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Die Münchner und Fürth – oder: Wenn andere eine Reise tun
Ehrlich, so etwas trifft mich. Seit gestern tagen die Liberalen in Fürth, in der Stadthalle, die, zugegeben, architektonisch nicht gerade eine Schönheit ist. Aber gleich dahinter liegt die Fürther Altstadt, schön wie seit Jahrhunderten - doch wem sage ich das, wer kennt sie nicht.
Den Münchnern sage ich es. Die kommen hierher und staunen. Wie schön doch Fürth sei. Und dass da tatsächlich so viele alte Häuser noch stehen. Und das hätten sie nicht gedacht, dass gleich neben Nürnberg so ein Kleinod liegt, quasi im Schatten der Großstadt. Und dass sie noch nie in Fürth gewesen seien, wozu auch. Und das das vielleicht, aber nur ganz vielleicht, ein Fehler gewesen sein könnte.
Das ist gut für Fürth. Weil die Stadt tatsächlich etwas hat: Charme und Wärme. Ich zum Beispiel muss, wenn ich in die Heimat komme, ins Hotel, was für sich genommen ein seltsames Gefühl ist. In Fürth war es das Altstadthotel, keine fünf Minuten zu Fuß von der Halle entfernt, ein Haus mit Familienanschluss. Inge und Martin Wiegel führen das Hotel, sie haben es quasi mit ihren Händen geschaffen. Wären meine lieben Kollegen Gabi Pfeiffer und Erich Malter nicht, ich glaube, mir wäre entgangen, was sich hinter der warmen, bescheidenen Fassade der Wiegels verbirgt, was sie erlebt und was sie geleistet haben. Gabi und Erich haben den beiden einige Absätze gewidmet in ihrer ganz persönlichen Liebeserklärung an die “bilder buch stadt fürth”. Wer will, kann im Internet einen Blick in das Buch werfen auf http://www.bilderbuchstadt.de. Es lohnt sich.
Die Wiegels haben die Münchner aufgenommen, wie sie jeden aufnehmen. Mit Gastfreundschaft und fränkischer Zurückhaltung, was die Münchner umgekehrt nicht immer ganz so gut hin bekommen. Den Münchnern hat es gefallen, so viel ist sicher, hier, in der Fremde. Sie haben sich an die kulinarischen Besonderheiten gewagt, an das Schäufele zum Beispiel, auch wenn mein Kollege bis heute glaubt, es heiße Schäuferla.
Gegessen haben sie es trotzdem im Grünen Baum auf dem Delegiertenabend. Außer der Kollege aus Schwaben. Der mochte lieber sechs Nürnberger Bratwürste und dazu „einen Kloß mit Schäufelchensoße“. Ich überlege, ob ich den Kontakt zu ihm nicht abbrechen sollte. Aber als Franke ist man einiges gewohnt. Schrecklicher noch war der so genannte Kabarettist, ein Stimmenimitator, dem die Zeit davon gelaufen ist und die Stimme sowieso. Aber der Mann ist Starnberger, ein Segen in diesem Fall, weil es mir das Fremdschämen erspart hat.
Wie auch immer. Nachher fahren sie alle wieder zurück, verlassen sie Fürth. Und behalten es doch in Erinnerung. So wie mein Kollege aus Freising, der erzählt hat, er habe sogar seinen Sommerurlaub schon in Franken verbracht, auf dem Fahrrad. Und das er ganz begeistert gewesen sei. Und dass Franken wohl mehr ist als nur Bratwürste und Lebkuchen.
Schön, dass sich das sogar in München herum spricht. Gut, dass sie gelegentlich erleben, wie schön die Welt außerhalb der Landeshauptstadt sein kann, sogar jenseits der Donau noch. Liebe Münchner: Kommt wieder, auch ohne liberalen Parteitag. Es lohnt sich. Wir empfangen Euch. Immer. Und immer freundlich. Eure Franken.