So lieb kann die CSU schnurren

Was waren das für Zeiten, als die CSU ein brüllender Löwe war, kräftig an Statur und Selbstbewusstsein, die Mähne wild, die Stimme laut, die Zähne scharf. Die christsoziale Welt war sauber strukturiert: Hier der Löwe, der Patriarch, der Kerl im Rudel. Dort die Kleinen, Schwachen.
Heute hat die CSU einen Chef, der nicht mehr brüllen mag. Der aus seiner Partei die christlich-schnurrende Union macht. Der sich der Kanzlerin zu Füßen legt, sich unterwirft, obwohl sie ihn gar nicht gefordert hatte. Nur noch schnurren will er und auf gar keinen Fall mehr beißen. Franz Josef würde sich im Grab umdrehen, wenn er das wüsste.
Der hat seine eigenen Erfahrungen mit Tiervergleichen und hätte seinem Nachnachnachnachfolger sicher abgeraten. Egal, das Ding ist raus. Und die Mäuse in München werden es mit Freude hören. Schnurrende Kätzchen, das wissen sie, liegen bevorzugt auf dem Sofa. Ihr Jagdinstinkt reicht gerade noch für den Weg zum Fressnapf. Und wenn Frauchen sie hinter den Ohren krault, dann sind sie im siebten Katzenhimmel angekommen.
Ob Horst Seehofer darüber nachgedacht hat, als er seine CSU für die Kanzlerin zum Stubentiger degradierte? Dabei sieht der CSU-Chef doch jeden Morgen im Spiegel einen ergrauten Löwen, ein Leittier par Excellence, das die Rolle des Chefstrategen lebt. Die anderen in seinem Rudel, dessen ist er sicher, spielen allenfalls Halma, wenn sie nicht im Mäusekino sitzen. Seehofer sollte mal mitgehen. Im Mäusekino läuft als Mäuse-Lehrstück eine höchst  erfolgreiche Serie. Darin scheitert  Kater Tom regelmäßig an Maus Jerry. Tom hält sich zwar für absolut überlegen; doch Jerry ist ihm stets einen Schritt voraus.
Sieben Oscars haben „Tom und Jerry“ abgeräumt. Darunter einen für die Folge „Der liebe Tom verliert den Kopf“, in der Kater Tom gleich gegen zwei Mäuse verliert. Kater Horst kann das Gott sei Dank nicht passieren. Er hat die Jagd ja eingestellt. 

Ein Lob der Haxe

Das Leben in München kann schön sein, sogar für einen Franken. Wenn ich aus meinem Büro schaue, blicke ich auf die Isar, auf Enten und gelegentlich auf einen Schwan. Kulinarisch ist es erträglich hier. Um die Ecke ein passabler Inder, ein Franzose, mehrere Italiener und einige weitere Lokale, die sich regional nicht klar eingrenzen lassen.

Aber die wahren kulinarischen Genüsse verdanke ich der CSU,  tatsächlich.

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass wir an dieser Stelle eine Partei loben. Doch diesmal muss es sein. Denn einmal im Jahr reist die CSU-Fraktion nach Kloster Banz, für drei Tage. Und während oben im Kloster in dieser wunderbar weichen fränkischen Landschaft die Abgeordneten tagen, servieren sie unten in den Klosterstuben fränkische Spezialitäten. Krensuppe zum Beispiel. Oder blaue Zipfel. Oder Schweinshaxen.

Solche Haxen gibt es in München nicht, keine Chance. Wunderbar zart das Fleisch, resch die Kruste, dazu Kartoffelklöße groß wie Handbälle. Keine Ahnung, warum die Haxen hier um so vieles besser sind als ihre Münchner Gegenstücke. Aber vielleicht sind die fränkischen Schweine einfach glücklicher als die oberbayerischen, ehe sie ihrer Beine verlustig gehen.

Es trifft sich, dass die CSU-Fraktion drei Tage in Banz bleibt, gerade lang genug für die drei Haxen-Varianten, die der Wirt kredenzt. Wobei mein persönlicher Favorit die Krenhaxe ist, noch vor der Bier- und der Pfefferhaxe.

