Versteckte Ellenbogen

Kein Witz: In Nürnberg gibt es ein Ellenbogengäßchen mitten in der Altstadt — allerdings auf einem Privatgrundstück.
Unsere Straßennamen könnten die Schau sein, wenn sie sich nicht nur auf Personen, Örtlichkeiten, Vögel, Blumen, Bäume, Berufe oder Himmelskörper beziehen würden, sondern direkt und lautmalerisch auf das Leben vor Ort. Wie etwa der Plärrer — ein historischer Geniestreich, weil kein anderes Wort den vom Verkehr umtosten Platz besser treffen könnte.
Anderswo ist das Gegenteil der Fall: Wer denkt bei Kurt-Leucht-Weg schon an Fußballstadion und Eishockey-Arena? Da wäre eine Aufteilung in „Am Elfmeterpunkt“ und Bodycheck-Platz doch einiges wegweisender. Und wie schwungvoll klänge es, wenn die Meistersingerhalle an der Meistersingerstraße statt Münchener Straße residieren würde!
Mut zum Körperteil könnte Ortsunkundigen ohne Navi signalisieren, dass sie sich im Umkreis eines Krankenhauses befinden. Doch eine Blinddarmallee gibt es bis dato nirgendwo — selbst die Internetsuchmaschine Google zeigt null Treffer an. Fündig wird man dafür bei Ellenbogengäßchen — und das in Nürnberg! Selbiges existiert tatsächlich — aber weder beim Klinikum Nord noch beim Arbeitsamt, sondern mitten in der Altstadt.
Architekt Dieter Fritsch hat selbiges 1997 hübsch versteckt in der Durchfahrt vom neuen „Haus der Kirche“ zwischen Burgstraße und Unterer Krämersgasse integriert. Nach historischen Plänen aus dem 17.Jahrhundert, aber auf Privatgelände. Deshalb war kein Stadtratsbeschluss nötig und folglich findet man diese Gasse in keinem offiziellen Straßenverzeichnis der Stadt. Es bleibt die Frage, ob hier ab und zu Ellenbogen eingesetzt werden. Vielleicht im Kellerkulturtreff „Keck“ der evangelischen Kirche, der hier ist. Wir sind gespannt. Und wer mehr darüber weiß: bitte melden!

Im ehemals deutschböhmischen Teil des heutigen Tschechiens gibt es eine Stadt, die Elbogen heißt.