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Aufrüttelnde Kunstkäfige
“30 Künstler/30 Räume”: So heißt ein aktuelles Kunstprojekt, das in Nürnberg an mehreren Orten ganz spezielle Spuren hinterlässt. Mit moderigen Gerüchen und lampenschlagend im Kunstverein der Albrecht-Dürer-Gesellschaft im Otto-Ernst-Schweitzer-Gebäude an der Kressengartenstraße beim Wöhrder Talübergang. Packend bis verstörend in der Kunsthalle und im Neuen Museum, wo Besucher zwischen Rumpelkammern, Labyrinthen und raumgreifenden Seitenhieben (etwa auf ein zerschnittenes Dorf) genau hinschauen müssen. Am besten versteckt ist das Projekt „Rough Sleepers“ von Winfried Baumann, das weniger im Kunstraum, Hintere Sterngasse 25/27, sondern sich mehr im dortigen Hof samt Rückgebäude befindet.
Wer sich hineinwagt, reibt sich die Augen und glaubt, kurzerhand von Nürnberg ins ferne Hongkong gebeamt worden zu sein. Kulturfreunde werden sich erinnern: Im Dezember 2010 lief um ein paar Ecken im Caritas-Pirckheimer-Haus eine aufrüttelnde Ausstellung über Hongkongs „Käfigmenschen“, die oft seit Jahren in unmenschlichen Behausungen wohnen, um zumindest nicht auf der Straße leben zu müssen. An solche Notunterkünfte erinnern diese aufgestellten, angeschraubten, mit dem Allernötigsten ausgestatteten Boxen mit Gucklöchern. Baumann bietet sie in seinem sozialen Kunstprojekt tatsächlich als „Wohnsysteme für Obdachlose und andere urbane Nomaden“ an.
Sehenswert sind die Kunstkäfige auf alle Fälle. Und wer mehr über das Projekt wissen will: Im Rahmen der Mittagslesungen gastiert Winfried Baumann am Mittwoch, 9.Mai, 14 Uhr, in der Kulturwirtschaft, Königstr.93. Garantiert kann er Spannendes über seine rauen Schläfer berichten.
Kino ohne Grenzen! (Oder: Einmal Casablanca, Babylon und zurück)
Es war schon immer die Aufgabe der Kulturschaffenden, Grenzen zu überschreiten und zum Aufbruch zu neuen Ufern zu blasen. Das konnte das Malen mit Schweineblut beinhalten, das Herumreiten auf einem Akkord bedeuten oder das zufällige Drehen an einem Radiosenderknopf auf die Spitze zu treiben. Das Publikum musste sich einen Schubs geben — Banausen ohne den Mut zum Risiko blieben außen vor.
So ähnliche Gedanken dürften in den Köpfen von zwei Programmkinomachern herumgespukt sein, die sich der Filmkunst verschrieben haben: das Casablanca, Brosamerstraße 12 (in Nürnberg), und das Babylon, Nürnberger Straße 3 (in Fürth). Seit Anfang 2012 gehören beide dem europäischen Kino-Netzwerk „Europa Cinemas“ an. Und so ein exponierter Kultur-Status verpflichtet natürlich zu einem Zeichen.
Ein solches will das Duo jetzt in der Walpurgisnacht, 30.April, setzen — in Form eines pan-europäischen Kurzfilmprogramms, das gleichzeitig in beiden Häusern läuft. Das wäre nicht weiter hammermäßig, gäbe es nicht einen grenzüberschreitenden Clou: Nach der ersten Halbzeit steht jeweils ein kostenloser Bus-Shuttle bereit, mit dem das Publikum zwischen den Kinos ausgetauscht wird. Die Fürther sehen die zweite Hälfte im Nürnberger Süden und die Casablanca-Besucher in der Kleeblattstadt.
Weil mit Musik bekanntlich alles besser geht, wird die Neulanderfahrung im Bus mit Live-Sound von „What About Carson“ garniert. Der Abend klingt im Babylon mit Finnen-Disco, im Casablanca mit dem Auftritt der „Carsons“ aus. Und vielleicht bleiben nach diesem waghalsigen Kino-Spiel ohne Grenzen einige etwas länger in der Nachbarstadt — und brechen gar zu neuen Ufern auf …
Schafköpfe mit Herz
Fußball und Karteln waren einmal waschechte Männerbiotope. Mit Schweiß und Blutgrätsche, Bier und Sprüchen, Eichelober und Schellnsau samt finalem Nachtarocken. Doch wie gesagt: Es war einmal, lang ist‘s her, wie man jetzt in der Fürther Aufstiegsnacht in der Gustavstraße erleben konnte, wo sich jede Menge Frauen an der kollektiven Jubelorgie beteiligten. Die Zeiten haben sich halt geändert — und das ist auch gut so, möchte man sagen, zumal es auf diese Tour in Fußballstadien endlich genügend Damentoiletten gibt. Und wie sieht es beim Karteln aus?