Und es trifft sich, dass sie nicht länger hier bleiben, die Schwarzen. Drei Tage sind gut für ein Kilo auf der Waage. Was auch daran liegen kann, dass den Münchnern nicht nur der Meerrettich die Tränen in die Augen treibt, wenn sie abends in Staffelstein noch ein Bier trinken gehen und selbst für eine akzeptable Zeche nicht einmal zehn Euro auf den Tisch legen müssen.

Doch, es ist ein Glück, das uns zuteil wird, wenn die CSU Bayern verlässt und für ein paar Tage nach Franken fährt. Ein Glück, das auch meine Münchner Kollegen schätzen.

Und ich sowieso.

Na so was, Gutti hat abgeschrieben…

Ehrlich gesagt – so schnell haben nicht mal wir in München damit gerechnet. Dass Karl Theodor zu Guttenberg eines Tages in Schwierigkeiten geraten würde, das war den meisten hier klar. Der Aufstieg sei zu steil, haben sie in der CSU getuschelt, zu hoch und zu schnell. Der werde mal stolpern, über irgend etwas. Spätestens, wenn das mit seiner Kanzlerkandidatur in trockenen Tüchern sei. So haben sie es vorhergesagt, die ganzen schlauen Köpfe hier. 

Jetzt stolpert er ganz gewaltig. Jetzt schon, wo von seiner Kanzlerkandidatur weit und breit noch nichts zu sehen ist.

Am Hindukusch erschießen sich seine Soldaten gegenseitig, wenn sie nicht gerade fremde Post lesen; auf der Gorch Fock stürzen sie in den Tod, wenn sie nicht gerade wegen des rauen Tons an ihrer Berufung zweifeln. Und zuhause mäkeln sie erst an seinen Bundeswehrsuperreformplänen herum. Und dann an seiner Doktorarbeit. Ausgerechnet an ihr, die er, der Star, mit Bestnote geschrieben hat.

Kein Wunder. Wo er sich doch nur aus den besten Quellen bedient hat, aus anderen Doktorarbeiten etwa. Vor allem aber aus der Elite der Zeitungen, der Neuen Züricher, der Frankfurter Allgemeinen. Fast schon beleidigend für die Süddeutsche, dass sie nicht dabei ist. Wahrscheinlich lesen ihre Redakteure jetzt zum ersten Mal in ihrem Leben Guttenbergs Doktorarbeit ganz genau, Seite für Seite, Zeile für Zeile, in der Hoffnung, sie könnten noch ein paar gestohlene, pardon, nicht korrekt mit Quellenangaben versehenen Passagen finden.

Und was ist mit unserem Blatt? Nichts. Nicht das allerkleinste Plagiat. Nicht eine Zeile hat der Verteidigungsminister uns gemopst. Hallo Herr Guttenberg! Bei uns lohnt sich das Abschreiben auch! Ehrlich! Wir würden nicht mal ein Honorar von Ihnen verlangen. Glaube ich jedenfalls. Wir wären doch schon mit einer Fußnote zufrieden. Mit einer klitzekleinen. Das muss sich doch machen lassen, oder?

Guttenberg? Wer ist Guttenberg?

Tja. Der Horst Seehofer. Das war mal eine klare Ansage in Wildbad Kreuth. Dass er der CSU-Vorsitzende und der bayerische Ministerpräsident sei, hat er gesagt. Und dass er deshalb die volle Verantwortung trage. Für die 46 Prozent, die die CSU in der neuen Umfrage bekommen hat und die theoretisch schon wieder reichen für eine absolute Mehrheit im Landtag. Er. Und nicht etwa der Baron.

