So lieb kann die CSU schnurren

Was waren das für Zeiten, als die CSU ein brüllender Löwe war, kräftig an Statur und Selbstbewusstsein, die Mähne wild, die Stimme laut, die Zähne scharf. Die christsoziale Welt war sauber strukturiert: Hier der Löwe, der Patriarch, der Kerl im Rudel. Dort die Kleinen, Schwachen.
Heute hat die CSU einen Chef, der nicht mehr brüllen mag. Der aus seiner Partei die christlich-schnurrende Union macht. Der sich der Kanzlerin zu Füßen legt, sich unterwirft, obwohl sie ihn gar nicht gefordert hatte. Nur noch schnurren will er und auf gar keinen Fall mehr beißen. Franz Josef würde sich im Grab umdrehen, wenn er das wüsste.
Der hat seine eigenen Erfahrungen mit Tiervergleichen und hätte seinem Nachnachnachnachfolger sicher abgeraten. Egal, das Ding ist raus. Und die Mäuse in München werden es mit Freude hören. Schnurrende Kätzchen, das wissen sie, liegen bevorzugt auf dem Sofa. Ihr Jagdinstinkt reicht gerade noch für den Weg zum Fressnapf. Und wenn Frauchen sie hinter den Ohren krault, dann sind sie im siebten Katzenhimmel angekommen.
Ob Horst Seehofer darüber nachgedacht hat, als er seine CSU für die Kanzlerin zum Stubentiger degradierte? Dabei sieht der CSU-Chef doch jeden Morgen im Spiegel einen ergrauten Löwen, ein Leittier par Excellence, das die Rolle des Chefstrategen lebt. Die anderen in seinem Rudel, dessen ist er sicher, spielen allenfalls Halma, wenn sie nicht im Mäusekino sitzen. Seehofer sollte mal mitgehen. Im Mäusekino läuft als Mäuse-Lehrstück eine höchst  erfolgreiche Serie. Darin scheitert  Kater Tom regelmäßig an Maus Jerry. Tom hält sich zwar für absolut überlegen; doch Jerry ist ihm stets einen Schritt voraus.
Sieben Oscars haben „Tom und Jerry“ abgeräumt. Darunter einen für die Folge „Der liebe Tom verliert den Kopf“, in der Kater Tom gleich gegen zwei Mäuse verliert. Kater Horst kann das Gott sei Dank nicht passieren. Er hat die Jagd ja eingestellt. 

Die Schweizer – ein echter Brüller

Okay, mit München hat das Thema nur am Rande zu tun. Aber manchmal lohnt sich ein Blick über die Landesgrenzen. Notfalls sogar in die Schweiz.

Ich für meinen Teil jedenfalls kann Bundesrat Hans-Rudolf Merz nur Recht geben. Ich habe keine Ahnung, über welchen europäischen Wahnsinn er da redet. Aber wie er das macht, das ist absolut sehenswert. Und überaus lustig. Dafür hier klicken. Lohnt sich!

Da kann nicht mal unser Horst mithalten, der Seehofers Horst, obwohl er ähnlich rechnet wie die Brüsseler Bürokraten formulieren. Wie sagte er doch dieser Tage über das unsägliche Grünen-Video seines Generalsekretärs? „70 000 haben sich das angesehen. Ich schaue es mir heute auch noch an. Dann sind es 71 000.“

Guttenberg? Wer ist Guttenberg?

Tja. Der Horst Seehofer. Das war mal eine klare Ansage in Wildbad Kreuth. Dass er der CSU-Vorsitzende und der bayerische Ministerpräsident sei, hat er gesagt. Und dass er deshalb die volle Verantwortung trage. Für die 46 Prozent, die die CSU in der neuen Umfrage bekommen hat und die theoretisch schon wieder reichen für eine absolute Mehrheit im Landtag. Er. Und nicht etwa der Baron.

Seehofer jedenfalls hat es hinbekommen. Er hat eine gute halbe Stunde mit der Presse geredet und den Namen von und zu Guttenberg nicht einmal in den Mund genommen. Das ist schon hohe Schule, wo es doch um so Fragen ging wie der nach dem Guttenberg-Effekt. Weil die CSU vor einem Jahr in den Umfragen noch bei 41 Prozent klebte und sich jetzt doch wieder deutlich erholt hat, ob da nicht Guttenberg seinen Anteil habe. Und wie das jetzt mit der Personaldiskussion in der CSU sei. Undsoweiterundsofort.