Auch diese Domäne der Wirtshauskultur hat das weibliche Geschlecht längst erobert, selbst wenn bei echten „Schafkopfrennen“ die Männer meistens noch klar in der Mehrheit sind. Die hiesige Frauenunion der CSU arbeitet aber unaufhaltsam mit Stadträtin Barbara Regitz, Marga Beckstein und Ute Scholz sozusagen als „drei Laufende“ daran, um die Verhältnisse zu verändern. Am nächsten Mittwoch, 25.April, laden sie wieder zum „bayerischen Kultspiel“ in die Gaststätte „Heidekrug“, die sich in der Waldluststraße 67 unweit des „Alten Zabo“ befindet. Ab 19 Uhr steht eine abendfüllende Trainingseinheit auf dem Programm, zu der übrigens Männer durchaus kommen dürfen.
Im Gegenzug sind am 19.April auch Frauen willkommen, wenn der Ziegelsteiner CSU-Ortsverband in der Tuspo-Sportgaststätte, Herrnhüttestraße75 die Kartelkultur aufleben lässt — als Hommage an ihren Ex-Bezirksrat und vielfachen Vereinschef wird um den „Jürgen-Vogel-Pokal“ gezockt. Ein Turnier, bei dem garantiert Schafköpfe mit Herz ab 19.30 Uhr Asse rufen, Soli spielen, schmieren und stechen können, dass es kracht.
Wer das Ganze übrigens lieber lautlos mag: Im Internet kann man nonstop auf www.sauspiel.de schafkopfen. 240000 Mitglieder soll es schon geben. Und da dort hinter einem Gerch eine Frau stecken kann, fragt niemand nach dem Geschlecht. Hauptsache, man kann‘s!
Albrecht für 2,99 Euro
Auf einmal ist er da, der vorösterliche Druck, zumindest den Lieben daheim ein kleines Geschenk zu machen. Freilich täte es ein Schokoladenhase (in Gold natürlich!) plus ein Säckchen voller süffig-süßer Eier. Aber müsste nicht zudem etwas Persönliches mit kultureller Note im Nest landen? Wer jetzt auf dem Schlauch steht, dem kann geholfen werden. Schließlich braucht man in Nürnberg derzeit nicht in die Ferne schweifen, um etwas Persönlich-Kulturelles zu finden. Im Vorfeld der „größten Dürer-Ausstellung in Deutschland seit 40 Jahren“, wie‘s überall zur Schau „Der frühe Dürer“ heißt, die ab 24.Mai im Germanischen Nationalmuseum läuft, bietet sich ein Stück vom großen Vorzeige-Maler förmlich an.
Und: Man muss gar nicht hoch zum Dürer-Haus, um fündig zu werden. Es reicht ein Abstecher in die „Tourist Information“ am Hauptmarkt oder Bahnhof, um den Rucksack voller Dürer-Mitbringsel zu haben. Das fängt beim Lesezeichen und dem kleinen Malbuch „Dürer & Klexi“ für einen Euro an, geht beim Magnet-Dürer (im Pelzrock!) für 3,50 Euro und der Stofftasche mit dem Dürerhasen (3,90 Euro) weiter und hört bei Büchern mit Zeichnungen, dem Dürer-Weg und kreativen Maltipps (14,95 Euro) lange nicht auf.
Das Zeug zum Renner unter den dürerischen Osterpräsenten hat aber der Albrecht für 2,99 Euro, den Playmobil (mit exklusivem Anstrich für www.tourismus.nuernberg.de!) auf den Markt geworfen hat. Darin findet man eine typische Plastikritterfigur mit Bart und gestreifter Kopfbeckung sowie Pinsel, Palette, Staffelei und Selbstbildnis. Jenes ist aber nicht das umstrittene Werk im Pelzrock. Da wollte der Spielzeugfabrikant aus Zirndorf offenbar nicht bei der Alten Pinakothek in München anecken. Dafür darf Playmobil im Fenster der Tourist-Info im Großformat werben. Frohe Ostern, Leute!
