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Schenk dich niemals selber her!
Jetzt, sozusagen auf der Zielgeraden zum großen Fest der Liebe und Freundschaft stehen sicher wieder ein paar von uns kräftig auf dem Schlauch. Weil man ums Verrecken nicht weiß, was man der/dem Allerliebsten schenken soll. Eine zartbittere Zwickmühle, über die der Wiener Liedermacher Ludwig Hirsch anno 1979 ein G’stanzl der wunderbar bitterbösen Art geschrieben hat.
Schenk dich doch selber deiner Freundin in am Packerl!“, hieß der Tipp an den Freund Schurli-Bua. Verbunden mit dem saloppen Zusatz „a Bombenüberraschung wird des sein!“, der sich im Laufe des Liedes als ebenso prophetisch wie tragisch entpuppen sollte. Denn da das Präsent mit dem Schurli-Bua einfach viel zu gut verpackt ist, nimmt die Freundin am Ende die Axt und haut mitten rein — den Rest kann man sich denken.
Wir lernen: Bevor man sich höchstpersönlich herschenkt, sollte man doch lieber zu etwas anderem greifen. Zum Beispiel zu einem Tonträger von Ludwig Hirsch. Seine Lieder kommen stets so leicht daher und triefen dann vor hinterhältigen Gedanken und dunklem Humor. Und mit dem Tod hat er nicht nur in seinem Hit „Komm großer schwarzer Vogel“ so heftig geflirtet, dass ihn der Radiosender Ö3 einst nicht nach 22 Uhr spielen ließ, weil man fürchtete, die Hörer würden sich reihenweise aus dem Fenster stürzen.
Wer es womöglich nicht mitbekommen hat: Vor vier Wochen ist Ludwig Hirsch tatsächlich gestorben. Er lag am 24.November tief unterhalb eines geöffneten Wiener Spital-Fensters — die Polizei geht von Selbstmord aus. Genau einen Monat vor dem Heiligen Abend, was für die Plattenfirma vermutlich sehr unglücklich war, weil sie so schnell nicht eine Hirsch-Werkausgabe auf den Markt werfen konnte. „Merkt’s euch, liebe Leut’, ich kann gehen, wann und wie ich will, das geht euch überhaupt nix an!“, hat der Hirsch einmal gesungen. 65 Jahre alt ist er geworden. Man sollte ihn nicht so schnell vergessen! Fröhliche Weihnachten allerseits!
Himmlische Botschaften

"Hänge deine Sorgen an den Nagel" - dieses Nagelbrett schenkten die Kinder des Humanistischen Kindergartens aus Nürnberg dem Werklehrer aus Fürth, der mit seiner Klasse für tolle Nikolaus-Geschenke gesorgt hatte.
Der Job des Weihnachtsmanns ist im Laufe der Jahre ein ziemlich harter geworden. Das fängt beim Schleppen der immer voller gepackten Geschenksäcke an, geht beim schwindenden Respekt der Dreikäsehochs weiter und hört bei schnippischen Bemerkungen der Erziehungsberechtigten auf. Ein Klassiker ist der Cartoon, auf dem ein Typ mit Rauschebart und rotem Mantel an der Tür steht und sagt: „Der Stern hat mich hierher geführt!“ Worauf der Vater antwortet: „Dann zeigen Sie mal Ihren Presseausweis!“
Weniger witzig waren da die Kommentare, die ein Weihnachtsmann jetzt in der Nordstadt erntete. Weil er in der Pirckheimerstraße vergeblich auf die (am selben Tag eingestellte) Straßenbahnlinie 9 wartete, kam er verschwitzt und viel zu spät zum Weihnachtsmarkt am Kobergerplatz. „Du musst U-Bahn fahren!“, schallte ihm wenig respektvoll aus Kindermündern entgegen, während er den Inhalt des Sackes weiterreichte.
Eine weitaus bessere Figur haben da im Weihnachtsmannkostüm die Neuntklässler der Fürther Hans-Böckler-Schule abgegeben, als sie am Nikolaustag den Humanistischen Kindergarten in Mögeldorf besuchten. Als Präsent hatten die Realschüler 50 Holzpuzzles dabei, die sie vorher im Werkunterricht in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gefertigt hatten. Weihnachtliche Figuren und Bräuche vom Pelzmärtl bis zu Väterchen Frost waren darauf zu entdecken. Als Bonbon stand auch noch ein dickes Holzbrett im Raum, auf dem der Spruch „Hänge deine Sorgen an den Nagel“ zum Hämmern animierte. Sozusagen eine himmlische Botschaft für Klein und Groß – und ein Geschenk der Kinder für den netten Werklehrer aus Fürth, der kurz vor dem Ruhestand steht. Glückwünsch!