Logisch, dass Seehofer solche Fragen nicht wirklich mag. Mich würden die ebenfalls nerven. In Seehofers Lesart ist die Sache klar: Er rackert sich ab, wühlt, kämpft, reformiert, streitet sich mit dem Koalitionspartner und der Kanzlerin. Und die Herzen fliegen trotzdem dem anderen zu, dem Namenlosen, dem Oberfranken. Ihm rennen sie die Bude ein, in Fürth und sonst wo. Das muss ja schmerzen.

So wie es eigentlich schmerzen muss, wenn schon 46 Prozent die CSU in einen wahren Endorphin-Rausch stürzen. Das war mal anders. Ich kann nur einen Blick auf folgende Seite empfehlen: http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/bayern.htm, die relativiert so manches. Womit sich wieder mal die alte Weisheit bestätigt, dass Vertrauen schnell verspielt und nur langsam wieder zurück gewonnen wird.

Dabei weiß auch Seehofer ganz genau, wie wichtig Guttenberg für ihn derzeit ist. Die Union sei im Aufwind, hat er gesagt. In Baden-Württemberg, hat er den Journalisten vorgerechnet, komme Mappus auch schon auf 41 Prozent. Merken Sie was? 41 Prozent. Nicht 46 Prozent wie die CSU in Bayern. Weil die in Baden-Württemberg keinen Guttenberg haben. Der holt sogar noch fünf Prozent für die CSU, selbst wenn ihn keiner namentlich erwähnt. Auch eine Leistung.

Wie sind sie unschuldig, unsere Politiker, und gar nicht korrupt

Nein, sagt Horst Seehofer, er denke gar nicht daran, die Spenden zurückzuzahlen, die August Baron von Fink über seine Hotelkette Seehofers Partei hat zukommen lassen. 830 000 Euro immerhin. Wenn auch weniger als das, was Fink der FDP überwiesen hat. Die bekam 1,1 Millionen Euro. Nein, sagt Seehofer, weil das alles in Ordnung so sei und das Geld schon 2008 kam, CSU und FDP aber erst 2009 gesenkte Steuern für Hotels druchgedrückt haben. Die FDP hat übrigens auch kein schlechtes Gewissen, nicht einmal den Hauch davon.

Ach ja. Manchmal frage ich mich, ob unsere Politiker überhaupt noch spüren, wie das so wirkt, was sie da treiben. Und ob sie so gar nicht mehr riechen können, wie das gelegentlich stinkt.

So wie jetzt. Die sollten sich mal mit den Gastwirten unterhalten, wie das das sehen. Schließlich ging es auch um sie, als Schwarzgelb einst versprochen hat, es werde die Steuern senken für Hotels und Lokale. Dass die Hoteliers einfach die bessere Lobbyarbeit gemacht hätten, raunten die Wirte schon vor Wochen. Jetzt wissen sie, dass sie damit so falsch nicht gelegen haben. Nur, dass die Arbeit mit ein paar Geldbündeln sozusagen noch unterfüttert worden ist. Hat offensichtlich funktioniert.

Nein, das kapiere ich nicht mehr. Nach all den Spendenaffären, nach all den Umfragen, die der Politik regelmäßig ein mieses Ansehen bescheinigen, nach all dem Gefasel der Politiker über die Wahlmüdigkeit der Menschen und dass sie dagegen etwas tun wollten. Wäre in diesem Fall ganz leicht. Einfach auf die Bank gehen, ein Überweisungsformular ausfüllen und das Geld an den Baron zurückschicken mit dem Hinweis, unsere Politik sei unabhängig und nicht beeinflussbar und die Spende ziemlich unsittlich, weil hoch, und dann auch noch in diesem Zusammenhang, also wirklich. . . Ich könnte Seehofer beim Formulieren gerne helfen, falls er da Probleme hat.

