmühlstraße11, eine echt bedrohliche klingende Schallperformance:
Aurélie Pertusot und Anne Moirier alias „Les Trotteuses“ servieren ab 20 Uhr — hört, hört! — ihre „Komposition für 15 Wecker“!
Einen Wachmacher der anderen Art verspricht derweil die „Antifaschistische Kundgebung“ am Donnerstag, 12.Januar, ab 15.30 Uhr an der Ecke Knauer-/Rothenburger Straße in Gostenhof zu werden. Sie gilt als Reaktion auf jüngste Neonazi-Übergriffe und -Drohbriefe. Und auch hier sollte man auf etwas Rauschendes gefasst sein.
Eine Frage des Klimas
Advent, Advent, das erste Lichtlein brennt. Und es wird einem ganz warm ums Herz — nicht nur beim glühweingeladenen Gang über den Christkindlesmarkt. Wobei Temperaturen im Plus-Bereich schon immer noch ein bisschen stören. Wie herrlich war es aus der Sicht der Romantiker vor einem Jahr, als im Dezember bereits der erste dicke Schnee vom Himmel fiel und schön flockig die Angst vor dem Treibhauseffekt vertrieb.
Heuer sieht es anders aus. Und mit dem extrem warmen und trockenen Rekord-November im Rücken werden wir die nächsten zehn Tage die Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban verfolgen. Und garantiert wird ein Kommentator schreiben, dass wir uns angesichts der drohenden klimatischen Turbulenzen „warm anziehen müssen“.
Wegen solcher Vorzeichen stehen auch in Teilen der fränkischen Kulturszene die Zeichen auf unheilschwanger. Wie ein Flyer zeigt, der auf eine Vernissage hinweist, die am 7.Dezember um 19 Uhr in den Räumen von „Design von Designern“ in der Fürther Straße 98—100 beginnt. Mit echt furchteinflößenden Gestalten wird auf einer Druckgrafik der „sagenhafte Winterabend“ angekündigt, an dem die Ausstellung von Kurt Neubauer mit Musik, Feuertonnen und der Lesung von Fitzgerald Kusz, Elmar Tannert und Veit Bronnenmeyer eröffnet wird.
Während eines der Kunstbücher ziemlich blutrünstig „Das wütige Heer am Walberla“ heißt, versprechen die fränkischen Literaten nicht nur so manch mörderisches Treiben, sondern viele ungeschminkte Wahrheiten. Speziell mit Blick auf Kusz sollte man das Motto des Abends unbedingt beherzigen: „Warm anziehen!“
Der Popcornberg am Kunsthallenboden
Manchmal staunt der gemeine Kulturfreund nicht schlecht, wenn ihm zum Beispiel in der sonst eher seriösen Kunsthalle in der Lorenzer Straße plötzlich eigenartige Geräusche um die Ohren pfeifen. Da das Ungewöhnliche bekanntlich neugierig macht, zieht es einen förmlich nach hinten. Und dort staunt man wirklich Bauklötze: Eine Popcornmaschine spuckt im Minutentakt eine Salve geplatzter Maiskörner aus und schüttet so einen appetitlich duftenden Popcornberg auf.
Davor steht man nun und fragt sich, ob in der aktuellen Schau „Für immer Strom“ von Michael Sailstorfer das Zugreifen erlaubt oder verboten ist. Grinsend klärt das Aufsichtspersonal auf, dass man gern etwas davon essen und sogar was mitnehmen darf. Leider seien aber am Eröffnungsabend von den offenbar sehr hungrigen Vernissage-Gästen alle vom Künstler mitgebrachten Tüten aufgebraucht worden, weshalb der Griff zur Papiertüte Marke Eigenbau empfohlen wird.
Man darf gespannt sein, wie hoch der Popcornberg bis zum Schau-Ende am 20.November wachsen wird. So etwas Unerwartetes an einem gewöhnlichen Ort macht jedenfalls auch Appetit auf etwas Normales wie Kino an einem ungewöhnlichen Ort wie dem Westfriedhof. Den neuen Platz bei den Trauerhallen hat der städtische Friedhofsverwaltungschef Günther Gebhardt tatsächlich angeboten — die Organisatoren des SommerNachtFilmFestivals sollten zugreifen!
Entdeckung in der Fremde
Es war im Winter 1996, als vor dem Eingang zur Mittelhalle des Nürnberger Hauptbahnhofs ein Ding aus fingerdickem, in sich verdrehtem Stahldraht auftauchte. „Portikus — Legung I“ hieß das Teil, das 3,50 Meter hoch und 4,5 Tonnen schwer war. Nach Kunst sah es nicht unbedingt aus, was wohl der Grund ist, dass sich hier niemand mehr daran erinnert.
