Wie sind sie unschuldig, unsere Politiker, und gar nicht korrupt

Nein, sagt Horst Seehofer, er denke gar nicht daran, die Spenden zurückzuzahlen, die August Baron von Fink über seine Hotelkette Seehofers Partei hat zukommen lassen. 830 000 Euro immerhin. Wenn auch weniger als das, was Fink der FDP überwiesen hat. Die bekam 1,1 Millionen Euro. Nein, sagt Seehofer, weil das alles in Ordnung so sei und das Geld schon 2008 kam, CSU und FDP aber erst 2009 gesenkte Steuern für Hotels druchgedrückt haben. Die FDP hat übrigens auch kein schlechtes Gewissen, nicht einmal den Hauch davon.

Ach ja. Manchmal frage ich mich, ob unsere Politiker überhaupt noch spüren, wie das so wirkt, was sie da treiben. Und ob sie so gar nicht mehr riechen können, wie das gelegentlich stinkt.

So wie jetzt. Die sollten sich mal mit den Gastwirten unterhalten, wie das das sehen. Schließlich ging es auch um sie, als Schwarzgelb einst versprochen hat, es werde die Steuern senken für Hotels und Lokale. Dass die Hoteliers einfach die bessere Lobbyarbeit gemacht hätten, raunten die Wirte schon vor Wochen. Jetzt wissen sie, dass sie damit so falsch nicht gelegen haben. Nur, dass die Arbeit mit ein paar Geldbündeln sozusagen noch unterfüttert worden ist. Hat offensichtlich funktioniert.

Nein, das kapiere ich nicht mehr. Nach all den Spendenaffären, nach all den Umfragen, die der Politik regelmäßig ein mieses Ansehen bescheinigen, nach all dem Gefasel der Politiker über die Wahlmüdigkeit der Menschen und dass sie dagegen etwas tun wollten. Wäre in diesem Fall ganz leicht. Einfach auf die Bank gehen, ein Überweisungsformular ausfüllen und das Geld an den Baron zurückschicken mit dem Hinweis, unsere Politik sei unabhängig und nicht beeinflussbar und die Spende ziemlich unsittlich, weil hoch, und dann auch noch in diesem Zusammenhang, also wirklich. . . Ich könnte Seehofer beim Formulieren gerne helfen, falls er da Probleme hat.

Geht aber offensichtlich nicht. Vielleicht, weil die Politik nicht unabhängig ist? Ah, ich höre schon, unsere Spitzenpolitiker, wie sie dagegen wieder protestieren, sich verwahren und die Kritiker angreifen, weil die das große Ganze nicht sehen, die saubere Moral. Sondern wieder nur das Negative. Und überall das Böse wittern. Wie immer halt.

Ich war übrigens dieser Tage in einem Hotel in Kreuth. Billiger als im Vorjahr war es nicht. Er könne die Preise nicht senken, hat der Chef gesagt, obwohl ihm CSU und FDP doch zwölf Prozent davon erlassen haben. Kommt mir vor wie ein schwarz-gelbes Geschenk für ihn. Nur, dass weder CSU noch FDP das bezahlt haben. Sondern ich. Und all die anderen Hotelgäste. Toll. So hatte ich mir das vorgestellt.

Aber er werde renovieren, hat der Hotelier gesagt. Den dritten Stock seines Hotels. Das freut mich. Weil ich bis dahin noch gar nicht gewusst hatte, dass sein  Haus überhaupt einen dritten Stock hat. Über das erste Obergeschoss bin ich nie hinausgekommen. Ehrlich gesagt – mir wären die zwölf Prozent lieber gewesen. Ich werde mal mit Horst reden. Der soll mir die Differenz auszahlen. Schließlich hat er ja jetzt 830 000 Euro mehr. Und es war sein Geschenk. Nicht meins. Er hat mich nicht einmal gefragt.

Dem Horror eine Bahn, jedenfalls bis fünf. Oder drei?

Tja, die Politik kann schnell sein. Oder jedenfalls die FDP.

