Montag, Februar 15th, 2010 von Claudine Stauber

Elektrisch durch die Nacht

Ich denke, also bin ich. So einfach, wie das Descartes im 17. Jahrhundert gesehen hat, ist die Sache längst nicht mehr. Wer   nachts auf der Wöhrder Wiese unterwegs ist —  vielleicht dunkel gekleidet und mit einem schwarzen Hund an der Leine,  der tut sich schwer, seine eigene Existenz und die des braven Haustiers stichhaltig zu beweisen. Der moderne Mensch hat ein LED-Lichtlein um den  Oberarm  geschnallt und sein Köter trägt ein Halsband mit rotem Leuchtfeuer um den haarigen Hals. Erst dann gehört ihm ein Platz auf dieser Erde.
Ich blinke, also bin ich. Das ist die Losung fürs 21. Jahrhundert, das Jahrhundert der Leuchtdiode.  Irgendwie ist jetzt immer Weihnachten, auch wenn die im Sekundentakt aufleuchtenden Lichterketten längst von den Fenstern verschwunden sind. Nachts stehen die Autos am Straßenrand und signalisieren ihren Besitzern mit tröstlichem Blinklicht, dass sie noch da sind und dass die Alarmanlage läuft.
Ein Jogger im Park  ohne LED am Körper? Verantwortungslos, wird es bald heißen. Kein Kinderwagen darf mehr ohne Warnlampen übers Trottoir, kein Fahrrad mehr mit der althergebrachtem Funzel.  Geblinkt muss werden, auf Teufel komm raus, das ist heute ungeschriebenes Gesetz, und wer unsichtbar  durchs Dunkel wandert, wird sich bald fragen lassen müssen, ob er sich die Leuchte wohl nicht leisten kann?
Niemand anders als   Robert Redford, der schöne Amerikaner, war der Vorreiter der Blinkbewegung. In dem Streifen   „Der elektrische Reiter“ von 1979 war er als heruntergekommener Cowboy mit einer Uniform voller Glühlampen auf Tour. Sind wir nicht alle elektrische Reiter in der Nacht?


Kategorie: Allgemein
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1 Kommentar

18. Februar 2010
Peter Lustig

Wo ist eigentlich das Problem? Anscheinend hat die geneigte Autorin sich selbst nur bei Tageslicht im Freien aufgehalten.

Der Fahrradfunzel wird liebevoll eine Träne nachgeweint. Doch wozu? Mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen ist das Prinzip des Fahraddynamos einfach nicht mehr Zeitgemäß und unter Sicherheitsaspekten betrachtet ist absolut nichts gegen blinkende Lichter einzuwenden. Selbst die “Discounter” haben dies erkannt und bieten zu kleinsten Preisen die ach so verhassten Blinklichter an. Oder liegt es eher daran, das dem Nachbarn sein schickes Blinken im wohlmöglich gar größerem Auto nicht gegönnt wird? Und das die Kläffer sowieso immer nerven und die ganzen wWiesen zukoten? Erst recht die Fahrradraser und die Jogger! Lautlose Schreckgespenster aus finsterenr Nacht, die nach dem Schock nur noch blinkend von hinten zu betrachten sind.
Geht es soweit, das Kinder auch “verpönt” werde, wenn sie mit blinkenden Lichtern durchs Dunkle (unvermeidbar in den Wintermonaten) laufen?
Leider bleiben die Sicherheitsaspekte bei solch beratungsresistenten (sicherlich mit Vorliebe schwarz gekleidete)n Zeitgenossen aussen vor.
Nichts desto trotz werde ich weiter blinkend und leuchtend durch die Dunkelheit wandern und auch meinen Kindern werde ich weiterhin reflektierende Kleidung und lustige Lichtlein mit auf den Weg geben. Und nicht nur zur Weihnacht!



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