Geht aber offensichtlich nicht. Vielleicht, weil die Politik nicht unabhängig ist? Ah, ich höre schon, unsere Spitzenpolitiker, wie sie dagegen wieder protestieren, sich verwahren und die Kritiker angreifen, weil die das große Ganze nicht sehen, die saubere Moral. Sondern wieder nur das Negative. Und überall das Böse wittern. Wie immer halt.

Ich war übrigens dieser Tage in einem Hotel in Kreuth. Billiger als im Vorjahr war es nicht. Er könne die Preise nicht senken, hat der Chef gesagt, obwohl ihm CSU und FDP doch zwölf Prozent davon erlassen haben. Kommt mir vor wie ein schwarz-gelbes Geschenk für ihn. Nur, dass weder CSU noch FDP das bezahlt haben. Sondern ich. Und all die anderen Hotelgäste. Toll. So hatte ich mir das vorgestellt.

Aber er werde renovieren, hat der Hotelier gesagt. Den dritten Stock seines Hotels. Das freut mich. Weil ich bis dahin noch gar nicht gewusst hatte, dass sein  Haus überhaupt einen dritten Stock hat. Über das erste Obergeschoss bin ich nie hinausgekommen. Ehrlich gesagt – mir wären die zwölf Prozent lieber gewesen. Ich werde mal mit Horst reden. Der soll mir die Differenz auszahlen. Schließlich hat er ja jetzt 830 000 Euro mehr. Und es war sein Geschenk. Nicht meins. Er hat mich nicht einmal gefragt.

Seehofers Sandkasten und die Bundespolitik

Ach Gott, Politik kann sooooo langweilig sein. Da kündigt Horst Seehofer eine Regierungserklärung an zu dem, was der Berliner Koalitionsvertrag für Bayern bedeutet, wie er sich auswirkt und wie es hier überhaupt weitergeht. Das könnte spannend werden, habe ich gedacht. Und dann sowas.

Eine dreiviertel Stunde lang referiert der bayerische Ministerpräsident den Vertrag. Und sagt nix zu Bayern. Nicht, wie es hier weitergehen soll, nichts dazu, was er so vorhat, nichts, wie er sich das Land in ein paar Jahren vorstellt. Seltsam. Ich hatte immer gedacht, Regierungserklärung heißt, dass uns einer erklärt, wie er regieren will. Oder will er am Ende gar nicht?

Nach ihm haben dann SPD, Freie Wähler, Grüne, CSU und FDP geredet. Ist ja schön, dass das Parlament bunter geworden ist. Aber gleich so bunt? Und jeder 44 Minuten? Und dann gleich drei Redner der Regierung. Es wird wenig überraschen, dass sie alle drei das Gleiche gesagt haben. Alles andere wäre auch eine Sensation gewesen.

Und dann die Opposition. Bemüht, aber irgendwie auch nicht voll bei der Sache. Markus Rinderspacher von der SPD zum Beispiel. Der ist neu als Fraktionschef, muss quasi seine Feuertaufe bestehen, weil er auf Franz Maget folgt, dem wohl begnadetsten Debattenredner des Landtags. Gut sei „der Markus“ gewesen, sagt ungefragt Maget hinterher. Aber auch da gilt: Jedes andere Statement von ihm wäre überraschend gewesen.

Leider hat Rinderspacher die Gunst der Stunde nur begrenzt genutzt und sich von Seehofer aufs Glatteis führen lassen. Hätte er sich auf Bayern konzentriert und auch noch auf das Desaster der Landesbank, er hätte volle Punktzahl bekommen können. Hat er aber nicht, sondern sich wie Seehofer vor ihm Spiegelstrich für Spiegelstrich durch den Koalitionsvertrag gearbeitet.

Leute, das langweilt! Das hier ist der bayerische Landtag und nicht der Bundestag. Auch wenn Horst Seehofer die bayerische Welt zu klein ist und die Ansprüche der Politiker zu mickrig sind (er hat an einer Stelle zur Opposition tatsächlich gesagt, er gehe mit ihnen „ein anderes Mal in den Sandkasten“, als ob er es mit kleinen Kindern zu tun habe, was schon ein sehr ungewöhnliches Politikverständnis offenbart), es geht immer noch um Bayern. Und darüber, finde ich, sollten sie im Landtag reden. Zu sagen gäbe es da nämlich mehr als genug.