Seehofer jedenfalls hat es hinbekommen. Er hat eine gute halbe Stunde mit der Presse geredet und den Namen von und zu Guttenberg nicht einmal in den Mund genommen. Das ist schon hohe Schule, wo es doch um so Fragen ging wie der nach dem Guttenberg-Effekt. Weil die CSU vor einem Jahr in den Umfragen noch bei 41 Prozent klebte und sich jetzt doch wieder deutlich erholt hat, ob da nicht Guttenberg seinen Anteil habe. Und wie das jetzt mit der Personaldiskussion in der CSU sei. Undsoweiterundsofort.

Logisch, dass Seehofer solche Fragen nicht wirklich mag. Mich würden die ebenfalls nerven. In Seehofers Lesart ist die Sache klar: Er rackert sich ab, wühlt, kämpft, reformiert, streitet sich mit dem Koalitionspartner und der Kanzlerin. Und die Herzen fliegen trotzdem dem anderen zu, dem Namenlosen, dem Oberfranken. Ihm rennen sie die Bude ein, in Fürth und sonst wo. Das muss ja schmerzen.

So wie es eigentlich schmerzen muss, wenn schon 46 Prozent die CSU in einen wahren Endorphin-Rausch stürzen. Das war mal anders. Ich kann nur einen Blick auf folgende Seite empfehlen: http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/bayern.htm, die relativiert so manches. Womit sich wieder mal die alte Weisheit bestätigt, dass Vertrauen schnell verspielt und nur langsam wieder zurück gewonnen wird.

Dabei weiß auch Seehofer ganz genau, wie wichtig Guttenberg für ihn derzeit ist. Die Union sei im Aufwind, hat er gesagt. In Baden-Württemberg, hat er den Journalisten vorgerechnet, komme Mappus auch schon auf 41 Prozent. Merken Sie was? 41 Prozent. Nicht 46 Prozent wie die CSU in Bayern. Weil die in Baden-Württemberg keinen Guttenberg haben. Der holt sogar noch fünf Prozent für die CSU, selbst wenn ihn keiner namentlich erwähnt. Auch eine Leistung.

Rauchen für die Wirtschaft!

Wunderbar! Ein Traum! Auf so etwas können doch nur Politiker kommen: Wir heben die Tabaksteuer an, damit die Konzerne nicht so viel Ökosteuer zahlen müssen. Ich finde das okay. Schließlich zahlen die Raucher ja schon für die Sicherheit. Schon vergessen? 2001? Richtig: Nach den Anschlägen in New York hat die Bundesregierung die Tabaksteuer angehoben, für ihr Sicherheitspaket.

Blöd nur, wie das jetzt in Bayern läuft. Schließlich haben wir hier, dank der CSU, „das bundesweit schärfste Nichtraucherschutzgesetz“. O-Ton Georg Schmid, Fraktionschef der CSU. Bevor Sie jetzt wieder auf die armen Bürger losgehen, die beim Volksentscheid sich gegen das Qualmen ausgesprochen haben – die haben nachvollzogen, was die CSU ihnen einst vorgegeben hat. Die Grünen und die ÖDP und all die anderen haben sich erst später auf das Thema geschmissen. Der Mensch vergisst ja schnell. Die Grünen zum Beispiel wollten anfangs, dass in und vor Jugendzentren weiter geraucht werden darf. Weil sonst die Sozialpädagogen an die Jugendlichen nciht mehr herankämen. Haben sie gesagt.

Und jetzt das.

Bayerns Wirtschaft wird leider untergehen. Weil hier kaum noch geraucht werden darf. Und entsprechend geringer muss doch dann die Entlastung bei der Ökosteuer ausfallen. Also, Leute, macht es wie der Typ auf dem Bild. Qualmt, was die Kiste hergibt. Die deutsche Wirtschaft wird es Euch danken.

Ach, noch eine kleine Bitte an die Raucher: Lasst den Quatsch mit dem Aufhören. Das haben Euch sogar die Grünen schon mal krumm genommen. Weil die Einnahmen dann plötzlich nicht mehr wie erwartet sprudeln. Und das will keiner, wo doch Rauchen neuerdings dem Allgemeinwohl dient.