Knobeln als Kunststück

Schlicht und ergreifend „schnick, schnack, schnuck“ heißt die neue Ausstellung in der Galerie PR von Pia Rubner.
Manchmal helfen keine Worte mehr, wenn es um die Frage geht, wer als erster zum Zug kommt. Dann könnte man sich schlägern, was aber nicht unbedingt die feine Art ist, weshalb sich in zivilisierten Gesellschaftskreisen ein paar Hilfskrücken etabliert haben. Dazu gehört zum Beispiel das Werfen einer Münze, wenn es um die Platzwahl auf dem Fußballfeld geht.
Hat man kein Geldstück einstecken, ist das gute, alte „Tip-Top“-Spielchen mit den Füßen ein gangbarer Weg, um eine Entscheidung zu erzielen. Wenn die Zeit allerdings ganz heftig drängt, gibt es noch eine andere Lösung, die schlicht „schnick schnack schnuck“ (oder so ähnlich) heißt und aus drei Fingerzeichen besteht: Schere, Stein und Papier. Auf „schnuck“ muss jeder der zwei Kontrahenten eines anzeigen, wie jüngst bei einem Bundesliga-Spiel des FC Bayern München vorexerziert wurde, als Schere über Papier triumphierte, was sogar weit über Sportkreise hinaus Aufsehen erregte.
Wer nun meint, dass diese Art der Knobelei bis auf weiteres abgehakt ist, hat sich getäuscht. Zumindest in Nürnberg geht es mit „schnick, schnack, schnuck“ munter weiter, denn die Galeristin Pia Rubner nennt haargenau so die neue Ausstellung mit Buch-Objekten, Fotografie und Schmuck, die ab Donnerstag, 29.März, 19 Uhr, bis 5.Mai in ihrer Galerie PR in der Kobergerstraße 57 zu sehen ist.
Man darf nun gespannt sein, ob die drei Künstler Pia Rubner, Rudi Ottmann und Sabine Neubauer mit Hilfe von Schere, Stein und Papier ausmachen werden, wer von ihnen das erste Wort sagen darf. Gleicher Fall vermutlich eine halbe Stunde später beim Gastspiel von Bayerns Finanzminister Markus Söder beim Abend mit dem „Duo Sprachklang“ im Zeitungscafé der Stadtbibliothek. „Sie wünschen, wir lesen“ lautet das Motto — und wer weiß, ob man sich mit Worten einigen kann oder doch zum Knobeln als Kunststück greifen muss!
Winnetou in der Kirche
Nachdem nun der neue Bundespräsident gegauckelt ist und das Theater um seinen Vorgänger in die Zone der Fußnoten sinkt, kann man sich mal wieder mit anderen Themen beschäftigen — zum Beispiel mit dem nahenden 100.Todestag von Karl May am 30.März. Wobei dieses Jubiläum mit einem Generationenproblem zu kämpfen hat.
Für Menschen über 50 gehören Karl- May-Bücher zu ihrer Kindheit wie heute Harry-Potter-Schinken bei der jüngeren Generation. Leute unter 35 verbinden allerdings mit den Helden Winnetou und Old Shatterhand mehr Michael „Bully“ Herbigs Kino-Persiflage „Der Schuh des Manitu“ von anno 2001 — und nicht die Leinwand-Schmachtfetzen mit Pierre Brice und Lex Barker aus den 60er Jahren.
Angesichts dieser Ausgangslage verspricht der „Karl-May-Gottesdienst“ der Maxfelder Gemeinde an diesem Sonntag, 25.März, durchaus interessant zu werden. Um 10 Uhr geht‘s los — und man darf gespannt sein, welche und wie viele Besucher die Frage, „was Karl May mit seinem umfangreichen literarischen Werk uns heute noch zu sagen hat“, in die Reformations-Gedächtnis-Kirche am Stadtpark locken wird.