Guttenberg geht in die Wüste

Noch strahlt der Baron

Noch strahlt der Baron

Dem Baron ist mal wieder ein wunderbarer Satz gelungen. Gefragt, ob er das Verteidigungsministerium sich habe aussuchen dürfen oder ob er es habe nehmen müssen, antwortet Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester von und zu Guttenberg, 37, überstrahlender Hoffnungsträger halb Deutschlands: „Selbstverständlich“ sei er zufrieden. „Aber richtig zufrieden bin ich erst, wenn ich vereidigt bin.“

Hä? War das die Frage? Natürlich nicht. Hätte Guttenberg die Frage wahrheitsgemäß beantwortet, die Antwort wäre wohl ein wenig anders ausgefallen. Verteidigung ist nicht gerade das Ressort, um das sich die Fraktionen reißen. Schöne, wohlfeile Reden halten sich schwer vor den Särgen gefallener Soldaten. Das wird selbst der Freiherr nicht wirklich hinbekommen, dass er da noch glänzen kann.

Die CSU hat das Ministerium trotzdem genommen und tröstet sich jetzt damit, dass schließlich Franz Josef Strauß den Posten auch schon mal gehabt habe, damals in den 1950ern, und deshalb die ganz große Tradition der Partei. . ., wo doch Strauß, der größte Lenker aller Zeiten. . ., und wenn schon der, dann doch erst recht der Baron. . .usw.

Hat nur zwei Schönheitsfehler, der Gedanke. Strauß war zwar mal Verteidigungsminister (und davor Atom-Minister, auch ein interessanter Gedanke angesichts der neuerlichen Diskussionen um die Atomkraftwerke), umstritten allerdings war er von Anfang an. Erst, weil er die Bundesrepublik atomar bewaffnen wollte. Dann wegen zahlreicher Affären, vom Starfighter bis hin zur so genannten Spiegel-Affäre, die ihn letztlich sein Ministeramt gekostet hat.

Auch wenn CSU-Chef Seehofer bis heute Strauß für ein leuchtendes Vorbild hält – Guttenberg wird ihm gewiss in dieser Linie nicht folgen. Auf ihm ruht die Hoffung der CSU, dass er das Amt zu einem zweiten Außenministerium ausbaut und die CSU damit aus dem provinziellen Muff dieser Tage befreit. Schließlich, raunen die schwarzen Funktionäre, könne er Englisch weit besser als Außenminister Westerwelle, seien seine Sätze geschliffener, sein Benehmen untadelig, sein Auftreten diplomatischer. Und seine Frau hübscher.

Tatsächlich ist die Truppe mittlerweile ja weltweit im Einsatz, sie schützt, kämpft und stirbt in den verschiedensten Ländern. Doch Außenpolitik macht man nicht im Staub der Wüste, sondern in den klimatisierten Sälen der Regierungspaläste. Spätestens dann, wenn der Dreck des Krieges Guttenbergs gegeltes Haar stumpf werden lässt, werden das auch die Christsozialen verstehen. Der Baron freilich, der weiß das heute schon: Er ist nur zu gut erzogen, als dass er es beim Namen nennen könnte.

Ach Horst!

Ach Horst, hättest Du doch geschwiegen. Dass man in Bayern keine Scherze machen dürfe, hast Du gesagt und dann nachgeschoben, dass Ilse Aigner als Bundeslandwirtschaftsministerin ihre Anweisungen aus der bayerischen Staatskanzlei bekomme. „War aber nur Spaß“, hast Du gesagt und gelächelt. Echt?

Und dass der Ramsauer Peter sich voll einbringen werde als Verkehrsminister. „Mit jeder Pore seines Körpers“, hast Du gesagt. Und wir haben uns leise geschüttelt bei der Vorstellung, wie das wohl aussehen mag. Da war es fast schon ein Trost, dass Du bei allen Punkten, die Deine Unterhändler in den Koalitionsvertrag gebracht haben, stets betont hast, eigentlich seien die Dein Verdienst, Deine Idee, Dein Werk. Ich hatte mich schon gefragt, mit welcher Pore Ramsauer den betonharten Ausbau der Donau doch noch im Bereich des Möglichen gehalten hat.