Es ist ja erst ein paar Tage her, dass die Menschen, also die feierwilligen unter ihnen, die trauerwilligen eher nicht, dass also die Menschen sich darüber aufgeregt haben, wie spaßfeindlich dieses Land sein kann. Halloween zum Beispiel fällt auf einen stillen Tag, jedenfalls ab Mitternacht, wenn der 1. November beginnt. An dem sind laut Gesetz laute Musik und Tanzen und all der Kram verboten. Weshalb all die Wirte und Diskothekenbesitzer um Mitternacht die Musik abdrehen müssen. Was sehr spaßbremsig wirkt.

Die FDP will das ändern. Ihr junger Jugendbeauftragter Tobias Thalhammer, Sie wissen schon, der mit dem Lied (ich muss mich schon wieder selbst zitieren, aber da unten gibt es eine Kostprobe), der Thalhammer Tobias also spreizt sich für die Jugend rein und verlangt nach einer Änderung, also einer Gesetzesänderung. Weil er nicht recht nachvollziehen kann, wieso in geschlossenen Räumen nachts die Musik abgedreht werden soll. Nicht mehr zeitgemäß, findet er. Und ich finde das auch.

Sein Chef, der Hacker Thomas aus Bayreuth, hält zu Thalhammer. Einen Gesetzentwurf will seine Fraktion einbringen, der Musik und Tanz und all den Kram auch an stillenTagen genehmigt. Zumindest von Mitternacht bis fünf Uhr früh. Quasi eineSperrzeit will er einführen. Die, sagen Liberale, sei notfalls verhandelbar. „Auch drei Uhr wäre noch okay.“

Bevor Hacker unter falschen Verdacht gerät: Er steht zu den christlichen Werten und der abendländischen Tradition, findet zum Beispiel, dass in Klassenzimmern ganz selbstverständlich ein Kreuz hängen soll. Nur das mit der Musik an den  stillen Tagen versteht er nicht. Niemand, sagt er, auch die stärksten Befürworter nicht, drehe doch um Mitternacht das Radio leise. Und niemand, das sage jetzt ich, käme auf die Idee und schmeißt um zwölf seine Partygäste raus, weil nun ein stiller Tag beginnt. Außer, die Party läuft ohnehin grottenschlecht.

Recht haben sie, die Liberalen. Es muss janiemand in die Disko gehen. Aber die, die drin sind, die sollen ihren Spaß haben. Auch nach Mitternacht noch. Warum auch nicht?

Wenn ein künstlerisches Plakat auf einen Roten trifft

rohde

Ja, was für ein Skandal, den der investigative Fallschirmspringer, Reservesoldat, Professor, Doktor, Notar und Sozialdemokrat Peter Paul Gantzer da aufgedeckt hat. Ausgerechnet in den langen Fluren der Landtags-FDP hat er ein Plakat entdeckt. Auf der Tür von Jörg Rohde. Also auf der seines Büros. Ein Plakat! Der FDP! Im Landtag!

Gantzer ist dann gleich zur Tat geschritten. Schließlich ist er Zweiter Vizepräsident des Bayerischen Landtags und somit ein Wichtiger im Getriebe der Politik. Also hat er im Ältestenrat den FDPler und Fünften Vizepräsidenten zur Rede gestellt und ihn aufgefordert, er solle das Plakat unverzüglich abhängen. Neutralitätspflicht des Präsidiums und so. Eine Schande für das Ansehen des Amtes. Oder so ähnlich. Eine Viertelstunde haben die beiden miteinander gerungen, was die vierte Vizepräsidentin heute noch irritiert. Wo es doch um einen rechten Schmarrn gegangen sei, sagt Christine Stahl von den Grünen. Von dem ersten und dem dritten Präsidenten ist keine Stellungnahme überliefert. Wahrscheinlich haben sie geschwiegen wie die Präsidentin selbst. Weil das ja auch ein eher seltsames Thema ist.

Das Plakat, argumentiert Rohde noch heute, sei kein Wahlplakat. „Das ist ein Unikat, handgezeichnet, aquarelliert, und ein Geschenk ihres früheren Chefs an meine Mitarbeiterin“, sagt er. Von 1946 sei es, und FDP stehe da auch nur ganz klein drauf. Und wer komme schon auf den Flur der FDP, so groß sei der Publikumsverkehr hier auch wieder nicht. Mag sein. Dumm nur, dass Peter Paul Gantzer durch die Gänge patrouilliert, so wie er es als Oberst der Reserve bei der Bundeswehr gelernt hat.