Entdeckung in der Fremde
Es war im Winter 1996, als vor dem Eingang zur Mittelhalle des Nürnberger Hauptbahnhofs ein Ding aus fingerdickem, in sich verdrehtem Stahldraht auftauchte. „Portikus — Legung I“ hieß das Teil, das 3,50 Meter hoch und 4,5 Tonnen schwer war. Nach Kunst sah es nicht unbedingt aus, was wohl der Grund ist, dass sich hier niemand mehr daran erinnert.
Trotzdem ist das Werk des amerikanischen Künstlers Patrick Dougherty nicht ganz von der Bildfläche verschwunden. Man begegnet ihm auf den Seiten 144 und 145 des Buches „Le mouvement intuitif“, in dem man viel (und in vier Sprachen) über den Vertreter der sogenannten Natural-Art erfährt, der Skulpturen erschafft, indem er am liebsten natürliches Material biegt — wie etwa nahe der bretonischen Kleinstadt Saint Goazec, hinter Quimper gelegen, im Garten des Schlosses Trévarez.
Dort hat der drahtige 66-Jährige im Juni 2010 in drei Wochen zwischen Bäumen und Reitstall eine riesenschildkrötenhafte Skulptur hingesetzt, die zum Begehen einlädt und die neugierige Bretagne-Touristen bis zum nächsten Sommer inspizieren können. In einer Begleitausstellung erfährt man viel über Doughertys Ansatz, Kunst und Natur auf virtuose Art in Einklang zu bringen. Das gelingt ihm unterschiedlich gut, aber immer wieder genial. Insofern: sehr entdeckenswert!
Die schönste Entdeckung in der Fremde war trotzdem die Erkenntnis, dass man ihm vor 15 Jahren daheim am Hauptbahnhof schon mal hätte begegnen können. Es wäre interessant zu wissen, wo die „Portikus“-Skulptur später gelandet ist. Vielleicht liegt sie irgendwo in einem Depot? Oder wurde sie Opfer der späteren Hauptbahnhof-Umgestaltung?
Kinospaß mit Leihfahrrad
Dem schwer verheißungsvollen Satz „Nürnberg steigt auf“ begegnet man derzeit im Stadtgebiet an vielen Stellen. Doch mit Fußball, das sei weniger Bewanderten in Sachen Kickerkultur gesagt, hat dieser Slogan auch kurz vor dem Start in die 49.Bundesliga-Saison nichts zu tun. Der „Club“ ist ja (bis auf weiteres zumindest) erstklassig, was bei der Verwendung des Fahrrads als Fortbewegungsmittel auf Nürnberg noch lange nicht zutrifft.
Bei einer Quote von knapp 13 Prozent am Verkehrsaufkommen ist viel Luft nach oben. Gerade deshalb trägt wohl das Gros der 750 Leihfahrräder, die inzwischen an 56 „NorisBike“-Stationen herumstehen, oberhalb des Schutzblechs unübersehbar den „Nürnberg steigt auf“-Appell. Und dieser hätte jüngst beim Bardentreffen fruchten und dazu führen können, dass viele Spielstättenpendler — wie etwa bei Jazzfestivals in Kopenhagen — mit dem Leihdrahtesel unterwegs gewesen wären.Hätte passieren können, doch wegen des feucht-kühlen Wetters ließ sich kaum einer zum Strampeln verführen.Was schade war, denn auf diese Tour wäre man vorbeigezischt an den billigen Elvis-Kopien, die am Straßenrand unter Dachvorsprüngen ebenso lauerten, wie öde schrubbende Swingklampfer, nervensägende Flötenspieler oder ein kleiner Dauerterrortrommler auf dem Heavy-Metal-Egotrip.
Doch eine neue Chance winkt nun allen, die endlich ernst machen wollen mit dem Aufsteigen: Wer in den nächsten Wochen nämlich das mittlerweile 24. SommerNachtFilmFestival mit dem Leihrad besucht, bekommt einen Euro Rabatt! Und da bei vielen Kinospielorten eine „NorisBike“-Station ist, hat man noch einen großen Vorteil: Bei geänderter Wetterlage kann man hinterher auf ein wetterfesteres Verkehrsmittel umsteigen.