Als Vorbereitung hat Pfarrer Christopher Krieghoff, der sich explizit nicht als Karl-May-Fan bezeichnet, noch mal „Durchs wilde Kurdistan“ gelesen und sich mit dem Leben des verhinderten Lehrers beschäftigt, der als Dieb und Hochstapler einige Jahre im Zuchthaus verbrachte, bevor er am Ende geläutert zum Pazifisten wurde. Kirchenvorstand Helmut Moritz, der den fränkischen Karl-May-Freunden angehört, hat übrigens federführend dafür gesorgt, dass Winnetou einen Auftritt in der Kirche hat. Na denn: hingehen! (Und keine Angst: Der Apachenhäuptling wird natürlich nicht höchstpersönlich reinreiten - und dass der “Henrystutzen” knallend zum Einsatz kommt, muss wirklich niemand befürchten!)
Neue Skyline als Attraktion
Manchmal ist Nürnbergs Oberbürgermeister beileibe nicht zu beneiden. Vor allem wenn man bedenkt, dass ihm diese kleine Nachbarstadt im Westen zunehmend den Rang abläuft. Zuerst stellte ihn 2008 der dortige OB mit 80,1 Prozent der Stimmen glatt in den Schatten (Ulrich Maly musste sich mit 64,3 Prozent zufrieden geben), dann lockt die Kleeblattstadt permanent einen Haufen Nürnberger dauerhaft über die Stadtgrenzen — und das nicht nur wegen des Titels „sicherste Großstadt“. Schließlich setzte es dann noch diese unangenehme Derby-Niederlage im DFB-Pokal, gefolgt von der fiesen grün-weißen Fahnen-Schmach beim Veitshöchheimer Fasching. Kein Wunder, dass Clubfan Maly mitunter in einem Anfall von Verzweiflung davon spricht, an der Stadtgrenze Mauern hochzuziehen.
Andererseits kann man den OB beruhigen. Selbst bei der Internet-Suchmaschine Google liegt Nürnberg mit rund 130 Millionen Treffer meilenweit vor Fürth, das auf 34 Millionen kommt. Und damit rangiert die frech-aufstrebende „Westvorstadt“ nur knapp vor dem Wörtchen Skyline, das immerhin schon 31,6 Millionen Treffen vorweisen kann. Wobei Nürnberg bei der „Himmelslinie“ der Hochhäuser bisher nicht gerade in der ersten Liga spielt. Doch Achtung: Es tut sich was!
Ausgerechnet am Rand des Wöhrder Sees werden auf dem Ex-Milchunion-Areal ein Gebäude nach dem nächsten hochgezogen. Nicht in schwindelerregende Höhen, aber vom Nordufer aus gesehen, ist inzwischen schon eine recht beachtliche Skyline zwischen Norikus und Adenauerbrücke entstanden, deren Baukörper sich abends hübsch im Wöhrder See spiegeln. So was verbreitet Großstadtflair und könnte zu einer Attraktion werden, der Fürth trotz seiner eleganten Uferpromenade nicht wirklich was entgegensetzen kann.
Kultur als Abstreifer
„Kunst soll etwas anderes tun, als im Museum auf dem Hintern zu sitzen“ — das hat der Pop-Art-Künstler Claes Oldenburg einmal gesagt. Und das war kein loses Wortgeklingele, denn nicht zuletzt mit überdimensionalen Plastiken in Form von weißen Poolbillardkugeln, fliegenden Bowlingkegeln oder einer in den Boden gerammten Spitzhacke (anno 1982 in Kassel) hinterließ der heute 83-Jährige fernab von Musentempeln im öffentlichen Raum seine Spuren. Oldenburgs Zitat begegnet man heutzutage in so manchem Museumsshop auf einer Kunstpostkarte, aber auch auf der Homepage der Nürnberger Artothek, die bekanntermaßen seit geraumer Zeit im Souterrain des Künstlerhauses in der Königstraße 93 residiert.
Ein Werk von Claes Oldenburg sucht man im alphabetisch geordneten Verzeichnis der Leihkunsteinrichtung allerdings zwischen Ackermann und Zwing vergebens — einheimische Größen geben hier den Ton an, internationale Stars wären nicht finanzierbar. Doch im Geiste der großen Pop-Art-Helden stößt man auf dem Boden neben dem Artothekbüro neuerdings auf ein dekoratives Teil, das als Abstreifer in jedes Haus (und erst recht jedes Museum!) passen würde. Neunmal steht darauf das Wort „Kultur“, verbunden mit dem Zusatz „Bitte nicht betreten“, geschrieben — wobei ein dicker roter Balken sein Unwesen treibt, wodurch das grüne Bodenkunstwerk automatisch zum Nachdenken anregt.