Rohde sieht sich im Recht, im zutiefst liberalen Recht des Lebens und Leben lassens. Er hat das Bild dann trotzdem abgehängt. Um des Friedens willen. Und vielleicht auch aus Sorge, es könnte verschwinden. Jetzt, da es ein wenig berühmt geworden ist. Und deshalb bekommt es einen ordentlichen Rahmen und einen Ehrenplatz. Drinnen, im Büro. Sieht eh besser aus.

Die Münchner und Fürth – oder: Wenn andere eine Reise tun

 

Ehrlich, so etwas trifft mich. Seit gestern tagen die Liberalen in Fürth, in der Stadthalle, die, zugegeben, architektonisch nicht gerade eine Schönheit ist. Aber gleich dahinter liegt die Fürther Altstadt, schön wie seit Jahrhunderten – doch wem sage ich das, wer kennt sie nicht.

Den Münchnern sage ich es. Die kommen hierher und staunen. Wie schön doch Fürth sei. Und dass da tatsächlich so viele alte Häuser noch stehen. Und das hätten sie nicht gedacht, dass gleich neben Nürnberg so ein Kleinod liegt, quasi im Schatten der Großstadt. Und dass sie noch nie in Fürth gewesen seien, wozu auch. Und das das vielleicht, aber nur ganz vielleicht, ein Fehler gewesen sein könnte.

Das ist gut für Fürth. Weil die Stadt tatsächlich etwas hat: Charme und Wärme. Ich zum Beispiel muss, wenn ich in die Heimat komme, ins Hotel, was für sich genommen ein seltsames Gefühl ist. In Fürth war es das Altstadthotel, keine fünf Minuten zu Fuß von der Halle entfernt, ein Haus mit Familienanschluss. Inge und Martin Wiegel führen das Hotel, sie haben es quasi mit ihren Händen geschaffen. Wären meine lieben Kollegen Gabi Pfeiffer und Erich Malter nicht, ich glaube, mir wäre entgangen, was sich hinter der warmen, bescheidenen Fassade der Wiegels verbirgt, was sie erlebt und was sie geleistet haben. Gabi und Erich haben den beiden einige Absätze gewidmet in ihrer ganz persönlichen Liebeserklärung an die „bilder buch stadt fürth“. Wer will, kann im Internet einen Blick in das Buch werfen auf http://www.bilderbuchstadt.de. Es lohnt sich.

Die Wiegels haben die Münchner aufgenommen, wie sie jeden aufnehmen. Mit Gastfreundschaft und fränkischer Zurückhaltung, was die Münchner umgekehrt nicht immer ganz so gut hin bekommen. Den Münchnern hat es gefallen, so viel ist sicher, hier, in der Fremde. Sie haben sich an die kulinarischen Besonderheiten gewagt, an das Schäufele zum Beispiel, auch wenn mein Kollege bis heute glaubt, es heiße Schäuferla.

Gegessen haben sie es trotzdem im Grünen Baum auf dem Delegiertenabend. Außer der Kollege aus Schwaben. Der mochte lieber sechs Nürnberger Bratwürste und dazu „einen Kloß mit Schäufelchensoße“. Ich überlege, ob ich den Kontakt zu ihm nicht abbrechen sollte. Aber als Franke ist man einiges gewohnt. Schrecklicher noch war der so genannte Kabarettist, ein Stimmenimitator, dem die Zeit davon gelaufen ist und die Stimme sowieso. Aber der Mann ist Starnberger, ein Segen in diesem Fall, weil es mir das Fremdschämen erspart hat.

Wie auch immer. Nachher fahren sie alle wieder zurück, verlassen sie Fürth. Und behalten es doch in Erinnerung. So wie mein Kollege aus Freising, der erzählt hat, er habe sogar seinen Sommerurlaub schon in Franken verbracht, auf dem Fahrrad. Und das er ganz begeistert gewesen sei. Und dass Franken wohl mehr ist als nur Bratwürste und Lebkuchen.

Schön, dass sich das sogar in München herum spricht. Gut, dass sie gelegentlich erleben, wie schön die Welt außerhalb der Landeshauptstadt sein kann, sogar jenseits der Donau noch. Liebe Münchner: Kommt wieder, auch ohne liberalen Parteitag. Es lohnt sich. Wir empfangen Euch. Immer. Und immer freundlich. Eure Franken.