Mei, der Edmund, gell? Wieder mal ein Zitat

Ja, da ging ein Raunen durch den Zuschauerraum. Eine knappe Stunde hatte Edmund Stoiber geredet. Und es war kein einziger Fehler dabei. Nicht ein Stolperer. Kein „ah, äh, also…“ Und dabei ging es doch um die Landesbank, dieses komplexe Ungeheuer. Oder doch zumindest diesen ungeheuer teuren Komplex.

Aber dann. Gerade, als wir uns sorgen wollten, war das Manuskript zu Ende, dass sie Stoiber mitgegeben hatten in einer gelben Klarsichtmappe. Dann musste er frei reden. Endlich. Und endlich kamen sie, die Jas und Ähs, die Sätze, deren Anfang so gar nichts mit dem Ende zu tun hatten. Sinnentleerte Gebilde, die wohl nur ihr Erfinder selbst verstehen konnte.

Und Beruhigung machte sich breit. Der Edmund, er ist eben doch noch der Alte. Und wie.

„Der Vater des Wunsches ist der Gedankengang.“ Hat er gesagt. Tatsächlich. Jetzt rätseln alle: Wer war die Mutter? Und wie geht es dem kleinen Gedankengang heute? Ist er schon groß, von derart philosophischer Qualität, wie sein Schöpfer Edmund ihm es mit in die Wiege gegeben hat? Und wie geht es dem Wunsch? Erfüllt? Oder doch nur wieder einer dieser vielen, sinnlos in die Sternschnuppe gemurmelten Wünsche, totgeweiht schon bei seiner bloßen Formulierung? Wer von uns erinnert sich schon an all die Wünsche, die er kurz als Gedankengang zwischen den Ohren bewegt und dann dem Universum anvertraut hat? Gut, dass die Sterne so geduldig sind. Wie heißt es doch so schön: „Vakuum, Vakuum. . . Ich hab’s im Kopf, aber ich komm nicht drauf.“

Geschafft, wieder mal.

Vorbei. Eine Stunde und vierzig Minuten liegen hinter mir. Eine Stunde vierzig, in der Horst Seehofer die Welt erklärt hat. Aus halb Deutschland sind sie angereist, mit Bussen, im Auto, im Zug. Nur für diese hundert Minuten. Das muss man schon mögen.

Jetzt ist es vorbei, für dieses Jahr. „Bayern und schwarz, Gott erhalt’s!“ hat Horst Seehofer am Ende noch recht krachern gereimt. Sei ihm gegönnt. „Ich so CSU und alle so YEAHH!“ stand auf einem Plakat an der Wand. Auch nicht viel sinniger. Wie aber will man auch einer Veranstaltung einen Sinn verpassen, die sich längst überlebt hat? Die doch nur noch davon lebt, dass das Fernsehen kommt? In der jeder Redner seine Botschaften auf die Kameras abstimmt und nicht so sehr auf sein Publikum in der Halle?

Die in Passau jedenfalls wollten nichts hören über die Landesbank, über die bäuerliche Landwirtschaft, Steuerreformen und sonstiges Politikgedöns. Und mussten es sich trotzdem anhören. Aber mein Mitleid bekommen sie nicht. Schließlich habe ich sie nicht hierhergezwungen.

Wenigstens räumt Seehofer mit ein paar alten Ritualen auf. Dem endlosen Beifall am Schluss zum Beispiel. Wiehatte Edmund Stoiber doch im Interview gesagt, vor diesem Aschermittwoch: Er habe stetes gewaltigen Applaus bekommen „zehn Minuten undlänger“. Seehofer at das Duell elegant umschifft. Kaum brandete der Beifall nach seiner Rede auf, ging er ans Mikro und bat um Ruhe. Damit dieser Wettkampf auch ein Ende finde.

Sie haben dann aber trotzdem weiter geklatscht und gesungen, von Seehofer dirigiert. Weil es doch „so schön, so schön“ gewesen ist in Passau. Na ja. Ich weiß jetzt schon: Sie werden nächstes Jahr wieder hier sein. Und ich auch. Weil das so Tradition ist. Irgendwie. Und wer will sich schon einer Tradition verweigern?

