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Heißer Kaffee und alte Rituale
Überstanden. Vorbei. Zumindest der erste Teil. Die CSU und die Medien haben Kreuth hinter sich gebracht. Jetzt bin ich wieder in München und frage mich, was ich tun soll. Die Sonne strahlt, die Luft hat sich auf milde minus vier Grad erwärmt, es wäre eigentlich Zeit für einen Kaffee zum Beispiel im Annast am Odeonsplatz. Das gehört zu den wunderbaren Dingen in der Stadt: Wann immer es die Temperaturen zulassen, rücken die Cafehausbesitzer ein paar Tische und Stühle ins Freie.
Das Annast ist so ein Haus. Die Front geht genau nach Süden, der Sonne entgegen. Und dann reihen sie die Stühle davor auf, fein säuberlich ausgerichtet, alle nebeneinander, alle in die gleiche Richtung, zur Sonne hin. Dazu noch ein paar Decken. Ist wie Busfahren, nur schöner. Das ist Münchner Lebensart. Was für eine Versuchung, was für ein Traum: Die Sonne auf dem Bauch, den Kaffee in der Hand und vor mir ein frisches Croissant. . . Wunderbar!
Meine Lebensart ist es als pflichtbewusster Franke, dass ich jetzt gleich trotzdem etwas schreiben werde, drinnen und über die CSU. Über dieses Kreuther Ritual, das Belanglosigkeiten zu Riesenmeldungen hochtreibt, weil sich die Medien gegenseitig aufstacheln. Anders als der echte Kaffee im Annast ist der politische in Kreuth schon leicht abgestanden und wird auch durch wiederholtes Aufwärmen nicht besser. Aber so funktioniert Politik nunmal. Wer weiß, vielleicht wollen es die Wähler ja so haben. Ganz sicher bin ich mir da aber nicht. Aber – wer kann sich schon bei irgendetwas noch sicher sein in diesen verrückten Zeiten?