Posts Tagged ‘SPD’

Februar 13th, 2009

Die Bahn, der Ärger und die Kunden

Keine Frage, der Mann wirkt souverän. Wie Klaus-Dieter Josel da sitzt und einerseits offiziell nichts beschönigen will bei der Bahn und andererseits alles schön redet, das hat schon was. Immerhin ist er “Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Bayern”, ein Titel so gewaltig wie der Ärger, den manche Kunden verspüren, wenn sie an die Bahn denken.

Josel also hat sich den Fragen des Landtags gestellt, oder vielmehr den Fragen des Wirtschaftsausschusses. Wirklich gegrillt haben sie ihn nicht, die Abgeordneten. Dabei waren sie eigentlich auf einem ganz guten Weg. Dass die Bahn zum Beispiel gerade im Herbst und im Winter stets Probleme hat, mal mit dem nassen Laub auf den Schienen, mal mit einfrierenden Weichen oder blockierten Türen, findet CSU-Mann Eberhard Rotter ziemlich merkwürdig, weil “wir den Winter jedes Jahr erleben. Da sollte man schon Vorsorge treffen können.” Findet Rotter. Und hat einerseits recht. Andererseits aber auch wieder nicht, weil der Winter einfach jeden vor Probleme stellt, der sich außerhalb seiner vier Wände bewegen will. Für diese Erkenntnis reicht schon ein Blick auf die Straßen.

Trotzdem: Josel redet die Probleme klein und die Vorsorge seines Arbeitgebers groß. Dass die Bahn an sämtlichen Problemen arbeite, sagt er. Dass sie Milliarden in neue Züge gesteckt habe. Und dass sich bei den Telefonaktionen auch in Mittelfranken gezeigt habe, dass die Aufgeregtheiten vor Ort manchmal gar nicht so groß seien wie in den Medien dargestellt. Sagt er. Leider haben Medienvertreter in den Ausschüssen kein Rederecht. Mir jedenfalls wäre dazu der eine oder andere Satz schon eingefallen.

Aber geschenkt.  Denn in einem Punkt liegt der Mann richtig: “Die Menschen stimmen mit den Füßen über die Bahn ab”, sagt er und meint jene, die eine Alternative haben und notfalls mit dem Auto fahren. Tatsächlich ist es ja so, dass die Züge im Schnitt zu 95 Prozent pünktlich sind. Das nehmen wir als gegeben hin, wir erwarten es. Die restlichen fünf Prozent aber, die treffen und ärgern uns, wenn sie gerade uns erwischen.

Dabei liegt der Fehler wohl tiefer im System. Denn die Bahn muss sich wie alle anderen auch um die Aufträge im Regionalverkehr bewerben. Sie muss ein Angebot vorlegen, das günstig ist. Sie muss dafür ihren Laden optimieren, was nichts anderes heißt als: Sie muss die Kosten drücken. Und das geht nunmal über weniger Personal, über weniger Waggons und weniger Loks. Josel sagt das zwar nicht ganz so offen, er wäre auch schlecht beraten, weil er dann den Fehler einräumen würde.

Wenigstens ein Abgeordneter im Landtag aber hat das überrissen und nach gefragt nach den Verträgen, den Ausschreibungskriterien, nach Personalanforderungen, nach Reserven und all dem Kram, der vor allem Geld kostet und optisch wenig bringt, weil der Kunde es nicht merkt, sondern als gegeben hinnimmt, dass sein Zug nicht ausfällt, dass er nicht zu spät kommt und pünktlich an.

Nur: Dafür zahlen die Kunden schon heute, und dafür zahlt auch der Staat, der der Bahn immerhin eine Milliarde zuschießt. Vielleicht ist das schlicht zu wenig.

Gefragt hat übrigens ein Sozi, Augsburgs EX-OB Paul Wengert. Selbstredend, dass er keine Antwort bekommen hat. Nicht von der Staatsregierung und auch von Josel nicht, der sonst keine Frage überhört hat. Außer, er wollte sie überhören.