Sprungbretter fürs Hirn

Mit Papiertüte am Kopf und in Reih & Glied schreibend: Eine eindringlich Szene, in der das Junge Theater Fürth die "Facebook-Welt" darstellte.
Manchmal ist die reale Welt so dramatisch, tragisch und grausam, dass man sich fragt: Brauchen wir noch ein Theater? Der menschenverachtende Amoklauf in Norwegen wirft zumindest am Rande diese Frage auf. Vor allem, wenn man im Fürther Kulturforum sitzt und „Columbine und wir“ sieht.
Das Junge Theater Fürth hat sich an die Ereignisse vom 20.April 1999 gewagt, als zwölf Schüler in der US-Kleinstadt Columbine von zwei Jugendlichen erschossen wurden. 16 junge Schauspieler aus dem Raum Nürnberg-Fürth setzten sich auf intensive, bedrückende wie beeindruckende Art mit den Charakteren von Tätern und Opfern, von Eltern wie Internet-Nutzern auseinander. Dass die Aufführungen vom Amoklauf in Norwegen überlagert wurden(und viele im Publikum von dessen Tragweite noch nichts mitbekommen hatten), macht deutlich, wie wichtig der Mut zu so einem Theaterstück ist. Zu schade, dass es nicht mehr zu sehen ist!
Gleiches kann man über ein anderes Bühnen-Stück sagen, das zeitgleich zu „Columbine und wir“ zweimal im Casablanca lief: die Show der seit 35 Jahren begeisternden „Chaotic Strings“. Wie etwas irre gewordene Musiktherapeuten entführten die vier in Ehren gealterten Dadaisten, von denen drei einen echten Doktorhut besitzen, ins Reich von Absurdistan und Hintersinndupfing. Vieles, was die Herren Rose, Hirschmann und Hübner vom Stapel ließen, verstehen wir wohl erst viel später mal so richtig; aber kapiert haben wir: Theater ist ein wichtiges Sprungbrett fürs Hirn — mehr davon!
Ganz schön ballaballa!
Bühnenbilder können die halbe Miete sein. Und wenn sie richtig stark sind, retten sie sogar lähmend-langatmige Inszenierungen, die dramaturgisch in den Seilen hängen. Der große Robert Wilson hat dies schon vor Jahren etwa mit „The Forest“ oder „Black Rider“ prächtig vorexerziert.
Solch ebenso beeindruckenden wie teuren Bühnenaufbauten können sich kleine Amateur-Ensembles niemals leisten. Deshalb sind kreative Kunstgriffe vonnöten, um letztlich mit einfachen Mitteln eine möglichst große Wirkung zu erzielen. So wie jetzt dem „Theater 4“ im Festsaal des Künstlerhauses gelungen ist — bei der Inszenierung des grotesken Weltuntergangsstückes „Zusammenstoß“.
Finanzkräftige Bühnen hätten die Bühne wohl als dekadent glänzende Erdkugel drapiert, die ein digital gesteuerter Komet zum Zittern bringt. Das „Theater 4“ entschied sich aus Budget-Gründen für ein kostengünstigeres, aber nicht minder starkes Bühnenbild: Über 100 Wasser-, Gummi- und Hüpfbälle thronten rund, bunt und an Streben festgebunden über dem Geschehen auf den spacig mit Alufolie überzogenenen Brettern, die die Welt bedeuten.
Ganz schön ballaballa! Und gern hätte das leidenschaftliche Dada-Team vom „Theater 4“ noch mehr Wasserbälle drangehängt — doch die Regale in den Kaufhäusern der City waren ausverkauft, heißt es. Was übrigens nichts damit zu tun hatte, dass es Konkurrenz durch den „Stadtstrand“ auf der Insel Schütt gegeben hatte. Dort ballen sich neuerdings wieder Liegestühle, Palmenartiges, Sand und Strohbuden zu einem schnöden Bühnenbild der Marke Pseudo-Ballermann. Prädikat: Künstlerisch wertlos!
Fremde Welten: Furchtlos auf der Freiheit, daheim am Hauptmarkt
Fremd ist der Fremde nur in der Fremde: Das ist ein berühmtes Bonmot des Münchner Wortakrobaten Karl Valentin. Es könnte aber auch von einem Nürnberger stammen, der sich nach Fürth verirrt hat — oder umgedreht.