Hoppla, die CSU mag Asylbewerber!

Manchmal bekomme ich doch erstaunliche Dinge auf den Tisch. Die CSU und die Asylbewerber, eine endlose Geschichte mit immer gleichen Positionen. Wir kennen das. Asylbewerber dürfen sich hier nicht allzu wohl fühlen; alles, was ihnen die Heimreise erleichtert, ist gut. Und wenn es Sammelunterkünfte und Essenspakete sind. So war das jedenfalls bisher.

Und jetzt das. Da bekomme ich doch tatsächlich folgende Einladung, die eine radikale Kehrtwende signalisiert. Achtung:

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Bayerisches Staatsministerium des Innern
Pressestelle
Newsletter: StMI-Sofort
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Zukunft der Unterbringung von Asylbewerbern – Einladung zur PK (PM 49/10 vom 17.02.10)

Pressekonferenz zur Zukunft der Unterbringung von Asylbewerbern
Das Bayerische Staatsministerium des Innern erinnert freundlich an folgenden Termin:

Die Aufenthaltsdauer von Asylbewerbern in Gemeinschaftsunterkünften muss sich verkürzen – CSU mit neuem Positionspapier für eine Verbesserung der Unterbringungssituation

„Die Aufnahme von Asylbewerbern ist für Bayern ein humanitäres Gebot. Insbesondere vor der außerordentlich schwierigen Lebenssituation in den Herkunftsländern dürfen wir die Augen nicht verschließen und müssen ihnen deswegen hier eine adäquate Wohnsituation schaffen. Der Hungerstreik der Asylbewerber in den beiden niederbayerischen Gemeinschaftsunterkünften Hauzenberg und Breitenberg hat gezeigt, dass wir unsere grundsätzliche Position nochmals überdenken müssen. Es ist ein Gebot christlicher Nächstenliebe, auf die Forderungen der Streikenden einzugehen.“, sagte Innenminister Herrmann in Bezug auf die wachsenden Proteste von Asylbewerbern in Bayern.

Das Positionspapier der CSU zur Asylpolitik in Bayern, das die Fraktion im Landtag am 26.01.2010 veröffentlichte, wird daher derzeit überarbeitet: „Wir werden uns für eine grundsätzliche Beschränkung der Aufenthaltsdauer in Gemeinschaftsunterkünften von einem Jahr einsetzen. Ich bin mir sicher, dass dies den Menschen hilft, sich schnell und nachhaltig in ihrer neuen Heimat einzuleben. Da sich das System der dezentralen Unterbringung bei den christlichen irakischen Flüchtlingen in München bewährt hat, ist die CSU nun bereit, Änderungsmaßnahmen einzuleiten.“, so Herrmann.

Das neue Positionspapier wird Ende dieser Woche vorgelegt. Herrmann: „Neben der Verkürzung der Aufenthaltsdauer von Asylbewerbern in Gemeinschaftsunterkünften beinhaltet das Positionspapier die Einführung von Wertgutscheinen statt Essenspaketen und die generelle Ausweitung der Residenzpflicht auf den Freistaat Bayern.“

Die Pressekonferenz findet statt am

Freitag, den 19. Februar 2010 um 11.00 Uhr
im Sitzungssaal 111 des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, Odeonsplatz 3 in München.

Berichterstatter und Bildberichterstatter sind zu diesem Termin herzlich eingeladen.

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Pressesprecher: Oliver Platzer
Telefon: (089) 2192 -2114
Telefax: (089) 2192 -12721
E-Mail:  presse@stmi.bayern.de
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Zum Abbestellen der Liste benutzen Sie bitte das Formular unter:
http://www.stmi.bayern.de/presse/newsletter/

Wow. Alles neu macht der Februar.