Trotzdem ist das Werk des amerikanischen Künstlers Patrick Dougherty nicht ganz von der Bildfläche verschwunden. Man begegnet ihm auf den Seiten 144 und 145 des Buches „Le mouvement intuitif“, in dem man viel (und in vier Sprachen) über den Vertreter der sogenannten Natural-Art erfährt, der Skulpturen erschafft, indem er am liebsten natürliches Material biegt — wie etwa nahe der bretonischen Kleinstadt Saint Goazec, hinter Quimper gelegen, im Garten des Schlosses Trévarez.
Dort hat der drahtige 66-Jährige im Juni 2010 in drei Wochen zwischen Bäumen und Reitstall eine riesenschildkrötenhafte Skulptur hingesetzt, die zum Begehen einlädt und die neugierige Bretagne-Touristen bis zum nächsten Sommer inspizieren können. In einer Begleitausstellung erfährt man viel über Doughertys Ansatz, Kunst und Natur auf virtuose Art in Einklang zu bringen. Das gelingt ihm unterschiedlich gut, aber immer wieder genial. Insofern: sehr entdeckenswert!
Die schönste Entdeckung in der Fremde war trotzdem die Erkenntnis, dass man ihm vor 15 Jahren daheim am Hauptbahnhof schon mal hätte begegnen können. Es wäre interessant zu wissen, wo die „Portikus“-Skulptur später gelandet ist. Vielleicht liegt sie irgendwo in einem Depot? Oder wurde sie Opfer der späteren Hauptbahnhof-Umgestaltung?
Eingezäunter Zankapfel
Es war vor 18 Jahren, als es in Nürnberg einen sprudelnden Zankapfel gab. Der Mäzen Kurt Klutentreter (u.a. „Narrenschiff“-Plastik, Krakauer Haus) wollte einen Norisbrunnen stiften, der nach Vorstellungen des Wellblechfabrikanten reichlich monumental samt Behaim-Globus und zehn Meter breitem Wasserbecken werden sollte.
Im Rathaus sorgte das Ansinnen für allgemeines Stirnrunzeln. Dank diverser Engelszungen gelang es aber, die Brunnenplastik ein paar Dimensionen kleiner zu kriegen. Der Steiner Bildhauer Hanspeter Widrig wollte durch sein „Doppeltes Lottchen“ inmitten von 22 schwarzen Basaltsteinen das Brave und das Böse in der Geschichte Nürnbergs zeigen.
Nichtsdestotrotz erntete der Entwurf ein vernichtendes „Kitsch“-Urteil, wie 1994 der damalige Kunsthallenchef Lucius Grisebach kritisierte. Um ein Haar hätte Klutentreter danach den Geldhahn zugedreht und den Norisbrunnen sterben lassen. Es kam dann doch nicht so weit, umgerechnet 150 000 Euro flossen seitens des im Februar 2000 verstorbenen Unternehmers und Hobbydichters in das Objekt, das eher unauffällig im Park beim Friedrich-Ebert-Platz landete und Ende April 1994 eingeweiht wurde. Anwesende erinnern sich heute noch ungern an das gereimte Endlosopus des Brunnenstifters.
Zehn Jahre später ließ der U-Bahnbau den Norisbrunnen ohne Gedöns im Depot verschwinden. Wirklich vermisst schien ihn kein Nordstädter zu haben. Doch jetzt ist er wieder da: Hinter Bauzäunen steht er ziemlich einsam und einen Steinwurf nördlicher im Archivpark. Das Fundament ist gelegt, doch die Fontänen sprudeln erst im Mai 2012, heißt es beim Servicebetrieb Öffentlicher Raum. Bis dahin kann man nur hoffen, dass das gesamte Umfeld ein bisschen ansehnlicher wird.
P.S.: Zum Thema läuft auf nn-online.de bis 16.August eine Umfrage unter “Frage der Woche” – stimmen Sie ab!
Kinospaß mit Leihfahrrad
Dem schwer verheißungsvollen Satz „Nürnberg steigt auf“ begegnet man derzeit im Stadtgebiet an vielen Stellen. Doch mit Fußball, das sei weniger Bewanderten in Sachen Kickerkultur gesagt, hat dieser Slogan auch kurz vor dem Start in die 49.Bundesliga-Saison nichts zu tun. Der „Club“ ist ja (bis auf weiteres zumindest) erstklassig, was bei der Verwendung des Fahrrads als Fortbewegungsmittel auf Nürnberg noch lange nicht zutrifft.
Bei einer Quote von knapp 13 Prozent am Verkehrsaufkommen ist viel Luft nach oben. Gerade deshalb trägt wohl das Gros der 750 Leihfahrräder, die inzwischen an 56 „NorisBike“-Stationen herumstehen, oberhalb des Schutzblechs unübersehbar den „Nürnberg steigt auf“-Appell. Und dieser hätte jüngst beim Bardentreffen fruchten und dazu führen können, dass viele Spielstättenpendler — wie etwa bei Jazzfestivals in Kopenhagen — mit dem Leihdrahtesel unterwegs gewesen wären.Hätte passieren können, doch wegen des feucht-kühlen Wetters ließ sich kaum einer zum Strampeln verführen.Was schade war, denn auf diese Tour wäre man vorbeigezischt an den billigen Elvis-Kopien, die am Straßenrand unter Dachvorsprüngen ebenso lauerten, wie öde schrubbende Swingklampfer, nervensägende Flötenspieler oder ein kleiner Dauerterrortrommler auf dem Heavy-Metal-Egotrip.