Dass der Hans-Peter Friedrich, der die CSU-Landesgruppe führen soll, „im Gegensatz zu mir menschliche Qualitäten besitzt“, hast Du gesagt. Und jetzt rätseln wir, ob das ein Scherz gewesen ist. Weil wir ja in Bayern sind und Scherze nicht verstehen, und Du hast es nicht dazu gesagt, hast den Scherz nicht als solchen markiert, was ihm eine gewisse Ernsthaftigkeit verleiht, ich gestehe es. Ich hätte Dir das beinahe geglaubt, das mit den fehlenden menschlichen Qualitäten bei Dir. Aber nur fast, keine Sorge!

Schlimm war auch, was Du alles hast lesen müssen. Über eine gewisse Müdigkeit Deinerseits. Über Deine Krankheit, die schlechten Herzwerte, die miese Stimmung in der CSU. „Vergesst das mal alles“, hast Du gesagt. Dabei stand das doch in der Zeitung. Und Zeitungen lügen nicht, das weiß ich genau. Na ja, nicht alles stand in allen Zeitungen. Das, was nicht in allen stand, also zum Beispiel in unserer nicht, den Nürnberger Nachrichten, also das mit den Herzwerten vielleicht, okay, das hat womöglich nicht ganz voll so gestimmt.

Deine Delegierten wollen aber nicht vergessen. „Ich bin hoch motiviert, ich möchte mit euch die Zukunft gestalten“. . . hast Du gemerkt, wie still es geblieben ist in der BMW-Motorwelt, wo Ihr den Koalitionsvertrag abgenickt habt? „Wir können uns nur selbst schädigen“, hast Du gerufen. Und sie haben gedacht: „Wieso ‚wir‘? Doch nur der!“

Ach Horst. Klar, sie haben lange geklatscht. Aber hast Du gesehen, dass keiner aufgestanden ist? Du glaubst Dich sicher. So wie der Club. Der gewinnt auch gelegentlich mal ein Spiel und rettet sich dann aus der Abstiegszone. Aber das hält dann jedesmal nur eine Woche. Das sollte Dir zu denken geben. So wie mir.

Sagt Dir dein sich sorgender Roland

Die CSU – steht wie ein Mann. Mal wieder.

Wie er das nur wieder hinbekommen hat, der Seehofers Horst. Ganz nah am Abgrund haben ihn schon etliche gesehen. Weniger die in seiner Partei, klar. Mehr die in den Medien. Wochenlang haben sie den Bayern-Regenten in die Krise geschrieben. Revolte, Rebellion, Putsch – alles Begriffe, die schon zu lesen waren. Als ob der gemeine Christsoziale zu so etwas auch nur ansatzweise fähig wäre.

Er ist es nicht. Das haben wir jetzt schriftlich. Einstimmig hat der CSU-Vorstand den Koalitionsvertrag angenommen. Und der Parteitag tut es ihm nach. Nicht einer, aber auch nicht er kritischste aller Denker, hat auch nur den Begriff „42,5 Prozent“ in den Mund genommen. Bloß nicht die Harmonie trüben. Nur nicht der Erste sein, der den Stein ins Wasser wirft.

Also wird der schwarze See ruhig und still bleiben. Als ob nie etwas gewesen ist.

Das hat Horst Seehofer wirklich geschickt gemacht. Die Diskussion über Wochen hin abwürgen und in die Zukunft verschieben. Bis die eigenen Leute sich schon bei dem Gedanken daran langweilen, dass sie noch einmal durchkauen müssen, was doch eh schon so weit zurückliegt. Wer redet schon gerne darüber, warum er verloren hat? Nur Masochisten tun so was. Und Journalisten.

Menschlich mag Seehofer ein schwieriger Charakter sein. Politisch ist er mit mehr Wassern gewaschen, als all die selbst ernannten Analytiker für denkbar halten. Er hat überlebt. Jedenfalls für den Moment.

Seehofer dürfte allerdings selbst Profi genug sein, dass er um den Wert seines Sieges weiß. Mehr als Zeit springt für ihn nicht heraus. Längst laufen in München die Wetten, wie lange noch. Bis Weihnachten? Sommer? Oder noch länger? 2011 zum Beispiel. Da wählt die CSU ihren Vorstand neu. Wie neu, das wird sich zeigen.