Vergangenen Samstag gab es zwei schöne Gelegenheiten für Bewohner der beiden sich so heiß und innig nicht liebenden Nachbarstädte, sich unter einem guten Vorwand zu besuchen. Nachmittags rief die Atomkraftdemo in Fürth — und siehe da: Es hatten zwar nur Lichtenfelser oder Schweinfurter ein Ortsschild dabei, aber auch einige Nürnberger waren unter den 5000 AKW-Gegnern auf der Fürther Freiheit.
Mitten dran statt nur dabei war eine Steptänzerin, die in St.Peter ihre „Rote Bühne“ betreibt. Mit schwarzem Zylinder am Kopf, der von roten Rosen, grünen Blättern und einem gelben „Atomkraft? Nein Danke“-Aufkleber umrankt war, strahlte Julia Kempken mit der Sonne über der Kleeblattstadt um die Wette. Furchtlos auf der Freiheit demonstrierte sie, wie Nürnberg und Fürth harmonieren können, auch wenn unter Metropolregion mal das kleinere Fürth vor Nürnberg genannt wird.
Einiges fremder war man sich schon wieder abends auf der Blauen Nacht. Direkt vor Lorenzkirche, Rathaus oder dem Schönen Brunnen standen plötzlich gelbe Ortsschilder mit „Wissenschaftsstadt Fürth“. Das passte ein paar Lokalpatrioten gar nicht – ihnen kam es strange (wie’s auf Englisch heißt) vor, dass sich Fürther inmitten von Nürnbergs guter Stube nicht mehr fremd, sondern richtig daheim fühlen durften. Ein Karl Valentin hätte garantiert kräftig darüber gegrinst!
Mutprobe in Mumbai
Es ist genau zwei Jahre her, dass in Nürnberg eine tolle Idee geboren wurde. Sie stammt vom Papier(theater)-Künstler Johannes Volkmann und stellt als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise eine spannende Frage: Was ist unbezahlbar?
Nach der erfolgreichen Premiere am Hauptmarkt hat sich „Unbezahlbar“ auf eine vermutlich niemals endende Tour um den Erdball begeben. Barcelona, Washington und Dublin sind als nächstes dran, Station wurde bereits in Quito (Ecuador), Bethlehem (Palästina), Acco (Israel), Bochum und zuletzt Anfang Februar in der indischen Mega-Metropole Mumbai gemacht. Dort wurde wie gewohnt eine lange Tafel aufgebaut, die wie Teller und Besteck mit Papier eingewickelt war. Und die Leute durften aufschreiben, was sie für „unbezahlbar“ halten.
Erneut ist Johannes Volkmann mit viel beschriebenem Papier heimgekehrt, das er auswerten und aufbereiten wird. Diesmal hat er aber auch Selbstzweifel im Gepäck, die in dem achtminütigen TV-Beitrag, der im Magazin „Metropolis“ auf Arte lief, eine zentrale Rolle spielten. Die Konfrontation mit extremen Kontrasten von bettelarm bis stinkreich machten Volkmann zeitweise sprach-, rat- und machtlos — insbesondere die Gegenfrage einer Slum-Bewohnerin, wozu er eine Antwort von ihr haben wolle und was sich denn dadurch ändern würde.
Trotz dieses Härtetests mit Mutprobe in Mumbai hat der Künstler seine Sprache wieder gefunden. Im Rahmen des Figurentheaterfestivals servierte er kürzlich in den Erlanger Glocken-Lichtspielen eine theatralische Bestandsaufnahme der „Unbezahlbar“-Aktion, die auch im Südpunkt bei seinem „Kunsttandem“-Beitrag bis 19.Juni präsent sein wird. Was übrigens beim Arte-TV-Beitrag verwunderte: Kein Wort wurde darüber verloren, dass Volkmann aus Nürnberg kommt. Ein seltsamer Lapsus!
Die Suppe schmeckt also
Doch, doch. Die Südstadt hat auch viele schöne Seiten, das will niemand bestreiten, erst recht nicht ich. Dennoch kommt nun, da wir über das Maifest reden, Ärger hoch bei der Verkäuferin. Die Südstadt, schimpft sie, werde immer nur negativ in der Zeitung dargestellt. Dadurch trage die Zeitung zum Niedergang dieses Stadtsteils bei - dabei sei doch genau das Gegenteil die Aufgabe einer Zeitung: die Dinge positiv darzustellen.