War aber, wie Horst Seehofer gerne sagt, nur Spaß. Oder ein übler Scherz. Da hat sich wohl einer auf Kosten der CSU lustig gemacht. Denn gleich danach kam folgende Mail. Achtung:

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Bayerisches Staatsministerium des Innern
Pressestelle
Newsletter: StMI-Sofort
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Gefälschte PM zum Thema Asylbewerber (PM 49/10 vom 17.02.10)

Angebliche Einladung zur Pressekonferenz am
19. Februar 2010 ist Fälschung

Bei der angeblichen Einladung zu einer Pressekonferenz des Innenministeriums zum Thema „Zukunft der Unterbringung von Asylbewerbern“ für Freitag, den 19. Februar 2010 handelt es sich um eine

F Ä L S C H U N G!

Es findet weder eine Pressekonferenz statt noch hat sich die Haltung von Innenminister Joachim Herrmann zu dem Thema geändert.

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Pressesprecher: Oliver Platzer
Telefon: (089) 2192 -2114
Telefax: (089) 2192 -12721
E-Mail:  presse@stmi.bayern.de
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Respekt. Wir hätten es fast nicht gemerkt. War aber auch dermaßen überzeugend, wie Herrmann da argumentiert hat, der falsche Herrmann. Äh, logisch. Auch das „war nur Spaß.“

Passau hilft den Steuersündern

Ich bin gerade in Passau, politischer Aschermittwoch und so. Der Ort, an dem die CSU gottgleich die Menschen mehrt. Wir haben gezählt: 329 Biertische stehen in der Halle. An jeden passen gut geschätzt zehn Menschen. Und dann ist es schon eng. Macht 3290 Gäste. Trotzdem behaupten die Schwarzen mit schöner Regelmäßigkeit, mehr als 6000 seien in die Halle gekommen und wollten Horst Seehofer lauschen.

Ehrlich, wäre ich Künstler, ich hätte die Stadt längst verklagt. Weil die sonst nämlich nur 3000 Menschen in die Halle lässt. Zahlende Gäste. Aus feuerschutzpolizeilichen Gründen. Oder so. Aber so sind die Rituale.

Und zu den Ritualen gehört, dass die lokalen Größen reden dürfen. Manfred Weber zum Beispiel, der niederbayerische Bezirkschef. Oder Konrad Kobler, Bundestagsabgeordneter der CSU.

Kobler hat eine insgesamt wenig beachtete Rede gehalten. Ein paar haben sogar gepfiffen, weil sie ihnen zu lang erschien. Und so haben sie den wichtigsten Satz überhört, das Signal an halb Deutschland.

Hier sei „der Gesundheitsstandort Passau“, hat Kobler gesagt, „wo sich die Gäste rehabilitieren können.“ Recht hat er, der Kobler. Schließlich ist Österreich gleich um die Ecke mit seinen deutschen Schwarzgeldkonten, und nur weil bislang lediglich die Schweizer Banker herausgefunden haben, wie sich CDs brennen lassen, bedeutet das noch lange nicht, dass dies den Österreichern auf ewig verborgen bleibt. Das muss einen doch nervös machen. Und wer nervös ist, der neigt zu Magengeschwüren, zu Herz-Kreislauf-Problemen. Zum Kranksein.

Ich finde das gut, dass sich endlich mal jemand um diese geschundenen Kreaturen kümmert, um die, die ihr Geld mühevoll ins Ausland gebracht haben und jetzt darum fürchten. Allein, wenn ich mir vorstelle, welche Ängste sie zurzeit durchstehen. Diese Selbstzweifel. „Bin ich auf der CD und wenn ja, auf welcher? Es sind ja so verdammt viele im Umlauf. Warum war ich nur so blöd und habe das getan? Oder war ich doch kleverer als alle anderen? Wenn ich es doch nur wüsste.“ So oder so ähnlich quälen sie sich durch die Tage, ihre Nerven liegen in Fetzen. Und an Schlaf können sie nicht einmal mehr denken.

