Winter, Winter oh weh

Der Mensch ist schon ein merkwürdiges Wesen. Seit Jahren quälen wir uns damit rum, dass die Klimakatastrophe unmittelbar bevorsteht, ja, dass sie schon da ist, rund um uns herum. Wir gruseln uns mit Bildern vom palmenbewachsenen Münchner Marienplatz. Und dann wird es wider Erwarten plötzlich Winter, mit allem, was dazu gehört: mit Schnee, mit Frost, mit Eis. Nur recht ist es wieder keinem.

Was tun wir nicht alles gegen den Klimawandel. Wir sortieren den Müll in viele kleine, unpraktische, weil stinkende und Platz raubende Haufen. Wir nehmen den Fuß vom Gas und fahren ein kleines bisschen langsamer. Wir steigen gelegentlich sogar in die U-Bahn, außer, die streiken gerade beim MVV oder das Auto steht praktischerweise vor der Tür oder wir müssten von der Haltestelle zum Ziel noch zwei Minuten laufen. Da kreisen wir doch lieber durch die völlig verstopften Münchner Straßen suchen eine halbe Stunde lang nach einem Parkplatz und finden keinen, weil ganz München eine einzige Parklizenzzone ist. Und dann stellen wir den Wagen nur zehn Gehminuten vom Ziel entfernt in einem anderen Stadtteil ab. Und weil wir uns nicht auskennen, verlaufen wir uns, hängen weitere zehn Minuten dran. Aber gefühlt waren wir entschieden schneller.

Darum sollte es jetzt gar nicht gehen. Wo war ich? Ach ja, der Winter. Also: Der hat uns im Griff. Gut, die Münchner nicht mehr lange. Ab morgen soll der Föhn kommen, was auch wieder nicht recht ist, weil dann der Kopf brummt und die Luft so dick wirkt und der Himmel meist ein wenig bleiern-grau. Und in den Bergen schmilzt der Schnee, und von dem gibt es derzeit nicht allzu viel, jedenfalls nicht auf der Alpennordseite, während die auf der Südseite förmlich darin ersticken. Ungerecht, das. Aber ich schweife schon wieder ab.

Zurück zum Winter in München. Wer hier spazieren gehen will oder muss, der hat es derzeit nicht leicht. Die Gesteige, die in Nordlage zumal, sind reine Eisbahnen. Zentimeterdick gefroren sind sie. Weil wir umweltbewusst sind. Maximal Sand ist erlaubt, kein Salz, der leidenden Natur wegen. Oder Körpereinsatz. Mit dem Eisklopfer gegen den Eispanzer. Mühsam, handballenblasenträchtig, eine echte Schinderei. Habe eine Stunde gebraucht für geschätzte zwei halbe Quadratmeter. Das macht echt keinen Spaß.

War in allen Super- und Baumärkten, die Nachbarin hat es empfohlen. Ausverkauft, nix mehr zu kriegen. Was ein Ärger. Kein Salz weit und breit. Diese Münchner! Echte Umweltschweine! Streuen, obwohl es verboten ist. Und ich? Ich schau mal wieder in die Röhre und leg mich lang, ausgerechnet vor meiner Haustür. Bloß weil alle anderen schneller eingekauft haben als ich. Dämliches schlechtes Gewissen! Nicht mal verklagen kann ich jetzt irgendjemanden. Oder geht das, gegen sich selbst prozessieren? Muss mal meinen Anwalt fragen. So jedenfalls geht das nicht weiter.