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Arme Kerle
Es ist an der Zeit, eine Lanze für unsere Ordnungshüter zu brechen. Wann immer ich nach Wildbad Kreuth zur CSU komme, stehen sie da und kontrollieren. Muss wohl zu den Insignien der Macht gehören, dass die CSU sich rund um die Uhr in der Abgeschiedenheit dieses Tales bewachen lässt. Oder jedenfalls die Berliner Abordnung. Die Landtagsabgeordneten fühlen sich offensichtlich etwas weniger bedroht vom Wahlvolk und lassen sich nicht ganz so hermetisch abriegeln – oder wegsperren? Lassen sich die Berliner etwa wegsperren?
Na, wie auch immer. Jedenfalls ist es kalt in Kreuth, bitterkalt. Morgens um neun zeigt das Autothermometer stolze minus 18 Grad. Und trotzdem stehen die armen Kerle draußen, überprüfen die Ausweise, kontrollieren die Kennzeichen. Wenigstens dürfen sie danach zurück in ihren Bus, der mit ständig laufendem Motor, Energiekrise hin oder her, an der Zufahrt steht.
Jetzt gehe das schon, erzählt einer der Beamten. Nachts aber, da sei das echt unangenehm gewesen. Denn die armen Kerle müssen Streife laufen, immer rund um das alte Gemäuer des Wildbades, auch morgens um vier noch. Die Wimpern seien ihnen zugeeist und die Nasen. Unter minus 20 Grad war da das Quecksilber schon gefallen. Doch der Einsatzplan kennt keine Gnade.
Wer, um alles in der Welt, frage ich mich, will morgens um vier ein paar CSU-Bundestagsabgeordnete klauen? Haben die keine Haustür, die sich abschließen lässt? Was überhaupt bewachen die Polizisten mitten in der Nacht? 46 Politiker? Deren Autos? Die Pferde im Stall? Vielleicht denken die Damen und Herren der CSU ja mal darüber nach. was sie den einfachen Beamten zumuten. Denn anders als sie sind die nicht freiwillig hier. Und deshalb bibbere ich jetzt solidarisch ein paar Minuten mit den Ordnungshütern mit. Bis der Akku meines Noetbooks in der Kälte den Geist aufgibt. Oder ich. Oder wir beide. Mal sehen, wer verliert . . .