Betreten oder nicht, das ist hier die Frage. So entsteht eine Symbolkraft, die zum Rumschauen animiert. Und siehe da: Hinter dem kleinen Kultur-Teppich stößt man auf den Kunst-Spross des Sozialmagazins „Straßenkreuzer“, der sich „Artgenossen“ nennt. Dieser wirbt für Exponate, von deren Verkauf die Künstler, der „Straßenkreuzer“ und die Artothek profitieren. Dieses Konzept fände garantiert auch Claes Oldenburg klasse!
P.S.: Der grüne Kultur-Abstreifer stammt von der Künstlerin Anita Lernet.
Etwas Poldi muss sein
100 Tage waren es kürzlich noch, bis der Massenevent des Jahres beginnt: die Fußball-Europameisterschaft. Und Hand aufs Herz: Wer wüsste derzeit aus der Pistole geschossen, in welchen beiden Ländern die EM stattfindet? Klar, Polen ist hängen geblieben, aber war‘s jetzt Weißrussland, Kasachstan oder Aserbaidschan?
Nein, alles falsch, die Ukraine ist Polens Partnerland. In Aserbaidschan wird aber immerhin ein paar Wochen vorher am 26.Mai das Finale des 58.Eurovision Song Contests stattfinden. Übrigens unter dem Motto „Light your Fire“ (Zündet euer Feuer an), was die Menschen in Baku und Umgebung angesichts der politisch leicht explosiven Lage hoffentlich nicht zu wörtlich nehmen werden.
Doch zurück zur Fußball-EM, die uns aktuell in hiesigen Gefilden noch nicht sonderlich auf den Nägeln brennt. Was wohl auch damit zu tun hat, dass die fränkischen Spitzenclubs gerade noch heftig mit Ab- und Aufstieg sowie Pokalfinaleinzug beschäftigt sind. Zumindest einen Hauch von Fußballfieber verbreitet aber das Krakauer Haus auf der Hinteren Insel Schütt mit seinem März-Programm. „Fußballfieber!“ heißt nämlich eine Veranstaltung am 21.März, 20 Uhr, bei der Autor Thomas Urban sein Buch „Schwarze Adler — Weiße Adler. Deutsche und polnische Fußballer im Räderwerk der Politik“ vorstellen wird.
Ein sperriger Titel, doch man kann davon ausgehen, dass etwas Poldi alias Lukas Podolski dabei ist und für so manchen Lacher gut sein dürfte. Für den wahren Knaller könnte dort am selben Abend die brandneue Ausstellung „Die Mannschaft. 11 Künstler aus Krakau in wechselnden Positionen“ sorgen: Sie hat das Zeug zum knallharten Freistoß, weil in Krakau kein EM-Spiel stattfinden darf.


Auf den Hund gekommen?
Aus der jüngeren Geschichte stammt dagegen der Fall eines Kreativen aus Costa Rica, der im Rahmen einer Kunstaktion einen angeketteten Straßenhund verhungern ließ, was Tierschützer vor fünf Jahren weltweit auf die Barrikaden trieb — und womöglich entscheidend einen tierischen Impuls für die 13.Documenta in Kassel auslöste. Durchgesickert ist nämlich schon jetzt: Die große Kunstschau, die ab dem 9.Juni hundert Tage lang mehr als 150 Künstler aus 55 Ländern präsentiert, will nicht nur eine Riesenportion geistiges Futter mit Anstößen und Visionen abliefern, sondern auch einen Kunstparcours für Hunde bieten. Wobei Carolyn Christov-Bakargiev, die Documenta13-Leiterin, gerade in einem Interview betonte, dass sie zufrieden sei, wenn die Wauwaus gegen die Objekte pinkeln würden.
Schon jetzt kann man sicher sein, dass es Schlagzeilen geben wird, die verkünden, die Kunst sei auf den Hund gekommen. Andererseits werden wohl auch die Nürnberger Planer vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum nach Kassel pilgern, um sich Inspirationen für den geplanten Hundespielplatz zu holen. Wem diese Verkettung von Hund und Kunst zu banal ist, dem sei „Ein andalusischer Hund“ der großen Surrealisten Luis Buñuel und Salvador Dalí von 1929 empfohlen. Ein irres Stück Filmkunst, bei dem Vierbeiner außen vor bleiben.