Immerhin: Josel will noch einmal in den Landtag kommen, hat er gesagt, und dann vielleicht noch ein paar Fragen beantworten. Und wir werden ihm wieder ganz genau zuhören. Und bis dahin kümmert sich Uli Graser um die Qualen der Pendler. Weil er selbst pendelt. Und darüber schreibt. Auf http://blog.nn-online.de/pendlerblog

Januar 30th, 2009

Warum Adelheid besser geschwiegen hätte

Ach ja, die Sozis. Wenn es sie nicht schon gäbe, es müsste sie jemand erfinden. Wunderbar, wie sie sich mal wieder selbst zerlegen in  München.

Da hat doch tatsächlich Adelheid Rupp ausgesprochen, was etliche ihrer Genossen denken: dass nämlich, wenn sich die SPD in einem Jahr oder so neu aufstellen wolle für die Wahlen, über alle Posten geredet werden müsse. Namen hat sie nicht genannt, aber auch so wusste jeder, wen sie meint: Franz Maget, glückloser Wahlkämpfer, der die SPD von Rekord-Niederlage zu Rekord-Niederlage geführt hat, keine Lust mehr verspürt auf einen neuen Anlauf und deshalb die Bahn freimachen wird für den nächsten glücklosen Genossen. So sich denn einer findet. Aber das wird schon.

So weit so schlecht. Dafür haben sie Adelheid Rupp kräftig gescholten, stundenlang, und, man stelle sich das vor, tatsächlich überlegt, ob man sie nicht gleich ganz aus der Fraktion werfen solle. Welch ein Luxus: 39 Abgeordnete hat die SPD noch, 39 von 187. Und trotzdem wollen sie Rupp feuern, einer solchen Sache wegen.

Dabei ist es ja nicht so, dass die liebe Adelheid als Erste auf den Gedanken gekommen wäre. Wer mit den Landtags-Genossen redet (und mal ehrlich: Viele sind es nicht mehr, man ist schnell durch mit ihnen), der hört oft, dass das mit dem Franz ja ganz nett sei und wie sehr der sich aufgeopfert habe für seine Partei. Aber irgendwie habe der sich verändert durch die Niederlagen und eigentlich sei es ja an der Zeit, aber der Franz, der wolle nicht, und wer solle es ihm nur sagen, dass er mal besser gehen sollte? Und wenn es ihm dann jemand sagt, ist der Aufschrei groß.

Jetzt haben sie Adelheid Rupp also abgestraft und ihr zwei Posten genommen, darunter ausgerechnet den in der Landesbank-Kommission. Den bekommt die Kulmbacher Ex-Oberbürgermeisterin Inge Aures, die sehr fränkelt (ein angenehmer Klang), aber von der Landesbank leider irgendwie so überhaupt keine Ahnung hat, gern Dinge behauptet und sie auf Nachfrage wieder zurücknehmen muss. Rupp wäre das nicht passiert. Sie hat sich tief in die Materie eingearbeitet, sie kennt sich aus, sie weiß Bescheid. Nur schweigt sie eben nicht.

So sind sie, die Genossen. Haben kaum noch Abgeordnete im Landtag und noch weniger Talente darunter. Aber selbst die wenigen Talente rasieren sie noch auf Bodenhöhe ab. Wenn schon Mittelmaß, dann wenigstens für alle. Kein Wunder, dass die CSU im Moment wieder etwas glücklicher aus der Wäsche schaut. Mit so einer Opposition ist recht gut leben.

Es sei, sagt Franz Maget, keine Strafaktion gegen Rupp gewesen. Ja was, um Himmels Willen, war es dann? Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann das: Nennt die Dinge beim Namen. So blöd ist das Volk nun auch wieder nicht, dass es den Braten nicht riecht.

Die Sozis jedenfalls sind zufrieden mit sich selbst. Und wenn sie schon inhaltlich nicht mehr auf er Höhe sind, technisch sind sie es: Das Urteil der Fraktion gegen Adelheid Rupp war kaum verkündet, da hatte die Geschäftsstelle schon die Fraktionsinternetseite auf den neuesten Stand gebracht und die Pöstchen bei Rupp gestrichen. Wenn sie doch nur überall so schnell wären.