Doch eine neue Chance winkt nun allen, die endlich ernst machen wollen mit dem Aufsteigen: Wer in den nächsten Wochen nämlich das mittlerweile 24. SommerNachtFilmFestival mit dem Leihrad besucht, bekommt einen Euro Rabatt! Und da bei vielen Kinospielorten eine „NorisBike“-Station ist, hat man noch einen großen Vorteil: Bei geänderter Wetterlage kann man hinterher auf ein wetterfesteres Verkehrsmittel umsteigen.
Sprungbretter fürs Hirn

Mit Papiertüte am Kopf und in Reih & Glied schreibend: Eine eindringlich Szene, in der das Junge Theater Fürth die "Facebook-Welt" darstellte.
Manchmal ist die reale Welt so dramatisch, tragisch und grausam, dass man sich fragt: Brauchen wir noch ein Theater? Der menschenverachtende Amoklauf in Norwegen wirft zumindest am Rande diese Frage auf. Vor allem, wenn man im Fürther Kulturforum sitzt und „Columbine und wir“ sieht.
Das Junge Theater Fürth hat sich an die Ereignisse vom 20.April 1999 gewagt, als zwölf Schüler in der US-Kleinstadt Columbine von zwei Jugendlichen erschossen wurden. 16 junge Schauspieler aus dem Raum Nürnberg-Fürth setzten sich auf intensive, bedrückende wie beeindruckende Art mit den Charakteren von Tätern und Opfern, von Eltern wie Internet-Nutzern auseinander. Dass die Aufführungen vom Amoklauf in Norwegen überlagert wurden(und viele im Publikum von dessen Tragweite noch nichts mitbekommen hatten), macht deutlich, wie wichtig der Mut zu so einem Theaterstück ist. Zu schade, dass es nicht mehr zu sehen ist!
Gleiches kann man über ein anderes Bühnen-Stück sagen, das zeitgleich zu „Columbine und wir“ zweimal im Casablanca lief: die Show der seit 35 Jahren begeisternden „Chaotic Strings“. Wie etwas irre gewordene Musiktherapeuten entführten die vier in Ehren gealterten Dadaisten, von denen drei einen echten Doktorhut besitzen, ins Reich von Absurdistan und Hintersinndupfing. Vieles, was die Herren Rose, Hirschmann und Hübner vom Stapel ließen, verstehen wir wohl erst viel später mal so richtig; aber kapiert haben wir: Theater ist ein wichtiges Sprungbrett fürs Hirn — mehr davon!





Demo im Pelzrock?
Eine Alternative zum Originalgemälde wäre dieses Bild von Thomas Struth - der Düsseldorfer Fotokünstler lichtet gezielt Museumsbesucher ab - hier ist es ein Kunstfreund vor Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" in der Alten Pinakothek in München.
Ungeachtet dessen, wie das Hickhack und politische Gezerre um Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ für die Schau im Germanischen Nationalmuseum ausgehen wird: Es ist ein Kreuz mit den großen Werken berühmter Künstler. Entweder werden sie für zig Millionen versteigert und landen im Safe eines Superreichen. Oder sie gehören einem Museum, das — wie im Dürer-Fall — seine Schätze für sakrosankt und ergo nicht ausleihbar erklärt.
Als Normalbürger, mit dessen Steuergeldern staatliche Kunsthäuser wie die Alte Pinakothek finanziert werden, kann man über ein solch gutsherrenartiges Verhalten nur den Kopf schütteln. Zugleich weckt es den Widerstand. Wie wäre es mit einer Großdemo in Nürnberg, bei der alle mit Perücke und Pelzrock Flagge zeigen? Gleichzeitig könnten alle Ex-Nürnberger, die in der Landeshauptstadt arbeiten, für einen Tag in den Dürer-Streik treten. Dabei würde man gleich mal sehen, wie viele Franken inzwischen in München leben und wie weit es noch mit deren Lokalpatriotismus her ist.
Andererseits: Es spricht auch einiges dafür, die Sache nicht so arg hoch zu hängen. Schließlich gibt es genug Kopien vom Original. Oder auch Bilder, wie sie der Düsseldorfer Fotokünstler Thomas Struth macht, der gezielt Museumsbesucher porträtiert hat. Darunter auch Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“.
Als Inspiration für den Umgang mit großen Künstlern, deren Gemälde eine Stadt nicht besitzt, könnten zudem die französischen Städte Arles und Pont Aven dienen. Dort gibt es herrliche Vincent-van-Gogh- bzw. Paul-Gauguin-Pfade, auf denen man großformatigen Exponaten an Originalschauplätzen begegnet. So könnten wir den Oberbayern zeigen, wo der Franke den Albrecht Dürer originell abholt. Jawohl!