Leute, Euch kann geholfen werden. Fahrt nach Passau, lasst Euch rehabilitieren. Und wenn das nicht reicht, dann regeneriert noch ein wenig. Die CSU hilft Euch dabei. Und schön macht es außerdem. Nur, leider, ein wenig ärmer. Aber der Staat, der dankt Euch das. Versprochen.

Was darf ein MP a.D. kosten?

Was muss der arme Mensch für eine Angst haben. Weniger vor dem gemeinen Volk. Mehr vor der Prominenz dieses Landes. Anders lässt sich kaum erklären, dass seine Leibwächter ihn vom Tisch zur Tanzfläche und wieder zurück begleiten mussten. So ist es geschehen auf dem Münchner Filmball.

Nein, die Rede ist hier nicht von Bill Gates oder George Clooney oder Barack Obama. Bei ihnen hätte ich das noch nachvollziehen können. Weil Gates sich vor entnervten W indows-Usern schützen muss, Clooney vor all seinen Fans und Obama vor wem auch immer (Vielleicht vor Al Qaida? Den Republikanern? Guido Westerwelle?).

Es geht um Edmund Stoiber. Sie erinnern sich vielleicht noch an ihn. Er war mal Ministerpräsident von Bayern, so vor gut zweieinviertel Jahren, hat die CSU an den Abgrund geführt, bis ihn seine eigene Partei vor die Tür setzte. Schuldig allerdings fühlt er sich bis heute nicht.

Stoiber jedenfalsl besteht auf Personenschutz. Überall. Selbst auf dem Filmball. Mehrere LKA-Beamte (die genaue Zahl ist, logisch, ein Geheimnis) sind stets an seiner Seite. Wie auch beim Filmball. Wobei sich die Bedrohung mir nicht recht erschließen mag. Nirgendwo. Und schon gar nicht beim Filmball.

Selbst Theo Waigel hatte als Finanzminister im Ruhestand weniger Schutz nötig – und wer mag schon Finanzminister? Aber Stoiber stehen die Wachen zu, außer, er verzichtet freiwillig darauf. So wie einst Günther Beckstein. Der fuhr sogar als hoch gefährdeter Innenminister nachts gerne mal mit der U-Bahn, schickte LKA und Fahrer nach Hause und gab sich als das, was er immer geblieben ist: als ganz normaler Mensch.

Stoiber ist da anders. Ganz anders. Leibwächter machen einfach etwas her. Und während Beckstein, inzwischen wie Stoiber ein ehemaliger Ministerpäsident, bescheiden ein kleines Büro in der Dependance der Staatskanzlei bezogen hat, residiert der Oberbayer seit zwei Jahren in einem mehr als komfortablen Komplex mitten in München. 13 Zimmer hat sein Büro; Fahrer stehen Stoiber zur Verfügung, Sekretärinnen, Mitarbeiter, und einen eigenen Pressesprecher hat er auch immer noch. Weil, sagen die in der CSU, er schließlich in Brüssel die Bürokratie entbürokratisiert. Und dafür brauche er schon eine gewisse Ausstattung, auch als ehemaliger MP stehe ihm das zu.

Stimmt schon. Ex-MPs haben Verpflichtungen, bekommen Briefe, sollen irgendwo reden. Aber gleich ein solcher Luxus? Und was das kostet. Mehr als 400 000 Euro. Pro Jahr. Nur für Stoiber. Und ohne LKA-Beamte. Die kommen noch oben drauf. Und seine Rente auch noch. Die ist da ebenfalls nicht eingerechnet.

Ehrlich, das halte ich für übertrieben. Schon in wirtschaftlich guten Zeiten wirkt das einigermaßen maßlos. Aber jetzt, da die Kassen leer sind (und nur mal so als Frage: Welche Rolle hat Stoiber dabei gespielt, bei der Landesbank, beim Verkaufen des Tafelsilbers?), da stinkt das doch gewaltig. Darüber sollte Stoiber mal nachdenken. Und dann vrzichten. Als Geste sozusagen. Als Zeichen, dass ihm das Wohl des Landes am Herzen liegt. Wäre eine Nummer. Wird nur nicht passieren.