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Beißend am Teller-Rand
Kann man so etwas Zwölfjährigen zeigen? Diese Frage hat kein uniformierter Moralapostel oder sittenstrenger Kommunalpolitiker in die Eingangshalle der hiesigen Kunsthalle geworfen, sondern eine 18-jährige Schülerin im Gespräch mit einer Freundin. Der Ausruf zeigt: Die Bilder des international renommierten Fotografen Jürgen Teller, Jahrgang 1964, haben offenbar in den Augen der jüngeren Generation etwas Anstößiges, obwohl deren multimedial dauertraktierte Netzhäute doch total abgehärtet sein müssten.
Unweit seiner Heimatstadt Bubenreuth präsentiert Teller bis 14.Februar eine in vielerlei Hinsicht packende Werkschau, die der Kunsthalle mal wieder überregionale Beachtung und hoffentlich gute Besucherzahlen beschert.>Logisch!< heißt übrigens der Titel der Ausstellung, den man durchaus als selbstbewussten Kommentar des Künstlers zum alles andere als zufälligen Anecken verstehen darf.
Als hartgesottenes Enfant terrible der Modeszene inszeniert Teller seine Aufnahmen ausgesprochen raffiniert. Und spielt dabei mit Symbolen, (nackten) Körpern und Orten, ob im Pariser Louvre oder im heimischen Wohnzimmer.
Es ist erschreckend, wenn ein Kopf im Krokodilgebiss steckt oder ein angeblitzter Bauch aufgeschlitzt wird. Auf den ersten Blick wirkt es obszön, doch der Clou ist: Die Fotos sind nie eindeutig, sondern setzen die Phantasie des Betrachters in Bewegung. Beißende Blicke über den Teller-Rand entstehen so mit speziellem Reizfaktor. Das dürfen Zwölfjährige schon sehen. Am besten mit Erklärungen, wie am 30.Dezember, um 18 Uhr. Bis dahin: Frohes Fest und immer schön fröhlich bleiben!