Das ist eine Haltung, die nicht einmal so selten ist und immer wieder vorgebracht wird: Herrscht wirtschaftliche Depression, hat man als Journalist angeblich die Aufgabe, Firmen ins rechte Licht zu setzen und die Wirtschaft “hochzuschreiben”. Werden unangenehme Vorwürfe gegen Firmenchefs erhoben, soll man als Journalist derlei Schmutzwäsche nicht öffentlich waschen, sondern doch bitteschön schreiben, wievielen Menschen das Unternehmen Arbeit gibt. Wer über unhaltbare Zustände an einer Schule berichtet, gilt schnell als Schmierfink, der das Wenige, das falsch läuft, aufbauscht und ein verzerrtes Bild vermittelt – über die vielen tollen Schulaktivitäten hingegen werde “nie” geschrieben.
Auffällig ist bei alledem zweierlei: Zum einen wird Journalismus von manchen konsequent mit PR verwechselt. Zum anderen: Ist man selbst betroffen, sollen alle journalistischen Standards nichts mehr gelten, stattdessen Maulkörbe verteilt werden. Ein Journalist aber, der das Haar in der Suppe sieht und dennoch weiterlöffelt, als wäre das Gegenteil der Fall, hat seinen Beruf verfehlt.
Manchmal ist aber auch alles ganz anders. Da findet man einfach kein Haar in der Suppe. Beim Maifest in der Südstadt beispielsweise (das übrigens noch bis kommenden Sonntag gefeiert wird), da gibt es keines. Es ist ein Fest, wie es viele Südstädter mögen: Die Karussells drehen sich, auf der Bühne spielt eine Band Gassenhauer, die jeder mitträllern kann, und das Bier ist kühl. Alles gut. Das musste mal gesagt werden, im Auftrag der Verkäuferin.





Knobeln als Kunststück
Schlicht und ergreifend „schnick, schnack, schnuck“ heißt die neue Ausstellung in der Galerie PR von Pia Rubner.
Manchmal helfen keine Worte mehr, wenn es um die Frage geht, wer als erster zum Zug kommt. Dann könnte man sich schlägern, was aber nicht unbedingt die feine Art ist, weshalb sich in zivilisierten Gesellschaftskreisen ein paar Hilfskrücken etabliert haben. Dazu gehört zum Beispiel das Werfen einer Münze, wenn es um die Platzwahl auf dem Fußballfeld geht.
Hat man kein Geldstück einstecken, ist das gute, alte „Tip-Top“-Spielchen mit den Füßen ein gangbarer Weg, um eine Entscheidung zu erzielen. Wenn die Zeit allerdings ganz heftig drängt, gibt es noch eine andere Lösung, die schlicht „schnick schnack schnuck“ (oder so ähnlich) heißt und aus drei Fingerzeichen besteht: Schere, Stein und Papier. Auf „schnuck“ muss jeder der zwei Kontrahenten eines anzeigen, wie jüngst bei einem Bundesliga-Spiel des FC Bayern München vorexerziert wurde, als Schere über Papier triumphierte, was sogar weit über Sportkreise hinaus Aufsehen erregte.
Wer nun meint, dass diese Art der Knobelei bis auf weiteres abgehakt ist, hat sich getäuscht. Zumindest in Nürnberg geht es mit „schnick, schnack, schnuck“ munter weiter, denn die Galeristin Pia Rubner nennt haargenau so die neue Ausstellung mit Buch-Objekten, Fotografie und Schmuck, die ab Donnerstag, 29.März, 19 Uhr, bis 5.Mai in ihrer Galerie PR in der Kobergerstraße 57 zu sehen ist.
Man darf nun gespannt sein, ob die drei Künstler Pia Rubner, Rudi Ottmann und Sabine Neubauer mit Hilfe von Schere, Stein und Papier ausmachen werden, wer von ihnen das erste Wort sagen darf. Gleicher Fall vermutlich eine halbe Stunde später beim Gastspiel von Bayerns Finanzminister Markus Söder beim Abend mit dem „Duo Sprachklang“ im Zeitungscafé der Stadtbibliothek. „Sie wünschen, wir lesen“ lautet das Motto — und wer weiß, ob man sich mit Worten einigen kann oder doch zum Knobeln als Kunststück greifen muss!