Fuchs, du alter Städter!

Wir kennen das alle. Es klingelt an der Tür; Besuch ist da, mal angekündigt, mal überraschend, mal willkommen, mal eher nicht. Doch das, was eine 75jährige dieser Tage in Icking nahe München erlebte, geht einigermaßen darüber hinaus.
Die Frau war auf ihrem Sofa eingenickt, als sie plötzlich etwas Haariges an ihrer Hand spürte. Sie zuckte erschrocken zurück – und schrie auf vor Schmerzen. Ein Fuchs hatte sie in die Hand gebissen, vermutlich seinerseits erschreckt vom Zucken der Hand.
Das Tier, so mutmaßen Veterinäre, sei aus Neugier durch die offene Terrassentür in das Haus spaziert. Tollwut vermuten sie bei ihm nicht. Die tödliche Krankheit gilt in Deutschland seit 2008 als ausgerottet.
Glück für die Frau. Und Glück für den Fuchs. Der suchte schnell das Weite. Dass ihm die Jäger nun nachstellen, muss er eher nicht befürchten.
Wobei – er lebt auf dem Land, wenn auch nahe an der Stadt. Dort ist das Leben für einen Fuchs von gelegentlich gefährlicher Natur. Er kann auf der Straße unter die Räder kommen. Er kann doch noch einem Jäger vor die Flinte laufen. Er kann auf vielerlei Art sein rothaariges Leben verlieren.
Das macht einsam. So um die vier Füchse teilen sich einen Quadratkilometer flachen Landes. Viel Raum für die Vierbeiner. Eigentlich geht es ihnen wie den Menschen. Draußen haben sie Platz. In der Stadt dagegen drängen sie sich.
München, so schätzen die Fachleute, beherbergt um die 4000 Füchse. Bis zu 15 der Tiere drängen sich hier auf einem Quadratkilometer. Nur zum Vergleich: Dackel, das inoffizielle Wappentier der Münchener, leben nur noch 700 in der Stadt.
Die Natur, so viel ist sicher, holt sich die Städte zurück. In Berlin sind es die Wildschweine, auf den Friedhöfen die Rehe, in den parks die Karnickel und in den Parkhäusern die Marder. An der Isar hinter dem Deutschen Museum lebt seit Jahren eine Biberfamilie. Und dass die Wildgänse die Wiesen rund um die Seen im Stadtgebiet regelrecht zu-, äh, -dingsen, nervt die Münchener schon lange.
Die Tier haben ihre Scheu vor den Menschen verloren. Sie streunen durch die Gärten, landen in den Zierteichen. Es kann einem gut passieren, dass nachts der Fuchs durch die Verandatür blickt. Sie alle finden in der Stadt, was ihnen auf dem Land fehlt: Fressen im Überfluss dank der stets gut gefüllten Mülltonnen, ruhige Plätzchen und, vor allem, keine Feinde.
Der Ickinger Fuchs wird folglich nicht der Letzte gewesen sein, der sich ins Haus vorgewagt hat. Und die Fachleute sehen sich schon genötigt, an eine simple Tatsache zu erinnern: „Nicht jagen, nicht füttern nicht streicheln.“ Denn auch in der Stadt bleiben die Viecher, was sie draußen schon immer waren: wilde Tiere.

1 Kommentar in “Fuchs, du alter Städter!

  1. Die Natur holt sich sowieso alles zurück. Da sind wir Menschen machtlos. Wir haben das nur noch nicht richtig verstanden. Aber coole Story!

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